In den vergangenen Jahrzehnten hat die wirtschaftliche Bedeutung des Dienstleistungssektors in allen Industrieländern stetig zugenommen.2 Ein immer größer werdender Anteil – mittlerweile etwa zwei Drittel – am Weltsozialprodukt wird in diesem Sektor erwirtschaftet, während in gleichem Maße der Anteil des primären (Land- und Forstwirtschaft) und vor allem des sekundären Sektors (Industrie) zurückging. Dieser Trend der Entwicklung, von einer Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsbzw. Informationsgesellschaft, ist nicht nur in Deutschland zu beobachten,3 sondern nahezu in jeder Volkswirtschaft.4 Der Dienstleistungssektor gilt damit als weltweiter Wachstumsmotor und beschäftigt zugleich zwischen 54 und 72 Prozent der offiziell Erwerbstätigen in den jeweiligen westlichen Industrieländern.5
Die Bedeutung erfolgreicher Innovationen als zentrale Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens, sogar ganzer Volkswirtschaften, ist sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis unumstritten.6 Es spricht vieles dafür, „dass wirtschaftliche Krisen dauerhaft nur durch echte Innovationen überwindbar sind“.7 Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass sich die Wissenschaft bisher kaum mit Innovationen im Dienstleistungssektor beschäftigt hat.8 Allerdings kann selbst die Dienstleistungspraxis nicht immer etwas mit dem Begriff „Innovation“ anfangen, wie das Ergebnis einer Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt.9
Der große Fortschritt in den Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) – vor allem das Aufkommen und die Verbreitung des Internets – haben einer Vielzahl von Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet und damit zugleich den Wettbewerbsdruck in den meisten Branchen verschärft. Unterstützt wurde dieser Effekt durch die Liberalisierung früherer Staatsmonopolmärkte (Kommunikation, Strom, Transport) in Verbindung mit einer Privatisierung ehemaliger Staatsbetriebe (z.B. Deutsche Telekom, Deutsche Post). Es folgte ein drastischer Preisverfall der angebotenen Dienstleistungen, von dem alle Unternehmen, hauptsächlich durch günstigere Kommunikations- und Transportkosten, profitieren konnten.
Gerade der Dienstleistungssektor, der auch als tertiärer Sektor bezeichnet wird, ist von den veränderten Wettbewerbsbedingungen in verstärktem Maße betroffen, da meist Dienstleistungsunternehmen Problemlösungen für die globalisierte Weltwirtschaft anbieten.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Allgemeine Tendenzen
