Die vorliegenden Arbeit untersucht näher, ob Senioren als Dienstleis-tungsempfänger polizeilicher Arbeit tatsächlich vermehrt Opfer von Straftaten werden, wie es die Medien darstellen. Weiterhin soll näher erläutert werden, ob die ältere Bevölkerung tatsächlich erhöhte Kriminalitätsfurcht besitzt und wie diese entsteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Demografischer Wandel
3. Verständnis von Alter
4. Entstehung von Kriminalitätsfurcht
4.1 Was ist Kriminalitätsfurcht
4.2 Erklärungsansätze zur Kriminalitätsfurcht
4.2.1 Viktimisierungsperspektive
4.2.2 Kritik an der Viktimisierungsperspektive
4.3.1 Soziale-Kontroll-Perspektive
4.3.2 Kritik an der Sozialen-Kontroll-Perspektive
4.4.1 Soziale-Problem-Perspektive
4.4.2 Kritik an der Sozialen-Problem-Perspektive
4.5 interaktives Verständnismodell nach Boers
5. Opfererfahrungen
5.1 Verarbeitung von Opfererfahrungen
5.2 Coping Strategien
6. Haben ältere Menschen mehr Furcht vor Kriminalität
6.1 Messung der Kriminalitätsfurcht mittels Standardfrage
6.2 Kritik an der Standardfrage
6.3 Besonderheiten der Gerontoviktimologie
6.3.1 Ursachen für die erhöhte Kriminalitätsfurcht
6.3.2 Viktimisierungswahrscheinlichkeit älterer Personen
6.3.3 Haben ältere Menschen tatsächlich mehr Kriminalitätsfurcht
6.3.4 Ergebnis
6.4 verhaltensbezogener Furchtanstieg
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Senioren tatsächlich vermehrt Opfer von Straftaten werden und ob sie eine erhöhte Kriminalitätsfurcht aufweisen, wie es medial oft dargestellt wird. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Ursachen für die Entstehung von Furcht und der Einordnung dieser im Kontext des demografischen Wandels sowie des allgemeinen Sicherheitsempfindens.
- Kriminalitätsfurcht älterer Menschen
- Viktimisierungsrisiken im Alter
- Einfluss der Medienberichterstattung
- Psychologische Bewältigungsstrategien
- Furcht-Viktimisierungs-Paradox
Auszug aus dem Buch
4.1 Was ist Kriminalitätsfurcht
Kriminalitätsfurcht wird grundsätzlich in eine soziale und eine personale Komponente unterschieden. Die soziale Kriminalitätsfurcht bezieht sich auf die Einschätzung der Bedeutung, des Ausmaßes und der Entwicklung der Kriminalität als soziales Problem einer Gesellschaft. In der Regel wird die soziale Kriminalitätsfurcht anderen Sorgen um soziale Probleme in der Gesellschaft gegenübergestellt (z. B. Arbeitslosigkeit, Inflation, Umweltverschmutzung). Im Gegensatz dazu bezieht sich die personale Kriminalitätsfurcht auf die Einschätzung der eigenen Gefährdung. Kriminalitätsfurcht beschreibt dabei die Furcht einer Person, selbst Opfer einer Straftat zu werden. Dies ist abzugrenzen von der allgemeinen Wahrnehmung, die Kriminalität sei gestiegen oder von einer diesbezüglichen Besorgnis. Weiterhin wird Kriminalitätsfurcht als ein Personenmerkmal verstanden, nämlich als die Tendenz, in relevanten Situationen mehr oder weniger furchtsam zu reagieren. Ein solcher Ansatz, dem auch die weiteren Ausführungen folgen, unterscheidet eine affektive (gefühlsbezogene), eine kognitive (verstandsbezogene) und eine konative (entscheidungsbezogene) Komponente von Kriminalitätsfurcht. Die affektive Komponente beschreibt dabei das Furchterleben und die kognitive Komponente die subjektive Bedrohungswahrnehmung. Die konative Seite der Furcht umfasst Verhaltensweisen und Vorkehrungen zur Abwehr und zum Schutz vor Kriminalität. Zum einen sind dies Verhaltensweisen, die Distanz zu kriminellen Personen und Situationen erzeugen sollen und zum anderen sind es Sicherheitsvorkehrungen, die den Haushalt gegen Viktimisierungen schützen sollen. “Sich furchtsam zu verhalten” kann somit als ein Indikator von Furcht gelten. Allerdings liegt hierbei das Problem gerade darin, zu entscheiden, ob bspw. jemand, der die Tür verriegelt, dies tatsächlich aus Kriminalitätsfurcht tut oder schlicht aus Gewohnheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen der medialen Darstellung der Gefährdung älterer Menschen und der tatsächlichen Sicherheitslage, um das Forschungsinteresse an der Kriminalitätsfurcht im Alter zu begründen.
