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"Soziale Milieus" und die Entstehung sozialer Ungleichheit. Ein angemessener Erklärungsansatz?

Titel: "Soziale Milieus" und die Entstehung sozialer Ungleichheit. Ein angemessener Erklärungsansatz?

Hausarbeit , 2011 , 16 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Martin Schröter (Autor:in)

Soziologie - Soziales System und Sozialstruktur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Soziale Ungleichheit gab es vermutlich in allen Gesellschaften und zu jeder Zeit. Seit ihrer Entstehung setzen sich daher die Sozialwissenschaften und im speziellen die Ungleichheitsforschung mit sozialer Ungleichheit auseinander.

Bis heute wurden zahlreiche Theorien und Ansätze entwickelt, die die Entstehung sozialer Ungleichheit insbesondere durch verschiedene Begriffe wie Klassen, Stände und Schichten zu erklären vermögen. Dabei beschäftigen sie sich vor allem mit den objektiven, das heißt äußeren Bedingungen sozialer Ungleichheit wie Einkommen, Bildung und Beruf. Eine andere Perspektive schlägt der Ansatz der „sozialen Milieus“ vor, der – aufbauend auf den Ideen des Soziologen Pierre Bourdieus – die subjektive Seite sozialer Ungleichheit untersucht. Seine Grundannahme ist, dass soziale Ungleichheit – zwar durchaus abhängig, aber weniger von objektiven Faktoren wie Einkommen, Bildung und Beruf entstehe, sondern vielmehr durch milieuspezifische Lebensstile, ‚Geschmäcker’ und Mentalitäten.

In wie weit der Milieuansatz, der sich insbesondere seit den 1980er Jahren in der sozialwissenschaftlichen Debatte in Deutschland durchgesetzt hat, als ein angemessenes Instrument zur Erklärung sozialer Ungleichheit darstellt, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.

Dazu wird zunächst der Begriff ‚soziale Ungleichheit’ definiert und dargestellt, was seine grundlegenden Problematiken sind. Anschließend folgt ein historischer Überblick über die wichtigsten Theorien und Ansätze zur Erklärung sozialer Ungleichheit in Deutschland.

Es folgt im Rahmen dieser Diskussion die Vorstellung des Milieuansatzes und dessen Beitrag zur Erklärung sozialer Ungleichheit, die insbesondere auf der Kapital- und Habitustheorie Bourdieus beruhen. Anschließend werden die Anwendungsmöglichkeiten des Milieuansatzes, dessen Stärken und Schwächen diskutiert und seine Möglichkeiten zur Erklärung sozialer Ungleichheit im Kontext der aktuellen Entwicklungen in Deutschland resümiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Ungleichheit

2.1 Definition

2.2 Theorien sozialer Ungleichheit: Klassen, Stände und Schichten

3. Soziale Milieus

3.1 Definition und Grundannahmen

3.2 Entstehung sozialer Milieus

3.3 Anwendung und Empirie

3.4 Kritik

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der Ansatz der „sozialen Milieus“ ein angemessenes Instrument zur Erklärung sozialer Ungleichheit in der modernen deutschen Gesellschaft darstellt, indem sie die subjektive Dimension gegenüber klassischen objektiven Erklärungsmodellen abwägt.

  • Kritische Analyse klassischer Theorien zu Klassen, Ständen und Schichten.
  • Einführung in die Kapital- und Habitustheorie von Pierre Bourdieu.
  • Untersuchung der Entstehung und Reproduktion sozialer Milieus.
  • Diskussion der empirischen Anwendbarkeit am Beispiel der Hertie Berlin Studie.
  • Kritische Reflexion der Grenzen des Milieuansatzes hinsichtlich "harter" Strukturmerkmale.

Auszug aus dem Buch

3.2 Entstehung sozialer Milieus

Die Entstehung sozialer Ungleichheit wird im Milieuansatz durch die milieuspezifische Verarbeitung objektiver Strukturen in Lebensstilen, Konsumpräferenzen und Geschmäckern erklärt. Soziale Ungleichheit verlaufe demnach nicht mehr ausschließlich vertikal, sondern zunehmend differenzierter – auch innerhalb sozialer Gruppen:

„In der Regel finden sich innerhalb der einzelnen Schichten mehrere Milieus ‚nebeneinander’. Bestimmte soziale Milieus erstrecken sich auch ‚senkrecht’ über Schichtgrenzen hinweg.“ (Hradil 2006: 7)

