Ziel der Arbeit ist es, die unternehmerischen, politischen und gesellschaftlichen Beweggründe für CSR aufzuzeigen. Dabei soll die besondere Rolle der Selbstregulierung und der Nicht-Regierungs-Organisationen für dieses Thema detaillierter betrachtet werden.
Der Beginn der Arbeit widmet sich dem Verständnis der Thematik. Neben einer Klärung des Begriffs corporate social responsibility, sowie der verschiedenen Interpretations- und Umsetzungsformen werden zu Beginn auch die, für das allgemeine Verständnis relevanten Begriffe erläutert. Anhand der Geschichte des CSR-Ansatzes werden die Ursachen für die Entstehung der beiden unterschiedlichen Hauptströmungen beleuchtet.
Aufbauend auf den Basisfakten, geht das folgende Kapitel auf die unternehmerischen Motive für CSR ein. Diese Motive spielen in eine essentielle Rolle. Nur wenn für die Unternehmen ein langfristiger Anreiz besteht, freiwillig soziale Verantwortung zu übernehmen, kann sich dieser Ansatz dauerhaft etablieren und so den Einsatz aufwändiger staatlicher Regulierungsinstrumente verringern. Hierfür werden neben den ökonomischen Motiven auch die wirtschaftssoziologischen Beweggründe betrachtet, da neben den potentiellen Profiten und Marktvorteilen, auch der unternehmerischen Legitimation in der Gesellschaft eine nicht zu verachtende, jedoch meist unbewusste Rolle zukommt.
Anschließend beschäftigt sich die Arbeit mit der Bedeutung von CSR für die Politik. Ziel dieses Kapitels ist es, zu erläutern, was die Gesetzgeber veranlasst, die Unternehmen in den Entscheidungsprozess mit einzubinden und ihnen partielle Entscheidungsautonomie zu gewähren. Neben einer globalen Betrachtung wird hierfür auch ein Augenmerk auf den Sonderfall Deutschland gelegt. In diesem Zusammenhang müssen auch die Regulierungen als Steuerungsinstrument der Gesetzgebung sowie die politischen Beweggründe für Deregulierung und Selbstregulierung betrachtet werden.
Abschließend beschäftigt sich die Arbeit mit den einzelnen Stakeholdern und deren Einfluss auf die Unternehmen. Hierfür werden unter anderem die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und ihre Steuerbarkeit genauer unter die Lupe genommen. Eine besondere Betrachtung kommt in diesem Abschnitt dem Einfluss und der Bedeutung der Nicht-Regierungs-Organisationen zu.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff CSR und seine Entwicklung
