Die Frage, ob der Mensch Erziehung benötigt und welche Merkmale die Erziehungsbedürftigkeit des Menschen herleiten lassen, zählt zu den bedeutenden Fragestellungen der Anthropologie.
Bereits seit der Antike lassen sich zahlreiche Belege für die „Erziehungsbedürftigkeit“ des Menschen und der intellektuellen Auseinandersetzung darüber finden. Comenius beschreibt in seiner „großen Didaktik“ den Menschen als ein „der Zucht zugängliches Wesen (animal disziplinabile)“, „da er ohne Zucht nicht zum Menschen werden kann“.
Kant betont, dass der Mensch das einzige Wesen sei, das erzogen werden muss.
Begründet wird die „Erziehungsbedürftigkeit“ des Menschen zum einen aus biologisch-anthropologischer Sicht und zum anderen aus philosophisch-anthropologischer Sicht. (vgl. Schröder 1999 S.35ff.)
Der Mensch wird unter anderem als „biologisches Mängelwesen“ (A. Gehlen), als „physiologische Frühgeburt“ (A. Portmann), als „instinktreduziertes Wesen“ (N. Tinbergen) bzw. als „weltoffenes Wesen“ (J.v. Uexküll) bezeichnet.
Insbesondere Tinbergen vertritt die Auffassung, dass die Erziehung auf Grund der fehlenden verhaltenssteuernden Instinkte notwendig ist, da die „richtigen“ Verhaltensweisen, also Regeln und Normen, erst in der Erziehung übermittelt werden und der erforderlichen Kompensation der fehlenden Instinkte dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Didaktische Analyse
1.1. Sachstruktur
1.2. Bildungsgehalt
1.3. Schüler und Klasse
1.4. Lernziele
2. Stundenbild
2.1. Artikulation
2.2. Didaktisch-methodische Überlegungen
2.3. Unterrichtsmaterialien
3. Lernzielkontrolle
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Unterrichtseinheit befasst sich mit der anthropologischen und pädagogischen Grundfrage der Erziehungsbedürftigkeit des Menschen. Ziel ist es, Schülern der 10. Jahrgangsstufe durch die theoretische Auseinandersetzung mit biologischen und philosophischen Ansätzen sowie die Analyse historischer Fallbeispiele (Wolfskinder) ein Verständnis für die Notwendigkeit und den Sinn von Erziehung im Prozess der Menschwerdung zu vermitteln.
- Anthropologische Grundlagen der Erziehungsbedürftigkeit
- Einfluss von Erziehung auf die menschliche Entwicklung
- Analyse des Falls der "Wolfskinder von Midnapore"
- Reflexion über Bedeutung und Grenzen erzieherischer Handlungen
- Förderung der Urteils- und Argumentationskompetenz
Auszug aus dem Buch
1.1. Sachstruktur
Die Frage, ob der Mensch Erziehung benötigt und welche Merkmale die Erziehungsbedürftigkeit des Menschen herleiten lassen, zählt zu den bedeutenden Fragestellungen der Anthropologie.
Bereits seit der Antike lassen sich zahlreiche Belege für die „Erziehungsbedürftigkeit“ des Menschen und der intellektuellen Auseinandersetzung darüber finden. Comenius beschreibt in seiner „großen Didaktik“ den Menschen als ein „der Zucht zugängliches Wesen (animal disziplinabile)“, „da er ohne Zucht nicht zum Menschen werden kann“. Kant betont, dass der Mensch das einzige Wesen sei, das erzogen werden muss. (vgl. Weber 1996 S.218)
Begründet wird die „Erziehungsbedürftigkeit“ des Menschen zum einen aus biologisch-anthropologischer Sicht und zum anderen aus philosophisch-anthropologischer Sicht. (vgl. Schröder 1999 S.35ff.)
Der Mensch wird unter anderem als „biologisches Mängelwesen“ (A. Gehlen), als „physiologische Frühgeburt“ (A. Portmann), als „instinktreduziertes Wesen“ (N. Tinbergen) bzw. als „weltoffenes Wesen“ (J.v. Uexküll) bezeichnet. (vgl. Keller/Novak 1993 S.32)
Insbesondere Tinbergen vertritt die Auffassung, dass die Erziehung auf Grund der fehlenden verhaltenssteuernden Instinkte notwendig ist, da die „richtigen“ Verhaltensweisen, also Regeln und Normen, erst in der Erziehung übermittelt werden und der erforderlichen Kompensation der fehlenden Instinkte dienen. (vgl. Schröder 1999 S.41)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Didaktische Analyse: Dieses Kapitel erläutert die anthropologischen und philosophischen Begründungen für die Notwendigkeit menschlicher Erziehung und leitet daraus Lernziele für den Unterricht ab.
2. Stundenbild: Hier wird der konkrete Ablauf der Unterrichtseinheit mit den Methoden, Sozialformen und den verwendeten Unterrichtsmaterialien dargestellt.
3. Lernzielkontrolle: Dieses Kapitel beschreibt mögliche Aufgaben zur Überprüfung des Lernerfolgs und legt Kriterien für deren Bewertung fest.
Schlüsselwörter
Erziehungsbedürftigkeit, Anthropologie, Wolfskinder, Menschwerdung, biologisches Mängelwesen, Erziehung, Sozialisation, Kultivierung, Didaktik, Lernziele, Unterrichtsplanung, Entwicklungspsychologie, Sozialverhalten, Weltoffenheit, Instinktreduktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Herleitung und praktischen Vermittlung des Konzepts der Erziehungsbedürftigkeit des Menschen im schulischen Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind anthropologische Definitionen des Menschen als Mängelwesen, die Bedeutung von Erziehung für die kulturelle Entwicklung sowie die Analyse von Fallbeispielen zur fehlenden Sozialisation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die didaktische Aufarbeitung des Themas "Erziehungsbedürftigkeit", um Schülern die Notwendigkeit von Erziehung für die Entwicklung menschlicher Kompetenzen bewusst zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine didaktische Analyse vorgenommen, die durch die Verknüpfung von anthropologischer Theorie und exemplarischem Lernen (Fallstudienanalyse) methodisch strukturiert ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Sachanalyse, ein detailliertes Stundenkonzept inklusive Artikulationsschema sowie didaktisch-methodische Überlegungen zum Medieneinsatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erziehungsbedürftigkeit, Anthropologie, Wolfskinder, Menschwerdung und Sozialisation charakterisiert.
Wie wird der Fall der "Wolfskinder" im Unterricht genutzt?
Der Fall dient als emotionales und anschauliches Indiz für die Notwendigkeit von Erziehung, indem er zeigt, wie sich menschliche Entwicklung ohne soziale Anregungen und Lernhilfen verlangsamt oder fehlschlägt.
Welche Rolle spielen die "Lernziele" in dieser Unterrichtseinheit?
Die Lernziele bilden das Gerüst für die Unterrichtsplanung; sie unterteilen sich in kognitive, affektive und psychomotorische Bereiche, um eine ganzheitliche Reflexion der Schüler über ihre eigene Entwicklung zu ermöglichen.
Wie werden die Schülerleistungen bewertet?
Die Bewertung basiert auf einem Punktesystem, das sowohl inhaltliche Reproduktionsfähigkeit als auch die Argumentationskompetenz und die Fähigkeit zur logischen Verknüpfung berücksichtigt.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2010, Über die Notwendigkeit von Erziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209625