Zur Erklärung sozialer Ungleichheit und der Reproduktion dieser in verschiedenen Milieus, beruft sich die Milieuforschung häufig auf die Kapital- und Habitustheorie Pierre Bourdieus: Bourdieu geht davon aus, dass soziale Ungleichheit durch die ungleiche Verteilung von ökonomischem (Geld, Eigentum), kulturellem (Bildungstitel, Qualifikation) und sozialem Kapital (soziale Netzwerke, soziale Beziehungen) entstehe (Bourdieu 1983). Diese ungleiche Verteilung legt die Stellung eines Menschen im sozialen Raum fest:

„Je nach Ausmaß ihres Kapitalbesitzes insgesamt gehören die Menschen der Arbeiterklasse, dem Kleinbürgertum oder der Bourgeoisie an.“ (Hradil 2006: 5)

Soziale Milieus entstehen nach Bourdieu also durch Anpassungsprozesse an Lebensbedingungen sozialer Klassen bzw. Klassenlagen. Bourdieu präzisiert diesen Anpassungsprozess mit dem Begriff des Habitus, worunter er „latente Denk-, Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster (versteht), die einerseits die Möglichkeiten alltäglichen Handelns begrenzen, andererseits Handlungen hervorbringen“ (Hradil 2006: 6).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Ungleichheitsforschung ein und erläutert die Relevanz des Milieuansatzes als Ergänzung zu objektiven Erklärungsmodellen.

2. Soziale Ungleichheit: Dieses Kapitel definiert soziale Ungleichheit und gibt einen historischen Überblick über klassische Theorien wie Klassen, Stände und Schichten.

3. Soziale Milieus: Hier wird der Milieuansatz detailliert vorgestellt, seine theoretischen Grundlagen bei Bourdieu analysiert, seine empirische Anwendung besprochen und eine kritische Würdigung vorgenommen.

4. Fazit: Das Fazit resümiert den Beitrag des Milieuansatzes und schlägt vor, den Fokus zukünftig stärker auf soziale Differenzierung statt nur auf soziale Ungleichheit zu legen.

Schlüsselwörter

Soziale Ungleichheit, Soziale Milieus, Kapitaltheorie, Habitus, Bourdieu, Lebensstil, Sozialstruktur, Schichten, Individualisierung, Klassen, Mentalitäten, Alltagspraxis, Differenzierung, Lebenswelt, Ungleichheitsforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Eignung des Milieuansatzes als soziologisches Erklärungsmodell für soziale Ungleichheit in Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die klassische Ungleichheitsforschung, die Entwicklung des Milieubegriffs und dessen theoretische Fundierung durch Pierre Bourdieu.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu prüfen, ob soziale Milieus die Entstehung von Ungleichheit besser erklären können als traditionelle Schicht- oder Klassenmodelle.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse soziologischer Fachliteratur und Studien basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse klassischer Ungleichheitstheorien und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Konzept der sozialen Milieus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Soziale Ungleichheit, Soziale Milieus, Habitus, Kapitaltheorie, Lebensstil und soziale Differenzierung.

Welche Rolle spielt Pierre Bourdieu in dieser Untersuchung?

Bourdieu ist zentral, da seine Kapital- und Habitustheorie die theoretische Basis bildet, um die subjektive Seite der sozialen Ungleichheit zu erklären.

Was zeigt die Hertie Berlin Studie auf?

Die Studie dient als Beispiel für die empirische Verortung von Lebenswelten und verdeutlicht, wie Milieus geographisch und subjektiv in einer Großstadt identifiziert werden können.

Wo liegen laut Autor die Grenzen des Milieuansatzes?

Der Ansatz stößt bei der Erklärung "harter" Strukturmerkmale wie Bildungs- oder Geschlechterungleichheit an seine Grenzen, da diese weniger auf Milieuentscheidungen als auf strukturellen Rahmenbedingungen basieren.

Welchen Ausblick gibt die Arbeit für die zukünftige Forschung?

Der Autor schlägt vor, dass die Soziologie den Milieuansatz stärker nutzen sollte, um soziale Differenzierungsprozesse zu untersuchen, anstatt ihn ausschließlich als universelles Werkzeug für Ungleichheit zu sehen.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Soziale Milieus" und die Entstehung sozialer Ungleichheit. Ein angemessener Erklärungsansatz?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Neuere Theorien und Ansätze zu sozialer Ungleichheit, Klassen und Klassengesellschaft
Note
1,7
Autor
Martin Schröter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V209608
ISBN (eBook)
9783656371984
ISBN (Buch)
9783668387812
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Ungleichheit Milieus Bourdieu Klasse Klassengesellschaft Deutschland BRD Soziale Milieus Sinus-Milieus Postmaterialismus Schicht Individualisierung Milieuansatz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Martin Schröter (Autor:in), 2011, "Soziale Milieus" und die Entstehung sozialer Ungleichheit. Ein angemessener Erklärungsansatz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209608
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Leseprobe aus  16  Seiten
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