Die frühe Kindheit ist die bedeutsamste Phase des Lebens, die Auswirkungen auf die gesamte weitere Entwicklung hat. Zahlreiche Studien belegen, welch schwerwiegende Folgen Versäumnisse in der gesundheitlichen oder sozialen Betreuung nach sich ziehen können. Aus diesem Grund sind belastete Eltern mit Kindern zwischen 0 - 3 Jahren in besonderem Maße auf so genannte Frühe Hilfen angewiesen, die die Chancen für ein gesundes Aufwachsen nachhaltig steigern sollen. Wie im Entwurf zum Bundeskinderschutzgesetz zu lesen war, hat der Kinderschutz in Deutschland „ … in den letzten Jahren auf Grund der verbesserten Rechtsgrundlagen im Achten Buch Sozialgesetzbuch … sowie im Kindschaftsrecht des BGB, der Aktivitäten der Länder im Rahmen von Kinderschutzgesetzen und Modellprogrammen, vor allem aber der konsequenten und nachhaltigen Qualifizierung der örtlichen Praxis in den Jugendämtern und bei den freien Trägern ein hohes Niveau erreicht“. Dabei darf jedoch nicht aus den Augen verloren werden, dass zeit-gleich angesichts vererbter Exklusionslagen zunehmend häufiger komplexe Problemstellungen auftreten, die oft nur mit Hilfe öffentlicher Institutionen zu bewältigen sind. Diese weisen jedoch bereits innerhalb ihrer Systeme eine hohe Spezialisierung und Aufgabenteilung auf und benötigen bei der Kooperation untereinander ihrerseits tatkräftige Unterstützung.
Im Bundeskinderschutzgesetz, das am 1. Januar 2012 in Kraft trat, wurde aus diesem Grund u. a. der Aus- und Aufbau flächendeckender Netzwerke im Bereich der Frühen Hilfen verankert. Als zu beteiligende AkteurInnen sind dabei explizit alle relevanten Institutionen wie Jugendämter, Gesundheitsämter, Sozialämter, Schulen, Beratungsstellen, Polizei, Familiengerichte usw. auf-geführt. Doch bereits in den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Ansätze von Bund und Ländern, Kooperationen der Unterstützungssysteme auf dem Gebiet des Kinderschutzes voranzutreiben. Zu nennen wären hierbei das Modellprojekt "Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Gründung des „Nationalen Zentrums Frühe Hilfen“ im Jahr 2007.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Kindeswohlgefährdung
2.1.1 Allgemeine Grundlagen
2.1.2 Situation in Leipzig
2.2 Frühe Hilfen
2.2.1 Allgemeine Grundlagen
2.2.2 Kosten und Nutzen
2.3 Netzwerke
2.3.1 Allgemeine Grundlagen
2.3.2 Merkmale gelingender Netzwerkarbeit
2.3.2.1 Theoretische Aspekte
2.3.2.2 Praktische Erfahrungen
2.4 Evaluationsforschung
2.4.1 Einführung
2.4.2 Problemstellungen
2.5 Leipziger Netzwerk für Kinderschutz
2.5.1 Aufbau und Arbeitsweise
2.5.2 Zielerreichung und Bewertung
2.6 Zusammenfassung der Evaluation 2009
2.6.1 Beschreibung der Studie
2.6.2 Evaluationsergebnisse
3 Empirie
3.1 Forschungsfragestellungen
3.2 Untersuchungsinstrument
3.2.1 Wahl der Erhebungsmethode
3.2.2 Anforderungen an die Fragebogenkonstruktion
3.2.3 Konstruktion des Untersuchungsinstruments
3.3 Darstellung der Auswertungsmethoden
3.4 Durchführung der Studie
3.5 Ergebnisdarstellung
3.5.1 Quantitative Daten
3.5.2 Qualitative Daten
4 Diskussion
4.1 Interpretation der Ergebnisse
4.1.1 Auswertung quantitativer Daten
4.1.2 Auswertung qualitativer Daten
4.1.3 Integration und Interpretation quantitativer und qualitativer Daten
4.2 Handlungsempfehlungen
4.3 Kritische Methodenreflexion
4.4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist die Evaluation des Leipziger Netzwerks für Kinderschutz, um dessen Prozess- und Ergebnisqualität zu beurteilen und auf dieser Basis fundierte Handlungsempfehlungen für eine optimierte Netzwerkarbeit und Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen abzuleiten.
