In dieser Seminararbeit soll es darum gehen, einen kurzen Überblick über den Begriff der Dystopie zu erhalten. Nachdem ich einleitend eine grundlegende Einführung zu dem Oberbegriff der Utopie gegeben habe, werde ich zu der gegenteiligen Thematik der Dystopie übergehen. Dabei werde ich versuchen, genau zu erläutern, was eine Dystopie überhaupt ist, d.h. ich gehe den Fragen nach, woher diese Bezeichnung kommt, was eine Dystopie auszeichnet, wie sich die literarische Gattung der Dystopie entwickelt hat, wie sie sich aufbaut und welche Motive sie in der Regel thematisiert. Anschließend werden die gewonnen Erkenntnisse konkret auf die vorgestellten Dystopien angewendet. Dabei soll keine detaillierte Filmanalyse stattfinden, sondern vielmehr eine hermeneutische Untersuchung, ausschließlich bezogen auf die jeweiligen dystopischen Charakteristika. Die theoretische Grundlage dafür, liefert Knut Hickethier, der in „Film- und Fernsehanalyse“ hermeneutische Analysegrundlagen vorstellt, an denen sich hier orientiert wird, die aber nicht als starr abzufragende Muster, sondern viel mehr als Hilfsmittel, verstanden werden. Anstatt theoretische Konzepte vorzustellen und Analysemuster darzulegen, soll hier eher diskursanalytisch, d.h. auf die jeweiligen, dystopischen Merkmale bezogen, gearbeitet werden. Abschließend wird ein Vergleich beider Dystopien erfolgen, d.h. es wird ein fiktives, totalitäres Regime, das von realen Ereignissen inspiriert wurde, mit einem explizit auf realen Ereignissen aufbauenden, totalitärem Regime verglichen. Infolgedessen werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Darstellungsweisen der politischen Situation geschildert und es wird untersucht, wie typisch dystopische Muster in beiden Dystopien verarbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Utopie
2.2. Dystopie
2.2.1 Begriffserklärung
2.2.2 Geschichte
2.2.3 Aufbau
2.2.4 Motive
3. V wie Vendetta
3.1. Handlung
3.2. Dystopische Merkmale
4. Vaterland
4.1. Handlung
4.2. Dystopische Merkmale
5. Vergleichene Dystopiebetrachtung
5.1. Machtergreifung/Machtmissbrauch
5.2. Adam Sutler = Adolf Hitler? Norsefire = NSDAP?
5.3. Erkenntnisgewinn der Protagonisten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmischen Dystopien „V wie Vendetta“ und „Vaterland“ im Hinblick auf ihre dystopischen Charakteristika, Motive und die Art der Machtausübung durch totalitäre Regime. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung politischer Unterdrückung sowie den Erkenntnisprozess der jeweiligen Protagonisten aufzuzeigen.
- Grundlagen der Gattung Utopie und Dystopie
- Analyse der totalitären Machtstrukturen und des Machtmissbrauchs
- Vergleich der Darstellung von Medieneinfluss und staatlicher Überwachung
- Erkenntnisgewinn und subversives Verhalten der Protagonisten
- Bezüge zum Nationalsozialismus und realen totalitären Regimen
Auszug aus dem Buch
3.1. Handlung
Der Film spielt in London, im Jahre 2030. Großbritannien wird von dem autokratischen Großkanzler Adam Sutler geführt und hat sich zu einem faschistischen, totalitären Staat entwickelt.
