In dieser Diskussion soll geklärt werden, wie sich neue Formen der Erwerbsarbeit auf die Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland auswirken.
Hauptaugenmerk soll hierbei auf der stark anwachsenden Leiharbeitsbranche,
sowie der ebenso zunehmenden Erwerbsform der geringfügigen Beschäftigung liegen.
Diese beiden Formen der Erwerbsarbeit werden in der Abgrenzung zu dem herkömmlichen Modell des Normalarbeitsverhältnisses als neu bezeichnet.
So wird zu Beginn der Ausführung dargelegt, wie sich das Normalarbeitsverhältnis im historischen Verlauf der Markt- und der Staatsvergesellschaftung etablieren konnte. Um die Unterschiede zwischen neuer Erwerbsarbeit und dem Normalarbeitsverhältnis zu Kennzeichnen, wird zunächst auf dessen Merkmale eingegangen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend mit den neuen Formen der Erwerbsarbeit, der Leiharbeit und der geringfügigen Beschäftigung, in Kontrast gesetzt. Dabei wird unter anderem auf Analysen und Gutachten des Deutschen Gewerkschaftsbundes, des Sachverständigenrates zur wirtschaftlichen Entwicklung und der Bertelsmann-Stiftung Bezug genommen. Dabei fällt auf, dass Beschäftigte in den neuen Formen der Erwerbsarbeit mit einer anderen sozialen und materiellen Lebensrealität konfrontiert sind, als Beschäftigte in typischen Beschäftigungsverhältnissen. Damit ein Vergleich hergestellt werden kann wird nun definiert, was unter sozialer Ungleichheit, im speziellen der Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt, zu verstehen ist. Am Ende möchte ich auf Möglichkeiten eingehen wie die Positionen aller Arbeitsmarktteilnehmer gerecht angeglichen werden könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Thema
2. Entwicklung der Erwerbsarbeit in Deutschland
2.1. Arbeit im historischen Verlauf
2.2. Das Normalarbeitsverhältnis
2.3. Neue Formen der Erwerbsarbeit
2.3.1. Geringfügige Beschäftigung
2.3.2. Leiharbeit
3. Ungleichheit
3.1. Definition sozialer Ungleichheit
3.2. Soziale Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt
3.3. Entwicklung der Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der Erwerbsarbeit in Deutschland und dessen Auswirkungen auf die soziale Ungleichheit, wobei insbesondere prekäre Beschäftigungsformen wie Leiharbeit und geringfügige Beschäftigung im Fokus stehen.
- Historische Entwicklung des Normalarbeitsverhältnisses
- Strukturelle Merkmale neuer Formen der Erwerbsarbeit
- Definition und Dimensionen sozialer Ungleichheit
- Analyse der Folgen von Arbeitsmarktreformen
- Vergleich von Beschäftigungsmodellen (Deutschland vs. Skandinavien)
Auszug aus dem Buch
2.2. Das Normalarbeitsverhältnis
Das Normalarbeitsverhältnis ist die Bezeichnung für ein Arbeitsverhältnis, dass in Deutschland viele Jahre lang als Norm der Lohnarbeit galt. Bei der Lohnarbeit handelt es sich um eine abhängige Form der Erwerbsarbeit. Das Normalarbeitsverhältnis hatte seine größte Ausprägung in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, eng verknüpft mit dem korporatistischen System und der Sozialgesetzgebung in Deutschland. Das korporatistische System in Deutschland bezeichnet die enge Beziehung zwischen Staat, Arbeitgeberverbänden und Arbeitnehmerverbänden, bei der Aushandlung von Arbeitsbedingungen (z.B. Arbeitszeit, Entlohnung).
