Auch in der Grundschule werden seit einiger Zeit als Antwort auf die Kompetenzentfaltung seitens der Schüler „Schülerpräsentationen“ im Unterricht erprobt. So heißt es im Rahmenplan für die Grundschule: „Mündliches wie schriftliches Sprachhandeln wird ständig gefordert und gefördert: Mitteilungen zwischen Kindern untereinander bzw. zwischen Kindern und Lehrkräften, Zuhören, Sprechen, Schreiben und Lesen spielen in allen Unterrichtsgebieten eine Rolle.“ Weiter heißt es: „Für die Lehrerin oder den Lehrer bedeutet das zweierlei: Einerseits muss sie bzw. er die entsprechenden Situationen schaffen, in denen Kinder ihre sprachliche Kompetenz ausbauen können, andererseits muss sie bzw. er sensibel sein für die Komplexität der sprachlichen Erfahrungen, um sie positiv beeinflussen zu können (vgl. Rahmenplan für die Grundschule, Hessen, 1995).
Zu den Themen „Schülerpräsentationen“ und/oder „Gruppenarbeiten“ in der Schule gibt es zahlreiche Veröffentlichungen, in denen auch die „Schülerkooperation“ als Interaktionsform erwähnt wird. Aber Untersuchungen, die sich auf die „Schülerkooperationen“ während einer „Schülerpräsentation“ beziehen, in denen die unterrichtlichen Situationen genau betrachtet werden, sind in der wissenschaftlichen Literatur kaum vorhanden.
Die vorliegende Arbeit möchte diese Lücke füllen, indem sie Einsichten in das Kooperationsverhalten während einer Schülerpräsentation gibt. Über die Einsichten aus den Kooperationshandlungen während der Präsentation soll eine Möglichkeit geschaffen werden, Informationen zu den Arbeitsprozessen während der Gruppenarbeitsphase zu bekommen.
Diese Art der Betrachtung von Kooperationshandlungen soll der Lehrperson Gelegenheit geben, möglichst von jeder Gruppe ein Bild des Arbeitsprozesses während der Gruppenarbeit zu bekommen.
Aber auch das Erkennen von Kompetenzen im Bereich des „freien Vortrags“ soll durch die Einsichten über die Kooperationshandlungen
erkannt und gestärkt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretischer Rahmen
1.1 Schülerkooperation
1.1.2 Gruppenarbeit
1.1.3 Schülerpräsentation
1.2 Kooperation aus Sicht verschiedener Lerntheorien
1.2.1 Kooperation aus der psychologischen Perspektive der Pädagogischen Psychologie
1.3 Fragestellung
2. Methode /Rekonstruktion
2.1 Datenerhebung
2.2 Transkriptionsverfahren
2.3 Interaktionsanalyse
2.4 Die Rezeptionsanalyse
2.5 Die Lerngruppe
2.6 Auswahl, Anordnung und Darstellung der Unterrichtsausschnitte
2.7 Die Aufgaben
2.8 Lösungsmöglichkeiten der Aufgabe
3. Szenen aus dem Mathematikunterricht – Analyse zur Rekonstruktion der Schülerkooperationen
3.1 Szene I – Transkript
3.1.1 Szene I – Interaktionsanalyse
3.1.2 Zusammenfassende Interpretation
3.1.3 Ergänzung durch die Rezeptionsanalyse
3.2 Szene II – Transkript
3.2.1 Szene II – Interaktionsanalyse
3.2.2 Zusammenfassende Interpretation
3.2.3 Ergänzung durch die Rezeptionsanalyse
3.3 Szene III – Transkript
3.3.1 Szene III – Interaktionsanalyse
3.3.2. Zusammenfassende Interpretation
3.3.3 Ergänzung durch die Rezeptionsanalyse
3.4 Ausblick und Zwischenfazit
4. Kooperationshandlungen und Kooperationstypen
4.1. Kooperationshandlungen
4.1.1 Abgucken
4.1.2 Nicht-Helfen
4.1.3 Mit beteiligt sein
4.1.4 Nebeneinander her arbeiten
4.2 Kooperationstypen
4.2.1 Beteiligt sein oder doch nebeneinander arbeiten?
4.2.2 Bystander
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kooperationsverhalten von Schülern während einer Schülerpräsentation im Mathematikunterricht der Grundschule. Ziel ist es, durch eine interpretative Analyse aufzuzeigen, ob und wie Schüler in dieser Phase kooperieren, um Rückschlüsse auf die vorangegangene Gruppenarbeitsphase zu ermöglichen und die Rolle von Präsentationen als Instrument der Förderung von Schülerkooperation zu bewerten.
