Konsumentenvertrauen als neuer Konjunkturindikator für Deutschland


Hausarbeit, 2003

39 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundbegriffe
2.1 Konjunkturprognosen
2.2 Konjunkturindikatoren

3. Das Konsumentenvertrauen
3.1 Die Bedeutung des privaten Konsums
3.2 Das Konsumentenvertrauen in Deutschland
3.2.1 Der Consumer Confidence Indicator der EU (Deutschland)
3.2.2 Der Konsumklima-Index der GfK
3.3 Analyse der Prognosequalität
3.3.1 Zeitreihenvergleich mit dem privaten Konsum
3.3.2 Wendepunktprognose mit gleitenden Durchschnitten
3.3.3 Vergleich mit dem Verbrauchervertrauen in den USA
3.4 Kritikpunkte und Verbesserungspotential

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anhang

Ehrenwörtliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Konjunkturzyklus und Wachstumstrend

Abbildung 2: Klassischer Konjunkturzyklus

Abbildung 3: Anteil des privaten Konsums am BIP

Abbildung 4: Fragenkatalog (Consumer Confidence Indicator)

Abbildung 5: Finanzielle Lage (Consumer Confidence Indicator)

Abbildung 6: Gesamtwirtschaftliche Lage (Consumer Confidence Indicator)

Abbildung 7: Gesamtwirtschaftliche Lage und Arbeitslosigkeit (Consumer

Confidence Indicator)

Abbildung 8: Finanzielle Lage und Anschaffungsneigung (Consumer

Confidence Indicator)

Abbildung 9: Preiserwartung (Konsumklima-Index)

Abbildung 10: Konjunkturerwartung (Konsumklima-Index)

Abbildung 11: Einkommenserwartung (Konsumklima-Index)

Abbildung 12: Anschaffungsneigung (Konsumklima-Index)

Abbildung 13: Sparneigung (Konsumklima-Index)

Abbildung 14: Consumer Confidence Indicator und privater Konsum

Abbildung 15: Konsumklima-Index und privater Konsum

Abbildung 16: Consumer Confidence Indicator und gleitende Durchschnitte

Abbildung 17: Teilindikatoren Lage und Erwartung (Consumer Confidence Index)

Abbildung 18: Anteil privater Konsum am BIP (Deutschland und USA)

Abbildung 19: Consumer Confidence Index und privater Konsum

Abbildung 20: Privater Konsum und verfügbares Einkommen

1. Einleitung

„Ich wage mal eine Prognose: Es könnte so oder so ausgehen.“ (Ron Atkinson)

Die Konjunkturprognosen der Wirtschaftsweisen waren in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Bundesrepublik Deutschland ziemlich zutreffend. Vor allem in Zeiten stabilen und gleichmäßigen Wachstums haben sie gute Ergebnisse geliefert. Inzwischen ist die Konjunkturentwicklung jedoch wesentlich dynamischer geworden, so dass insbesondere in konjunkturellen Umschwungphasen die Konjunkturprognosen erschwert werden. In letzter Zeit hätte man daher durchaus den Eindruck gewinnen können, dass die Aussage von Ron Atkinson auch auf die Konjunkturprognosen zutrifft.

Dementsprechend mussten die Prognosen vor allem in der jüngsten Vergangenheit häufig im Nachhinein korrigiert werden. So haben beispielsweise die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erst kürzlich in ihrem Herbstgutachten die Prognose des Bruttoinlandsproduktes für 2003 von 0,5% auf nun 0,0% gesenkt.[1] Damit befindet sich die Bundesrepublik Deutschland inzwischen im dritten Jahr einer wirtschaftlichen Stagnation. Für 2004 ist zwar nach Ansicht der Wirtschaftsforschungsinstitute eine leichte Konjunkturerholung in Sicht, von dem vorhergesagten deutlichen Aufschwung kann aber keine Rede sein.

Diese Unzuverlässigkeit der Konjunkturprognosen (vor allem im Bereich der konjunkturellen Wendepunkte) ist jedoch nicht ohne Folgen, denn die Vorhersagen stellen für das Handeln der Wirtschaftssubjekte, welches maßgeblich von der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung abhängig ist, eine wichtige Entscheidungsgrundlage dar. So bauen die Konsumausgaben der privaten Haushalte, die Investitionsausgaben der Unternehmen und insbesondere die Planung des Bundeshaushaltes auf solchen Prognosen auf. Fehlprognosen steigern daher die Gefahr von Fehlentscheidungen.

