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Die Stellung des Bundesverfassungsgerichts im politischen System der Bundesrepublik Deutschland

Die Problematik der Ersatzgesetzgebung

Title: Die Stellung des Bundesverfassungsgerichts im politischen System der Bundesrepublik Deutschland

Master's Thesis , 2012 , 120 Pages , Grade: 1,4

Autor:in: Master of Arts Stefan Wagner (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Summary Excerpt Details

Das Bundesverfassungsgericht ist die höchstrangige Institution der rechtsprechenden Gewalt der Bundesrepublik Deutschland. Es ist der sogenannte Hüter der Verfassung – also des Grundgesetzes – und kontrolliert die Verfassungsmäßigkeit des politischen Lebens. Dabei gehört es nicht dem Instanzenzug an, was bedeutet, dass es keine vollständige Rechtsprüfung ausübt, sondern es überprüft Entscheidungen anderer Gerichte und sonstige Anträge als Akte der Staatsgewalt am Maßstab des Verfassungsrechts. Das Grundgesetz stellt also die oberste Richtschnur dar, anhand derer sämtliches staatliches Handeln interpretiert und gemessen wird. In seinem nunmehr über 60 Jahre andauernden Bestehen, war und ist das Bundesverfassungsgericht stets die Institution, die tonangebend in der Auslegung des Grundgesetzes war und diesem Aufmerksamkeit und Respekt verschaffte. „Insbesondere seine Rechtsprechung zu den Grundrechten hat bewirkt, dass das Grundgesetz konkrete Gestalt gewonnen und in der politischen Kultur Deutschlands verwurzelt ist.“
Das Parlament, die Regierung und auch die übrige Rechtsprechung sind in ihrem Handeln an die Verfassung gebunden und das Bundesverfassungsgericht überwacht diese Verfassungsmäßigkeit. „Es kann das Parlament in die Schranken der Verfassung weisen und dessen Gesetze für nichtig erklären, wenn und soweit sie mit dem Grundgesetz unvereinbar sind.“

...

Die Arbeit soll sich deshalb dem Thema der besonderen Stellung des Bundesverfassungsgerichts im Gesamtgefüge der deutschen Staatsorgane widmen sowie identifizierbare Probleme nennen, und untersuchen, worauf diese Stellung gegründet ist, welches Verhältnis der Organe untereinander dadurch entsteht und wie insgesamt mit der Gefahr eines Ersatzgesetzgebers „Bundesverfassungsgericht“ umgegangen werden kann und wird. Auch sollen die Grenzen zwischen Rechtsprechung und Politik thematisiert werden, welche stets und ständig ein die Verfassungsgerichtsbarkeit begleitendes Thema darstellen, welches dahingehend Fragen aufwirft, ob das Gericht sich allmählich über die Politik und den Gesetzgeber erhebt, oder ob dem Gericht seitens des Gesetzgebers mehr und mehr Aufgaben zugespielt werden, die dessen eigentlich vorgesehenen Kompetenzbereich beständig erweitern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegendes zum Bundesverfassungsgericht

