Freie Bürger oder ein Leben wie Sklaven? Die Lebenssituation der einfachen Lohnarbeiter/innen im antiken Griechenland


Essay, 2011

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Armut in der Antike

Die Bewertung der Erwerbsarbeit in der Antike

Das Alltagsleben

Die Situation auf dem Land

Frauen als Lohnarbeiterinnen

Schlussbetrachtungen

Sekundärliteratur

Unser Bild der Antike ist geprägt von berühmten Philosophen und Dichtern, meistens Vertreter einer uns überlieferten reichen Oberschicht. Die große Masse jeder antiken Gesellschaft bestand jedoch aus Sklaven, eingewanderten Metöken und freien Bauern und Handarbeitern, welche selten und erst in den letzten Jahrzehnten ins Zentrum der Forschungen zur Antike gerückt sind. Auf Letztere will ich meine folgende Analyse beziehen und auch die Situation der seltenen weiblichen Lohnarbeiterinnen ansprechen. Außerdem will ich versuchen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Klasse rechtlich gutstehender Bürger mit denen anderer Gruppen, insbesondere der der Sklaven, zu vergleichen.

Armut in der Antike:

Zu Beginn der Untersuchungen sollte definiert werden, welche Personengruppen in der Antike überhaupt als „arm” galten und was diese Armut in der Antike bedeutete.

Wenn wir heute an Armut denken, so würden wir sie am Ehesten dadurch definieren, dass der oder die betroffene Person nicht in der Lage ist sich den Lebensunterhalt selber zu erwerben[1]. Hierfür kann es die verschiedensten Gründe geben, von schweren Krankheiten die zur Arbeitsunfähigkeit führen bis zur einfachen Faulheit. In unseren heutigen Gesellschaften bieten der Staat oder private Initiativen Fürsorge, sei es durch Geld oder Naturalien, den Betroffenen unentgeltliche Hilfe an. Da dieser Fürsorgegedanke durch das Christentum wesentlich mitbestimmt ist, war er antikem Denken viel fremder. Armut wurde zwar auch als großes Unglück angesehen, doch wurde es als selbstverschuldet betrachtet und diesem Gedanken folgend war es also an den Betroffenen selbst, sich aus ihrer Lage zu befreien.

In der gesamten Antike war die große Mehrheit der Bürger nach antiker Definition arm. Dazu gehörte jeder, der nicht genügend Vermögen besaß, um

davon leben zu können, also seinen Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen musste[2]. Dies hatte nicht zu bedeuten, dass diese Gruppe homogen war, es bestanden gewaltige Unterschiede zwischen wirklich notleidenden Bettlern auf der einen Seite und Kaufleuten oder Handwerkern mit größeren Betrieben auf der anderen Seite, welche durchaus in bescheidenem Wohlstand leben konnten,[3] trotzdem nicht vermögend genug waren um allein davon leben zu können. Es muss folglich auch in der Antike zwischen relativer Armut, in der die Mehrheit

der Bevölkerung lebte, und absoluter Armut, also derer, die auf die Hilfe Fremder angewiesen waren, unterschieden werden. Ich möchte mich hauptsächlich auf Erstere, also die überwiegende Masse der antiken Menschen, beschränken.

Die Bewertung der Erwerbsarbeit in der Antike:

Als Einstieg kann hier der berühmte antike Philosoph Aristoteles dienen, der feststellte: „ Der Handwerker lebt nämlich in einer teilweisen und begrenzten Sklaverei.” 3

Hieraus leiten sich natürlich schon die ersten Fragen ab, einerseits zur generellen Betrachtung und Bewertung der (Hand-)Arbeit im antiken Griechenland und andererseits zur näheren Bestimmung der von Aristoteles gezogenen Grenzen und Unterschiede zur Sklaverei.

Zur Bewertung der einfachen Lohnarbeiter finden sich viele abschätzige Bemerkungen attischer Autoren, unter anderem auch von Plato und Aristoteles.[4] Als besonders gutes Bespiel kann Xenephon herhalten, welcher schrieb: „ Die oft banausisch genannten Beschäftigungen stehen in üblem Ruf und werden mit Recht sehr verachtet; denn sie verderben die Körper derer, die so arbeiten [...].Und wenn der Körper schlaff wird, erschlafft auch der Geist.”[5] Es muss hierbei beachtet werden, dass so gut wie alle uns überlieferten literarischen Zeugnisse dieser Epoche aus den Federn der Oberschicht stammen, die Unterschicht, also die einfachen Landarbeiter und Handwerker, haben uns so gut wie keine schriftlichen Werke überliefert. Unser Einblick in der antiken Gesellschaft erfolgt also meistens durch den Blickwinkel einer kleinen und

exklusiven Gruppe von Besitzenden, welche die klare Minderheit innerhalb einer griechischen Polis darstellten. In den Augen dieser Klasse führte jede Lohnarbeit zu Abhängigkeit, welche die Entfaltung des freien Geistes unmöglich machte. Ebenfalls wurde oftmals behauptet, den einfachen Arbeitern fehle schlicht die Zeit und Muße sich mit den höheren Dingen des Lebens zu beschäftigen, so z.B. der Mitwirkung am Gemeinwesen, der Pflege sozialer

Kontakte oder der körperlichen Ertüchtigung und damit verbunden die Fähigkeit

zum Kriegsdienst. Eine weitere mögliche Erklärung der geringen Wertschätzung der Handarbeit kann an der Allgegenwärtigkeit der Sklaven in den beschriebenen Arbeitsfeldern liegen, in den Augen der Großgrundbesitzer waren diese Tätigkeiten also „Sklavenarbeit” und damit eines freien Bürgern unwürdig.[6]

Es ist jedoch unwahrscheinlich, das, insbesondere die Handwerker, keinen Stolz auf ihre Leistungen empfanden und das sie, die doch das volle Bürgerrecht besaßen und wie ihre besitzenden Mitbürger an der Regierung teilhaben durften, kein Selbstbewusstsein kannten. Allerdings kann man dem entgegen halten, dass in der gesamten Antike die große Masse der Bürger ihren Einfluss in den Volksversammlungen nicht zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen genutzt hat, was dafür spricht, dass es allgemein akzeptiert war, dass Lohnarbeit eines freien Bürgers nicht würdig war. Aufgrund mangelnder Quellenlage kann man über diese Mentalitätsfrage jedoch nur Vermutungen anstellen.[7]

[...]


[1] Vgl. Bolkestein, S.182ff.

[2] z.B. Xen. Mem. IV.2.37.

[3] Arist. Pol. 1260b

[4] Plato Resp. 495D, 590E / Arist. Pol. 1258b

[5] Xen. Oecon, IV.2.

[6] Vgl. Gebauer, S.31 ff. / Arist. Pol. 1337b

[7] Vgl. Nippel, S.3ff.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Freie Bürger oder ein Leben wie Sklaven? Die Lebenssituation der einfachen Lohnarbeiter/innen im antiken Griechenland
Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V209055
ISBN (eBook)
9783656365846
ISBN (Buch)
9783656366584
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Lohnarbeit, Sklaven, Frauen, Handwerker, Griechenland, Sozialgeschichte
Arbeit zitieren
Christopher Badry (Autor), 2011, Freie Bürger oder ein Leben wie Sklaven? Die Lebenssituation der einfachen Lohnarbeiter/innen im antiken Griechenland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209055

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