Die Schwierigkeit der Konjunkturprognosen ist vor allem darin begründet, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht gleichmäßig verläuft, sondern in Wellenbewegungen: Einem Konjunkturaufschwung mit steigenden Wachstumsraten der wirtschaftlichen Leistung und zunehmender Beschäftigung folgt eine Konjunkturabschwächung mit geringeren Wachstumsraten oder sogar sinkender Produktion sowie stagnierender oder rückläufiger Beschäftigung. Diese kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen, auch Konjunkturzyklen genannt, repräsentieren vorübergehende Abweichungen vom langfristigen Wirtschaftstrend (Abb. 1). Dabei sind die einzelnen Zyklen zwar nie identisch, aber durch typische wiederkehrende Merkmale geprägt. Auf dieser Grundlage lassen sich die Konjunkturzyklen in vier klassische Phasen einteilen: den Aufschwung, den Boom, die Rezession und die Depression (Abb. 2).[2] Da die Konjunkturphasen fließende Übergänge haben, besteht ein relativ großer Auslegungsspielraum, in welcher Phase man sich exakt befindet.

Um die jeweilige Lage der Wirtschaft im Konjunkturzyklus dennoch zuverlässig beurteilen zu können, nutzen Experten so genannte Konjunkturindikatoren. Mit ihrer Hilfe kann die Konjunktur beschrieben, analysiert und prognostiziert werden, so dass insbesondere Wendepunkte sowie Auf- und Abschwünge angezeigt werden können. Konjunkturindikatoren sind daher eine wichtige Grundlage für die Konjunkturprognosen.

Zu den Konjunkturindikatoren gehört auch das Konsumentenvertrauen, dem in Deutschland jedoch nur wenig Beachtung geschenkt wird. Es gibt zwar mit dem Konsumklima-Index der Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung in Nürnberg (GfK) einen Indikator, der das Konsumentenvertrauen in Deutschland misst, seine Veröffentlichung wird aber relativ selten in den Wirtschaftsnachrichten erwähnt. Zudem spielt er keine große Rolle für die Konjunkturprognosen. Dem Verbrauchervertrauen in den USA kommt hingegen deutlich mehr Aufmerksamkeit zu. So zum Beispiel dem Consumer Confidence Indicator des Conference Board (New Yorker Wirtschaftsforschungsinstitut), welcher zu den bekanntesten Indikatoren für das Verbrauchervertrauen zählt und häufig in Studien und Prognosen mit einbezogen wird. Er gilt vor allem in den USA als ein guter Frühindikator für die Konjunkturentwicklung.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob dem Konsumentenvertrauen in Deutschland mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Daher wird in dieser Arbeit untersucht, wie gut die Prognosefähigkeit eines solchen Indikators für die Entwicklung der Wirtschaft ist und ob in diesem Zusammenhang die Einbeziehung des Konsumentenvertrauens in die Konjunkturprognosen die Prognosequalität verbessern und somit den Wirtschaftssubjekten eine zuverlässigere Entscheidungsgrundlage bieten könnte.

Leider konnte die GfK keine konkreten Werte zum Konsumklima-Index zur Verfügung stellen, da diese nur an die Abonnenten des entsprechenden Wirtschaftsdienstes weitergegeben werden dürfen. Eine detaillierte Analyse, die über einen Zeitreihenvergleich mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Grafiken hinausgeht, war daher für diesen Indikator nicht möglich.

2. Grundbegriffe

2.1 Konjunkturprognosen

Konjunkturprognosen sind kurzfristige Wirtschaftsprognosen, die Aussagen über die zukünftige gesamtwirtschaftliche Entwicklung geben. Sie werden überwiegend aus beobachteten Regelmäßigkeiten, Kausalzusammenhängen oder festen Entwicklungsmustern der Vergangenheit abgeleitet, mit deren Auftreten auch in der Zukunft gerechnet werden kann.[3] Ausgangspunkt der Konjunkturprognose ist der Wunsch, Informationen zu erlangen, die den Wirtschaftssubjekten erlauben, sich rechtzeitig auf die konjunkturelle Lage einzustellen und wunschgemäß zu handeln. Stehen den Wirtschaftssubjekten keine oder nur sehr unzureichende Informationen über die zukünftige Konjunkturentwicklung zur Verfügung, so sind deren Entscheidungen mit einem erheblichen Risiko behaftet und damit steigt die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen. Die Hauptaufgabe der Konjunkturprognose besteht also darin, eine möglichst frühzeitige und exakte Beschreibung, Erklärung und Prognose der Konjunktur zu geben und den Wirtschaftssubjekten eine zuverlässige Informations- und Entscheidungsgrundlage zu verschaffen.

