Die Institution Schule stehen immer wieder im Focus der öffentlichen Kritik und Diskussion. Vor kurzem eröffnete der Philosoph Richard David Precht erneut in einer Fernsehsendung die Diskussion mit der provokanten Fragestellung „Macht Lernen dumm?“; sein Fazit ist, dass wir im Bereich Schule/ Bildung „eine Revolution benötigen“.
Der Reformbedarf der Schule ist keine neue Erkenntnis; trotz etlicher Reformen in den vergangenen Jahren haben diese nicht dazu geführt, Bildungsmissstände zu beseitigen bzw. eine Chancengleichheit herzustellen. Engagierte LehrerInnen sind erschöpft, Horterzieherinnen müssen viel zu viele Kinder betreuen und fördern, Schülerinnen und Schülern fehlt der Raum, sich in ihrem eigenen Tempo Wissen zu erwerben. Leistungsschwächeren Kinder aus nicht privilegierten Elternhäusern fallen schnell durchs Raster eines selektiven Schulsystems.
Das Resultat sind die Bildungsverlierer: Kinder in Armut erreichen mit großer Wahrscheinlichkeit nur die Hauptschule und 15-20 % der jungen Leute können nicht richtig lesen und rechnen, was u. a. dazu führt, dass sie mit 30 Jahren ohne Berufsausausbildung sind. Als besondere Belastung kommt hinzu, dass SchülerInnen heute nicht mehr die Verlässlichkeit haben, dass sie mit dem, was sie gelernt haben, eine berufliche Perspektive haben und den damit verbundenen Platz in der Gesellschaft finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Schulsozialarbeit als Strategie sozialer Integration
2. Schulsozialarbeit und gesellschaftliche Ansprüche
3. Schule und Lebenswelt
4. Etablierung von Entlastungs- und Reflexionsmethoden an Schulen
5. Schule und institutionalisierte Elternbeteiligung
6. Programm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Schulsozialarbeit als notwendige Ergänzung zum Bildungssystem, um soziale Integration zu fördern und Bildungsbenachteiligungen abzubauen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie eine gelingende Kooperation zwischen Schule, Jugendhilfe und Elternhaus etabliert werden kann, um Kindern trotz selektiver Strukturen eine ganzheitliche Lebensbewältigung zu ermöglichen.
- Strukturelle Defizite und Reformbedarf im Bildungssystem
- Das Spannungsfeld zwischen Schule als Selektionsort und Schule als Lebensort
- Lebensweltorientierung und Kooperation mit Eltern
- Methoden zur Etablierung von Entlastung und Reflexion
- Integration durch Schulsozialarbeit am Beispiel Berliner Programme
Auszug aus dem Buch
Schulsozialarbeit und gesellschaftliche Ansprüche
Die Installierung von Schulsozialarbeit an Schulen wird auch gerne von Politik und Gesellschaft dazu genutzt, aufzuatmen und sich aus der Verantwortung zu ziehen, denn nicht selten ist eine Schulsozialarbeiterin/ ein Schulsozialarbeiter allein an einer Schule mit 500 SchülerInnen oder mehr tätig. Befindet sich die Schule zudem in einem sogenannten sozialen Brennpunkt, wissen SchulsozialarbeiterInnen häufig aufgrund der vielen „Baustellen“ nicht, wo sie die Prioritäten ihrer Arbeit legen sollen. LehrerInnen, SchülerInnen, Eltern, Jugendamt und Kommune: viele Erwartungen und alle wünschen sich Entlastung durch die Schulsozialarbeit. Konfrontiert mit multipler familiärer Not und Elend, mit Kinderarmut und Kindeswohlgefährdung gilt es häufig erst mal, Lebenswelt und Lebenslagen von Familien zu verstehen und entsprechend zu intervenieren. Erst dann ist es möglich, einen umfassenden Blick auf die Bildungsbedingungen und Chancen des einzelnen Kindes zu richten.
