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Die Kinder der Kriegskinder

Die transgenerationale Weitergabe von Traumata an Kinder im 2. Weltkrieg und ihrer Nachkommen

Titel: Die Kinder der Kriegskinder

Bachelorarbeit , 2012 , 84 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Katharina Rost (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Traumata sind Erfahrungen, die eine einzelne Person betreffen. Traumata sind individuell und sterben mit der Person, die sie durchlebt hat. Traumata verlieren ihre Macht, wenn nicht über sie gesprochen wird.
So oder so ähnlich mögen viele Menschen denken, die ein Trauma erlebt haben und von dessen Folgen beeinträchtigt sind. Das Phänomen der transgenerationalen Weitergabe von Traumata wird dabei oft übersehen.

Unter "transgenerationaler Weitergabe von Traumata" versteht man die Weitergabe traumatischer Erfahrungen über Generationen, von den Eltern zu den Kindern, bedingt vor allem durch bestimmte Verhaltensweisen.
Diese Bachelorarbeit stellt sich die Frage, wie transgenerationale Traumatisierung funktioniert, wo und wann sie auftritt und wie mit ihr umgegangen werden kann.
Das Phänomen wird insbesondere anhand jener Kinder beschrieben und herausgearbeitet, die man als Kriegskinder des 2. Weltkriegs bezeichnen könnte, also anhand der 1932 bis 1945 in Deutschland geborenen Kinder.Inwieweit finden sich Traumata dieser Generation noch bei ihren Kindern und Enkeln wieder? Was könnte man tun, um die transgenerationale Traumatisierung hier zu unterbrechen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. 1. Teil: Theoretische Zugänge zu Trauma und Trauma-Weitergabe

II.1. Trauma und Traumatisierung

II.1.1. Der Begriff des Traumas

II.1.2. Das Trauma als Ereignis

II.1.2.1. Varianten der Traumatisierung

II.1.2.2. Besonderheiten bei Kindern

II.1.3. Das Trauma als Folge

II.1.3.1. Unmittelbare Folgen

II.1.3.2. Längerfristige Folgen

II.1.3.2.1. Wiedererleben

II.1.3.2.2. Vermeidung

II.1.3.2.3. Dissoziation

II.1.3.2.4. Erschütterung des Selbst- und Weltbilds

II.1.3.2.5. Latenz

II.1.3.2.6. Der Begriff der posttraumatischen Belastungsstörung

II.1.3.3. Besonderheiten bei Kindern

II.1.3.3.1. Allgemeine Besonderheiten

II.1.3.3.2. Die Rolle der Familie

II.1.3.3.3. Die Rolle des Alters

II.1.3.3.4. Die Bedeutung von Schuld und Introjekt

II.2. Bindung und Beziehung – Zugänge zur Weitergabe von Traumata

II.2.1. Der besondere Einfluss der Bezugspersonen

II.2.1.1. Bindung und ihre Bedeutung

II.2.1.2. Die Verarbeitung von Affekten

II.2.2. Mögliche Arten der Weitergabe von Traumata

II.2.2.1. Weitergabe durch „Nicht-Verhalten“

II.2.2.2. Unmittelbare Weitergabe

II.2.2.3. Weitergabe durch Erwartungen

II.2.2.3.1. Das Kind als Beschützer und Partnerersatz

II.2.2.3.2. Das Kind als „Wiedergutmacher“

II.2.2.4. Weitergabe durch Schweigen

II.2.2.5. Weitergabe durch Nachahmung

II.2.2.6. Weitergabe durch projektive Identifizierung

II.2.3. Bewertung der Phänomene in ihrer Bezeichnung als Trauma

II.3. Zwischenfazit

III. 2. Teil: Übertragung der Ergebnisse auf die Kriegskinder und ihre Nachkommen

III.1. Das Trauma der Kriegskinder

III.1.1. Der Alltag der Kinder in Krieg und Nationalsozialismus

III.1.2. Mögliche Traumaquellen

III.1.2.1. Die Gruppe der „Opfer“

III.1.2.2. Die Gruppe der Flüchtlinge

III.1.2.3. Die Gruppe der Normalbevölkerung

III.1.2.4. Die Gruppe der Täter

III.1.3. Der Umgang mit dem Erlebten

III.2. Die transgenerationale Weitergabe der Kriegstraumata

III.2.1. Folgen für die nächste Generation

III.2.1.1. Die Gruppe der Opfer

III.2.1.2. Die Gruppe der Flüchtlinge

III.2.1.3. Die Gruppe der Normalbevölkerung

III.2.1.4. Die Gruppe der Täter

III.2.1.5. Das transgenerational Weitergegebene – Ein Trauma?

III.2.2. Die Generationen danach

III.2.3. Die transgenerationale Weitergabe: Eine unaufhaltsame Spirale nach unten?

IV. Fazit und Ausblick

IV.1. Überprüfung und Interpretation der Ergebnisse

IV.2. Konsequenzen für die Soziale Arbeit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die transgenerationale Weitergabe von Traumata am Beispiel der sogenannten "Kriegskinder" des Zweiten Weltkriegs und deren Nachkommen. Ziel ist es, aus psychoanalytischer Sicht zu beleuchten, inwiefern traumatische Erfahrungen über Generationen hinweg übertragen werden und welche Auswirkungen dies auf Identität, Selbstbild und Beziehungsfähigkeit der nachfolgenden Generationen hat, um daraus Implikationen für die Soziale Arbeit abzuleiten.