- Analyse der Schülerkooperation in Präsentationssituationen
- Einsatz von Interaktionsanalyse und Rezeptionsanalyse
- Untersuchung von Hilfeverhalten und Arbeitsprozessen
- Identifikation von Kooperationshandlungen und -typen
- Rolle der Lehrperson und des Plenums
Auszug aus dem Buch
3.1 Szene I – Transkript
8 L: Ich habe euch hier mal die Tafel gewischt, falls ihr mal den anderen zeigen wollt, wenn ihr was aufgeschrieben habt\
9 Gruppe geht zur Tafel
10 Gemurmel in der Klasse
11 O[1]. steht direkt an der Tafel, die anderen Gruppenmitglieder stehen daneben. Ein Gruppenmitglied spricht mit einer Schülerin und bittet sie, ihr den Aufgabenzettel zu geben. Sie hält ein Schulheft in der Hand. Das dritte Gruppenmitglied verfolgt sie mit ihren Augen. Otto nimmt den Aufgabenzettel in Empfang.
12 L: Sch-sch.
13 L: So, dann hört ihr den dreien…
14 L: Tanja
15 L: L., setz dich bitte mal hin, das sammeln wir später ein\
16 L: Sch sch.
17 Otto hält das Aufgabenblatt den beiden anderen hin
18 S.[2] dreht sich weg
19 T: Warum meldest du dich dann/
20 T: Ohh .. dann machs doch\
21 O: Ich kanns nicht ...
22 T: Ja, aber warum meldest du dich dann, was solln das/
23 L: Otto, vielleicht beginnst du noch mal, indem du die Aufgabe vorliest…
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Relevanz von Schülerpräsentationen in der Grundschule und Darstellung der Forschungslücke bezüglich des Kooperationsverhaltens während dieser Phasen.
1. Theoretischer Rahmen: Definition der zentralen Begriffe Schülerkooperation, Gruppenarbeit und Schülerpräsentation sowie Einbettung in die pädagogische Psychologie und Formulierung der Forschungsfrage.
2. Methode /Rekonstruktion: Darstellung der Datenerhebung mittels Videoaufzeichnung, Erläuterung der angewandten Analyseverfahren (Interaktions- und Rezeptionsanalyse) und Vorstellung der Lerngruppe sowie der Aufgaben.
3. Szenen aus dem Mathematikunterricht – Analyse zur Rekonstruktion der Schülerkooperationen: Empirischer Kernteil, in dem drei ausgewählte Unterrichtsszenen detailliert transkribiert, analysiert und interpretiert werden.
4. Kooperationshandlungen und Kooperationstypen: Zusammenführung der Analyseergebnisse zu konkreten Kooperationshandlungen (z.B. Abgucken, Nicht-Helfen) und Typologisierungen der beobachteten Interaktionsmuster.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, in der das Phänomen des "Nebeneinander-her-Arbeitens" und die dominierende Rolle der Lehrperson kritisch reflektiert werden.
Schlüsselwörter
Schülerkooperation, Schülerpräsentation, Gruppenarbeit, Interaktionsanalyse, Rezeptionsanalyse, Mathematikunterricht, Grundschule, Kooperationshandlungen, Kooperationstypen, Unterrichtsforschung, Qualitative Sozialforschung, Bystander, Schülersozialverhalten, Unterrichtsgespräch, Aufgabendarstellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Kooperationsverhalten von Schülern während einer Schülerpräsentation nach einer Gruppenarbeitsphase in einer dritten Grundschulklasse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Interaktion zwischen Schülern in Präsentationssituationen, die Art der Gruppenarbeit sowie der Einfluss der Lehrperson auf diese Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie Schüler bei Präsentationen interagieren und ob daraus Rückschlüsse auf die Zusammenarbeit in der vorangegangenen Gruppenphase gezogen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine interpretative Unterrichtsforschung. Die Analyse stützt sich auf die Interaktionsanalyse nach transkribierten Videoaufzeichnungen, ergänzt durch eine Rezeptionsanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse dreier Szenen aus dem Mathematikunterricht, um daraus systematisch Kooperationshandlungen und -typen abzuleiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schülerkooperation, Interaktionsanalyse, Gruppenpräsentation und qualitativer Unterrichtsforschung beschreiben.
Wie bewerten die Schüler ihre Kooperation laut der Analyse?
Die Analyse zeigt, dass sich die Schüler in den beobachteten Szenen eher als Einzelpersonen wahrnehmen, die ihre individuelle Leistung gegenüber der Lehrperson rechtfertigen müssen, statt als geschlossene Gruppe zu agieren.
Welchen Einfluss hat die Lehrperson auf die Schülerinteraktionen?
Die Lehrperson dominiert das Geschehen stark; sie fungiert oft als Ansprechpartnerin und gibt Struktur vor, was eine eigenständige Schülerkooperation eher einschränkt als fördert.
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- Sabrina Parlow (Author), 2009, Schülerkooperation bei Schülerpräsentation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209422