Für die Konjunkturprognose stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die jeweils auf unterschiedlichen statistischen und theoretischen Voraussetzungen beruhen: der Indikatoransatz, die iterativ-analytische Methode und die ökonometrische Prognose..[4] Sie schließen einander aber nicht aus, sondern können in der Praxis miteinander kombiniert werden.

Das Konsumentenvertrauen zählt zu den Konjunkturindikatoren und kann somit beim Indikatoransatz verwendet werden. Dieser wird primär für Kurzfristprognosen herangezogen. Er beruht auf der Untersuchung von Frühindikatoren, um Konjunkturzyklen analysieren und deren Wendepunkte prognostizieren zu können. Dabei wird besonders der systematische Gleich- bzw. Vorlauf der Konjunkturindikatoren gegenüber ihrer entsprechenden Referenzreihe genutzt.[5]

2.2 Konjunkturindikatoren

Konjunkturindikatoren sind Messgrößen, die den Konjunkturverlauf bzw. den Verlauf ihrer Referenzreihen anzeigen.[6] Sie dienen zur Erfassung der aktuellen Lage der Konjunktur und zur Prognose der weiteren konjunkturellen Entwicklung. Ein zuverlässiger Indikator sollte folgende grundlegenden Kriterien erfüllen:

1. Er muss einen wirtschaftlichen Zusammenhang zu seiner entsprechenden Referenzreihe aufweisen.
2. Es sollte eine Übereinstimmung der Indikatorreihe mit der Referenzreihe über den gesamten Zeitraum, besonders aber in der jüngsten Vergangenheit gegeben sein.[7]

Die Konjunkturindikatoren kann man nach ihren Verlaufseigenschaften in Früh-, Präsenz- und Spätindikatoren einteilen, welche der Konjunktur jeweils vor-, gleich- oder nachlaufen.[8] Frühindikatoren, wie die Auftragseingänge, laufen der eigentlichen konjunkturellen Entwicklung voraus. Präsenzindikatoren, wie das Preisniveau, beschreiben die aktuelle Konjunkturlage. Spätindikatoren, wie die Beschäftigung, reagieren mit einer gewissen Zeitverzögerung. Für die Konjunkturprognose sind die Frühindikatoren von wesentlicher Bedeutung, da von deren Richtungsänderungen auf eine gleichgerichtete Änderung der entsprechenden Referenzreihen geschlossen werden kann. Besonders konjunkturelle Wendepunkte können so bereits im Voraus anzeigt werden. Dies ist von großer Bedeutung, da meist zu diesen Zeitpunkten wichtige Entscheidungen durch die Wirtschaftssubjekte getroffen werden. Dabei sind jedoch nur solche Indikatoren gut geeignet, deren zeitlicher Vorlauf gegenüber der Referenzreihe lediglich geringen Schwankungen unterliegt und nicht zu kurz ist.

Die meisten Indikatoren stammen aus amtlichen Monatsstatistiken und Befragungsergebnissen. Nach der Art der Entstehung kann man die Konjunkturindikatoren demnach auch in quantitative und qualitative Indikatoren einteilen.[9] Für die Kurzfristprognose sind besonders die qualitativen Indikatoren wichtig, da die entsprechenden Daten meist schnell verfügbar sind und nur wenigen nachträglichen Korrekturen unterliegen. Zudem liefern sie wichtige Informationen über Urteile, Erwartungen und Pläne der Wirtschaftssubjekte, welche im Allgemeinen Auslöser für ökonomisches Handeln sind. Besonders geeignet sind dabei Indikatoren mit einer statistisch repräsentativen Basis und möglichst weit zurückreichenden Daten. Zu den qualitativen Indikatoren gehören vor allem Unternehmens- und Verbraucherbefragungen. Ihr vorrangiges Ziel ist es, die Veränderung in der Urteilsbildung und den Erwartungen zu erfassen und somit frühzeitig Aufschluss über die Handlungsentwicklung zu geben.

