Romantik und Mythologie. Die Vereinigung bei Eichendorff


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe und sprachliche Analyse

3. Eichendorff und die Erlebnislyrik

4. Interpretation

5. Geistliche Lyrik/ Komparatistik

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Anhang 1: Das Gedicht ‚Mondnacht‘

Anhang 2: Das Gedicht ‚Abendlied‘

1. Einleitung

„Und meine Seele spannte […]“ diese und die folgenden Zeilen sind wohl die bekanntesten und meistgelesenen eines Gedichts, das als ein Vorzeigebeispiel für die Romantik zählt. Das Gedicht Mondnacht von Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff evoziert mithilfe von verschiedenen sprachlichen Elementen ein Bild, dass trotz der Trivialität[1] des Gedichtes sehr komplex zu sein scheint und schwieriger zu erschließen, als es üblicherweise ist. Wie gelingt es Eichendorff diese Ebene aufzubauen und welche sprachlichen Mittel nutzt er dazu? In vielen Interpretationen ist von einer Verschmelzung von antiken Motiven und dem christlichen Gedanken die Rede[2]. Die Frage die sich stellt ist, mit welchem Ziel Eichendorff dies verbindet und, wie er dieses Vorhaben mit den Mitteln seiner Zeit vereinigt. Wie vereinigt Eichendorff antike Mythologie mit romantischem Geist? Mit dieser Fragestellung soll sich folgende Arbeit beschäftigen. Es wird überprüft, in welchem Zusammenhang Eichendorff mit der Erlebnislyrik steht und was dieses Gedicht in diesem Kontext für eine Rolle spielt. Selbstverständlich wird auf das Gedicht im Speziellen eingegangen, es wird untersucht auf ihre sprachliche und inhaltliche Gestaltung und es wird ein Versuch unternommen, die Deutung herauszufiltern. Zum Schluss soll klar werden, wie Eichendorff alles ineinander webt, um dieses Bild des beflügelten ‚Ichs‘ zu evozieren und wie genau die Erhebung des Ichs gemeint ist.

Gibt es ähnliche Literatur mit identischen Motiven und Absichten wie die, die Eichendorff in seinem Gedicht ‚Mondnacht‘ hervorruft? In der Forschung taucht der Name Logau auf, einem Barockdichter aus dem Schlesischen Land. Ein Epigramm Namens ‚May‘ scheint Parallelen aufzuweisen, die für die Bearbeitung des Textes eine große Rolle spielen. Ein bekanntes Volkslied, welches ursprünglich ein Gedicht aus der Empfindsamkeit ist, soll ebenfalls zu einem Vergleich herangezogen werden. Es handelt sich dabei um das Gedicht ‚Abendlied‘ von Matthias Claudius, der mit seinem Gedicht für die Zeit des Sturm und Drangs eine Art Außenseiter darstellt.[3]

2. Inhaltsangabe und Sprachliche Analyse

Das Gedicht Mondnacht von Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff entstand um 1835[4] und ist somit der Epoche Romantik zu zuordnen. Diese Epoche gehört zu einer, in der ihre Autoren ihre lyrischen Werke mit vielen Symbolen und Motiven versehen hatten. Dazu gehören das Sehnsuchtsmotiv und Wandermotiv, die Nacht, blaue Blume und weitere. Zu der Zeit der Romantik wirkten die Brüder Grimm und es kam zu einer Rückbesinnung zum deutschen Mittelalter. Es entstanden Sammlungen von Volks- aber auch Kunstmärchen. Eichendorff gehört mit seinen Werken zu einem der bekanntesten Vertretern dieser Epoche, vor allem der sogenannten „Spätromantik“ und das Gedicht Mondnacht ist wohl das bekannteste, meistinterpretierte und vertonte Gedicht von ihm.[5]

