Die Ergebnisse der World Vision Kinderstudie 2010. Ein Vergleich mit dem Capability Approach nach Martha Nussbaum


Seminararbeit, 2011
19 Seiten, Note: 1,0
Dominik Amersdorffer (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eine Einführung zur World Vision Kinderstudie 2010

3 Der Capability Approach – Kriterien für ein gutes Leben

4 Ein Abgleich der Kriterien von Martha Nussbaum mit den realen Verhältnissen und Vorstellungen der Kinder
4.1 Die schichtbezogene Herkunft beeinflusst die Vorstellung des zukünftigen Lebens der Kinder
4.2 Die Kinder haben eine Vorstellung von einem „guten Leben“, die sich mit den von Martha Nussbaum aufgestellten Kriterien deckt
4.3 Die Schichtzugehörigkeit beeinflusst die Wohnbedingungen, die Mobilität und die Ernährung der Kinder.
4.4 Die schichtbezogene Herkunft beeinflusst Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmtheit der Kinder

5 Schluss

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Betrachtung einiger Ergebnisse der World Vision Kinderstudie 2010 im Licht der von Martha Nussbaum angefertigten Liste mit Kriterien zu Führung eines guten Lebens, einem Teil ihrer Fassung des Capability Approach, ist das Thema der vorliegenden Arbeit. Dabei wird besonders auf die schichtabhängige Ausprägung der Fähigkeiten, Ressourcen und Zukunftsaussichten der Kinder geachtet.

Aufgrund des hohen Einflusses auf die Lebenswelt der Kinder und somit auf die drei oben genannten Aspekt, ist Kinderarmut ein wichtiger Teil der vorliegenden Themenstellung: Im Jahr 2007 befanden sich 17,7 Prozent der deutschen Erwachsenen und Kinder bei einem Einkommen unter 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und waren demnach laut Definition der Europäischen Union armutsgefährdet[1]. Darüber hinaus haben im Jahr 2009 neun Prozent der deutschen Kinder Armut erlebt, und 16 Prozent litten unter armutsbedingten Beschränkungen im Alltag[2].

Die in der Themenstellung enthaltenen Begriffe der World Vision Kinderstudie 2010 sowie der Capability Approach werden in den folgenden beiden Kapiteln kurz erläutert, wodurch ein Einblick in den Hintergrund der Thematik gegeben werden soll. Auch auf die genannte Liste und ihre Anwendung wird dabei näher eingegangen. Doch auch ohne diese elementaren Begrifflichkeiten und die mit ihnen verbundenen Problematiken an dieser Stelle zu klären, sollen vorweg die Prämissen der Arbeit festgelegt werden. Denn für die vorliegende Themenstellung und die später ausgeführten Thesen sind einige Kompromisse zu treffen.

Vorweg soll gesagt sein, dass vor allem Grafiken verwendet werden, welche auf die schichtbezogene Herkunft der Kinder eingehen. Daher wird nur ein Teil der Daten der World Vision Kinderstudie 2010 untersucht. Des Weiteren wird nicht auf entwicklungspsychologische Zusammenhänge eingegangen. Somit stellt die Ausarbeitung der Thesen keinen Anspruch auf die Klärung kausaler Zusammenhänge, soll aber einige Korrelationen und Häufigkeiten aufzeigen, mit Hilfe derer die jeweiligen Thesen exemplarisch und zumindest theoretisch belegt werden können. Um die Schlussfolgerungen auf die Praxis anwenden zu können, wäre eine für diese Arbeit zu umfangreiche Erweiterung um empirisch belegte entwicklungspsychologische Argumente nötig.