2.1 Die Entstehung des Bundesverfassungsgerichts

2.1.1 Die Arbeit des Parlamentarischen Rates

2.1.2 Das Bundesverfassungsgericht – eine (deutsche) Institution sui generis

2.1.3 Die Konstitution des Bundesverfassungsgerichts

2.2 Der organisatorische Aufbau des Bundesverfassungsgerichts

2.2.1 Die Richter des Bundesverfassungsgerichts und ihre Wahl

2.2.2 Die Kritik der Richterwahl

2.3 Die Aufgabenbereiche des Bundesverfassungsgerichts

3. Die Stellung des Bundesverfassungsgerichts im politischen System der Bundesrepublik Deutschland

3.1 Das Bundesverfassungsgericht – Gericht & Verfassungsorgan

3.2 Die Interpretation der Verfassung

3.2.1 Der souveräne Deuter

3.2.2 Die Bindungswirkung der Urteile

3.3 Das Bundesverfassungsgericht als Akteur der Grauzone zwischen Politik und Recht

3.4 Zwischenfazit zur Stellung des Bundesverfassungsgerichts im politischen System der Bundesrepublik Deutschland

4. Thesenbereich I: Das Bundesverfassungsgericht als politisch mächtiger Akteur mit Tendenz zur Ersatzgesetzgeberschaft

4.1 Einleitung – Das Verhältnis zum Gesetzgeber

4.2 These I 1. - Macht durch Kontrolle

4.3 These I 2. - Macht durch Mitgestaltung

4.4 These I 3. - Macht durch Deutung

4.5 These I 4. - Macht durch Minderheitenschutz

4.6 These I 5. - Macht durch Normverwerfung

4.7 Fazit – Das Verhältnis zum Gesetzgeber

5. Thesenbereich II: Die Relativierung der Macht

5.1 Einleitung – Die Grenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit

5.2 These II 1. - Machtbegrenzung durch Antragspflicht

5.3 These II 2. - Machtbegrenzung durch fehlende Gestaltungsmöglichkeiten

5.4 These II 3. - Machtbegrenzung durch judicial self-restraint

5.5 These II 4. - Machtbegrenzung durch fehlende Sanktionsmöglichkeiten

5.6 These II 5. - Notkompetenz und geliehene Macht

5.7 These II 6. - Ein negativer Legislateur ist unmöglich

5.8 Fazit – Die Grenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit

6. Zusammenfassung

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die besondere Stellung des Bundesverfassungsgerichts im deutschen Staatsgefüge und analysiert die Problematik, inwieweit das Gericht als Ersatzgesetzgeber fungiert oder agieren kann. Im Zentrum steht dabei das Spannungsverhältnis zwischen der judikativen Funktion und der politischen Gestaltungsmacht, um zu klären, wo die verfassungsrechtlichen Grenzen liegen und wie das Gericht dieses Spannungsfeld zwischen Recht und Politik navigiert.

  • Entstehungsgeschichte und organisatorischer Aufbau des Bundesverfassungsgerichts.
  • Die Rolle des Gerichts als „Hüter der Verfassung“ und die Auswirkungen seiner Interpretationstätigkeit.
  • Analyse des Gerichts als politischer Akteur in der Grauzone zwischen Recht und Politik.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der These einer „Ersatzgesetzgeberschaft“ anhand von zwei Thesenbereichen.
  • Diskussion der Mechanismen der Machtbegrenzung und der richterlichen Selbstbeschränkung (judicial self-restraint).

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Bundesverfassungsgericht – Gericht & Verfassungsorgan

Das Bundesverfassungsgericht ist nach den Bestimmungen des Grundgesetzes einerseits ein Teil der rechtsprechenden Gewalt und damit ein Gericht wie alle anderen auch. Jedoch ist es ebenso gemäß des Grundgesetzes auch ein Verfassungsorgan. Dies begründet eine besondere Stellung des Gerichts im politischen System der BRD, auf die nun näher eingegangen werden soll.

Die Stellung des Bundesverfassungsgerichts als Gericht stellt sich dabei als im Wesentlichen unproblematische Tatsache heraus, da bereits die Wortwahl „Gericht“ für eine solche Stellung spricht und obendrein die Qualifikation als solches durch Art. 92 GG festgeschrieben ist. Hierbei wird festgehalten, dass den Richtern des Bundesverfassungsgerichts die rechtsprechende Gewalt anvertraut wird und im § 1 BVerfGG wird das Bundesverfassungsgericht als selbstständiger und unabhängiger Gerichtshof bezeichnet. Die Gerichtsqualität des Bundesverfassungsgerichts ist damit nicht anzweifelbar.

Ein wenig schwieriger und folgenreicher stellt sich hier nun die zweite Position des Bundesverfassungsgerichts als Verfassungsorgan dar.

Diese gehobene Position bezieht das Gericht ebenfalls aus § 1 BVerfGG, indem neben dem Bundesverfassungsgericht von allen übrigen Verfassungsorganen die Rede ist und damit dem Gericht selbst Status zuteil wird. Zwar ist diese Aussage ein wenig versteckt enthalten, jedoch geht das Bundesverfassungsgericht davon aus, „daß es diese Eigenschaft [als Verfassungsorgan, d. Verf.] nicht nur kraft des einfachen Gesetzes in § 1 BVerfGG, sondern unmittelbar aus der Verfassung hat.“ Dies hat das Gericht bereits im Jahre 1952 in seiner sogenannten Status-Denkschrift so bezeichnet: „Das Bundesverfassungsgericht ist nach Wortlaut und Sinn des Grundgesetzes und des Gesetzes über das BVerfG zugleich auch ein mit höchster Autorität ausgestattetes Verfassungsorgan; als Gericht sei es 'in eine ganz andere Ebene als alle anderen Gerichte gerückt.'

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Stellung des Bundesverfassungsgerichts und Formulierung der zentralen Fragestellung bezüglich seiner Rolle als Ersatzgesetzgeber.

2. Grundlegendes zum Bundesverfassungsgericht: Detaillierte Betrachtung der Entstehungsgeschichte, des organisatorischen Aufbaus, des Richterwahlverfahrens und der grundlegenden Aufgabenbereiche des Gerichts.

