Grenzen werden in verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen thematisiert. So findet das Thema nicht nur in der Politikwissenschaft, in den Bereichen der Internationalen Beziehungen und vergleichenden Politikwissenschaft, sondern auch bei Historikern, Geographen, Soziologen und Juristen regen Anklang, die sich mit der Gestalt, Rolle und Funktion von Grenzen beschäftigen. Im Laufe der Weiterentwicklung der Europäischen Union von einer Montan Union oder auch Wirtschaftsgemeinschaft, hin zu einem politischen Komplex zeigt sich jedoch ein ambivalenter Charakter von Grenzen. So findet an diesem Beispiel eine Entgrenzung nach innen statt, mit einhergehender Abgrenzung nach außen. Der Abbau und das Verstärken von Grenzen ist ein Paradoxon der europäischen Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grenzen und ein historischer Überblick
3. EU-Binnengrenzen
4. Beispiel EUREGIO
5. EU-Außengrenzen
6. Beispiel Vorgelagerte Personenkontrollen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das ambivalente Paradoxon der Europäischen Union, das durch eine zunehmende Entgrenzung im Inneren bei gleichzeitiger verstärkter Abgrenzung nach außen gekennzeichnet ist, und analysiert, wie sich dieses Spannungsfeld auf die europäische Identität und Sicherheitspolitik auswirkt.
- Historische Entwicklung des Grenzbegriffs und dessen Bedeutung für Nationalstaaten
- Die Dynamik der EU-Binnengrenzen durch den Schengen-Raum und die vier Grundfreiheiten
- Erfolgreiche regionale Integrationsmodelle am Beispiel der EUREGIO
- Sicherheitsstrategien und die Verschärfung der EU-Außengrenzen
- Neue Kontrolllogiken wie die vorgelagerten Personenkontrollen als Antwort auf globale Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
EU-Außengrenzen
Gegenüber der Entgrenzung im Innern der EU werden jedoch höhere Standards für die Außengrenzen festgelegt, um die gewonnene Bewegungsfreiheit nicht mit dem Verlust von Sicherheit bezahlen zu müssen. Aus diesem Grund wurde am 27. Mai 2005 der „Vertrag über die Vertiefung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, insbesondere zur Bekämpfung des Terrorismus, der grenzüberschreitenden Kriminalität und der illegalen Migration“ in Kraft gesetzt. Die Verschärfung von Kontrollen an den EU-Außengrenzen, die damit einhergehen, finden aber nicht nur an den Grenzübergängen an Land statt, sondern auch an Seehäfen und Flughäfen mit internationalen Luftverkehr.
An Seehäfen und Flughäfen zeigen sich auch weitere Arten der Abgrenzung nach außen. Importierte Waren beispielsweise unterliegen in der EU einer strengen Kontrollnorm. Das EU-Recht sieht insbesondere vor, durch verbindliche Produktnormen den Import für bestimmte Produkte oder gar Produktgruppen zu erschweren oder gar zu unterbinden. Weiterhin können Importeure mit zusätzlichen Kosten, in Form von Zöllen oder Abschöpfungen, belastet werden. Hier sind insbesondere die Abschöpfungen zu erwähnen, die auf Agrarimporte Anwendung finden. Sie sind eine erfolgreiche Maßnahme, um den heimischen EU-Markt von Ländern wie Bangladesch oder anderen Agrarstaaten abzuschotten und mündet in Wirtschaftsprotektionismus. Hierbei wird ein Mindestpreis für ein Gut festgelegt, der über dem Weltmarktpreis liegt. Die Differenz zwischen diesen beiden Preisen muss an die Europäische Union überwiesen werden. Somit wird der Import von Gütern für die Importeure uninteressant.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das Paradoxon der europäischen Entwicklung ein, in der durch die Union eine Entgrenzung nach innen bei gleichzeitiger Abgrenzung nach außen stattfindet.
2. Grenzen und ein historischer Überblick: Hier wird die historische Entwicklung von fluiden Grenzräumen hin zum modernen, durch Nationalstaaten geprägten Grenzverständnis und dessen Bedeutung für Identität und Wirtschaft dargelegt.
