Einleitung
Besonders in einem relativ jungen und ein disperses Berufsfeld abdeckenden Fach wie der Kommunikationswissenschaft ist es interessant, wohin die Wege der AbsolventInnen eines Fachbereichs führen. Wolfgang Langenbucher (1999: 15) bringt die Bedeutung von AbsolventInnenstudien auf den Punkt, wenn er folgendermaßen argumentiert: "Daß gerade dieses Fach das Bedürfnis hat, den beruflichen Erfolg seiner AbsolventInnen nachzuweisen, hängt gewiß auch mit den notorisch schwierigen Legitimationsproblemen zusammen. Jenseits gewiß notwendiger wissenschaftstheoretischer Reflexionen über den Zusammenhang von Theorie und Praxis zwingt eine solche Dokumentation einerseits zu der Akzeptanz von real vorhandenen Verwendungsprofilen und erlaubt andererseits eine gewisse Gelassenheit gegenüber allfälligen Vorurteilen bezüglich der Praxisferne."
In der vorliegenden Arbeit sollen die Ergebnisse einer leitfadengestützten Befragung von fünf AbsolventInnen des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft (KoWi) an der Universität Salzburg zu ihrem jeweiligen Werdegang verschriftlicht und verglichen werden. Neben der Erfassung der Tätigkeitsbereiche sind die Bewertung des Studiums und dessen Relevanz für den jeweiligen Beruf der Befragten von Interesse. Im Zentrum der Untersuchung steht jedoch die Frage, wie Alumni des Fachbereichs das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis im KoWi-Studium einschätzen. Welche Chancen und Herausforderungen kommen auf Absolventinnen und Absolventen des Studienfachs beim Übertritt ins Berufsleben zu? Welche Rolle spielt der Fachbereich an dieser Schnittstelle? Welche Rolle sollte er im Verständnis der Alumni spielen?
Kenntnisse über die Einstellung der Alumni zur Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis erscheinen mir zum einen aus persönlichen Gründen wichtig, da ich selbst mich gerade an der Schwelle zum Berufsleben befinde, zum anderen, weil die Universität, die gemeinhin der Herausbildung analytischer und wissenschaftlicher Fähigkeiten dienen sollte, im Zuge von Bologna eine Änderung hin zur Verschulung und gleichzeitig zur Durchlässigkeit gegenüber praktischen Inhalten erfahren hat. Inwieweit und ob sich dieses anzunehmende Mehr an berufsorientierten Lehrveranstaltungen bei den (ehemaligen) Studierenden bemerkbar macht, gilt es ebenfalls in der vorliegenden Arbeit herauszufinden. Hierbei kommt der Arbeit zugute, dass bei der Auswahl der ProbandInnen darauf geachtet wurde, dass diese in unterschiedlichen Epochen studiert haben.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HINTERGRÜNDE ZUR UNTERSUCHUNG
2.1 Methode
2.2 Besonderheiten bei der Transkription
2.3 Kurzporträts der Befragten
2.3.1 01f, Sekretärin in Teilzeit
2.3.2 05m, Geschäftsführer einer politischen Partei
2.3.3 07f, tätig im Marketing
2.3.4 08m, Projektleiter bei einem Marktforschungs- und Unternehmensberatungsinstitut
2.3.5 13f, freie Journalistin und Schreibtrainerin
3 AUSWERTUNG UND INTERPRETATION DER DATEN
3.1 Die Rolle des Fachbereichs an der Schnittstelle von Theorie und Praxis
3.1.1 (Praxisorientierte) Lehrveranstaltungen am Fachbereich
3.1.2 Anregungen von AbsolventInnen
3.2 Die Verantwortung des Individuums an der Schnittstelle von Theorie und Praxis
3.2.1 Die optimale Gestaltung des Studiums
3.2.2 Ergänzung am Fachbereich erworbener Qualifikationen durch (außer-)universitäre Zusatzqualifikationen
3.3 Reaktionen seitens der ArbeitgeberInnen auf KoWi-AbsolventInnen
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von leitfadengestützten Interviews mit fünf AbsolventInnen des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg, wie das Verhältnis von Theorie und Praxis im Studium eingeschätzt wird und welche Anforderungen der Übergang in den Beruf an die Alumni stellt.
- Analyse der Relevanz des Kommunikationswissenschaftsstudiums für den beruflichen Werdegang.
- Untersuchung der Rolle des Fachbereichs bei der Vermittlung zwischen wissenschaftlicher Theorie und beruflicher Praxis.
- Identifikation notwendiger Zusatzqualifikationen aus Sicht der AbsolventInnen.
- Vergleich unterschiedlicher Studienerfahrungen und deren Einfluss auf die aktuelle Tätigkeit.