2. Demografischer Wandel: Es wird der gesellschaftliche Wandel durch Geburtenrückgang und steigende Lebenserwartung dargelegt, der die Gruppe der Senioren zunehmend in den Fokus der Kriminologie rückt.
3. Verständnis von Alter: Das Kapitel beleuchtet die Schwierigkeit der Definition des Alters und legt für die Arbeit die Grenze von 60 Jahren fest, orientiert an der polizeilichen Statistik.
4. Entstehung von Kriminalitätsfurcht: Dieser Abschnitt erörtert verschiedene theoretische Erklärungsansätze für die Entstehung von Kriminalitätsfurcht, darunter die Viktimisierungs-, Soziale-Kontroll- und Soziale-Problem-Perspektive.
5. Opfererfahrungen: Hier werden die psychologischen Verarbeitungsprozesse nach einer Viktimisierung sowie die Bedeutung von Coping-Strategien für das Wohlbefinden analysiert.
6. Haben ältere Menschen mehr Furcht vor Kriminalität: Dieses Hauptkapitel untersucht kritisch die Messbarkeit von Kriminalitätsfurcht und hinterfragt das sogenannte Furcht-Viktimisierungs-Paradox bei Senioren.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassend wird festgestellt, dass das Paradoxon entkräftet werden kann und Kriminalitätsfurcht im Alter kein isoliertes oder dominierendes Problem darstellt.
Schlüsselwörter
Kriminalitätsfurcht, Senioren, Viktimisierung, demografischer Wandel, Kriminalitätsstatistik, Sicherheitsgefühl, Coping Strategien, Medienberichterstattung, Furcht-Viktimisierungs-Paradox, Gerontoviktimologie, Schutzverhalten, Verletzlichkeit, soziale Kontrolle, Opfererfahrungen, Kriminalprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Kriminalitätsempfinden älterer Menschen und analysiert, ob die häufig medial verbreitete Annahme einer gesteigerten Furcht und Viktimisierung durch Daten gestützt werden kann.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die theoretischen Erklärungsansätze der Furchtentstehung, die Analyse polizeilicher Kriminalstatistiken, der Einfluss der Medien auf das Sicherheitsgefühl sowie die Rolle psychologischer Bewältigungsmechanismen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das "Furcht-Viktimisierungs-Paradox" zu hinterfragen und zu prüfen, ob ältere Menschen tatsächlich ein erhöhtes Kriminalitätsrisiko und eine überdurchschnittliche Furcht im Alltag aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche und die Analyse empirischer Studien sowie statistischer Daten, wie der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) von 2010.
Welche Kerninhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Furchtentstehung, die Auswirkungen von Opfererfahrungen und eine kritische Auseinandersetzung mit der Messmethodik der Kriminalitätsfurcht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kriminalitätsfurcht, Gerontoviktimologie, Viktimisierungsrisiko, soziale Kontrolle und Bewältigungsstrategien.
Was besagt das "Furcht-Viktimisierungs-Paradox" laut der Autorin?
Es beschreibt den Widerspruch, dass ältere Menschen angeblich die größte Furcht vor Kriminalität hegen, obwohl sie statistisch gesehen die geringste Wahrscheinlichkeit haben, Opfer einer Straftat zu werden.
Warum wird die Standardfrage zur Kriminalitätsfurcht kritisiert?
Die Kritik basiert darauf, dass die Standardfrage ein komplexes Konstrukt zu stark vereinfacht und eher ein allgemeines Unsicherheitsgefühl im Dunkeln misst, als spezifische Angst vor Kriminalität.
Inwiefern beeinflussen Medien die Kriminalitätsfurcht Älterer?
Medien haben laut der Untersuchung eher eine furchtverstärkende Funktion, indem sie durch reißerische Berichterstattung über lokale Einzelfälle das Sicherheitsbedürfnis älterer Menschen beeinflussen, ohne jedoch die Gesamteinschätzung der Lebenslage maßgeblich zu verändern.
- Arbeit zitieren
- Nico Müller (Autor:in), 2012, Die Furcht vor Kriminalität im öffentlichen Raum bei älteren Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209111