Die angedeuteten Häufigkeiten, welche im vierten Kapitel der Arbeit beschrieben werden, beziehen sich des Öfteren auf die finanzielle Situation der Eltern beziehungsweise der Erziehungsberechtigten der Kinder. Da die grundsätzliche materielle Situation jedoch noch nichts über die haushaltsinterne Verteilung der materiellen Ressourcen aussagt, kann auch dabei nur von wahrscheinlichen Korrelationen gesprochen werden, nicht aber von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen[3]. Iris Sadlowski weißt noch auf zwei weitere Problematiken hin: Einerseits auf die altersabhängige Umwandlung von Ressourcen in Fähigkeiten. Des Weiteren schildert Sadlowski die sogenannte „Agency“[4] der Erwachsenen. Dabei handelt es sich um den Einsatz der Eltern oder der erziehenden Personen für das kindliche Wohlbefinden, unabhängig vom eigenen Wohlbefinden[5]. Letztere beiden Punkte sollen hier nur der Vollständigkeit halber genannt werden, da sie beide die Fähigkeiten der Kinder beeinflussen. Wie das im Einzelnen geschieht, wird hier aber nicht aufgeführt.

Was jedoch schon bei der Nennung der drei die Entwicklung der Kinder prägenden Faktoren deutlich wird, ist die große Bedeutung der Familie beziehungsweise der den Kindern nahestehenden Personen. Wie im vierten Kapitel deutlich werden wird, kann die enge Verbindung von Erziehenden und Kindern in manchen Fällen negative Auswirkungen auf die Förderung der kindlichen Potentiale haben. Nachdem dies argumentativ verdeutlicht wurde, soll die Arbeit zum Schluss noch einen kurzen Hinweis auf politische Gegenmaßnahmen bezüglich dieser Problematik geben.

2 Eine Einführung zur World Vision Kinderstudie 2010

In diesem Abschnitt der Arbeit soll kurz der Rahmen der World Vision Kinderstudie 2010 umrissen und ein Einblick in den Hintergrund und die Methoden der Studie gegeben werden. Soweit nicht anders gekennzeichnet, sind die Information hierzu der Zusammenfassung der Studie auf der Website des World Vision Institutes entnommen[6].

Nachdem im Jahr 2007 zur Erforschung der „Wahrnehmung ihrer Lebenswelten und ihres Wohlbefindens“ acht- bis elfjährige Kinder in Deutschland durch die erste World Vision Kinderstudie befragt wurden, schließt die zweite Kinderstudie 2010 auch die sechs- und siebenjährigen Kinder mit ein. Neben dem erweiterten Alterspektrum hat sich die Studie zum Ziel gesetzt, das Wohlbefinden der Kinder zu erforschen und zu artikulieren, um Politik und Gesellschaft dahingehend zu verändern, dass Kinder in Entscheidungsprozesse in jeder Hinsicht miteinbezogen werden und als vollständige Akteure in denselben betrachtet werden. Neben diesen Beweggründen ist die zunehmende Bedeutung von Kinderarmut in Deutschland zu nennen, wie in der Einleitung schon angedeutet wurde.

Diese Gründe haben das Team der Kinderstudie 2007 unter Prof. Dr. Klaus Hurrelmann und Prof. Dr. Sabine Andresen motiviert, „im Zeitraum von Mitte September bis Oktober 2009“[7] erneut eine Studie mit den folgenden Methoden ins Leben zu rufen: Eine repräsentative „Stichprobe von 2529 Kindern […] aus den alten und neuen Bundesländern“[8] wurde von Mitarbeitern des Institutes TNS Infratest Sozialforschung „persönlich-mündlich befragt“[9]. Zusätzlich wurden in einem Elternfragenbogen „soziodemografische Basisinformationen zum Familienhintergrund des Kindes“[10] erhoben. Als letzte Methode wurden neben den genannten qualitativen Methoden zwölf „individuelle Fallstudien mit Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren durchgeführt und anschließend als Portraits präsentiert“[11]. Den im späteren Verlauf der Arbeit verwendeten Daten liegt dabei vor allem folgende Methode zu Grunde: In Verbindung mit dem Capability Approach, welcher sich, wie unten beschrieben, in der vorliegenden Fassung unter anderem mit Kriterien für ein „gutes Leben“[12] beschäftigt, sollten die befragten Kinder fünf dieser Kriterien aus subjektiver Sicht aufmalen[13].

