Das Dämonargument in Descartes’ "Meditationes de Prima Philosophia"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
18 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorhaben und Gang der Untersuchung

Descartes, der methodische Zweifel und das Dämonargument

Fazit

Bibliographie

Vorhaben und Gang der Untersuchung

Ziel meiner Hausarbeit ist es, Descartes’ Entwicklung des Dämonargumentes in den Meditationes de Prima Philosophia nachzuvollziehen und Schritt für Schritt darzulegen. Um seine philosophische Position kennen zu lernen, werde ich zunächst die Einordnung in den historischen Kontext vornehmen. Anschließend widme ich mich der ersten Meditation und dem Hauptthema dieser Untersuchung: Dem Dämonargument. Hierzu werde ich das gesamte Kapitel und die Argumentation stufenweise darlegen. Im Anschluss werde ich auf die Bedeutung des Dämonarguments und die daraus resultierende philosophische Problemstellung eingehen. Im Rahmen dieser Betrachtung werde ich sowohl Descartes’ eigene Antwort auf dieses, durch seinen radikalen Zweifel aufgeworfene, Problem ansprechen, als auch versuchen, die Reaktionen anderer Philosophen auf die Dämonhypothese zu betrachten. In meiner Schlussbetrachtung werde ich die Ergebnisse meiner Untersuchung zusammenfassen, einordnen und selbst Stellung beziehen.

Descartes, der methodische Zweifel

und das Dämonargument

Descartes wurde am 31. März 1596 in La Haye in der Touraine, Frankreich, geboren. Er war Sohn einer angesehenen Familie und eines von fünf Kindern. Seine Mutter starb bei der Geburt eines weiteren Bruders, der allerdings nur wenige Tage alt wurde. René Descartes wuchs in der Obhut einer Amme auf. Ungefähr ab 1606 folgte er seinem älteren Bruder Pierre in das Internat La Flèche, wo er bis etwa 1614 lernte (Vgl. Cottingham 1992: 23). Diese Schuljahre waren für Descartes prägend, da er auch eine dreijährige Ausbildung in der scholastischen Philosophie erhielt. Auch wenn er sich später mit seinen eigenen Theorien gegen die Lehren seiner alten Schule auflehnte, beeinflusste ihn seine Lehrzeit in La Flèche doch erheblich, wie man an seinen späteren Bemühungen sehen kann, die Gelehrten der jesuitischen Bildungsanstalt von seinen Theorien zu überzeugen. (Vgl. Cottingham 1992: 63)

Um zu begreifen, welche Tragweite Descartes Theorien zu seiner Zeit und mit seinem Bildungshintergrund hatten, sollten die Erziehungsgrundsätze des Jesuitenordens genauer betrachtet werden. Auf der einen Seite weiß auch Descartes viel Gutes über La Flèche zu berichten (Vgl. Cottingham 1992: 59). So zum Beispiel die Offenheit der Jesuiten für alle gesellschaftlichen Schichten oder der Sinn für Gleichbehandlung eben dieser. Auch die Wertschätzung der philosophischen Ausbildung bemerkt Descartes positiv. Die Bildungsgrundsätze sind allerdings in höchstem Maße einschränkend, was auch für Descartes eine Enttäuschung gewesen sein dürfte. (Vgl. Cottingham 1992: 60).

Ein Rundbrief von François de Borgis, dem Anführer des Jesuitenordens, an alle führenden Persönlichkeiten des Ordens spiegelt die Einstellung der religiösen Vereinigung gegenüber allen Neuerungen deutlich wider. Zu allererst gelten die Regeln, die Borgis in diesem Rundbrief aufstellt nicht nur für die Theologie, sondern ebenso für die Philosophie. Dies verdeutlicht den Stellenwert der Philosophie in der Gesellschaft zu Descartes Zeit. Sie war eng mit der Theologie verknüpft und bildete somit die Grundlage des Überzeugungssystems. Es reicht, an dieser Stelle den ersten Abschnitt des Rundbriefs zu zitieren:

„Let no one defend or teach anything opposed, detracting, or unfavorable to the faith, either in philosophy or in theology. […] Let no one defend anything against the most common opinion of the philosophers and theologicians, for example, that natural agents act at a distance without medium. Let no one defend any opinion contrary to common opinion without consulting the Superior or Prefect. Let no one introduce any new opinion in philosophy or theology without consulting the Superior or Prefect.” (Cottingham 1992: 65)

Oberstes Gebot war der Schutz des Glaubens vor neuen Theorien. Keine Neuerung durfte irgendwie Einfluss auf den Gottesglauben nehmen, denn dieser war und blieb der höchste Wert und eben auch Hauptgegenstand der Philosophie. Die Scholastik, die christliche Philosophie, war die Basis philosophischen Denkens zu Descartes Lebzeiten. Descartes bemühte sich zwar, sich nicht direkt gegen den Glauben zu wenden und versicherte in seinen Briefen an Angehörige des Ordens auch immer wieder, dass seine Theorien mit dem Glauben vereinbar seien, trotzdem wandte er sich mit seinen Texten gegen die gesamte Schulphilosophie, die ihm zuteil wurde.

