Die Honigbiene: Maßnahmenbündel Vitalzucht

Mit Sonderteil: Klotzbeutenimkerei; Umgekehrte Verdrängungszucht der Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera)


Fachbuch, 2016
62 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anstelle eines Vorwortes

Einleitung

Herkunft
Basis

Basiszucht
Überlebensselektion
Genetische Variabilität
Ablauf der Umstellung
Rotationsbetrieb
Zuchtauswahl
Varroabekämpfung
Linienzucht von Biene, Varroa, Keimen
Inzucht:

Aufstellung
Standort
Trachtwanderungen
Bienendichte

Betriebsweise
Kleine Bienen
Wabenanordnung
Drohnen und Drohnenbau
Mittelwände
Wabenrotation
Brutpausen und Kleinvolkphasen
Waben- und Volkshygiene
Kleine Wintervölker
Königinnenzucht

Fütterung und Tränken

Nachwort

Umgekehrte Verdrängungszucht

Klotzbeuten - Betriebsweise
Eines vorweg
Vergleich der Honigausbeute
Die richtige Biene
Die Art der Klotzbeute
Der richtige Aufstellort
Betriebsweise

Anstelle eines Vorwortes

„Willst Du weniger Arbeit und mehr Gewinn, halte nur wenige Völker, aber Ausschau nach einem gut bezahlten bequemen Job“

„Ein vitaler Bienenbestand kompensiert labile Einkreuzungen ohne massive Verluste“

„Willst Du mehr Honig, brauchst Du mehr Völker.“

„Völkersterben = Varroa + x, aufgrund hochgezüchteter Biene und unnatürlicher Betriebsweise“

Einleitung

Eines ist gewiss: Weder Politik, Forschung noch die Imkerverbände oder aber Berufsimker werden das Dilemma des Vitalitätsverlustes der Honigbiene auflösen, weil sie zwangsläufig eigenen Interessenlagen folgen. Interessenlagen, die sich sehr oft an Mehrheiten oder betriebswirtschaftlichen Erwägungen orientieren.

Beides hat dazu geführt, dass es keinen ernst zu nehmenden wilden Honigbienenbestand in Mitteleuropa mehr gibt. Mit der weiteren Folge, dass die Honigbiene absolut abhängig vom Menschen geworden und in Freiheit kaum mehr langfristig überlebensfähig ist.

Damit wirken sich Fehler des Menschen nunmehr absolut populationsprägend aus, was im Schadensfalle generell mit dem Wort „Bienensterben“ bezeichnet wird.

Ein weiteres Problem nicht nur unserer Zeit und der Imkerschaft sind Brandmarkungen Andersdenkender, Anprangerungen Andershandelnder und Lächerlichmachungen bis hin zu handfester Anfeindungen derjenigen, die für Ihre Meinung einstehen.

Das hat nicht nur in der Imkerei dazu geführt, dass diejenigen Imker, die nach pragmatischen Selbstversuchen, meist unter erheblichen Kosten und Mühen seit Jahren erfolgreich ohne „Milbenzählen“, Säurebehandlungen und Bienenmedikamente auskommen, ihr Wissen, wenn überhaupt, nur hinter vorgehaltener Hand und unvollständig weitergeben.

Aber eines ist klar geworden: Es gibt kein Allheilmittel gegen Bienensterben und Völkerverluste.

Meistens sind es nämlich die Betriebsweise des Imkers und seine eigenen Zuchtziele, die über die Vitalität seiner Völker entscheiden. Nur selten haben eine bestimmte Bienenherkunft, Bienenrasse, imkerliche Nachbarschaft oder aber das verwendete Beuten- und Wabensystem entscheidenden Einfluss. Es ist nämlich machbar auch ohne exotische Betriebsweisen mit beinahe jeder Biene und jedem Beuten- / Wabensystem den eigenen Bienenbestand zu vitalisieren … wenn man bereit ist betriebswirtschaftliche Interessen (vorerst) ein wenig in den Hintergrund zu stellen, der weiteren Evolution der Honigbiene auf die Sprünge zu helfen und diese wieder mehr geschehen zu lassen.

Denn auch jüngere wissenschaftliche Versuche haben gezeigt, dass jedenfalls 20 % der Völker (-linien?) selbst mit der Varroa leben können, wenn man diese nicht wie eine Hochleistungsmilchkuh führt, quält und ausbeutet.