Evey Hammond, die Protagonistin des Films, arbeitet für das British Television Network. Ein Fernsehsender, der wie alle anderen Medien, der Kontrolle des Staates unterliegt. Die junge Frau entkommt einer Vergewaltigung durch Mitglieder der Geheimpolizei, durch das Eingreifen eines, mit einer Guy Fawkes-Maske verkleideten, Vigilanten, der sich „V“ nennt. Er bringt sie auf das Dach eines Gebäudes, um mit ihr zusammen die Zerstörung des zentralen Strafgerichtshofs, auch als „Old Bailey“ bekannt, anzuschauen. Verantwortliche der Norsefire-Partei erklären via TV, dass es sich bei der Zerstörung des Gebäudes um eine kontrollierte Sprengung gehandelt habe, was V allerdings als Lüge enttarnt, da es ihm gelingt, die staatlichen Fernsehanstalten zu übernehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Dystopie als warnende Gesellschaftskritik ein und begründet die Auswahl der zwei filmischen Fallbeispiele „Vaterland“ und „V wie Vendetta“.
2. Definitionen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Abgrenzung zwischen Utopie und Dystopie sowie eine Übersicht der für das Genre typischen Merkmale und Motive wie Isolation, Statik und Kollektivismus.
3. V wie Vendetta: Das Kapitel bietet eine Inhaltszusammenfassung des Films und analysiert dessen dystopische Merkmale, insbesondere die totalitäre Herrschaft und Überwachungsmechanismen.
4. Vaterland: Hier wird der Handlungsverlauf des kontrafaktischen Films „Vaterland“ dargelegt und die dystopischen Elemente im Kontext der alternativen Geschichtsschreibung untersucht.
5. Vergleichene Dystopiebetrachtung: Dieses Kapitel stellt beide Filme gegenüber und analysiert Gemeinsamkeiten bezüglich Machtmissbrauch, ästhetischer Anlehnungen an den Nationalsozialismus und der Wandlung der Protagonisten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche weiterführende Untersuchungen der literarischen Vorlagen oder anderer dystopischer Werke.
Schlüsselwörter
Dystopie, Utopie, Totalitarismus, Machtmissbrauch, Norsefire, Vaterland, V wie Vendetta, Kontrollmechanismen, Widerstand, Erkenntnisprozess, Nationalsozialismus, Gesellschaftskritik, Isolation, Kollektivismus, Überwachung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer vergleichenden Analyse von zwei dystopischen Spielfilmen, die bisher wenig wissenschaftlich beachtet wurden, und untersucht deren Darstellung totalitärer Regime.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Mechanismen totalitärer Machtausübung, die Rolle von Medien bei der Manipulation der Bevölkerung und die psychologische Entwicklung von Protagonisten innerhalb eines Unterdrückungssystems.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die spezifischen dystopischen Charakteristika der Filme „V wie Vendetta“ und „Vaterland“ herauszuarbeiten und zu prüfen, inwiefern diese Regime als Warnbilder realer faschistischer Strukturen fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Untersuchungsmethode, um die dystopischen Charakteristika der Filme in Bezug auf die theoretischen Analysegrundlagen von Knut Hickethier und anderer Autoren zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltsanalyse der beiden Filme sowie einen vergleichenden Teil, der Kategorien wie Machtergreifung, ästhetische Anleihen an den Nationalsozialismus und den Wandel der Protagonisten analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Totalitarismus, Dystopie, Machtmissbrauch, Norsefire-Partei und der Vergleich zwischen fiktiven und kontrafaktischen Schreckensszenarien.
Wie wird in „Vaterland“ die Verbindung zur realen Geschichte genutzt?
Der Film nutzt das kontrafaktische Szenario eines siegreichen Hitler-Deutschlands, um die tatsächlichen Schrecken des Nationalsozialismus als „wahrgewordene Dystopie“ in einem fiktiven Kontext kritisch zu beleuchten.
Welche Rolle spielt die Figur V in der Analyse?
V wird als zentraler Akteur analysiert, der durch seinen Widerstand gegen das System und seine Inszenierung als „Außenseiter“ den Erkenntnisprozess anderer Figuren, wie Evey Hammond, erst ermöglicht.
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- Lukas Lohmer (Author), 2012, Dystopie: Begriffsklärung und -anwendung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209888