Diese Hausarbeit wird die Zusammenstellung und Arbeit der Geschworenengerichte im England des Spätmittelalters untersuchen. Dabei wird sich die Untersuchung hauptsächlich auf John Fortescues Fürstenspiegel „On the Laws and Governance of England“ stützen.
Zunächst wird dementsprechend die Textgattung der Fürstenspiegel genauer betrachtet und eingeführt werden, wobei sowohl die historische Entwicklung als auch Funktion und Bedeutung Gegenstand der Untersuchung sein werden.
Im Anschluss wird die Hausarbeit eine grobe Einordnung in den historischen Kontext vornehmen. Ein Vergleich mit dem kontinentalen Recht wird die Sonderstellung des englischen Rechtssystems im Spätmittelalter verdeutlichen.
Anschließend sollen zunächst das Amt des Sheriffs porträtiert und anschließend die Verfahren zur Zusammenstellung und Urteilsfindung einer Jury in England im Spätmittelalter analysiert werden.
Abschließend werden Stärken und Probleme der Geschworenengerichte anhand der gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fürstenspiegel
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Funktion und Bedeutung
3. Das Rechtswesen des Spätmittelalters
3.1 Der König und die Institutionen
3.2 Englisches und kontinentales Recht im Vergleich
4. Die englischen Geschworenengerichte des Spätmittelalters
4.1 Der Sheriff
4.2 Die Jury
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionsweise und Zusammenstellung der Geschworenengerichte im England des Spätmittelalters, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse von John Fortescues Fürstenspiegel „On the Laws and Governance of England“ liegt. Ziel ist es, die Sonderstellung des englischen Rechtssystems im Vergleich zum kontinentaleuropäischen System, insbesondere in Bezug auf die Anwendung von Folter und die Einbindung der Jury, herauszuarbeiten.
- Historische Entwicklung und Bedeutung der Gattung "Fürstenspiegel"
- Struktur des englischen Rechts und die Rolle des Parlaments
- Die Funktion und Machtbefugnisse des Sheriffs
- Prozessabläufe und Zusammensetzung von Grand Jury und Petty Jury
- Vergleich der Rechtsauffassungen zwischen England und Kontinentaleuropa
Auszug aus dem Buch
3.2 Englisches und kontinentales Recht im Vergleich
Ab dem 13. Jahrhundert drängten die drei königlichen Gerichte, der Court of Exchequer, der Court of Common Pleas und der Court of King’s Bench die kleineren lokalen County Courts oder Hundred Courts zunehmend zurück. Ende des Jahrhunderts entschieden die königlichen Gerichtshöfe auch bei kleineren Vergehen wie Überfällen, Körperverletzung oder Sachbeschädigung.
Juryverfahren gab es wohl regelmäßig ab dem frühen 13. Jahrhundert. Das Geschworenensystem trat die Nachfolge der sogenannten Feuerproben an, die durch das vierte Laterankonzil 1215 verboten wurden. Schon vorher hatte es in Ausnahmefällen Juryverfahren gegeben, daher lag es vermutlich nahe, dieses Vorgehen auszuweiten. Jens Röhrkasten erklärt die Herausbildung des Geschworenenwesens folgendermaßen:
„Nachdem Eideshelfer bereits Ende des 12. Jahrhunderts in Kriminalverfahren nicht mehr wirksam waren und Gottesurteile 1219 verboten worden waren, blieben nur Zweikampf und Schöffenkollegium, um Entscheidungen herbeizuführen. Dazu kam, daß die alte Form der Privatklage durch das moderne Indictamentum allmählich verdrängt wurde. Da Duelle nur in Privatklagen und Kronzeugenverfahren möglich waren, gerieten sie bald in den Hintergrund. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts wurden die meisten Entscheidungen durch Geschworene gefällt.“
Zur gleichen Zeit sah die Situation in Kontinentaleuropa wesentlich anders aus. Hier gehörte das Mittel der Folter zum normalen Verfahren:
„From the late Middle Ages and throughout the ancient régime, torture was an incident of the legal systems of all the great states of continental Europe. Torture was part of the ordinary criminal procedure, regularly employed to investigate and prosecute routine crime before the ordinary courts. The system was one of judicial torture.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Forschungsvorhaben, die Geschworenengerichte des englischen Spätmittelalters anhand von John Fortescues Werken zu untersuchen und historisch einzuordnen.
2. Fürstenspiegel: Das Kapitel erläutert die historische Entwicklung und die politische Funktion dieser Textgattung als Grundlage für mittelalterliche Herrschaftsideale.
3. Das Rechtswesen des Spätmittelalters: Hier wird die Machtteilung zwischen dem englischen König und den Institutionen analysiert und der Kontrast zur kontinentalen Rechtstradition verdeutlicht.
4. Die englischen Geschworenengerichte des Spätmittelalters: Dieser Hauptteil widmet sich den Aufgaben des Sheriffs sowie den Verfahrensstrukturen und den Anforderungskriterien für Geschworene.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das englische Modell zwar fortschrittlich war, aber durch Korruptionsprobleme und langwierige Prozesse mit hohen Anforderungen an die Geschworenen belastet blieb.
Schlüsselwörter
Geschworenengerichte, Spätmittelalter, England, John Fortescue, Fürstenspiegel, Sheriff, Jury, Rechtssystem, Folter, Parlament, Rechtsgeschichte, Institutionen, Prozessrecht, Petty Jury, Grand Jury
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Struktur und Arbeitsweise der Geschworenengerichte in England während des Spätmittelalters.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Rolle der Fürstenspiegel als politische Literatur, die Entwicklung des englischen Rechtswesens im Vergleich zum Kontinent und die Verfahrensabläufe der Jury.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, anhand von John Fortescues Werk "On the Laws and Governance of England" die Besonderheiten der englischen Rechtspflege und den Schutz vor willkürlicher Herrschaft zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literatur- und quellenbasierte Analyse, wobei sie zeitgenössische Fürstenspiegel und historische Forschungsliteratur miteinander in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet das Amt des Sheriffs, die Konstituierung der Juries sowie die juristische Auseinandersetzung mit der Abgrenzung zwischen englischem und kontinentalem Recht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Geschworenengerichte, Rechtssystem, Sheriff, Jury, Folterverbot und englische Monarchie.
Welche Rolle spielte der Sheriff bei der Auswahl der Geschworenen?
Der Sheriff war dafür verantwortlich, eine Liste von zwölf Geschworenen zusammenzustellen, wobei er durch strenge gesetzliche Auflagen in seiner Macht begrenzt wurde, um Korruption zu verhindern.
Warum war das Englische System für Fortescue dem kontinentalen überlegen?
Fortescue argumentierte, dass das englische System durch den Verzicht auf systematische Folter und die Einbindung der Jury die Freiheit und das Eigentum der Untertanen besser schützte als die absolute Machtausübung in anderen europäischen Ländern.
- Arbeit zitieren
- Sophie Pahl (Autor:in), 2009, Geschworenengerichte im England des Spätmittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209390