Ehrungen als Begründung der sakralen Überhöhung des 'princeps'


Essay, 2013
9 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ehrungen nach der Schlacht von Actium und im Jahre 27 v. Chr
2.1. Ehrenname Augustus
2.2. Lorbeer
2.2.1. Nähe zu Apoll
2.3. corona civica
2.4. clipeus virtutis

3. Schlussfolgerungen

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ja Meliboeus, ein Gott beglückte uns also mit Muße. Denn er [Octavian] gilt mir immer als Gott und seinen Altar soll oft noch netzen das Blut eines Lämmleins unserer Hürden. Daß meine Rinder frei sich ergehn, wie du siehst, daß ich selber spiele nach Lust auf ländlichem Halm, er es gegeben“[1]

Dieser Auszug aus Vergils Eklogen zeigt, wie ein Autor zur damaligen Zeit Augustus bereits zu seinen Lebzeiten als Gott darstellte. Auch Horaz schreibt in seiner carmina, dass „Augustus […] sichtbarer Gott“[2] ist. Der princeps wurde also offensichtlich zu Lebzeiten schon als Gott beschrieben, jedoch klärt dies noch nicht ob er ebenfalls als Gott angesehen wurde. Im Folgenden wird zu klären sein, ob es sich bei diesen Auszügen um Ausnahmen handelt, oder ob Octavian/Augustus bereits während seines Lebens überhöht wurde. Konkret soll abschließend geklärt werden können, ob Augustus einzig durch Ehrungen eine sakrale Überhöhung erlangte die Andeutungen eines Göttlichen rechtfertigte.

Um dies zu erläutern, wird zunächst anhand maßgeblicher Quellen herausgestellt werden, welche Ehrungen Octavian/Augustus sukzessiv vom Senat erhielt, welche Bedeutungen diese hatten und in welchem Maße sie eine sakrale Überhöhung des princeps begründeten. Als Grundlage für diese Arbeit soll zum einen die Res gestae divi Augusti[3] dienen, da Augustus an den maßgeblichen Stellen nicht nur eine Erzählung der Geschehnisse bietet, sondern aufgrund der biographischen Arbeit auch eine Wertung. Weiter sollen Auszüge aus Suetons[4] Kaiserviten einerseits chronologische Informationen zum Leben des princeps geben, andererseits sind auch die Passagen in denen Sueton die Persönlichkeit des Augustus beschreibt hilfreich bei der thematischen Betrachtung. Zuletzt sollen Quellen von Cassius Dio[5] die Arbeit vervollständigen.

Die Erarbeitung der Thematik erfolgt chronologisch, beschränkt sich jedoch auf die Anfänge der Überhöhung und daraus folgendend auf die bedeutendsten Ehrungen, die Octavian/Augustus nach der Schlacht von Actium und im Jahr 27 v. Chr. zuteilwurden.

2. Ehrungen nach der Schlacht von Actium und im Jahre 27 v. Chr.

Die Schlacht von Actium war die Krönung eines über längere Zeit geführten „Propagandakrieg[es]“[6] Octavians gegen Antonius, der in der Aberkennung sämtlicher Amtsgewalten des Antonius[7] gipfelte und „Kleopatra [...] erklärten sie [...] den Krieg“[8]. Die Überlegenheit der römischen Truppen verschaffte Octavian nicht nur den Sieg über Kleopatra selbst, sondern auch das reiche Ägypten. In Rom wurden infolge dessen viele Ehrungen für Octavian beschlossen. So bekam er beispielsweise „einen Triumph über Kleopatra […] einen trophäengeschmückten Ehrenbogen in Brundisium und einen zweiten auf dem römischen Forum“[9], doch Cassius Dio stellt selbst fest, dass eine Nennung aller Ehren zu viel wäre[10]. Die Römer feierten Octavian, weil er den „ersehnten Frieden zurückgebracht hatte“[11]. Abgesehen von den bereits genannten Ehrungen, die durchaus üblich waren für siegreiche Feldherren, zeichnete der Senat ihn weitergehend aus, beispielsweise ordnete der Senat an, dass er „bei allen Festlichkeiten den Siegeslorbeer [zu] tragen [hatte]“[12]. Auf den Lorbeer und seine Symbolik wird im folgenden Kapitel weiter eingegangen werden.

Die zweite Häufung von Ehrungen erhielt Octavian im Jahr 27 v. Chr. in Folge seiner Rede vor dem Senat in der er die Niederlegung seiner Macht und der Wiederherstellung der Republik verkündete[13]. So wurde er mit dem Ehrennamen Augustus versehen, vor seinen Türpfosten Lorbeer gepflanzt, eine corona civica über seiner Tür aufgehängt und der Senat verlieh ihm das clipeus virtutis [14] . E rgänzend wurde ebenfalls beschlossen, dass sein Name in das Hohelied der Salier aufgenommen werden sollte. Um eine Aussage über die Bedeutung der Ehrungen treffen zu können, folgt nachstehend eine ausgewählte Einzelbetrachtung der aussagekräftigsten.