Daraus ergibt sich insgesamt ein multimethodisches Verfahren[14], welchem eine Vielfalt an Informationen über die subjektive Sicht der Lebenswelt der Kinder, die objektive Bewertung der Lebensqualität[15] und viele andere Themen zu entziehen ist, wobei diese Arbeit wie schon angedeutet nur wenige Teilaspekte herausgreifen und bewerten soll.

3 Der Capability Approach – Kriterien für ein gutes Leben

Die Auswahl der in der vorliegenden Arbeit behandelten und bewerteten Daten und Ergebnisse der World Vision Kinderstudie 2010 ergibt sich aus dem im Folgenden beschriebenen Ansatz: Dem „Capability Approach“[16]. Zunächst soll die Herkunft und Gestalt zumindest einer Form des Ansatzes kurz beschrieben werden.

Vor allem von Amartya Sen wurde der „Capability Approach“[17] orientiert an zwei Theorien entwickelt: Der utilitaristisch geprägten Wohlfahrtökonomie und der Messung von Ressourcen als Maßstab für Lebensverwirklichungschancen[18]. Gleichzeitig kritisiert Sen die beiden Theorien[19] aus hier nicht aufgeführten Gründen und betont in seiner eigenen Theorie die „Verschiedenartigkeit der Menschen“[20]. Der Ansatz konzentriert sich auf die Erfassung von Fähigkeiten, die durch die Verfügbarkeit bestimmter Ressourcen einer Person schon erlernt wurden oder noch erlernt werden können, auf Daseinsformen und mögliche erreichbare Daseinsformen von Einzelpersonen[21]. Das bedeutet die Befragung von Menschen, um herauszufinden, was sie können, welche Kulturtechniken sie bereits erlernt haben, über welches Maß an Freiheit sie verfügen und wie die Qualität ihrer Möglichkeiten einzuschätzen ist[22], um daraus einen Rückschluss auf ihr Wohlbefinden zu bilden. Amartya Sen unterscheidet dabei zwischen den „funtionings“[23], den Fähigkeiten, und dem „capability set“[24], den Verwirklichungschancen, einem Bündel aus für die befragte Person noch erreichbaren Lebenssituationen[25].

[...]


[1] Vgl. Volkert/Wüst 2011, S.179

[2] Vgl. Schneekloth/Pupeter 2010a, S.81

[3] Vgl. Sadlowski 2011, S.218f.

[4] Ebd., S.215f.

[5] Vgl. ebd., S.217f.; vgl. ebd., S.226f.

[6] Vgl. http://www.worldvision-institut.de/kinderstudien_kinderstudie-2010.php

[7] World Vision e.V. 2010, S.34

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Schneekloth/Pupeter/Leven, S.374

[11] World Vision e.V. 2010, S.34

[12] Hurrelmann/Andresen/Fegter 2010, S.53

[13] Vgl. Schroeder/Picot/Andresen 2010, S.239f.

[14] Vgl. Schneekloth/Pupeter/Leven 2010, S.373

[15] Vgl. Ebd.

[16] Hurrelmann/Andresen/Fegter 2010, S.50

[17] Robeyns 2003, S.8

[18] Vgl. Leßmann 2006, S.34f.

[19] Vgl. Ebd. S.34

[20] Ebd. S.34

[21] Vgl.Hurrelmann/Andresen/Fegter 2010, S.50f.

[22] Vgl. ebd., S.50; vgl. Leßmann 2006, S.34f.

[23] Leßmann 2006, S.34

[24] Ebd.

[25] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Ergebnisse der World Vision Kinderstudie 2010. Ein Vergleich mit dem Capability Approach nach Martha Nussbaum
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V209729
ISBN (eBook)
9783656374817
ISBN (Buch)
9783656375135
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
World Vision Kinderstudie 2010, Capability Approach, Martha Nussbaum, Nussbaum, World, Vision, Kinderstudie, 2010, Kinderarmut, Armut, Kinder, Capability, Armatya Sen, Sen, Approach, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Dominik Amersdorffer (Autor), 2011, Die Ergebnisse der World Vision Kinderstudie 2010. Ein Vergleich mit dem Capability Approach nach Martha Nussbaum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209729

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