3. Das Konsumentenvertrauen

3.1 Die Bedeutung des privaten Konsums

Das Wirtschaftswachstum und die konjunkturelle Entwicklung werden anhand des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) gemessen. Das BIP gibt den Wert aller in einer Periode produzierten Waren und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft bewertet in konstanten Preisen eines Basisjahres wieder.[10] Im Gegensatz zum nominalen BIP gehen beim realen BIP keine Preisänderungen mit ein. Das reale BIP ist daher ein besserer Maßstab für das Wirtschaftswachstum, denn Preissteigerungen sind nicht notwendigerweise Ausdruck gestiegener wirtschaftlicher Aktivität.

Im 2. Quartal 2003 betrug das reale BIP in Deutschland 494,70 Mrd. €, dabei hatte der private Konsum mit 283,79 Mrd. € einen Anteil von 57,4%.[11] Demnach ist über die Hälfte des BIP dem privaten Konsum zuzuschreiben und das mit steigender Tendenz (Abb. 3). Man kann daher vermuten, dass der ohnehin schon relativ große Anteil des privaten Konsums am BIP in den nächsten Jahren noch weiter steigen wird. Dies lässt darauf schließen, dass die Konsumentwicklung einen relativ starken Einfluss auf die Entwicklung des Wirtschaftswachstums hat und Schwankungen im ökonomischen Verhalten der Verbraucher die konjunkturelle Entwicklung maßgeblich mitbestimmen. Ein Konjunkturindikator zur Prognose des privaten Konsums sollte daher in einem Gesamtindikatorsystem zur Konjunkturprognose auf jeden Fall berücksichtigt werden.

Das Nachfrageverhalten der Verbraucher ist vom verfügbaren Einkommen, dem Vermögen und den Verschuldungsmöglichkeiten, aber auch von Einstellungen, Stimmungen und Erwartungen bestimmt. Das verfügbare Einkommen bildet die notwendige Voraussetzung für das Entfalten von Nachfrage. Aber auch Einstellungen, Stimmungen und Erwartungen üben einen gewissen Einfluss auf die Nachfrage aus. Diese werden durch Einflussgrößen wie das Einkommen, die Preise, den Arbeitsmarkt, die Konjunktur und auch die Zinsen, also dem ökonomischen Umfeld der Verbraucher geprägt.[12] Dabei werden bei deren Bewertung nicht unbedingt die absoluten Zahlen registriert und verarbeitet, sondern eher die Richtungsänderungen, da diese die Signale für Verhaltensänderungen geben.

Der Verbraucher bildet sich mit Hilfe der ihm zur Verfügung stehenden Informationen eine Meinung über das wirtschaftliche Geschehen, das er zwar nicht direkt beeinflussen kann, von dem er aber in seinem Alltag abhängig ist. Ausgehend von der Einschätzung der aktuellen Situation leiten die Konsumenten Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung ab.[13] Das Verhalten der Verbraucher wird dann auf die Erwartungen abgestimmt.

Die Entscheidungsbasis für dieses zukünftige Verhalten stellt die Einkommenserwartung dar, da darin quasi alle Informationen des ökonomischen Umfeldes einfließen.[14] Die Einkommenserwartung hat somit Auswirkungen auf die Konsum- und Sparneigung. Bei einer steigenden Einkommenserwartung wird der rational handelnde Verbraucher eher mehr konsumieren und bei einer sinkenden Einkommenserwartung mehr sparen. Die theoretische Grundlage für diese Überlegung stellt die permanente Einkommenshypothese von Milton Friedman dar. Demnach ist das permanente Einkommen die wichtigste Einflussgröße für die Konsumentscheidungen der Verbraucher. Dabei ist das permanente Einkommen der Teil des gegenwärtigen Einkommens, der auch in der Zukunft fließen wird, wie z.B. festes Gehalt in einem sicheren Job. Das transitorische Einkommen ist hingegen der Teil des gegenwärtigen Einkommens, der in der Zukunft vermutlich nicht mehr fließen wird, wie z.B. ein Lottogewinn. Erhöhungen des permanenten Einkommens werden zum größten Teil verkonsumiert. Erhöhungen des transitorischen Einkommens hingegen gespart.[15] Die Konsumneigung des Verbrauchers ist demnach von den jeweiligen Erwartungen abhängig.