3. EU-Binnengrenzen: Dieser Abschnitt thematisiert die Transformation durch den EWG-Vertrag und das Schengener Abkommen, welches den Abbau von Personenkontrollen und eine vertiefte polizeiliche Zusammenarbeit einleitete.
4. Beispiel EUREGIO: Anhand der EUREGIO wird die praktische Umsetzung grenzüberschreitender Zusammenarbeit und Regionalförderung als Modell für die europäische Integration veranschaulicht.
5. EU-Außengrenzen: Das Kapitel beschreibt die Notwendigkeit erhöhter Sicherheitsstandards an den Außengrenzen, um die innerhalb der EU gewonnene Bewegungsfreiheit aufrechtzuerhalten.
6. Beispiel Vorgelagerte Personenkontrollen: Es wird analysiert, wie die Einreisepolitik durch Kontrollen in Herkunfts- und Transitländern eine neue Form der Abgrenzung jenseits physischer Grenzen schafft.
7. Fazit: Die abschließende Betrachtung bewertet die Veränderung europäischer Grenzen und betont, dass trotz Erfolgen in Grenzregionen eine gesamteuropäische Identität weiterhin vor großen Herausforderungen steht.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Entgrenzung, Abgrenzung, Schengener Abkommen, Grenzregime, EUREGIO, Außengrenzen, Binnengrenzen, Sicherheitspolitik, Identitätsbildung, Personenkontrollen, Nationalstaat, Wirtschaftsprotektionismus, Migration, Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ambivalenten Grenzpolitik der Europäischen Union und dem damit verbundenen Spannungsfeld zwischen der Aufhebung interner Grenzen und der Verstärkung der Außengrenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Evolution des Grenzbegriffs, der Integrationsprozess der EU, die Auswirkungen des Schengener Abkommens sowie die Sicherheitsaspekte der modernen Grenzverwaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Europäische Union den Prozess der Entgrenzung und Abgrenzung steuert, um einerseits Binnenmobilität zu fördern und andererseits Sicherheitsstandards zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-historische Reflexion sowie die Analyse von Fallbeispielen, um die Transformation von Grenzfunktionen in der EU zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entwicklung der EU-Binnengrenzen, konkrete Integrationsbeispiele wie die EUREGIO und die Verschärfung der Außengrenzen durch neue Kontrollinstanzen und Vorgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Entgrenzung, Abgrenzung, EU-Binnengrenzen, Schengener Abkommen, EUREGIO, Sicherheitsstandards und europäische Identität.
Inwiefern beeinflusst das Schengener Abkommen die Grenzlogik?
Es führt zu einer Auslagerung und Harmonisierung von Kontrollen, die weit über den einfachen Wegfall von Grenzkontrollen an physischen Binnengrenzen hinausgeht, hin zu einer polizeilichen Zusammenarbeit.
Was versteht man unter den im Text erwähnten "vorgelagerten Personenkontrollen"?
Dabei handelt es sich um Kontrollinstanzen in Herkunfts- und Transitstaaten, wie etwa Visa-Prüfungen durch Botschaften, um eine illegale Einreise bereits vor Erreichen der EU-Außengrenze zu verhindern.
Welche Rolle spielt die EUREGIO im Integrationsprozess?
Die EUREGIO dient als erfolgreiches Beispiel für die Überwindung nationaler Grenzen durch regionale parlamentarische Zusammenarbeit und grenzüberschreitende Wirtschaftsförderung.
Wie steht der Autor zur zukünftigen Entwicklung einer europäischen Identität?
Der Autor stellt fest, dass eine echte europäische Identität bisher primär in peripheren Grenzregionen existiert, während eine umfassende Identität auf nationalstaatlicher Ebene noch in weiter Ferne liegt.
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- Mehran Zolfagharieh (Author), 2012, Zwischen Entgrenzung und Abgrenzung. Die Grenzen der Europäischen Union am Beginn des 21. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209280