Schulsozialarbeit ist ein „Tropfen auf den heißen Stein“, wenn nicht parallel Politik und Öffentlichkeit Verantwortung übernehmen und ernstgemeinte (nicht nur dem Wahlkampferfolg dienende…) und zudem realisierbare Konzepte zur Bekämpfung von Armut und zur Bildung-, Sozial- und Wohnungspolitik entwickeln. Bessere Teilhabemöglichkeiten an Bildung für Menschen mit niedrigen und niedrigsten Einkommen und die Abschaffung einer klassenorientierten Schul- und Bildungspolitik sind zwingend notwendig. Es entsteht der Eindruck, als solle Schulsozialarbeit ein Alibi-Funktion für alle Verantwortlichkeiten bezüglich der Beseitigung der Missstände im Bildungsbereich übernehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
Schulsozialarbeit als Strategie sozialer Integration: Dieses Kapitel thematisiert den systemischen Reformbedarf von Schulen und die Notwendigkeit, Kinder nicht nur als Leistungsträger, sondern als Individuen zu betrachten.
Schulsozialarbeit und gesellschaftliche Ansprüche: Es wird die Rolle der Schulsozialarbeit im Spannungsfeld zwischen politischen Erwartungen und tatsächlichen Ressourcen sowie ihre Bedeutung in sozialen Brennpunkten beleuchtet.
Schule und Lebenswelt: Das Kapitel verdeutlicht die Notwendigkeit, Bildung mit der Lebenswelt der Familien zu verknüpfen, um ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen.
Etablierung von Entlastungs- und Reflexionsmethoden an Schulen: Hier werden Wege aufgezeigt, wie Lehrkräfte und Sozialarbeiter durch kollegiale Fallberatung und neue Konzepte den Schulalltag entlasten können.
Schule und institutionalisierte Elternbeteiligung: Der Fokus liegt auf der Überwindung des Machtgefälles zwischen Eltern und Schule, um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes zu erreichen.
Programm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen: Dieses Kapitel stellt ein konkretes Praxisbeispiel vor, wie durch systematische Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe Inklusion gefördert wird.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Soziale Integration, Bildungsgerechtigkeit, Lebensweltorientierung, Elternarbeit, Schulentwicklung, Jugendhilfe, Inklusion, Kooperation, Bildungsbenachteiligung, Reflexionsmethoden, Schulsystem, Ressourcenorientierung, Sozialpädagogik, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Schulsozialarbeit als unverzichtbarem Akteur bei der Integration von Kindern und Jugendlichen in ein oft selektives Schulsystem.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen Schule und Jugendhilfe, der Elternbeteiligung, der Lebensweltorientierung sowie der Reflexion von Bildungsmissständen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine stärkere Kooperation und neue Methoden eine bessere Förderung benachteiligter Kinder erreicht und der Bildungsauftrag erweitert werden kann.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Autorin nutzt einen sozialpädagogischen Ansatz, der Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreift und die Bedeutung von Systemtheorie und Lebensweltbezug betont.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert das Spannungsfeld zwischen institutionellem Druck und individueller Förderung sowie die methodischen Ansätze zur Einbindung von Eltern und zur Entlastung des Lehrkörpers.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungsgerechtigkeit, Kooperation, Anerkennung und systemische Reflexion geprägt.
Warum wird Schulsozialarbeit im Text oft als „Scharnierfunktion“ beschrieben?
Sie dient als Verbindung zwischen dem starren institutionellen System Schule und den individuellen Lebenswelten der Schüler und deren Familien.
Wie bewertet die Autorin die derzeitige Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule?
Die Autorin kritisiert ein oft machtbetontes Klima und plädiert für eine annehmende Grundhaltung der Lehrer, um Loyalitätskonflikte bei Schülern zu vermeiden.
Welche Rolle spielt das Berliner Programm in der Argumentation?
Es dient als konkretes Fallbeispiel dafür, wie durch systematische Kooperation von Jugendhilfe und Schule benachteiligte Schüler besser unterstützt werden können.
- Quote paper
- Vera Papadopoulos (Author), 2012, Schulsozialarbeit als Strategie sozialer Integration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209295