  • Transgenerationale Weitergabe traumatischer Erfahrungen
  • Psychische Folgen bei Kindern von Kriegskindern
  • Rolle der Bindung und frühkindlicher Prägung
  • Traumaquellen im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg
  • Bedeutung für die professionelle Soziale Arbeit

Auszug aus dem Buch

II.2.2.4. Weitergabe durch Schweigen

In diesem Zusammenhang ist der Einfluss des Schweigens eine zentrale und betrachtenswerte Komponente. Über etwas zu schweigen, bedeutet nicht – wie man vielleicht auf den ersten Blick glauben könnte – es vollständig auszulöschen, ebensowenig, wie ein Trauma seine Wirksamkeit verliert, wenn der Traumatisierte alle Erinnerungen an es vermeidet; im Gegensatz dazu bildet das Schweigen der Eltern über ein traumatisches Erlebnis ihrerseits eine gute Grundlage für die Weitergabe des Traumas an die nächste Generation.

Dies ist insofern nicht verwunderlich, da der Schmerz und das Leid der Eltern den Kindern nicht verborgen bleibt – Selbst wenn diese nie darüber sprechen, bemerken sie die (oft dauerhaften) Folgen des Traumas bei ihren Eltern, spüren im Dialog ihre Angst und Verzweiflung. Da das Trauma im Schweigen keinesfalls ausgelöscht, sondern nur zum Tabu erklärt wurde, sind die Kinder ab einem gewissen Alter gezwungen, sich eigene Theorien zu bilden, was den Eltern passiert sein könnte. Die Eltern ihrerseits neigen in der Regel dazu, das Kind (unbewusst) von diesem Vorhaben abbringen zu wollen, um das „totgeschwiegene“ Trauma nicht wieder in Erinnerung zu rufen; „sie geben ihm zu verstehen, dass das Objekt seiner Nachforschungen, die traumatischen Erfahrungen sich in ihrem Leben nicht wirklich zugetragen haben.“ Das Kind spürt dadurch einerseits, dass etwas vorgefallen ist, es bekommt andererseits aber den Eindruck, sich darin zu irren; seine Verwirrung diesbezüglich kann es nicht kommunizieren, da über dieses Ereignis in der Familie nicht gesprochen wird. Das verschwiegene Trauma bekommt damit die Qualität eines Familiengeheimnisses, das ungreifbar bleibt und trotzdem da ist.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der transgenerationalen Traumatisierung ein und definiert den Rahmen sowie das Ziel der Arbeit, insbesondere den Fokus auf die Kinder der Kriegskinder aus psychoanalytischer Perspektive.

II. 1. Teil: Theoretische Zugänge zu Trauma und Trauma-Weitergabe: Dieses Kapitel erarbeitet theoretische Grundlagen zu Trauma-Begriffen, Folgen für Kinder sowie Mechanismen der Weitergabe innerhalb der Eltern-Kind-Beziehung.

III. 2. Teil: Übertragung der Ergebnisse auf die Kriegskinder und ihre Nachkommen: Hier werden die theoretischen Erkenntnisse auf die spezifische Gruppe der Kriegskinder des Zweiten Weltkriegs angewandt, Traumaquellen analysiert und die Weitergabe an die nachfolgenden Generationen untersucht.

IV. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Tragweite der transgenerationalen Weitergabe und leitet daraus konkrete Konsequenzen für die Praxis der Sozialen Arbeit ab.

Schlüsselwörter

Transgenerationale Traumatisierung, Kriegskinder, Trauma, Bindung, Affektregulierung, Schweigen, Projektive Identifizierung, Parentifizierung, Psychoanalyse, Soziale Arbeit, Identitätsbildung, Psychische Gesundheit, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Psychotraumatologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung, wie traumatische Erfahrungen, die Menschen im Zweiten Weltkrieg als Kinder erlebt haben, an ihre Kinder und nachfolgende Generationen weitergegeben wurden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den zentralen Themen gehören die psychoanalytische Trauma-Theorie, Bindungstheorie, Mechanismen der transgenerationalen Weitergabe (wie Schweigen, Erwartungen oder projektive Identifizierung) sowie die spezifische historische Situation der Kriegskindergeneration.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, inwieweit Traumata aus der NS-Zeit und dem Krieg noch heute bei den Nachkommen präsent sind und welche Folgen dies für deren Identität und Alltag hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung psychoanalytischer Fachliteratur und der Analyse von Fallbeispielen und Studien, um die transgenerationalen Prozesse zu veranschaulichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Trauma-Weitergabe und einen empirischen Teil, der diese Theorie auf die verschiedenen Gruppen der Kriegskinder (Opfer, Flüchtlinge, Normalbevölkerung, Täterkinder) überträgt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind unter anderem transgenerationale Traumatisierung, Kriegskinder, Bindung, psychoanalytische Perspektive und die Relevanz für die Soziale Arbeit.

Wie unterscheidet sich die Situation der "Täterkinder" von anderen Gruppen?

Täterkinder stehen vor dem spezifischen Dilemma, sich zwischen der Loyalität zu ihren Eltern und der moralischen Verurteilung von deren Handlungen entscheiden zu müssen, was oft zu tiefen Schuldgefühlen und rigiden Schweigegeboten führt.

Warum ist das Thema für die Soziale Arbeit relevant?

Sozialarbeiter begegnen häufig Klienten mit psychischen Problemen, deren Ursprung in transgenerationalen Traumata liegen kann; das Verständnis dieser Hintergründe ist essenziell für eine professionelle und wirksame Unterstützung.

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Details

Titel
Die Kinder der Kriegskinder
Untertitel
Die transgenerationale Weitergabe von Traumata an Kinder im 2. Weltkrieg und ihrer Nachkommen
Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,3
Autor
Katharina Rost (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
84
Katalognummer
V209531
ISBN (eBook)
9783656371120
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traumatisierung Nationalsozialismus 2.Weltkrieg Transgenerational Kinder
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katharina Rost (Autor:in), 2012, Die Kinder der Kriegskinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209531
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Leseprobe aus  84  Seiten
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