Zu Beginn beschreibt das lyrische Ich eine Szenerie, in der der Himmel die Erde küsst, wodurch diese im Blütenschimmer, also unter Einfluss der „rosa-roten Brille“ steht. Mit diesem Bild wird die erste Strophe beschrieben und das lyrische Ich nimmt noch keinen Einfluss darauf. Die zweite Strophe ist dominiert von Naturbeschreibungen. Hier werden die Bewegungen beschrieben und wie der Wind fließt, der für die Bewegungen verantwortlich ist. Im letzten Vers der zweiten Strophe wird die Nacht erwähnt, neben der Überschrift das einzige Mal, dass sie direkt erwähnt wird. Nun, in der dritten und letzten Strophe, tritt das lyrische Ich in Aktion und der Ton verfällt in die Ich-Perspektive: „Und meine Seele spannte“. Das lyrische Ich beschreibt eine Seelenflugszene, in der die Seele durch die stillen Lande und fast nach Hause flog. Dies ist aber, wie später erwähnt wird, nur scheinbar.

Das Gedicht besteht aus drei Strophen zu jeweils vier Versen und es ist dank dieser Strophenform ein Lied. Das Gedicht weist das gängige Kreuzreimschema der Volksliedstrophe auf.[6] Aufgrund dessen und da das Metrum sehr einheitlich ist, wurde es wahrscheinlich sehr gern und oft vertont. Wenige Jahre nach dem Erscheinen erfolgte die erste Vertonung, insgesamt seien es wohl 41 Kompositionen für das 19. Jahrhundert.[7] „Der Nachruhm Joseph von Eichendorffs gründet wesentlich auf den Vertonungen seiner Gedichte […]“.[8] Da die Vertonungen mittlerweile nicht mehr so geläufig sind, dürfte dies abstrus klingen, doch ungeachtet davon trugen die mindestens 41 Vertonungen von Mondnacht zur Verbreitung bei.

Das Metrum des Gedichts ist ein dreifüßiger Jambus nach folgendem Muster: XX´ XX´ XX´- „Es war als hätt‘ der Himmel“ - jede zweite Silbe ist betont, insgesamt drei betonte Silben pro Vers. Dieses Muster zieht sich kontinuierlich bis zum Schluss durch. Genauso regelmäßig ist der Wechsel der Kadenzen. Der erste Vers endet unbetont, was als ‚weibliche‘ Kadenz bezeichnet wird und der zweite Vers schließt mit einer betonten Silbe ab und wird ‚männliche‘ Kadenz genannt. Dieser Wechsel vollzieht sich ebenfalls bis zum Ende, das Gedicht ist durch und durch regelmäßig.[9] Der Rhythmus ist so aufgebaut, dass der Sprachfluss ruhig wirkt und einem Wogen der Ähren gleich kommt[10]. Enjambements sorgen in der ersten und dritten Strophe für eine Dynamisierung, sodass in der ersten Strophe Übergänge geschaffen werden und in der dritten Strophe das Entfalten der Flügel hervorruft.[11] Jede männliche Kadenz trägt im ganzen Gedicht das Wort, auf das sich ein anderes Wort reimt, die weiblichen Kadenzen besitzen dies nur in der zweiten Strophe. Das Reimschema weist folgendes Muster auf: wawa bcbc wdwd und ist damit ein Kreuzreim, bzw. in der ersten und dritten Strophe ein halber Kreuzreim. Das ‚w‘ soll Waise verdeutlichen, da es kein entsprechendes Reimwort gibt. Die Wörter ‚Himmel‘ und ‚Schimmer‘ sowie ‚spannte‘ und ‚Lande‘ reimen sich nicht, es könnte aber von einer Assonanz gesprochen werden, vor allem bei ‚spannte‘ und ‚Lande‘ ist dies der Fall. Der unreine Reim wirkt daher gewollt, da er in der ersten und dritten Strophe vorhanden ist und dadurch die Wirkung der Einrahmung der zweiten Strophe erwirkt wird.