- Grundlagen von Kindeswohlgefährdung und Frühen Hilfen
- Merkmale und Konzepte gelingender Netzwerkarbeit
- Empirische Untersuchung der Arbeitsweise und Ergebnisse des Leipziger Netzwerks
- Integration quantitativer und qualitativer Daten zur Ableitung von Handlungsempfehlungen
Auszug aus dem Buch
2.4.2 Problemstellungen
Das Bild des/r unabhängigen, nach der absoluten Wahrheit suchenden WissenschaftlerIn trifft auf den/die EvaluatorIn nicht zu. DieseR muss sich damit arrangieren, von AuftraggeberInseite u. U. strikte Vorgaben bezüglich Ziele, Rahmenbedingungen, Kosten oder Stichprobenzugang zu erhalten. Die Forderung nach randomisierten Kontrollgruppen kann in der Praxis aus finanziellen, ethischen, zeitlichen und personellen Gründen so gut wie nie erfüllt werden (Bortz & Döring, 2006). Oben erwähnte unwissenschaftliche klare Bewertungen können gefordert sein oder Publikationen der Ergebnisse eingeschränkt werden. Nicht der theoretische Erkenntnisgewinn steht im Vordergrund, sondern der Nutzen für den/die KundIn. Kromrey (2001) spricht in diesem Zusammenhang vom „Primat der Praxis vor der Wissenschaft“ (S. 113), Wottawa und Thierau (1998) in einem ähnlichen von „Übelminimierung statt Ideallösung“ (S. 21). Auch bei unbegrenzten Ressourcen wird es nie ein Idealkonzept geben, das generell verbindliche Wahrheiten zum Untersuchungsgegenstand liefert; der/die EvaluatorIn kann stets nur einen vorläufigen Beitrag leisten, um die Wahrscheinlichkeit zur Wahl der besseren Alternative zu erhöhen. Bewertungsmaßstäbe liegen dabei nicht in allgemeingültiger Form vor, sondern müssen vom/n der EvaluatorIn nach bestem Wissen festgesetzt werden. Da dieser komplexe Vorgang ebenso wie die Auswahl der Kriterien und deren Operationalisierung immer von eigenen Werthaltungen beeinflusst sein können, sind alle Entscheidungen explizit und nachvollziehbar offen zu legen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung betont die Bedeutung der frühen Kindheit und die Notwendigkeit flächendeckender Netzwerke im Bereich der Frühen Hilfen, um Kindeswohlgefährdungen präventiv zu begegnen.
2 Theorie: Dieses Kapitel erörtert theoretische Grundlagen zu Kindeswohlgefährdung, Frühen Hilfen, Netzwerkkonzepten sowie Evaluationsforschung und stellt das Leipziger Netzwerk für Kinderschutz vor.
3 Empirie: Hier werden die Forschungsfragen, die Konstruktion des Untersuchungsinstruments, die Auswertungsmethoden sowie die Durchführung der Studie und die Ergebnisdarstellung beschrieben.
4 Diskussion: Das Kapitel interpretiert die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Befragung, gibt Handlungsempfehlungen und reflektiert kritisch die gewählte Methodik.
Schlüsselwörter
Kinderschutz, Frühe Hilfen, Netzwerkforschung, Evaluation, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Kindeswohlgefährdung, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Fragebogenkonstruktion, Leipziger Netzwerk für Kinderschutz, Qualitätssicherung, Familien, präventive Maßnahmen, Netzwerkanalyse, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Evaluation des Leipziger Netzwerks für Kinderschutz, um dessen Effektivität und Arbeitsqualität zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie und Praxis von Netzwerkarbeit, den Frühen Hilfen bei Kindeswohlgefährdung sowie der wissenschaftlichen Evaluationsforschung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Bewertung der Prozess- und Ergebnisqualität des Leipziger Netzwerks mittels eines Fragebogens, um Handlungsempfehlungen für die zukünftige Ausgestaltung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein methodenkombinierter Ansatz gewählt, der quantitative Fragebogendaten mit qualitativen Textanalysen (Text-Sortier-Technik nach Beywl) verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur fundierten Einordnung der Thematik sowie einen empirischen Teil, der das Vorgehen bei der Datenerhebung und die anschließende Auswertung detailliert darlegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Kinderschutz, Frühe Hilfen, Evaluation, Netzwerkarbeit, Prozessqualität, Ergebnisqualität und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Wie bewerten die Netzwerkpartner die aktuelle Arbeit des Netzwerks?
Die Bewertung fällt ambivalent aus; es gibt Kritik an der theorielastigen Ausrichtung, mangelnder Transparenz und unzureichendem Informationsfluss, wenngleich die Möglichkeiten zum Austausch auf Netzwerkkonferenzen positiv wahrgenommen werden.
Was sind die zentralen Empfehlungen der Autorin?
Die Autorin empfiehlt unter anderem die Kanalisierung paralleler Projekte, eine offenere Kommunikation, die gemeinsame Entwicklung konkreter Ziele und eine kontinuierliche Begleitforschung, etwa durch Open-Space-Veranstaltungen.
- Arbeit zitieren
- Andrea Englisch (Autor:in), 2012, Evaluation des Leipziger Netzwerks für Kinderschutz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209822