1.2 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Management
2.1.1 Managementbegriff
2.1.2 Konzept des integrierten Managements
2.2 Innovation
2.2.1 Innovationsbegriff
2.2.2 Innovationsprozess
2.2.3 Innovationsarten
2.3 Dienstleistung und Dienstleistungssektor
2.3.1 Dienstleistungsbegriff und Dienstleistungssektor
2.3.2 Dienstleistungsmerkmale
2.3.3 Dienstleistungsspezifischer Innovationsprozess
2.4 Unternehmensgründung
2.4.1 Gründungsbegriff
2.4.2 Gründungsarten
2.4.3 Gründungsprozess
2.4.4 Innovative Unternehmensgründung
3 Besonderheiten für das Management innovativer Unternehmensgründungen im Dienstleistungssektor
3.1 Besonderheiten von Dienstleistungen im Allgemeinen
3.1.1 Dienstleistungserstellungsprozess
3.1.2 Erfolgsfaktor Kundenorientierung
3.1.3 Erfolgsfaktor Mitarbeiter
3.2 Besonderheiten innovativer Unternehmensgründungen
3.2.1 Unternehmenslebenszyklus
3.2.2 Die Geschäftsidee - Innovation als Erfolgsdeterminante?
3.2.3 Persönlichkeit des Unternehmensgründers
3.2.4 Organisationsstruktur und Netzeinbindung
3.3 Zwischenfazit
4 Normatives Management im jungen und innovativen Unternehmen des Dienstleistungssektors
4.1 Die Anspruchsgruppen des Dienstleistungsunternehmens
4.2 Die Elemente des normativen Managements
4.2.1 Unternehmungsvision und -mission
4.2.2 Unternehmungsverfassung
4.2.3 Unternehmungskultur
4.2.4 Unternehmungspolitik
4.3 Zwischenfazit
5 Strategisches Management im jungen und innovativen Unternehmen des Dienstleistungssektors
5.1 Strategische Ziele
5.1.1 Zielhierarchie
5.1.2 Funktionen von Zielen
5.2 Strategische Analyse
5.2.1 Externe Analyse
5.2.1.1 Analyse der Makroumwelt
5.2.1.2 Analyse der Branchenstruktur
5.2.1.3 Analyse des Marktes
5.2.1.4 Analyse der Wettbewerber
5.2.2 Interne Analyse
5.2.2.1 Analyse des Unternehmens
5.2.2.2 Analyse der Wertschöpfungsprozesse
5.2.2.3 Analyse des Lebenszyklus
5.3 Strategieformulierung
5.3.1 Geschäftsfeldstrategien
5.3.2 Markteintrittsstrategien
5.3.3 Wettbewerbsstrategien
5.3.3.1 Differenzierung
5.3.3.2 Kostenführerschaft
5.3.3.3 Outpacing-Strategie
5.3.4 Wettbewerbsgerichtete Verhaltensstrategien
5.4 Strategiebewertung und -auswahl
5.4.1 Quantitative Bewertung
5.4.2 Balanced Scorecard
5.4.3 Auswahl von Strategiealternativen
5.5 Strategieimplementierung
5.6 Strategische Kontrolle
5.7 Konzeptionelle und spezifische Grenzen
6 Fallbeispiele erfolgreicher und innovativer Unternehmensgründungen im Dienstleistungssektor
6.1 Konzeption und Auswahlkriterien
6.1.1 Formule 1
6.1.1.1 Gründungsportrait
6.1.1.2 Erfolgsfaktoren
6.1.1.3 Bewertung
6.1.2 ConSors
6.1.2.1 Gründungsportrait
6.1.2.2 Erfolgsfaktoren
6.1.2.3 Bewertung
6.1.3 eBay
6.1.3.1 Gründungsportrait
6.1.3.2 Erfolgsfaktoren
6.1.3.3 Bewertung
6.2 Ergebnis der Untersuchung
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Management innovativer Unternehmensgründungen im Dienstleistungssektor. Das primäre Ziel besteht darin, die spezifischen Herausforderungen dieser Gründungen herauszuarbeiten und die Implikationen für die normative und strategische Unternehmensführung darzulegen.
- Besonderheiten von Dienstleistungen und deren Innovationsprozesse
- Faktoren für den Erfolg innovativer Gründungen im Dienstleistungsbereich
- Normative Unternehmensführung (Vision, Mission, Kultur, Verfassung)
- Strategische Planung und Analyse (Wettbewerbsstrategien, Marktanalysen)
- Analyse praktischer Fallbeispiele (Formule 1, ConSors, eBay)
Auszug aus dem Buch
Die Geschäftsidee - Innovation als Erfolgsdeterminante?
Für den Unternehmensgründer stellt sich im Vorfeld das Entscheidungsproblem einer herkömmlichen (d.h. imitativen) oder einer innovativen Gründung. Die Geschäftsidee übt allerdings durch ihren Innovationsgrad selbst einen großen Einfluss darauf aus. Gründungen können „ideengetrieben“ sein, d.h. die Idee ist Auslöser der Gründung, wobei innovative Konzepte diesen Umstand begünstigen. Empirische Studien belegen hingegen eindeutig, dass innovative Gründungen eine um fünf Prozentpunkte höhere Überlebenswahrscheinlichkeit aufweisen und dabei die Wahrscheinlichkeit eines Umsatzzuwachses um 14 Prozentpunkte größer ist. Aus diesem Grunde sollte der Unternehmensgründer versuchen, eine innovative Idee zu entwickeln.