2.1. Ehrenname Augustus

Wie bereits erwähnt, war eine der Ehrungen die Octavian zuteilwurde der Beiname Augustus. Cassius Dio erläutert, dass die Wahl letzten Endes auf diesen Namen fiel, da „die kostbarsten und heiligsten Gegenstände […] allesamt mit 'augusta' bezeichnet werden.“[15]. Zwar hatte Augustus ebenfalls den Namen Romulus in Erwägung gezogen, doch wurde dieser zu sehr mit dem Königtum assoziiert, was Augustus, um seine Herrschaft nicht mit den rex und der Tyrannis in Verbindung zu bringen, zu vermeiden versuchte[16]. Mit dem Beinamen Augustus konnte eine unverfängliche Verknüpfung des Gründers Roms und seiner Person als „Neugründer Roms“[17] hergestellt werden. Wie in dem Zitat von Cassius Dio bereits angedeutet, verweist der Begriff 'augusta' auf etwas Heiliges. Der Geschichte nach hatte Romulus die Götter in einer „erhabenen Befragung“, lateinisch augurium augustum, um ihre Erlaubnis gebeten Rom an jener Stelle gründen zu dürfen und „fungierte [als] der erste Befrager (primus augur)“[18]. Weiter bedeutet der Begriff augere ebenfalls 'mehren'[19], was retrospektiv gesehen sehr passend erscheint für den Mehrer des Reiches. Betrachtet man nun die erstere Bedeutung näher wird deutlich, dass Augustus nicht nur eine Verbindung zu Romulus als ersten Staatsgründer herstellt, sondern sein Name auch eine religiöse Konnotation enthält. Wie Romulus zu Zeiten der Gründung Roms die Götter befragte und ihre Unterstützung erhielt, zeigt der neue Beiname, dass Augustus mit seiner res publica restituta und seinem Handeln als Herrscher die Unterstützung der Götter hatte. Aus diesem Grund ist der Beiname, der vor Augustus noch niemandem verliehen worden war[20], eine der bedeutendsten Ehrungen die eine sakrale Aura um den Herrscher erzeugen, indem sie auch eine Nähe zu den Göttern symbolisiert.

2.2. Lorbeer

Die Nähe zu den Göttern ist ein wichtiger Punkt in der Erörterung der Frage wie eine Überhöhung des princeps begründet wurde. Als Symbol der Sieghaftigkeit wurden Lorbeerbäume vor seinem Haus gepflanzt, was auf zwei unterschiedliche Weisen wirkte. Zum einen ist die Geschichte des Lorbeer entscheidend. Lorbeer wurde sonst etwa vor dem Haus des pontifex maximus, oder der flamines maiores gepflanzt[21].

[...]


[1] Vergil, Landleben. Bulolica. Georgica. Catalepton, ed. J. Götte - M. Götte, München 1981 4, Verg. Ecl.

[2] Horatius, Oden und Epoden, übers. von C. Herzlieb - J. Uz, Zürich - München 1981, Hor. Carm. III 5, 2-4

[3] Augustus, Res Gestae Divi Augusti. Meine Taten. Hrsg. und übers. von E. Weber, Düsseldorf - Zürich 2004.

[4] Suetonius, Lives of Caesars, edited with an introduction, translation and commentary by C. Edwards, New York 2000.

[5] Cassius Dio, Römische Geschichte Band IV, übers. v. O. Veh, Düsseldorf 2007.

[6] Yavetz, Z., Kaiser Augustus. Eine Biographie, Reinbeck bei Hamburg 2010, 26.

[7] Vgl. Cass. Dio 50, 4.

[8] Cass. Dio 50, 4.

[9] Cass. Dio 51, 19.

[10] Ebd.

[11] Yavetz, Kaiser Augustus, 37.

[12] Cass. Dio 51, 20.

[13] Vgl. Cass. Dio 53, 3-10.

[14] R. Gest. div. Aug. 34.

[15] Cass Dio 53, 16.

[16] Vgl. Eck, W., Augustus und seine Zeit, München 2009 [5] , 48.

[17] Ebd. Eck bezieht sich hier auf Augustus als „Neugründer der Stadt“ bedingt durch die res publica restituta.

[18] Bleicken, J., Augustus. Eine Biographie, Berlin 2000, 300 f.

[19] Vgl. Briquel, D., s.v. a ugures, DNP Bd. II (1997), 297-281.

[20] Vgl. Bleicken, Augustus, 331.

[21] Vgl. Alföldi, A., Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, in: Wlosok A. (Hrsg.), Römischer Kaiserkult, Darmstadt 1978, 405.

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Details

Titel
Ehrungen als Begründung der sakralen Überhöhung des 'princeps'
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Epigraphik)
Veranstaltung
Quellen zu den Kaisern im Imperium Romanum
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V209579
ISBN (eBook)
9783656372110
ISBN (Buch)
9783656372196
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Augustus, Octavian, Religion, Kult, Actium, corona civica, Lorbeer, Cassius Dio
Arbeit zitieren
Ann Greenberg (Autor), 2013, Ehrungen als Begründung der sakralen Überhöhung des 'princeps', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209579

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