- Beleuchtung der Erwartungshaltung von ArbeitgeberInnen gegenüber KoWi-AbsolventInnen.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 (Praxisorientierte) Lehrveranstaltungen am Fachbereich
Spätestens mit dem Umstieg auf das dreigliedrige System haben praxisorientierte Lehrveranstaltungen am Fachbereich Einzug gehalten. Diese Kurse sind bei den Studierenden besonders beliebt, wie die aktuellen Zahlen zeigen: So wurden etwa im Sommersemester 2012 in der Übung Einführung in die Bildbearbeitung 28 statt der vorgesehenen 20 Plätze vergeben, in Grundlagen Audiovisueller Mediengestaltung mussten sich 23 Personen mit Wartelistenplätzen begnügen, im Printlabor waren 25 statt der vorgesehenen 20 Studierenden tätig, weitere 14 waren in diesem Kurs auf der Warteliste vorgemerkt. Der Wunsch nach praxisorientierten Lehrveranstaltungen, die einen Einblick in die Arbeitswelt geben, ist nicht nur von Seiten der Studierenden gegeben, sondern offensichtlich auch von Seiten der AbsolventInnen.
So heben 01f, 07f und 13f besonders die Praxislehrveranstaltungen als interessante Kurse hervor (vgl. 01f, Absatz 6, 20 und 40) bzw. PraktikerInnen (07f, Absatz 52; 13f, Absatz 134), wenn sie auf herausragende Lehrende zurückblicken. An anderer Stelle nennt 07f als einige der wichtigsten Fähigkeiten, die sie während des Studiums erworben hat, praktische: die Konzeption von PR-Strategien und Maßnahmen, wie man diese zusammenführen kann, sowie schnelles Arbeiten, das die oft knappen Abgabefristen erforderlich machten (vgl. 07f, Absatz 12). 07f (Absatz 60) war mit dem Angebot von Lehrveranstaltungen mit berufsorientiertem Inhalt durchaus zufrieden und sieht es nicht als Aufgabe der Uni an, Praxis noch ausführlicher zu vermitteln als sie dies momentan mit Lehrenden aus der freien Wirtschaft tut, die einem Einblick in die Arbeitswelt außerhalb der Uni vermitteln: [W]ie’s dann wirklich ist, wenn man ins Berufsleben kommt, auf das kann die Uni einfach nicht vorbereiten. (07f, Absatz 60)
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Relevanz von AbsolventInnenstudien zur Legitimierung des Fachbereichs und definiert die Forschungsfragen bezüglich des Verhältnisses von Theorie und Praxis.
2 HINTERGRÜNDE ZUR UNTERSUCHUNG: Dieses Kapitel beschreibt die qualitative Forschungsmethode der Leitfadeninterviews sowie die Hintergründe der fünf befragten AbsolventInnen.
3 AUSWERTUNG UND INTERPRETATION DER DATEN: Der Hauptteil analysiert die Einstellung der AbsolventInnen zur Rolle des Fachbereichs, zur Eigenverantwortung der Studierenden und zu den Erwartungen der ArbeitgeberInnen.
4 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Spezialisierung und Eigeninitiative bei der Aneignung praktischer Fähigkeiten essenziell für den Berufseinstieg sind.
Schlüsselwörter
Kommunikationswissenschaft, AbsolventInnenbefragung, Theorie-Praxis-Verhältnis, Universität Salzburg, Leitfadeninterview, Berufseinstieg, Zusatzqualifikationen, Praxisorientierung, Studium, Karriere, ArbeitgeberInnen, Kompetenzen, Selbstständigkeit, Bologna-Prozess, Medienproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht die Einschätzungen von AbsolventInnen des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg hinsichtlich des Verhältnisses von Theorie und Praxis im Studienplan sowie deren Erfahrungen beim Berufseinstieg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Rolle der Universität als Ausbildungsstätte, der Wunsch nach Praxisorientierung, die Eigenverantwortung der Studierenden beim Erwerb von Qualifikationen und die Anforderungen des Arbeitsmarktes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie Alumni das Verhältnis von Theorie und Praxis im Studium beurteilen und welche Rolle der Fachbereich bei der Vermittlung von arbeitsmarktrelevanten Fähigkeiten aus Sicht der Berufstätigen spielen sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Forschungsmethode des leitfadengestützten Interviews, um die individuellen Lebenswelten und Einschätzungen der fünf befragten AbsolventInnen zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Fachbereichsrolle, die Verantwortung des Individuums für das Studium und die Reaktionen von ArbeitgeberInnen auf KoWi-AbsolventInnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Kommunikationswissenschaft, AbsolventInnenbefragung, Praxisorientierung, Berufseinstieg und Theorie-Praxis-Schnittstelle charakterisieren.
Warum betonen die Befragten die Wichtigkeit eines Zweitstudiums?
Die AbsolventInnen sehen in einem Zweitstudium oder einem Nebenfach eine Möglichkeit, sich spezialisierter aufzustellen und ein zweites "Standbein" zu schaffen, da das KoWi-Studium oft als zu breit gefächert wahrgenommen wird.
Wie stehen die Befragten zum Thema „Elfenbeinturm Universität“?
Die Meinungen sind gespalten: Während einige die fehlende Praxisnähe bemängeln, betonen andere, dass die Aufgabe der Universität die Vermittlung analytischer Fähigkeiten sei und Praxisnähe durch Eigeninitiative oder Fachhochschulen ergänzt werden müsse.
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- Bakk.Komm. BA MA Sandra Bernhofer (Author), 2012, "Wie weltfremd ist dieser Elfenbeinturm eigentlich?", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209218