Nach seiner Schulzeit diente Descartes beim Militär und unternahm zahlreiche Reisen ins Ausland. Schließlich ließ er sich zunächst in Holland nieder, wo er erfolgreich publizierte. Seinen Discours suchte Descartes mit Einwänden anderer Philosophen und seinen jeweiligen Erwiderungen zu veröffentlichen. Wie zu erwarten war, erhielt er zunächst nicht die Resonanz, die er sich erhofft hatte. (Vgl. Cottingham 1992: 69) Nach einigen Bemühungen, kamen aber doch einige Antworten auch aus der jesuitischen Umgebung zusammen. Bei seinem schriftlichen Austausch mit Morin, einem progressiv eingestellten Jesuiten, schwingt allerdings auch deutlich ein gewisser Hohn mit, weshalb Descartes die Kommunikation schließlich abbrach. (Cottingham 1992: 73)

In seinen Meditationes de Prima Philosophia wandte Descartes seine methodischen Gedanken aus dem Discours an und spitzte seinen methodischen Zweifel sogar weiter zu.

Descartes stieß in der Gesellschaft seiner Zeit nicht nur auf Ablehnung. Er hatte auch viele Anhänger und publizierte erfolgreich. So unterhielt er beispielweise regen Schriftverkehr mit diversen Gelehrten, gerne auch interessierten Damen aus gutem Hause. Er bemühte sich, seine Theorien in verschiedenen Kreisen ins Gespräch und in die Diskussion zu bringen.

Descartes starb 1650 wahrscheinlich an einer Lungenentzündung.

Die erste der insgesamt sechs Meditationes de Prima Philosophia ist in zwölf Abschnitte unterteilt und wurde von Rene Descartes so gestaltet, dass die einzelnen Abschnitte an einen Dialog erinnern. Er führt dieses Gespräch mit sich selbst. Seine skeptischen Gedanken werden immer wieder von seinem alltagserfahrenen, unskeptischen Ich hinterfragt.

Sein Vorhaben formuliert er gleich zu Beginn seiner Meditationes de Prima Philosophia im ersten Abschnitt. Er wolle „etwas Festes und Bleibendes in den Wissenschaften errichten“ (Descartes 1641: 63). Als Grund führt er an, dass er schon Jahre zuvor bemerkt habe: „wie viel Falsches ich von Jugend auf als wahr hingenommen habe und wie zweifelhaft alles sei, was später darauf gründete;“ (Descartes 1641: 63)

Descartes scheint das Wissenssystem als umgedrehte Pyramide zu sehen. Aus einer Reihe fundamentaler Annahmen ergeben sich alle anderen Überzeugungen. Diese Mechanik ist in Descartes Augen zwar sinnvoll, da er auch das neue Wissenssystem darauf aufbauen will (Vgl. Descartes 1641: 63), birgt aber eine große Gefahr. Da alle Überzeugungen auf anderen Überzeugungen und Meinungen aufbauen, läuft er Gefahr, sein ganzes Überzeugungssystem mit falschen Meinungen zu infizieren. Ist eine der fundamentalen Überzeugungen falsch, so sind es auch alle darauf gründenden. Descartes hegte offenbar schon zuvor den Gedanken er wolle „einmal im Leben von Grund auf alles umstürzen“ (Descartes 1641: 63), lässt den Leser im ersten Abschnitt aber wissen, dass er lange gezögert habe, ehe er sich dieser großen Aufgabe gewachsen gefühlt habe (Vgl. Descartes 1641: 63).

Interessant ist auch die Methode, die Descartes anwendet, um den Umsturz seiner Meinungen vorzunehmen. Er sucht nicht die Gesellschaft und die Diskussion philosophischer Kollegen oder zieht zahllose Bücher zu Rate. Stattdessen zieht er sich in die Einsamkeit zurück und diskutiert seine Überlegungen in Meditation, durch bloßes Nachdenken mit sich selbst. (Vgl. Descartes 1641: 63)

Im zweiten Abschnitt überlegt Descartes zunächst, wie er bei seinen Überlegungen methodisch vorgehen will. Er hält es nicht für nötig allen seinen Überzeugungen die Falschheit nachzuweisen, da dies genauso wenig gelingen würde, wie ihre Korrektheit sicherzustellen. (Vgl. Descartes 1641: 63) Stattdessen will er alle Meinungen verwerfen, in denen er „irgendeinen Anlaß zum Zweifeln“ (Descartes 1641: S. 63) findet. Laut Descartes schreibt die Vernunft vor, keiner unsicheren Überzeugung zuzustimmen und da er auf der Suche nach etwas Festem und Bleibendem ist, kann er alle anzweifelbaren Meinungen von vorneherein verwerfen. (Vgl. Descartes 1641: 63) Natürlich wäre es auch schwer möglich jede Überzeugung seines „Wissenssystems“ einzeln durchzugehen. Aber auch das hält Descartes für unnötig:

„Da bei der Untergrabung der Fundamente alles, was darauf gebaut ist, von selbst zusammenstürzt, werde ich unmittelbar die Prinzipien selbst angreifen, auf die sich alles stützte, was ich früher für wahr hielt.“ (Descartes 1641: 63/64)

Descartes will sich also die Fundamente und Grundprinzipien seiner Überzeugungswelt vornehmen und sie dahingehend überprüfen, ob sie theoretisch anzweifelbar sind. Unabhängig von ihrer Korrektheit will er dann jede Überzeugung verwerfen, die auch nur irgendwie bezweifelbar ist, bis er schließlich zu etwas vollkommen Sicherem kommt – selbst wenn das die Überzeugung sein sollte, dass es nichts Sicheres gibt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Dämonargument in Descartes’ "Meditationes de Prima Philosophia"
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V209394
ISBN (eBook)
9783656370802
ISBN (Buch)
9783656370932
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Descartes, Dämon, Dämonargument, Rene Descartes
Arbeit zitieren
Sophie Pahl (Autor), 2008, Das Dämonargument in Descartes’ "Meditationes de Prima Philosophia", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209394

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