„Warum weichen die Kurse von Aktien oder anderen Vermögenswerten in gewissen Zeiträumen von ihren fundamentalen Werten ab?“
Dies ist eine Frage, die man durch den Nachweis der Existenz von Preisblasen, sogenannten ‚Bubbles’ beantworten könnte. Existieren solche Bubbles jedoch überhaupt? Die Meinung der Experten ist umstritten. So ist Eugene F. Fama, Ökonom an der Graduate School of Business der Universität Chicago in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einer deutlichen Meinung: „Ich glaube nicht an spekulative Blasen. Diejenigen, die daran glauben, erkennen sie auch immer erst im nachhinein.“ 1 Robert J. Shiller, Professor der Universität Pennsylvania und im National Bureau of Economic Research tätig, widerspricht hingegen genau dieser Meinung und antwortet auf die Frage, ob es (immer noch) eine spekulative Blase an den Aktienmärkten gäbe mit einem ganz klaren „Ja“, und sagt im nächsten Satz auch gleich, dass auch jetzt noch die Kurse erheblich von den Fundamentalwerten der Aktien abweichen. 2 Der Meinung folgt auch Wirtschaftsnobelpreisträger Vernon Smith, Ökonom an der George- Mason- Universität in Fairfax (Virginia), der auf dieselbe Frage mit einem „Gewiss“ antwortet. 3 Spekulative Blasen, wenn existent, sind eine gefährliche Sache, denn nach dem Platzen einer solchen befindet sich die Volkswirtschaft eigentlich immer in einer tiefen Rezession. Könnte man spekulative Blasen nachweisen, könnte man eventuell auch welche prognostizieren und dann Gegenmaßnahmen ergreifen. So empfahl die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im vergangenen Jahre den Notenbanken besonders auf spekulative Blasen an den Finanzmärkten zu achten, um zur Abwehr gegebenenfalls die Leitzinsen erhöhen zu können. Dieser Eingriff ist jedoch auch umstritten, Alan Greenspan,Chef der US- Notenbank Fed, bevorzugt einen expansiven geldpolitischen Kurs mit dem Argument, dass eine Überbewertung erst im Nachhinein zu diagnostizieren sei. Er sagt, der fundamentale Wert einer Aktie ist nicht leicht zu bestimmen. 4 Dies ist allgemein ein Problem an den Tests von Bubbles, das eventuell alle Testergebnisse verzerren kann. Nichtsdestotrotz sollte das Phänomen ‚Bubble’ untersucht werden, was wir im Folgenden auch tun wollen.
Gliederung
I. Einleitung
II. Bubbletests
II.1. Allgemeines über Bubbles
II.2. Die Herleitung von stochastischen Bubbles
II.2.1. Veranschaulichung ohne Bubbles
II.2.2. Veranschaulichung mit Bubbles
II.3. Weitere Fakten über Bubbles
III. Flood and Garber Bubble Test
IV. Bubbles und Excess volatility
IV. 1. Allgemeines
IV.2. Der Excess Volatility – Test von Shiller
IV. 3. Kritik am Excess Volatility – Test von Shiller
V: Der West –Test
VI. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen sowie die empirischen Methoden zum Nachweis von spekulativen Preisblasen (Bubbles) an den Finanzmärkten. Zentrales Ziel ist es, die wissenschaftliche Messbarkeit dieser Phänomene kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, inwieweit etablierte ökonomische Modelle in der Lage sind, die Existenz von Blasen empirisch zu belegen.
- Grundlagen von Preisblasen und ihre mathematische Definition.
- Methodische Ansätze wie der Flood/Garber-Test und Shillers Excess Volatility-Test.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der Effizienzmarkttheorie.
- Diskussion über ökonometrische Probleme bei der Identifikation von Bubbles.
- Relevanz von rationalem Anlegerverhalten im Kontext von Marktinstabilitäten.