Dieses System orientiert sich bei der Aushandlung von Arbeitsbedingungen an dem Idealzustand einer stabilen Vollzeitbeschäftigung. Dieser Idealzustand wird definiert als das Modell des Normalarbeitsverhältnisses. Das als Normalarbeitsverhältnis als zur „Standartform deklariertes Muster der sozialen Organisation von Lohnarbeit“, beinhaltet folgende Charakteristiken:
1. Das Normalarbeitsverhältnis bezieht sich auf das vorwiegend männliche Erwerbsmodell des Alleinverdieners und damit auf einen Aspekt der lohnarbeitszentrierten Sozialpolitik vieler moderner Staaten. Es beinhaltet weiter eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung mit einer Arbeitszeit von etwa 35 bis 40 Stunden in der Woche. Wobei die Lohnhöhe ausreichend ist um eine ganze Familie zu versorgen.
2. Der Sicherheitsaspekt der abhängigen Beschäftigung ist ein weiteres Merkmal des Normalarbeitsverhältnisses. Die Arbeitnehmer sind unbefristet eingestellt und genießen ein hohes Maß an rechtlicher Stabilität, sozialstaatlicher Absicherung (z.B. Arbeitslosenversicherung) und Lohnsicherheit, was eine kontinuierliche Berufsbiographie ermöglicht.
3. Des Weiteren ist das Normalarbeitsverhältnis ist kollektivvertraglich reguliert. Die zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden ausgehandelten Arbeitsverträge gelten großflächig für einen Großteil der Arbeitnehmer in einer Vollzeitbeschäftigung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thema: Einleitende Problembeschreibung anhand eines Praxisbeispiels aus der Zeitarbeit, die auf die wachsende prekäre Lage vieler Beschäftigter hindeutet.
2. Entwicklung der Erwerbsarbeit in Deutschland: Darstellung des historischen Wandels von der Arbeit als Vergesellschaftungsmoment hin zum Normalarbeitsverhältnis sowie der Entstehung neuer, atypischer Beschäftigungsformen.
3. Ungleichheit: Theoretische Definition sozialer Ungleichheit und Analyse ihrer Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, insbesondere durch die Zunahme von Leiharbeit und geringfügiger Beschäftigung.
4. Resümee: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und Ausblick auf das skandinavische Modell als alternatives Beispiel zur Gestaltung flexibler Arbeitsmärkte.
Schlüsselwörter
Normalarbeitsverhältnis, Erwerbsarbeit, soziale Ungleichheit, Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung, Arbeitsmarkt, Prekarität, Arbeitsmarktreform, Beschäftigungsverhältnisse, Sozialstaat, Tarifvertrag, Beschäftigungspolitik, Rationalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit den Veränderungen der Erwerbsarbeitsverhältnisse in Deutschland und der Frage, wie diese Entwicklungen die soziale Ungleichheit beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der historische Wandel des Normalarbeitsverhältnisses, die Zunahme von atypischen Beschäftigungsformen wie Leiharbeit und Minijobs sowie soziologische Definitionen von Ungleichheit.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Autorin oder der Autor untersucht, wie sich neue Formen der Erwerbsarbeit auf die soziale Ungleichheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und dem Vergleich empirischer Befunde, unter anderem von Gewerkschaften, dem Sachverständigenrat und soziologischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung neuer Beschäftigungsformen, definiert den Begriff der sozialen Ungleichheit und vergleicht das deutsche System kritisch mit internationalen Modellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Normalarbeitsverhältnis, Leiharbeit, Prekarität, soziale Ungleichheit und Erwerbsbiografie.
Welche Bedeutung hat das skandinavische Modell für die Schlussfolgerung?
Das Modell dient als Gegenentwurf, um aufzuzeigen, dass Flexibilisierung am Arbeitsmarkt nicht zwangsläufig zu Prekarität führen muss, wenn soziale Absicherungsmechanismen greifen.
Warum wird die Rolle der Gewerkschaften so stark hervorgehoben?
Die Arbeit kritisiert, wie durch spezifische Tarifverträge der Leiharbeitsbranche reguläre Standards umgangen werden, was die Ungleichheit zwischen Stammbelegschaft und Leiharbeitern verschärft.
- Citar trabajo
- Florian Buchholz (Autor), 2012, Neue Formen der Erwerbsarbeit und die Ungleichheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209406