Unter Betracht dessen spielt die zweite Strophe eine wichtige Rolle und hebt sich von den anderen beiden - von denen sie „eingerahmt“ wird - ab. Sie ist die einzige Strophe, die komplett im Indikativ geschrieben ist und beinhaltet Wörter der Bewegung. So wird beschrieben, wie der Wind sich verhält. Der Wind ging durch die Felder, und dabei wogten die Ähren und die Bäume rauschen aufgrund der Bewegung des Windes. Die Bewegungen sind vollständig auf die Natur beschränkt.[12] In der ersten Linie sind es Aktivaussagen über die jeweiligen Bewegungen, doch ist lediglich der Wind aktiv und die Wälder, die Ähren und die Bäume bewegen sich aufgrund des Windes und sind daher passiv.[13] Dazu ist die zweite Strophe auch die einzige, bei der das Reimschema vollständig erfüllt ist. Die beiden Strophen, die die zweite Strophe einrahmen, bilden ein konjunktivisches Konstrukt. Die erste Strophe beginnt mit einem Konjunktiv und ist auch gänzlich im Konjunktiv gehalten, während die letzte Strophe zwar mit einem Indikativ beginnt, aber mit einem Konjunktiv abschließt. Eichendorff wählte dafür den Konjunktiv „Irreales“, den unwirklichen Konjunktiv. Dies bedeutet, dass etwas vorgestellt wird, was nicht eintreffen wird. Dieser Modus dient hier einem Vergleich, während der Indikativ in der zweiten Strophe in allen Versen die Naturgegebenheit zum Thema hat und in der dritten Strophe die Seelentätigkeit.[14] „Die Stimmung in der Natur und die Seelenstimmung sind beide so an der Grenze des Sagbaren, daß Vergleiche notwendig sind[…]“[15]

[...]


[1] Vgl. Kremer, Detlef: Joseph von Eichendorffs Mondnacht und die romantische Naturphilosophie. In: Zeitschrift für Germanistik 19 (2009). Seite 97f

[2] Hier decken sich die Meinungen zum Beispiel von Kaiser, Frühwald, Kremer

[3] Vgl. Kaiser, Gerhard: Augenblicke deutscher Lyrik. Gedichte von Martin Luther bis Paul Celan interpretiert durch Gerhard Kaiser. Frankfurt am Main: Insel Taschenbuch Verlag 1987. Seite 186

[4] Vgl. Kremer, Detlef: Seite 97

[5] Vgl. Hölter, Achim: „Es war, als hätt der Himmel …“. Ein Logau-Zitat bei Eichendorff. In: Wirkendes Wort. Deutsche Sprache und Literatur in Forschung und Lehre 39 (1989). Seite 198

[6] Vgl. ebd. Seite 99

[7] Frühwald, Wolfgang: Die Erneuerung des Mythos. Zu Eichendorffs Gedicht Mondnacht. In: (Hrsg.) Segebrecht, Wulf: Gedichte und Interpretationen 3. Klassik und Romantik. Stuttgart: Reclam 1998. Seite 396

[8] Ebd. Seite 395

[9] Vgl. Kremer, Detlef: Seite 99

[10] Vgl. Kaiser, Gerhard: Seite 182

[11] Vgl. Ebd. Seite 183

[12] Vgl. Kremer, Detlef Seite 99

[13] Vgl. Kaiser, Gerhard: Seite 179

[14] Vgl. Ebd. Seite 178

[15] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Romantik und Mythologie. Die Vereinigung bei Eichendorff
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Analyse literarischer Texte
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V209702
ISBN (eBook)
9783656373001
ISBN (Buch)
9783656373186
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mondnacht, Eichendorff, Lyrik, Analyse literarischer Texte, Romantik, Mythologie, Religion, religiöse Lyrik, Germanistik, NDL, neuere deutsche literatur
Arbeit zitieren
René Aderhold (Autor), 2012, Romantik und Mythologie. Die Vereinigung bei Eichendorff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209702

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