Zur Prognose des privaten Konsums ist es daher wichtig die Einstellungen, Stimmungen und Erwartungen der Konsumenten zu erfassen. Für die Messung der Verbraucherstimmungen werden im Allgemeinen Befragungen der Verbraucher vorgenommen. Die daraus gewonnenen qualitativen Daten beinhalten Informationen über Pläne, Erwartungen und Einschätzungen der Verbraucher, die von der amtlichen Statistik nicht zur Verfügung gestellt werden, aus denen sich aber wichtige Erkenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge und insbesondere die Entwicklung des Konsums ableiten lassen. Entscheidend sind dabei einerseits die Auswahl der Fragen und andererseits die Auswertung und Interpretation der Ergebnisse. In der Regel beziehen sich die Fragen sowohl auf die aktuelle Situation als auch auf zukünftige Entwicklungen der eigenen und allgemeinen Wirtschaftslage. Häufig werden auch Auskünfte über das Konsum- und Sparverhalten der privaten Haushalte gegeben. Ein aus den Ergebnissen der Verbraucherbefragungen abgeleiteter Indikator sollte als Bestandteil von Konsumprognosen verwendet werden können und damit auch in Gesamtindikatoren enthalten sein.

3.2 Das Konsumentenvertrauen in Deutschland

3.2.1 Der Consumer Confidence Indicator der EU (Deutschland)

Die Europäische Kommission lässt seit 1972 in allen Mitgliedsländern Verbraucherbefragungen durchführen, aus deren Ergebnissen dann ein Indikator für das Verbrauchervertrauen gewonnen wird (Consumer Confidence Indicator). Dieser fließt zusammen mit den Indikatoren für das Vertrauen der Industrie, der Bauwirtschaft und des Einzelhandels in den Economic Sentiment Indicator (ESI) ein, ein Frühindikatorsystem der Europäischen Union.[16]

In Deutschland ist mit der Befragung der Verbraucher die GfK beauftragt. Dabei werden monatlich 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen zwischen 16 und 69 Jahren zu ihrer Einschätzung und ihren Erwartungen in Bezug auf die eigene finanzielle Lage und die allgemeine Wirtschaftslage sowie zu ihren gegenwärtigen und zukünftigen Verhaltensabsichten befragt.[17] Zudem werden quartalsweise einige Zusatzfragen gestellt, die aber nicht in die Indikatorberechnung mit einfließen. Insgesamt werden somit monatlich 12 und quartalsweise 15 Fragen gestellt. Ein Überblick über den Fragenkatalog und die entsprechenden Antwortmöglichkeiten ist im Anhang dargestellt (Abb. 4). In der Regel gibt es zu den Fragen 6 Antwortmöglichkeiten. Diese sagen dabei nichts über den absoluten Wert der Veränderungen aus, sondern nur über die Tendenzrichtung („besser“, „schlechter“, „gleich“, etc.). Es gibt dabei immer einen symmetrischen Mittelpunkt („gleich“).

Zur Auswertung der Daten werden aus den Antworten der Konsumenten bei jeder Frage Salden gebildet, so genannte Kontrapositionssalden.[18] Dabei wird die Anzahl der pessimistischen Antworten von der Anzahl der optimistischen Antworten abgezogen.

Die Einzelindikatoren

Die Einzelindikatoren des Consumer Confidence Indicators ergeben sich aus den jeweiligen Zeitreihen der Antworten auf die einzelnen Fragen. Auffallend ist dabei, dass sich die Erwartungen der finanziellen und der gesamtwirtschaftlichen Situation für die nächsten 12 Monate häufig an der Beurteilung der vergangenen 12 Monate orientieren (Abb. 5 und 6). Dies ist im Prinzip unlogisch, da ja die Erwartungen eigentlich die Beurteilungen vorwegnehmen müssten. Der sehr gleichmäßige Verlauf der jeweiligen Zeitreihen lässt darauf schließen, dass generell mit einer positiven Beurteilung der Vergangenheit positive Erwartungen einhergehen und umgekehrt. Weiterhin zeigt sich, dass die Erwartungen für die nächsten 12 Monate seit 1990 grundsätzlich besser ausfallen als die Beurteilungen der vergangenen 12 Monate. Interessant ist auch der Zusammenhang zwischen der Erwartung der gesamtwirtschaftlichen Situation und der Arbeitslosigkeit für die nächsten 12 Monate (Abb. 7). Die beiden Zeitreihen verlaufen nahezu spiegelbildlich. Dies verwundert auch nicht weiter, da die Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Lage logischerweise einen inversen Einfluss auf die erwartete Arbeitslosigkeit hat. Ein ähnlich großer Zusammenhang besteht bei der Beurteilung der finanziellen Lage für die nächsten 12 Monate und den Anschaffungen zur Zeit (Abb. 8). Je besser die finanzielle Lage in den nächsten 12 Monaten erwartet wird, desto eher wird die Frage nach der Ratsamkeit von Anschaffungen zur Zeit befürwortet.