3. Die Stellung des Bundesverfassungsgerichts im politischen System der Bundesrepublik Deutschland: Analyse des dualen Charakters als Gericht und Verfassungsorgan sowie der Rolle als Akteur in der Grauzone zwischen Politik und Recht.

4. Thesenbereich I: Das Bundesverfassungsgericht als politisch mächtiger Akteur mit Tendenz zur Ersatzgesetzgeberschaft: Untersuchung der Macht des Gerichts durch Kontrolle, Mitgestaltung, Deutung, Minderheitenschutz und Normverwerfung.

5. Thesenbereich II: Die Relativierung der Macht: Diskussion der Grenzen der Verfassungsgerichtsbarkeit durch Antragspflicht, Selbstbeschränkung und strukturelle Abhängigkeiten.

6. Zusammenfassung: Synthese der vorangegangenen Argumentationen und Rückführung auf die Ausgangsproblematik.

7. Fazit: Abschließende Würdigung der Rolle des Bundesverfassungsgerichts als stabilisierender Faktor im politischen Prozess.

Schlüsselwörter

Bundesverfassungsgericht, Grundgesetz, Verfassungsrecht, Ersatzgesetzgeberschaft, Gewaltenteilung, Judikative, politische Gestaltungsmacht, judicial self-restraint, Normverwerfungskompetenz, Verfassungsinterpretation, Rechtsstaat, politische Neutralität, Bundesrepublik Deutschland, Minderheitenschutz, Rechtskultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die verfassungsrechtliche und politische Stellung des Bundesverfassungsgerichts in Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt, ob und inwieweit das Gericht über seine judikative Rolle hinausgehend politische Funktionen ausübt, die als Ersatzgesetzgeberschaft bezeichnet werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören die Entstehungsgeschichte und Legitimation des Gerichts, der Dualismus zwischen Gericht und Verfassungsorgan, die Interpretation der Verfassung, die Machtmittel des Gerichts sowie die theoretischen und praktischen Grenzen seiner Befugnisse.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die leitende Forschungsfrage lautet, ob das Bundesverfassungsgericht als Ersatzgesetzgeber bezeichnet werden kann und wie sich sein Handeln auf das politische System und das Verhältnis der Verfassungsorgane untereinander auswirkt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und juristische Analyse, die eine thesenbasierte Untersuchung in zwei großen Thesenbereichen (einer machtbejahenden und einer machtrelativierenden Position) nutzt, um die komplexe Rolle des Gerichts abzubilden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen dargelegt. Anschließend werden in zwei großen Abschnitten Thesen formuliert und überprüft, die einerseits die mächtige Rolle des Gerichts (Ersatzgesetzgeber-Diskurs) und andererseits die machtbegrenzenden Faktoren (richterliche Selbstbeschränkung) in den Fokus rücken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen das Bundesverfassungsgericht, die Ersatzgesetzgeberschaft, die Gewaltenteilung, judicial self-restraint, Normverwerfungskompetenz sowie das Spannungsfeld zwischen Recht und Politik.

Inwiefern beeinflussen die Richter ihre Entscheidungen?

Die Arbeit thematisiert, dass Richter keine politisch neutralen Instanzen in einem Vakuum sind, sondern durch ihre Sozialisation, ihre persönlichen Weltbilder und die Notwendigkeit zur Interpretation von unbestimmten Rechtsbegriffen zwangsläufig einen politischen Spielraum haben.

Was bedeutet der Begriff "judicial self-restraint" in diesem Kontext?

Dieser Begriff beschreibt die richterliche Selbstbeschränkung, bei der das Bundesverfassungsgericht darauf verzichtet, in den originären Gestaltungsbereich von Legislative oder Exekutive einzugreifen, um die Gewaltenteilung und die eigene Neutralität zu wahren.

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Details

Title
Die Stellung des Bundesverfassungsgerichts im politischen System der Bundesrepublik Deutschland
Subtitle
Die Problematik der Ersatzgesetzgebung
College
University of Leipzig
Grade
1,4
Author
Master of Arts Stefan Wagner (Author)
Publication Year
2012
Pages
120
Catalog Number
V209431
ISBN (eBook)
9783656371229
ISBN (Book)
9783656371694
Language
German
Tags
Politik Macht Gericht Verfassung Bundesverfassungsgericht Gesetzgebung Ersatzgesetzgebung politischer Prozess politisches System Richter Deutschland Bundesrepublik Interpretation Gesetzgeber Minderheitenschutz judicial self-restraint Verfassungsmäßigkeit politische Kultur Grundgesetz Recht Staatsorgane Parlament Verfassungsorgane Kontrolle Norm Normverwerfung Rechtsprechung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Master of Arts Stefan Wagner (Author), 2012, Die Stellung des Bundesverfassungsgerichts im politischen System der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209431
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