Das Verhältnis zwischen Marxismus / Kommunismus und Jakobinismus ist komplex und auch gebrochen. Marx wies im 18. Brumaire auf die Unterschiede zwischen proletarischen Revolutionen, die sich lange und mitunter langsam quälen, und bürgerlichen, die in Feuerbrillanten gefasst sind, hin. Während der Pariser Kommune warnte er die Kommunarden, nicht an die kleinbürgerlichen Traditionen von 1793 anzuknüpfen. Wenn Engels ihn auch als journalistisches Vorbild hinstellte, Marat stand auf dem linken Flügel der Sansculotten, aber immer noch auf dem Boden des Kleinbesitzes und wollte die Gesellschaft durch moralische Appelle verbessern und in eine Bauerngesellschaft transformieren. Die Wahrung des individuellen Besitzes galt ihm als das wichtigste Menschenrecht. Der einfache Mann darf nur nicht produktionsmittellos sein, ein kleiner Besitz ließe ihn sich eines Tages an der Frucht seiner Arbeit erfreuen. Die Zahl der Eheschließungen werde sich vervielfachen und die Bevölkerung zunehmen. Eine Zunahme der Bevölkerung war auch für Rousseau ein Kriterium guten Regierens. An diesem kleinen Besitz hängt das Heil der Menschheit. " ... Wohlstand, geregeltes Leben, Gesundheit und Freude werden das durch Elend und Unterdrückung entartete Menschengeschlecht erneuern", schrieb er am 30. Juni 1790 in seiner Zeitung "Ami du Peuple" (Der Volksfreund). Marat war ein Vertreter der untersten Schichten der Stadt- und Dorfarmut. Wenn der 24jährige Lenin in seinem ersten grossen Werk: "Was sind die Volksfreunde und wie kämpfen sie gegen die Sozialdemokraten?" die Mitglieder seiner Partei auch die "neuen Jakobiner" nannte, so lag der Akzent doch schon auf das Denken in großwirtschaftlichen Räumen und auf dem internationalen Klassenkampf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Grundlagen
2.1.1 Definition
3. Methodik
4. Hauptteil
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Biografie untersucht das Leben und Wirken von Jean Paul Marat als Theoretiker der Französischen Revolution und analysiert seine politische Philosophie sowie die dialektische Beziehung zwischen Revolution und Konterrevolution im Kontext des aufkeimenden Klassenkampfes.
- Biografische Analyse des Lebensweges von Jean Paul Marat
- Kritische Würdigung der politischen Schriften und des "Ami du Peuple"
- Analyse der sozialen Ursachen und Klassengegensätze der Französischen Revolution
- Untersuchung von Marats Theorien zur Staatsgewalt und Volkskontrolle
- Reflektion der Bedeutung Marats im historischen Kontext des Marxismus-Leninismus
Auszug aus dem Buch
Die Ambivalenz der revolutionären Gewalt
Marat soll die „Markthallenweiber von Paris“ zum Marsch nach Versailles aufgerufen haben, die dann den König nach Paris brachten, er nahm jedenfalls an dem Marsch teil, entlarvte die Machenschaften der Großbourgeoisie bei ihrer Kampagne zur Einteilung der Franzosen in Aktiv – und Passivbürger, so dass von 43 Millionen Bürger nur 4,3 Millionen politisch aktiv hätten werden können, also wirkliche Staatsbürger gewesen wären 29. und sprach von einer neuen Aristokratie des Reichtums, die die Sklaverei in den Kolonien beibehalten wolle. 30. „Was wäre durch die Beseitigung der Adelsaristokratie gewonnen, falls an ihre Stelle die Geldaristokratie tritt ? Wenn wir nun unter dem Joch der neuen Emporkömmlinge stöhnen sollten, dann wäre es besser gewesen, die privilegierten Stände beizubehalten“.
Die französische Revolution hatte eine doppelte Aufgabe: sowohl die Macht des Feudaladels als auch die Macht der Geldaristokratie zu brechen. Nur die erste wurde gelöst und verdammte den Feudaladel zu dem historischen Schicksal, „proletarisch“ aufzutreten. „Den proletarischen Bettelsack schwenkten sie als Fahne in der Hand, um das Volk hinter sich her zu versammeln. Sooft es ihnen aber folgte, erblickte es auf ihren Hintern die alten feudalen Wappen und verlief sich in lautem und unehrerbietigem Gelächter“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Biografie und historische Einordnung von Jean Paul Marat als zentrale Figur der Revolution.
2. Theoretischer Rahmen: Darstellung der philosophischen und politischen Grundlagen, die Marats Denken prägten.
3. Methodik: Erläuterung des biografischen und historischen Zugangs zur Untersuchung der Quellen.
4. Hauptteil: Detaillierte Analyse von Marats politischem Wirken, seinen journalistischen Tätigkeiten und seiner Rolle in der Revolution.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der historischen Bedeutung Marats und seines Erbes.
Schlüsselwörter
Jean Paul Marat, Französische Revolution, Jakobiner, Ami du Peuple, Klassenkampf, Konterrevolution, Aufklärung, Bourgeoisie, Sansculotten, Volksaufstand, Radikalisierung, Politische Theorie, Demokratie, Terror, Historischer Materialismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich dem Leben, dem politischen Denken und der geschichtlichen Rolle von Jean Paul Marat als bedeutendem Theoretiker und Akteur der Französischen Revolution.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die politische Theorie Marats, seine journalistische Rolle als "Volksfreund", die soziale Dimension der Revolution sowie die Analyse von Klassengegensätzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die historisch-kritische Aufarbeitung von Marats Handeln und seine Einordnung in den Kontext der revolutionären Dynamiken zwischen 1789 und 1793.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-biografische Methode und verbindet diese mit einer politikwissenschaftlichen Analyse der Primär- und Sekundärquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Marats Wirken als Publizist, seine Auseinandersetzungen mit der Gironde, seine militärischen Konzepte und sein Verständnis der revolutionären Gewalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Marat, Jakobinismus, Klassenkampf, Revolution, Publizistik und der politische Wandel während der Französischen Revolution.
Wie bewertet der Autor Marats Rolle als "Prophet"?
Der Autor zeichnet das Bild Marats sowohl als hellsichtigen Warner vor konterrevolutionären Tendenzen als auch als ruhelosen Revolutionär, dessen Handeln oft von der Dialektik zwischen Theorie und praktischer Notwendigkeit bestimmt war.
Welche Verbindung zieht der Text zu späteren revolutionären Bewegungen?
Es werden Bezüge zum Marxismus, dem Bolschewismus und den historischen Analysen von Lenin und Friedrich Engels gezogen, um Marats Vorbildfunktion und die Entwicklung des revolutionären Gedankens zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Heinz Ahlreip (Author), 2013, Jean Paul Marat. Demokrat und Theoretiker der Revolution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209463