Aber selbst die wie eine Hochleistungsmilchkuh geführte afrikanisierte Biene („Killerbiene“) kann gut mit der Varroa leben, nicht etwa wegen ihres Temperaments, sondern weil andere Manipulationen unterbleiben.

Nicht unterschlagen werden soll hier natürlich, dass auch das gegenseitige Putzen derzeit als wichtiger Faktor angesehen wird, der dazu führt, dass die afrikanisierten Honigbienen keine Probleme mit der Varroamilbe haben. Im Grunde genommen haben dieses Putzverhalten auch viele europäische Honigbienenherkünfte, wenn man es nicht mit Hauptzuchtzielen auf anderen Eigenschaften versehentlich, unwissentlich oder gar sehenden Auges wegselektiert.

Die Vitalisierung des eigenen Bienenbestandes ist eine Aufgabe, die sich nicht in einer einzigen Bienensaison bewerkstelligen lässt. Denn Anpassung braucht Zeit; Geduld zahlt sich aber aus.

Bereits im zweiten oder dritten Jahr der Umstellung lassen sich deutliche Fortschritte erkennen. In drei bis fünf Jahren kann man es soweit schaffen, dass der eigene Bestand als „vital“ eingestuft werden kann. In weiteren drei bis fünf Jahren kann man davon ausgehen, über einen vitalen Bienenbestand zu verfügen, wobei sich die einzelnen Merkmale der Völker immer mehr annähern werden.

Dann kann man auch wieder etwas mehr an betriebswirtschaftliche Erwägungen denken. Im Einzelnen:

Herkunft

Basis

Die Basis der Ausgangsvölker sind mehrere verschiedene einander völlig fremde Linien: genetische Vielfalt aus verschiedenen regional bewährten (verkreuzten) Landbienenherkünften; aus langjähriger Standbegattung, unabhängig von Leistung, Verhalten, Aussehen, Rasse, Brutlust, Volksstärken etc.

- Optimal, aber nicht zwangsläufig nötig, wären Herkünfte die langjährig ohne Varroa – Behandlungen geführt wurden
- Von Völkern, die, unabhängig von der Rasse, auf den ersten Blick optisch homogen aussehen, z.B. einheitlich grau ohne orangberingte „Ausreißer“ bei der Carnica, sollte eher Abstand genommen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Ab ca. 10 Ausgangsvölkern und zwei bis drei verschiedenen Herkünften kann mit brauchbaren Resultaten gerechnet werden
- Stehen keine 10 eigenen Völker zur Verfügung ist es auch möglich durch Vernetzung und Mitmachen möglichst vieler unmittelbar benachbarter Imker einen zu vitalisierenden Völkerpool in einem bestimmten Gebiet flächendeckend zu schaffen.

Basiszucht

Ziel ist die Züchtung einer vitalen Biene in einer ganzen Region: Die wichtigste Grundaussage!

- Überlebensselektion

Überlebensselektion ist (wieder) zulassen, ähnlich wie es der von Zeidlern genutzten Europäischen Honigbiene in der Primorski-Ural-Region, armen Imkern in Osteuropa, oder aber der afrikanisierten Honigbiene Mittelamerikas („Killerbiene“) widerfahren ist, wo schon immer Kontakt zur ostasiatischen Varroa-Milbe bestand; auch wenn diese Bienen – mit Ausnahme der hohen Honigleistung der afrikanisierten Honigbiene - zum Leidwesen der Erwerbsimker nicht an die Honigleistung und sonstigen Bewertungsmaßstäbe mitteleuropäischer Imker-Bienen herankommen.

- Genetische Variabilität

Auch genetische Variabilität ist (wieder) zuzulassen: Bei der Standbegattung nimmt die Königin das Sperma verschiedener begattenden Drohnen auf. Dadurch finden sich während des Jahres unterschiedliche Töchtern der jeweiligen Drohnen in unterschiedlichen Anteilen. Solche optisch oder aber auch nur genetisch „kunterbunten“ Völker mit verschiedenen Vaterlinien zählen zu den vitalsten und darüber hinaus auch zu den produktivsten.

- Ablauf der Umstellung, ein Beispiel:

Nicht mit totaler Überlebensselektion starten! Es geht darum robuste Linien ausfindig zu machen, ohne gleich einen Totalverlust zu erleiden. Diese robusten Linien sollen ihre (Teil-)Vitalität immer mehr verbessert weitergeben. Deshalb wird anfangs noch immer gegen Varroa behandelt, indes immer mehr reduzierend.

