Zensur im Internet. Methoden und Umgehungsmöglichkeiten


Seminararbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsherleitung

3. Der weltweite Status Quo
3.1. Weltweite Internetpenetration
3.2. Weltweite staatliche Internetzensur
3.3. Beispiele nichtstaatlicher Internetzensur

4. Nichttechnische Verfahren
4.1. Beeinflussung der Umweltbedingungen
4.2. Kooperation mit Internet Service Providern

5. Technische Verfahren
5.1. Funktionsweise des World Wide Webs
5.2. DNS-Tampering
5.3. IP-Blocking
5.4. Filtering
5.5. Traffic-Shaping

6. Gegenmaßnahmen
6.1. DNS-Tampering
6.2. IP-Blocking
6.3. Filtering
6.4. Traffic-Shaping

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung [1] Internet World Stats (2012a): Internet Users in the World by Geographic Regions - 2011, http://www.internetworldstats.com/stats.htm [Zugriff am 13.10.2012].

Abbildung [2] Internet World Stats (2012b): World Internet Penetration Rates by Geographic Regions - 2011, http://www.internetworldstats.com/stats.htm [Zugriff am 13.10.2012].

Abbildung [3] REPORTERS WITHOUT BORDERS (2012): INTERNET ENEMIES REPORT 2012, http://en.rsf.org/IMG/pdf/rapport-internet2012_ang.pdf [Zugriff am 01.10.2012].

Abbildung [4] Jason, Q.NG. (2012): How China gets the Internet to censor itself, http://wagingnonviolence.org/2012/03/how-china-gets-the-internet-to-censor-itself/ [Zugriff am 13.10.2012].

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Zensur ist seit Jahrhunderten ein Mittel Informationen zu kontrollieren, indem unerwünschte Inhalte unterdrückt oder Meinungsäußerungen im Sinne der Zensoren positiv beeinflusst werden.[1] Ihre Ausprägungen und Methoden können vielfältig sein. Die zunehmende Verbreitung des Internets (Interconnected Network) stellt die Zensoren vor neue Herausforderungen, da das Internet als ein nur schwer zu kontrollierendes Kommunikationsmedium gilt, wie unter anderem der arabische Frühling gezeigt hat.[2]

Diese Seminararbeit verfolgt das Ziel technische und nichttechnische Verfahren zu beschreiben, welche staatlichen und nichtstaatlichen Zensoren zur Verfügung stehen, um das Internet gemäß ihrer Vorstellungen zu beeinflussen. Aufbauend auf den vorgestellten technischen Verfahren der Internetzensur wird erläutert auf welche Art und Weise sich diese umgehen lassen. Somit stellt diese Seminararbeit einen Katalog für Zensierte bereit sich gegen technisch unterstützte Internetzensur zu schützen.

Daher ist der Aufbau dieser Seminararbeit wie folgt:

Kapitel 2 leitet den Begriff Internetzensur ab, indem es die Begriffe Internet und Zensur konkretisiert. Auf Grundlage dieser Definitionen wird der zusammengesetzte Begriff Internetzensur näher erläutert.

Kapitel 3 zeichnet ein aktuelles Bild über den Grad der internationalen Internetnutzung, um die Relevanz einer möglichen Zensur des Internets zu verdeutlichen. Im Anschluss werden aktuelle Entwicklungen und eine Klassifikationsmöglichkeit bezüglich der weltweiten Verbreitung von Internetzensur erläutert. Abschließend werden zwei Beispiele nichtstaatlicher Internetzensur aufgezeigt.

Kapitel 4 beschreibt nichttechnische Verfahren der Internetzensur. Diese sind insbesondere durch eine Selbstzensur von Internetnutzern und Internet Service Providern charakterisiert.

Kapitel 5 stellt die technischen Verfahren vor, die von Zensoren des Internets benutzt werden. Bevor die technischen Verfahren vorgestellt werden, wird die Funktionsweise des WWW (World Wide Web) kurz erläutert, da die Funktionsweise des WWWs essenziel für das Verständnis der technischen Zensurverfahren ist.

Kapitel 6 befasst sich mit den Umgehungsmöglichkeiten der technischen Internetzensur.

Kapitel 7 fasst die Ergebnisse der Kapitel 2 bis 6 zusammen.

2. Begriffsherleitung

Der Begriff Internetzensur setzt sich aus den Begriffen Internet und Zensur zusammen.