2.1. Allgemeine Begriffe im Zusammenhang mit CSR
2.1.1. Nachhaltigkeit
2.1.2. Stakeholder
2.1.3. Corporate Governance
2.1.4. Corporate Citizenship
2.2. Der Begriff Corporate Social Responsibility
2.3. Die Entwicklung des CSR
2.3.1. Die Entstehung von CSR
2.3.2. Die Dichotomie von CSR
3. Die Motive der Unternehmen für CSR
3.1. Vorbemerkungen zu den unternehmerischen Motiven
3.2. Die unterschiedlichen Sichtweisen des CSR
3.3. Die Ökonomische Motive
3.3.1. Die Diskussion um die ökonomischen Motive
3.3.2. Die CSR-Pyramide und die Begründung für die ökonomischen Motive
3.3.3. Shared-value als strategische Verwendung von CSR
3.3.4. Massnahmen für strategisches CSR
3.4. Die Wirtschaftssoziologischen Motive
3.4.1. Das Motiv der Organisationalen Legitimität
3.4.2. Die Motive aus der sozialen Bewegungstheorie
3.4.3. Weitere wirtschaftssoziologische Motive
3.5. Vergleich der Motive
4. Der Verbindung zwischen Politik und CSR
4.1. Die Bedeutung von CSR für die Politik
4.1.1. CSR auf der globalen Ebene
4.1.2. Die Abgrenzung der Deutschen Politik bei der Umsetzung von CSR
4.1.3. Die Bedeutung der Soft Laws
4.2. Die politischen Steuerungsinstrumente
4.2.1 Regulierungen Allgemein
4.2.2. Der Einfluss der Regulierung auf das unternehmerische Verhalten
4.2.3. Die Bedeutung der Deregulierung auf das unternehmerische Verhalten
4.2.4. Der Einfluss der Selbstregulierung auf das unternehmerische Verhalten
5. Die Einflussmöglichkeiten der Gesellschaft
5.1. Bedeutung der Rahmenbedingungen als Steuerungsinstrument
5.1.1. Die Rahmenbedingungen
5.1.2. Steuerung mit Hilfe der Rahmenbedingungen
5.2. Die Stakeholder
5.2.1. Die Formen der Stakeholder
5.2.2. Einfluss der einzelnen Stakeholder
5.3. Die Bedeutung der Nicht-Regierungs-Organisationen
5.3.1. Das Definitionsproblem der NGO
5.3.2. Die Aufgaben der NGO
5.3.3. Die Stärken und Schwächen der NGO
6. Zusammenfassung und Ergebnis
6.1. Vor- und Nachteile der Selbstregulierung von CSR
6.2. Kann Regulierung eine Option sein?
6.3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Selbstregulierung im Kontext von Corporate Social Responsibility (CSR). Das primäre Ziel ist es, die unternehmerischen, politischen und gesellschaftlichen Beweggründe für CSR zu analysieren und zu hinterfragen, ob unternehmerische Selbstverpflichtungen ein effektives Instrument zur Steuerung gesellschaftlichen Nutzens darstellen.
- Motivationen und Beweggründe für freiwillige CSR-Maßnahmen von Unternehmen.
- Die Rolle von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) als Kontrollinstanzen.
- Politische Steuerungsinstrumente, inklusive Regulierung, Deregulierung und Selbstregulierung.
- Einflussmöglichkeiten verschiedener Stakeholder-Gruppen.
- Vergleich der ökonomischen, neoinstitutionellen und bewegungstheoretischen Ansätze zu CSR.
Auszug aus dem Buch
4.2.4. DER EINFLUSS DER SELBSTREGULIERUNG AUF DAS UNTERNEHMERISCHE VERHALTEN
Das Hauptabgrenzungskriterium zwischen der Selbstregulierung und der klassischen Regulierung ist die Einbindung von privaten Akteuren in den Prozess. Der Begriff Selbstregulierung steht in gewisser Weise als Überbegriff für sämtliche alternativen Regulierungsformen. Ihnen wird von Industrie und Politik ein sehr hohes Problemlösepotential zugeschrieben. Der Vorteil, den die EU diesem Thema zumisst, lässt sich schon aus dem Titel einer Arbeit zum Thema Selbstregulierung ablesen:„Vereinfachung und Verbesserung des Regelumfeldes“100
Ein Sonderfall der Selbstregulierung wäre das reine Marktmodell, das gänzlich ohne staatliche Regulierung auskommt. Da die Akteure hierbei theoretisch ohne jeglichen Druck auskommen – weder von innen noch von außen, würde die Bezeichnung Selbstregulierung in der Form wiederum ein Oxymoron darstellen. In dem Fall wäre eine Regulierung wiederum unnötig.
Die in der Praxis üblichen Formen der Selbstregulierung unterscheiden sich in ihrer Klassifizierung hauptsächlich in der Art und Weise, in der die privaten Akteure entlang des Regulierungsprozesses einbezogen werden. Der Regulierungsprozess ist wiederum durch Normsetzung, Durchsetzung und Sanktionierung gekennzeichnet. 101 Die einzelnen Klassifizierungen können in Selbst- und Koregulierung differenziert werden. Der Übergang zwischen beiden Formen ist jedoch eher verschwommen und kann aufgrund der Vielzahl an Varianten nicht genau definiert werden.