Auszug aus dem Buch
II.1. Allgemeines über Bubbles:
Übersetzen kann man den Begriff ‚Bubble’ etwa mit (Preis-) Blase. Mathematisch könnte man Bubbles als Differenz aus dem Kurs eines Wertpapiers und dessen fundamentalen (inneren, echten) Wertes definieren, also Kurs minus fundamentaler Wert gleich Bubble. Verbal ausgedrückt heißt das, dass Blasen durch Preise charakterisiert werden, die sich mehr und mehr von den fundamentalen Werten wegbewegen. Sie können auftreten, wenn der Preis eines Gutes implizit von den Preiserwartungen abhängt. Dadurch entstehen dynamische Unbestimmtheiten. So können lächerlich Dinge die man nie beachten würde zu sogenannten ‚selbsterfüllenden Erwartungen mit positivem Feedback’ führen. Das heißt, die Preise können auch durch massenpsychologische Faktoren bewegt werden. Sicherlich wird die Bubblebildung durch irrationales Verhalten begünstigt, wie z.B. das Kaufen von Aktien mit überhöhtem Preis, allerdings können Blasen auch unter rationalen Erwartungen entstehen. Dies steht jedoch im Widerspruch zur Effizienzmarkttheorie, die besagt, dass die Preise alle verfügbaren Informationen beinhalten. Die Existenz von Bubbles würde somit die Effizienzmarkttheorie negieren, was die Suche nach Bubbles umso spannender macht.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik spekulativer Blasen ein und stellt gegensätzliche Expertenmeinungen zur Existenz solcher Phänomene dar.
II. Bubbletests: Dieses Kapitel erläutert die mathematische Herleitung von Preisblasen und differenziert zwischen rationalen Erwartungen und marktspezifischen Bedingungen für deren Entstehung.
III. Flood and Garber Bubble Test: Hier wird ein spezifisches empirisches Modell vorgestellt, das die Preisveränderungen mittels Regression auf das Vorhandensein einer Blase untersucht.
IV. Bubbles und Excess volatility: Dieses Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen realen Kursschwankungen und fundamental begründeten Preisen, wobei Shillers Ansatz kritisch analysiert wird.
V: Der West -Test: Vorstellung einer weiteren Methode zur Identifikation von Preisblasen, basierend auf einem konstanten erwarteten Return-Modell.
VI. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die empirische Nachweisbarkeit von spekulativen Blasen aufgrund methodischer Schwierigkeiten und modelltheoretischer Einschränkungen weiterhin umstritten bleibt.
Schlüsselwörter
Spekulationsblasen, Bubbles, Effizienzmarkttheorie, Aktienmärkte, Fundamentaler Wert, Excess Volatility, Shiller-Test, Flood/Garber-Test, West-Test, rationale Erwartungen, Finanzkrise, ökonometrische Modelle, Preisniveau, Marktzinssatz, Kursvolatilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und empirischen Analyse von spekulativen Preisblasen an Aktienmärkten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Definition fundamentaler Werte, die mathematische Herleitung von Bubbles und die kritische Untersuchung verschiedener statistischer Tests zu deren Identifikation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob und mit welchen empirischen Methoden sich die Existenz von Preisblasen belegen lässt und welche methodischen Grenzen dabei bestehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden mathematische Dividendendiskontierungsmodelle sowie ökonometrische Regressionstests (wie der Flood/Garber-Test oder der Shiller-Test) angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von stochastischen Blasen sowie die detaillierte Vorstellung und Kritik verschiedener empirischer Testverfahren auf Excess Volatility.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Preisblasen, Effizienzmarkttheorie, Fundamentaler Wert, Excess Volatility und die spezifischen Autorenmodelle nach Shiller, West sowie Flood und Garber.
Was ist die Transversalitätsbedingung im Modell?
Dies ist eine mathematische Bedingung, die besagt, dass für Wertpapiere mit endlicher Laufzeit keine spekulativen Blasen existieren können.
Warum wird die Effizienzmarkttheorie im Kontext der Arbeit diskutiert?
Die Existenz von spekulativen Blasen stünde im direkten Widerspruch zur Effizienzmarkttheorie, weshalb der Nachweis von Bubbles als Test für die Gültigkeit dieser Theorie dient.
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- Jochen Steinert (Author), 2003, Empirische Methoden zum Testen von Spekulationsblasen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20931