Der Gesamtindikator

Der Consumer Confidence Indicator ist das arithmetische Mittel der Einzelindikatoren zu den Fragen über die finanzielle Situation, die allgemeine wirtschaftliche Lage, die Erwartungen zur Arbeitslosigkeit (mit umgekehrtem Vorzeichen) und die Sparneigungen, jeweils für die nächsten 12 Monate.[19] Der Einzelindikator für Deutschland fließt mit einer spezifischen Gewichtung, die den Anteil des privaten Konsums Deutschlands an dem Europas widerspiegelt, in den Consumer Confidence Indicator der EU ein. Dieser fließt wiederum zu 20% in den bereits erwähnten Economic Sentiment Indicator ein.[20] Somit ist der Consumer Confidence Indicator kein eigenständiger Indikator, sondern lediglich Bestandteil eines Indikatorsystems.

3.2.2 Der Konsumklima-Index der GfK

Auf Grundlage der Konsumentenbefragungen für die Europäische Kommission wurde von der GfK ein eigenes System zur Berechnung und Prognose des privaten Konsumverhaltens entwickelt. Dabei wurden besonders die Zusammenhänge zwischen den Fragen sowie deren Zusammenspiel und ihr zeitlicher Vorlauf herausgearbeitet.[21] Der Konsumklima-Index stellt eine Variante des Konsumentenvertrauens als Konjunkturindikator in Deutschland dar und wird regelmäßig zu qualitativen und quantitativen Konsumprognosen der GfK verwendet.

[...]


[1] Vgl. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (2003), S. 20.

[2] Vgl. Gabler Verlag (2001), Stichwortsuche: Konjunkturphasen“.

[3] Vgl. Gabler Verlag (2001), Stichwortsuche: „Konjunkturprognose“.

[4] Vgl. Nierhaus, Wolfgang/ Sturm, Jan-Egbert (2003), S. 10.

[5] Vgl. Ebenda, S. 15.

[6] Vgl. Gabler Verlag (2001), Stichwortsuche: „Konjunkturindikatoren“.

[7] Vgl. Nerb, Gernot (1975), S. 177.

[8] Vgl. Oppenländer, Prof. Dr. Karl Heinrich (1995), S. 26.

[9] Vgl. Ebenda, S. 26.

[10] Vgl. Mankiw, Nicholas Gregory (2001), S. 531.

[11] Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland (2003), Tabelle 1.1 und 3.5.

[12] Vgl. Caspers, Wolfgang F. (1995), S. 403.

[13] Vgl. Caspers, Wolfgang F. (1995), S. 405.

[14] Vgl. Ebenda, S. 405.

[15] Vgl. Brückner, Dr. Matthias (2002), S. 19 f. (s. Internetverzeichnis).

[16] Vgl. European Commission (2003), S. 10 (s. Internetverzeichnis).

[17] Vgl. Bürkl, Rolf (2003), S. 1.

[18] Vgl. Ebenda, S. 1.

[19] Vgl. European Commission (2003), S. 11 (s. Internetverzeichnis).

[20] Vgl. Ebenda, S. 10 (s. Internetverzeichnis).

[21] Vgl. Bürkl, Rolf (2003), S. 1.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Konsumentenvertrauen als neuer Konjunkturindikator für Deutschland
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin  (Fachbereich Berufsakademie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
39
Katalognummer
V20983
ISBN (eBook)
9783638247115
Dateigröße
1536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konsumentenvertrauen, Konjunkturindikator, Deutschland
Arbeit zitieren
Christine Schulz (Autor), 2003, Konsumentenvertrauen als neuer Konjunkturindikator für Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20983

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