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Arbeitslosigkeit und MAE-Maßnahmen

Titel: Arbeitslosigkeit und MAE-Maßnahmen

Seminararbeit , 2011 , 10 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Vera Papadopoulos (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

„Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft“. Mit diesen Worten entfachte Bundeskanzler Schröder bereits Anfang April 2001 eine heftige Debatte über „Faulenzer“, „Drückeberger“, „Scheinarbeitslose“ und „Sozialschmarotzer“.
Die Wirtschaftsforschungsinstitute entgegneten, dass nicht die Arbeitslosen, sondern „das System faul sei“. Ich habe in meinem Berufsfeld auf verschiedenen Ebenen Stigmatisierungen beobachtet/festgestellt. Sehr erstaunt und beschäftigt hat mich die Feststellung, dass es nicht nur persönliche Stigmatisierungen gibt, sondern auch politische (siehe obiges Zitat), strukturelle und ortsgebundene Stigmatisierungen. Teilnehmerinnen der MAE‐ Maßnahmen werden in abgelegenen, verwahrlosten Gebäuden beschäftigt und paradoxerweise mit dem Ziel der Integration exkludiert. Es scheint fast so, als müsse man die arbeitslosen Menschen von der Gesellschaft fern halten und umgekehrt. Werden Menschen räumlich derart ausgesondert, werden bereits vorhandene Stigmata bestätigt und stabilisiert. Arbeitslose befürchten heute Dauerarbeitslosigkeit; das bedeutet, dass sie sich mit der Idee, lebenslang stigmatisiert zu sein, auseinandersetzen müssen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. „Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft“

2. Da ich noch nicht lange die Arbeit als Projektleiterin verrichte, kann ich von keiner „peinlichen Begegnung“ berichten, aber von eigenen „peinlichen“ Gedanken

3. In der Auseinandersetzung mit dem Thema Stigma wird zwischen diskreditierten und diskreditierbaren Individuen unterschieden; entscheidender Faktor ist die Deutlichkeit bzw. Sichtbarkeit der stigmatisierenden Merkmale. Beispiele:

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Mechanismen der Stigmatisierung von arbeitslosen Menschen im institutionellen und gesellschaftlichen Alltag, beleuchtet die Folgen für die individuelle Identitätsentwicklung und reflektiert die Rolle professioneller Akteure bei der Entstigmatisierung.

  • Formen der Stigmatisierung (persönlich, politisch, strukturell, ortsgebunden)
  • Die Rolle von Leistung als gesellschaftlicher Wertemaßstab
  • Psychologische Folgen der Etikettierung für Betroffene (Identitätsveränderung)
  • Strukturelle Ambivalenz in der Sozialarbeit (Helferrolle vs. Kontrollinstanz)
  • Differenzierung zwischen diskreditierten und diskreditierbaren Individuen

Auszug aus dem Buch

3. In der Auseinandersetzung mit dem Thema Stigma wird zwischen diskreditierten und diskreditierbaren Individuen unterschieden; entscheidender Faktor ist die Deutlichkeit bzw. Sichtbarkeit der stigmatisierenden Merkmale. Beispiele:

Menschen, deren Stigma offensichtlich und kaum verbergbar ist, werden laut Goffman mit „Invasionen“ in Richtung des Privaten konfrontiert: Sie werden angestarrt, sind krankhafter Neugier ausgesetzt, erhalten ungerechtfertigte Hilfsangebote (1999: 25f.).

Diskreditierbare Personen können parallel diskreditiert sein: z. B. ein psychisch erkrankter Mensch, dessen Familie und Freunde von der Krankheit wissen, aber nicht andere Personen. Bemerkenswert ist, dass einigen stigmatisierten Gruppen neben negativen Eigenschaften auch eine oder mehrere positive Eigenschaft zugeschrieben wird/ werden. Beispiele dafür sind hohe Sensibilität von Menschen mit Behinderung und der Sinn für Ästhetik bei homosexuellen Männern.

Auch Kombinationen von einzelnen Merkmalen können diskreditierbar machen und Stigmata erzeugen: äußerlich unauffällige Menschen können in Kombination mit einer Örtlichkeit stigmatisiert werden, z. B. Menschen im Jobcenter, „Toilettenfrau“ in öffentlicher Toilette, Friseuse im Friseursalon.