Unter Internet versteht man ein dezentral organisiertes Rechnernetz, welches eine Kommunikations- und Informationsinfrastruktur bereitstellt. Der Datenaustausch erfolgt über verschiedene Protokolle wie z.B. das TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol). Via Internet lassen sich verschiedene Dienste, wie das WWW, in Anspruch nehmen.[3]

Zensur bezeichnet hingegen die Einschränkung der Medien- und Pressefreiheit. Wird von einer Zensur in dieser Seminararbeit gesprochen, ist demnach nicht von der Benotung einer schulischen oder akademischen Leistung die Rede. Der Begriff stammt von den römischen Censores, die im 4. Jahrhundert v. Chr. für den Census (dt. Vermögensschätzung) zuständig waren und eine Art Verzeichnis über römische Bürger anfertigten. Über die Zeit entwickelte sich eine Art Sittengerichtsbarkeit, die die Censores bevollmächtigte moralisch bedenkliches zu verbannen. Der Dichter Ovid sei hier als bekanntestes Beispiel für eine Zensur zu nennen. Sein pornografisches Werk Ars Amatoria (dt. Liebeskunst) wurde zensiert und er vom damaligen Kaiser Augustus in das Exil geschickt. Der Grund, nämlich die Anschuldigung der Pornografie, ist heute immer noch ein häufiger Rechtfertigungsgrund zur Zensur bzw. Bewahrung der Sitten.[4]

Folglich wird unter Internetzensur, in dieser Seminararbeit, die Kontrolle und Steuerung von Netzinhalten verstanden.[5] Die Bewegründe für Zensur können politisch motiviert sein, um ggf. missfallende Meinungen oder Äußerungen zu unterdrücken. Ferner wird über Propaganda versucht Netzinhalte positiv für eine bestimmte Interessensgruppe zu gestalten. Es werden aber auch häufig soziale Gründe angeführt, um beispielsweise Nutzer vor einer Suchtgefahr oder sittenwidrigen Inhalten zu schützen. Letztlich gibt es noch sicherheitstechnische Gründe, um Inhalte zu unterdrücken, die unter anderem die nationale Sicherheit gefährden könnten.[6] Als Zensoren treten sowohl Einzelpersonen, Staaten als auch andere Organisationen wie Unternehmen auf. Die Grenzen zwischen diesen Gruppen sind aber fließend.[7] Die Instrumente, die Zensoren zur Steuerung und Kontrolle von Netzinhalten nutzen, unterscheiden sich nach den Einsatz von Hilfsmitteln in nichttechnische und technische Verfahren sowie der Unterscheidung nach dem Zeitpunkt des Eingreifens in proaktive bzw. präventive Maßnahmen, wenn Netzinhalte noch nicht bestehen, und reaktive Maßnahmen, wenn ungewünschte Netzinhalte bereits vorhanden sind.[8]

3. Der weltweite Status Quo

3.1. Weltweite Internetpenetration

Wie Abbildung [1] zeigt kommt der mit Abstand größte Teil aller Internetnutzer mit etwa 1 Mrd. Nutzer aus Asien. Europa hat hingegen nur ein halb so viele und Nordamerika etwa ein Viertel so viele Internetnutzer wie Asien. Demgegenüber ist die Anzahl von Nutzern des Internets von Afrika, dem mittleren Osten und Ozeanien / Australien mit etwa 140 Mio., 77 Mio. und 24 Mio. Nutzern vergleichsweise gering.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung [1] Internet World Stats (2012a)

Vergleicht man diese Zahlen mit dem Anteil der Bevölkerung in Abbildung [2], die über Internet verfügen, ergibt sich ein anderes Bild. Nordamerika hat den höchsten Bevölkerungsanteil (ca. 79%) mit Internetzugang; gefolgt von Ozeanien / Australien (ca. 68%) und Europa (ca. 61%). Asien hat lediglich mit einer Penetrationsrate von ca. 26% eine Rate, die unter dem Weltdurchschnitt (ca. 33%) liegt.

Obwohl mehr als eine Milliarde Internetnutzer aus Asien kommen, hat nur jeder vierte Zugang zum Internet. Die hohe Anzahl an Nutzern macht es für Zensoren schwieriger Netzinhalte zu kontrollieren. Da die Penetrationsrate aber eher gering ist, ist der Einfluss des Internets auf die Bevölkerung in Asien nicht so hoch wie in Nordamerika oder Europa. Demnach wäre der Einfluss von Internetzensur vergleichsweise gering.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung [2] Internet World Stats (2012b)

3.2. Weltweite staatliche Internetzensur

Die Organisation Reporter ohne Grenzen veröffentlicht jährlich einen Bericht, der Länder nach ihren Gefährdungsgrad für ein freies Internet einordnet. Hierzu werden Länder in 3 Unterschiedliche Kategorien eingeteilt:

- Länder, die derzeitig keine Gefahr darstellen(Grau)
- Länder, die unter Beobachtung stehen und eine potenzielle Gefahr darstellen (Rot)
- Feinde des Internets (Schwarz)[9]