Interessanterweise konnte in einer empirischen Untersuchung kein positiver Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg einer Gründung und dem Innovationsgrad der Geschäftsidee nachgewiesen werden. Goebel folgerte im Gegenteil daraus, dass eine Unternehmensgründung, die auf einem neuen Produkt basiert (radikal-revolutionäre Innovation), weniger Erfolg versprechend ist als eine Gründung mit weiterentwickelten Produkten bzw. Dienstleistungen (inkrementell-evolutionäre Innovation) oder sogar einer imitativen Gründung. Als Ursache hierfür gelten beispielsweise höhere Markterschließungskosten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Besonderheiten innovativer Gründungen in diesem Bereich für das Management zu analysieren.
2 Begriffliche Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Management, Innovation, Dienstleistung und Unternehmensgründung, um eine gemeinsame Basis für die weiterführenden Analysen zu schaffen.
3 Besonderheiten für das Management innovativer Unternehmensgründungen im Dienstleistungssektor: Das Kapitel arbeitet die spezifischen Bedingungen heraus, unter denen junge Dienstleistungsunternehmen agieren, wobei der Fokus auf dem Dienstleistungserstellungsprozess und den Gründungsaspekten liegt.
4 Normatives Management im jungen und innovativen Unternehmen des Dienstleistungssektors: Es werden die übergeordneten Rahmenbedingungen behandelt, die für die langfristige Entwicklung eines innovativen Dienstleistungsunternehmens entscheidend sind, wie Vision, Mission und Unternehmenskultur.
5 Strategisches Management im jungen und innovativen Unternehmen des Dienstleistungssektors: Dieses Kapitel widmet sich detailliert dem Prozess der strategischen Planung, von der Analyse der Umwelt und Wettbewerber bis hin zur Formulierung und Bewertung von Strategiealternativen.
6 Fallbeispiele erfolgreicher und innovativer Unternehmensgründungen im Dienstleistungssektor: Anhand der Unternehmen Formule 1, ConSors und eBay wird die theoretische Anwendung der Managementansätze in der Praxis illustriert.
7 Fazit und Ausblick: Das Schlusskapitel resümiert die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der strategischen Managementforschung in diesem Sektor.
Schlüsselwörter
Dienstleistungssektor, Innovationsmanagement, Gründungsmanagement, Strategisches Management, Normatives Management, Unternehmenskultur, Wettbewerbsvorteil, Dienstleistungsmerkmale, Unternehmensentwicklung, Lebenszyklus, Marktsegmentierung, Wettbewerbsanalyse, Unternehmertum, Value Innovation.
Hufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Führung junger, innovativer Unternehmen, die im Dienstleistungssektor tätig sind, und untersucht, wie sich theoretische Managementkonzepte an deren spezifische Anforderungen anpassen lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen von Management und Innovation, dem Dienstleistungserstellungsprozess, der normativen und strategischen Unternehmensführung sowie der Analyse praktischer Gründungsbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, Besonderheiten für das Management innovativer Gründungen im Dienstleistungssektor zu identifizieren und daraus Implikationen für die praktische strategische Arbeit in solchen Unternehmen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer empirischen Fallstudienanalyse, bei der erfolgreiche Beispiele aus der Praxis untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden normative und strategische Managementkonzepte, wie die SWOT-Analyse, die Wertkettenanalyse und verschiedene Wettbewerbsstrategien, auf ihre Anwendbarkeit für junge Dienstleistungsunternehmen geprüft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Dienstleistungsspezifik, Innovationsfähigkeit, Wettbewerbsstrategien, Gründerpersönlichkeit und strategisches Management.
Welche Rolle spielt die Gründerpersönlichkeit bei innovativen Unternehmen?
Die Arbeit unterstreicht, dass die Persönlichkeit des Gründers in der Frühphase eines innovativen Unternehmens als zentrales Erfolgskriterium fungiert, da sie die Vision und Ausrichtung des Unternehmens maßgeblich prägt.
Warum ist die Analyse von eBay für diese Arbeit besonders aufschlussreich?
eBay dient als Fallbeispiel, um aufzuzeigen, wie ein Unternehmen durch eine innovative Geschäftsidee und ein schnelles Wachstum eine marktbeherrschende Stellung erreichen kann, auch wenn die Innovation ursprünglich ungeplant entstand.
- Quote paper
- Michael Weigl (Author), 2003, Management innovativer Unternehmensgründungen im Dienstleistungssektor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20920