Aufgefallen ist mir bei der Erstellung der Tabelle, dass bestimmte Stigmata eine sehr große emotionale Wirkung auf den „Normalen“ haben, z. B. Gefühle wie Ekel und Abscheu erzeugen. Dass solche intensiven Gefühle nur schwer verbergbar sind und Auswirkungen auf das Verhalten des Normalen und des Stigmatisierten erzeugen, erscheint logisch.

Zusammenfassung der Kapitel

1. „Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft“: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Ebenen der Stigmatisierung arbeitsloser Menschen und zeigt auf, wie institutionelle Prozesse und Begrifflichkeiten zur Ausgrenzung beitragen.

2. Da ich noch nicht lange die Arbeit als Projektleiterin verrichte, kann ich von keiner „peinlichen Begegnung“ berichten, aber von eigenen „peinlichen“ Gedanken: Die Autorin reflektiert kritisch ihre eigene Rolle als Projektleiterin und gesteht ein, dass auch sie dazu neigt, stigmatisierende Klischees auf Teilnehmerinnen zu projizieren, was die Notwendigkeit der Selbstreflexion in der Sozialarbeit unterstreicht.

3. In der Auseinandersetzung mit dem Thema Stigma wird zwischen diskreditierten und diskreditierbaren Individuen unterschieden; entscheidender Faktor ist die Deutlichkeit bzw. Sichtbarkeit der stigmatisierenden Merkmale. Beispiele:: Dieses Kapitel differenziert theoretisch zwischen sichtbaren und verdeckten Stigmata anhand einer tabellarischen Übersicht und untersucht deren emotionale sowie soziale Wirkungsweise auf die Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Stigmatisierung, Arbeitslosigkeit, Identität, Sozialarbeit, Inklusion, Exklusion, Etikettierung, Selbstreflexion, Erwerbslosigkeit, Diskreditierung, Wertemaßstäbe, Sozialpädagogik, Fremddefinition, Leistungsbereitschaft, Gesellschaftliche Teilhabe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem Stigmatisierungsprozess gegenüber arbeitslosen Menschen und wie diese durch gesellschaftliche, politische und institutionelle Strukturen in ihrer Identität beeinflusst werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die sozialen Ausgrenzungsmechanismen, die Bedeutung von Erwerbsarbeit für das Selbstwertgefühl sowie die kritische Reflexion des professionellen Handelns in der Sozialarbeit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Prozesse der Fremd- und Selbststigmatisierung offen zu legen und die Wichtigkeit der professionellen Selbstreflexion für Akteure in der sozialen Arbeit zu verdeutlichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Reflexionsarbeit, die soziologische Stigmatisierungstheorien (insbesondere nach Goffman) mit praktischen Beobachtungen und Fallbeispielen verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil deckt die Analyse politischer Debatten, konkrete Beobachtungen aus dem Arbeitsalltag mit Arbeitslosen sowie eine theoretische Einordnung stigmatisierender Merkmale ab.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Stigmatisierung, Identitätsveränderung, Inklusion, Exklusion und professionelle Selbstreflexion.

Welche Rolle spielt die „Eingliederungsvereinbarung“ im Kontext der Stigmatisierung?

Sie fungiert als ein Instrument, das Menschen aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit in eine „Fall“-Logik drängt und somit ihre Exklusion formal legitimiert und festigt.

Wie reflektiert die Autorin ihr eigenes Verhalten als Projektleiterin?

Die Autorin erkennt ehrlich an, dass sie selbst dazu neigt, Teilnehmerinnen aufgrund ihrer Lebenserfahrungen in Kategorien einzuteilen, und betont, dass diese unbewusste Etikettierung ein ständiges Hindernis professioneller Arbeit darstellt.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Arbeitslosigkeit und MAE-Maßnahmen
Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Note
1,0
Autor
Vera Papadopoulos (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
10
Katalognummer
V209497
ISBN (eBook)
9783656374336
ISBN (Buch)
9783656377085
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitslosigkeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Vera Papadopoulos (Autor:in), 2011, Arbeitslosigkeit und MAE-Maßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209497
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  10  Seiten
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