Auffällig ist, dass insbesondere Länder in Asien und dem mittlere Osten sowie Nord-Afrikas, trotz der geringen Internetpenetrationsrate, von Reporter ohne Grenzen als gefährlich eingestuft werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung [3] REPORTERS WITHOUT BORDERS (2012)

Die aktuelle Entwicklung wird insbesondere von drei Faktoren beeinflusst. Insbesondere der Ausbruch des arabischen Frühlings verschlechterte die Situation in bereits autoritär geführten Regimen, da diese Ansteckungseffekte für ihre Bevölkerung befürchten. Infolgedessen wurden zunehmend soziale Netzwerke aber auch Microblogs stärker kontrolliert, da diese als Auslöser bzw. Grund für die schnelle Verbreitung der Proteste gelten. Auch demokratische Staaten sind stärker in den Fokus von Reporter ohne Grenzen gelangt. Diese versuchen unter anderem das Urheberrecht im Internet besser zu schützen, indem sie z.B. Technische Service Provider verpflichten als eine Art Internetpolizei aufzutreten. Diese sollen auch unangemessenes Material, wie z.B. Kinderpornographie oder Vergewaltigungen filtern und dann blocken. Dies erklärt auch die Klassifizierung von Ländern wie Australien oder Frankreich als gefährdete Länder, die unter Beobachtung stehen.[10] Auch die wachsende Anzahl an internetfähigen Smartphones macht es schwieriger das Internet zu kontrollieren. So haben z.B. Nordkoreaner, die bis auf einige wenige ausländische Botschaften und Parteibonzen nur über ein Intranet verfügen, an der Grenze zu China die Möglichkeit auf das chinesische Internet zuzugreifen, sobald sie über ein internetfähiges Handy verfügen.[11]

3.3. Beispiele nichtstaatlicher Internetzensur

Die religiöse Bewegung Scientology ist in der Vergangenheit des Öfteren aufgefallen, da diese versucht hat Einfluss auf Netzinhalte zu nehmen. So wurde es geschafft einen amerikanischen ISP (Internet Service Provider) dazu zu bewegen die Verbindung zum holländischen Provider XTended Internet zu kappen, da dessen Kunde Scientology-kritisches Material in das Internet gestellt hat.[12] In einem anderen Vorfall hatte Scientology seine Mitglieder angewiesen, sich gegen Firmen (z.B. Microsoft oder Google) zu beschweren, die negative Berichterstattung gegen Tom Cruise, als mehrfach geschiedenen Vorzeigescientologen, zugelassen haben, um den Druck zu erhöhen eine negative Berichterstattung zu unterlassen.[13]

Selbst Unternehmen wie Facebook, die sich als Verteidiger eines freien Internets darstellen und, wie bereits erwähnt, ein Mitauslöser bzw. Beschleuniger des arabischen Frühlings gelten, zensieren Inhalte von ihren eigenen Nutzern. So zensiert Facebook insbesondere politische oder religiöse Diskussionen, indem Beiträge, Mitglieder und Gruppen gelöscht oder temporär gesperrt werden, da diese offiziell nicht mit den Community Standards vereinbar sind.[14]

[...]


[1] Vgl. Museum für Kunst und Pressefreiheit (2012)

[2] Vgl. REPORTERS WITHOUT BORDERS (2012), S.4 f.

[3] Vgl. IT Wissen, Das große Online-Lexikon für Informationstechnologie (2012)

[4] Vgl. Museum für Kunst und Pressefreiheit (2012)

[5] Vgl. Polipedia (2012)

[6] Vgl. Floss Manuals (2012a)

[7] Vgl. Polipedia (2012)

[8] Vgl. Dodson, E.K. (2010), S. 12

[9] Vgl. REPORTERS WITHOUT BORDERS (2012), S.4 f.

[10] Vgl. REPORTERS WITHOUT BORDERS (2012), S.40

[11] Vgl. Lankov, A. (2007)

[12] Vgl. Chaos Computer Club (2012)

[13] Vgl. NBC News (2012)

[14] Vgl. FacebookCensorship (2012)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zensur im Internet. Methoden und Umgehungsmöglichkeiten
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V209041
ISBN (eBook)
9783656367208
ISBN (Buch)
9783656368250
Dateigröße
800 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Anmerkungen
Schlagworte
Internetzensur, Methoden, Umgehungsmöglichkeiten, World Wide Web, DNS-Tampering, IP-Blocking, Filtering, Traffic-Shaping, Technische Verfahren, Nichttechnische Verfahren
Arbeit zitieren
Philipp Müller (Autor), 2013, Zensur im Internet. Methoden und Umgehungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209041

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