- Jahr 1: mit überlebenden Völkern starten und die Völker vielfach vermehren und mit um 1/3 verringerten bewährten „Varroa-Behandlungen“ einwintern. So kann man statt drei Säurebehandlungen nur zwei durchführen (Die Mortalität steigt erheblich: Mortalität voraussichtlich bis zu 50 %)
- Jahr 2: Überlebende Völker wieder vielfach vermehren, 20 Tage sommerliche Brutpause der Muttervölker und alle bei weiter reduzierter bewährter Varroa - Behandlung einwintern. (Mortalität voraussichtlich 50 %)
- Jahr 3: Überlebende Völker wieder vielfach vermehren, 20 Tage sommerliche Brutpause und mit nur minimaler bewährter Behandlung einwintern, z.B. nur 1 x Ameisensäure 85 %, als letzte Wabe pro Zarge, Zeitraum: 1. Septemberwoche (in Mitteldeutschland), Menge: ½ Nassenheider Verdunster = ca. 100 ml. (Überlebensrate pegelt sich voraussichtlich bei 50 - 70 % ein)
- dann Varroa-Behandlungen ganz einstellen, aber 20 Tage sommerliche Brutpause einhalten und Verluste, die wichtig für die Vitalität des Hauptbestandes sind, bewusst einplanen!

Merke:

Ohne Bienen aus Überlebensselektion keine vitale Biene! Das ist unabhängig davon, ob die Biene durch andere biologische, wissenschaftliche oder züchterische Verfahren manipuliert wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Achtung! Während der Überlebensselektion (innerhalb der ersten drei bis fünf Jahre) passiert es recht regelmäßig, dass der gesamte Bienenbestand um bis zu 75 % zusammenbricht. Die Ursachen sind vielfältig und sollen hier nicht weiter vertieft werden. Dieser Kollaps muss unbedingt ohne Gegenmaßnahmen hingenommen werden.

Die überlebenden Völker nach einem solchen Zusammenbruch sind die wichtigste Zuchtbasis!

- Rotationsbetrieb

Je Volk und Jahr mindestens ein Ableger, bevorzugt Schwarmbetrieb oder (Kunst-) Schwarm. Vermehrung bedeutet „Entseuchung“!

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Vermehrung

Die Vermehrung sollte nur aus Standbegattung und Schwarmtrieb heraus erfolgen (Schwarm, Kunstschwarm, Königinnenableger, notfalls Brutableger mit Schwarmzellen); nicht aus Nachschaffungstrieb heraus oder mittels künstlicher Besamung oder Belegstellen. Während des Schwarmtriebes (in Mitteldeutschland nach der zweiten Tracht – die Robinie) alle Weiselzellen zerstören oder entnehmen, Königinnenableger machen (oder schwärmen lassen) und im Muttervolk ab diesem Zeitpunkt eine neue Königin nachziehen lassen. Hierdurch entsteht eine natürliche Brutpause.

[...]

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Die Honigbiene: Maßnahmenbündel Vitalzucht
Untertitel
Mit Sonderteil: Klotzbeutenimkerei; Umgekehrte Verdrängungszucht der Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera)
Veranstaltung
Imkerei
Autor
Jahr
2016
Seiten
62
Katalognummer
V209031
ISBN (eBook)
9783656370727
ISBN (Buch)
9783656370956
Dateigröße
12273 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ratgeber zum Imkern ohne Varroabehandlungen, auch zu Klotzbeuten und Dunkler Biene "Es ist nämlich machbar auch ohne exotische Betriebsweisen mit beinahe jeder Biene und jedem Beuten- / Wabensystem den eigenen Bienenbestand zu vitalisieren … wenn man bereit ist betriebswirtschaftliche Interessen (vorerst) ein wenig in den Hintergrund zu stellen..."
Schlagworte
Varroa, Klotzbeute, Biene, mellifera mellifera, Dunkle Biene, varroabehandlung
Arbeit zitieren
Steffen Hanniske (Autor), 2016, Die Honigbiene: Maßnahmenbündel Vitalzucht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209031

Kommentare

  • Gast am 17.11.2018

    Dieses Buch ist schnell gelesen. Es handelt sich hierbei um eine Auflistung von Maßnahmen, die man auch nach Recherche im Internet findet bzw. die einem bereits bekannt sind, wenn man sich mit dem Thema intensiv beschäftigt hat. Für Interessierte ohne Vorkenntnisse kann ich es empfehlen. Was mich gestört hat ist allerdings der Schreibstil. Manche Sätze musste ich zweimal lesen um sie zu verstehen.

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