Der Begriff Mit- oder auch Koregulierung bezeichnet einen Prozess, in dem sowohl staatliche als auch private Akteure in Regulierungsarrangements involviert sind. Sie bezeichnet also einen Fall in dem man von gemeinsamer Verantwortung sprechen kann. Für eine genauere Definition von Koregulierung gehen die verschiedenen Autoren auf die einzelnen Steuerungsinstrumente für die Zusammenarbeit und die unterschiedlichen Strukturen der Aufgabenverteilung ein. Hieraus ergibt sich wiederum eine Vielzahl an Möglichkeiten. Die EU hat mit der interinstitutionellen Vereinbarung die folgende Definition für Koregulierungen festgelegt:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der Effektivität von Selbstregulierung.
2. Der Begriff CSR und seine Entwicklung: Hier werden grundlegende Definitionen wie Nachhaltigkeit, Stakeholder und Corporate Governance erläutert, sowie die historische Entstehung und die verschiedenen Ausprägungen von CSR in Europa und Nordamerika beleuchtet.
3. Die Motive der Unternehmen für CSR: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Treiber für unternehmerisches CSR-Engagement, wobei ökonomische, neoinstitutionelle und wirtschaftssoziologische Motive gegenübergestellt werden.
4. Der Verbindung zwischen Politik und CSR: Es wird untersucht, warum Gesetzgeber Unternehmen Entscheidungsautonomie gewähren und welche Rolle Soft Laws sowie verschiedene politische Steuerungsinstrumente wie Regulierung und Deregulierung spielen.
5. Die Einflussmöglichkeiten der Gesellschaft: Der Fokus liegt auf der Beeinflussung unternehmerischen Handelns durch Rahmenbedingungen, Stakeholder und insbesondere Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO).
6. Zusammenfassung und Ergebnis: Abschließend werden die Vor- und Nachteile der Selbstregulierung bewertet und ein Fazit zum Spannungsfeld zwischen unternehmerischer Freiheit und staatlicher Regulierung gezogen.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, CSR, Selbstregulierung, Nachhaltigkeit, Stakeholder, Politische Steuerung, Nicht-Regierungs-Organisationen, NGO, Wirtschaftssoziologie, Unternehmensethik, Shared-Value, Regulierung, Deregulierung, Soft Laws, Unternehmensverantwortung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Wirksamkeit von freiwilliger unternehmerischer Selbstregulierung im Rahmen von Corporate Social Responsibility (CSR) und das Wechselspiel zwischen Unternehmen, Politik und zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Motive für unternehmerisches CSR-Engagement, die Rolle von Politik als Akteur sowie die Einflussmöglichkeiten von Stakeholdern und Nicht-Regierungs-Organisationen auf das Handeln von Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob unternehmerische Selbstregulierung im Vergleich zur staatlichen Regulierung ein effektiveres Mittel zur Optimierung des gesellschaftlichen Nutzens darstellt und welche politischen Anreize hierbei wirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Fachliteratur und verschiedener Modelle (wie der CSR-Pyramide nach Carroll), um die Motive, politischen Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren auf CSR systematisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von unternehmerischen Motiven, die Beziehung zwischen Politik und CSR, sowie eine detaillierte Analyse der Einflussmöglichkeiten verschiedener gesellschaftlicher Akteure, wie Stakeholder und NGOs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Corporate Social Responsibility, Selbstregulierung, Stakeholder, NGO, Nachhaltigkeit und politische Steuerungsinstrumente beschreiben.
Warum bevorzugen Unternehmen häufig informelle Standards gegenüber staatlichen Gesetzen?
Unternehmen schätzen informelle Standards (Soft Laws) aufgrund ihrer höheren Flexibilität, der Vermeidung von Überregulierung und der Möglichkeit, schneller auf spezifische Herausforderungen oder Marktdynamiken zu reagieren, während sie gleichzeitig ihre Entscheidungsautonomie wahren.
Welche Rolle spielen Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) für Unternehmen?
NGOs fungieren als Kontrollinstanzen und „Gegenmacht“. Sie gewinnen ihre Bedeutung durch ihre Glaubwürdigkeit und sind in der Lage, Unternehmen durch Skandalisierungskampagnen unter Legitimationsdruck zu setzen, weshalb viele Unternehmen dazu übergehen, NGOs als Partner in Kooperationen einzubinden.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Ing. Wi-Ing. Florian Karlstedt (Autor:in), 2011, Selbstregulierung im Rahmen von Corporate Social Responsibility, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209465