Bigfoot - Der Affenmensch aus Nordamerika


Fachbuch, 2012

99 Seiten


Leseprobe

Indianer erzählten bereits seit vielen Generationen, in der Wildnis der nordamerikanischen Wälder lebe ein großes, zotteliges Monster. Die Rothäute im nördlichen Kalifornien

bezeichneten es als „Omah“, diejenigen im Skagit Valley des US-Bundesstaates Washington als „Kala’litabiqw“ und jene in British Columbia (Kanada) als „Sasquatch“ („haariger Riese“ oder „stark behaarter Mensch“). Vor einem kannibalistischen Waldmonster namens „Windigo“ fürchteten sich die Algonqin im nordöstlichen Nordamerika. Seine Schreie trieben sogar die tapfersten Krieger zur Flucht.

Auch die ersten weißen Siedler in Nordamerika erzählten allerlei Geschichten über merkwürdige „Waldmenschen“ in ihrer neuen Heimat. Diese Geschöpfe wurden meistens als bösartige, behaarte Teufel, die in Wäldern lebten, geschildert.

1811 entdeckte der Kartograph und Forschungsreisende David Thompson (1770–1857) angeblich als erster Weißer erstaunlich große, menschenähnliche Fußspuren unweit von Jasper in Alberta (Kanada). Nach Ansicht von Kryptozoologen sollen die Fußabdrücke, die Thompson in seinen Aufzeichnungen erwähnte, von einem „Sasquatch“ stammen. In der Folgezeit sammelte man Meldungen über ungewöhnliche Sichtungen und Funde.

Der älteste bekannte Zeitungsartikel über eine Sichtung von „Bigfoot“ in Nordamerika erschien am 6. September 1818 im „Exeter Watchman“ im US-Bundesstaat New York. Darin ist von einem Mann, dessen Glaubwürdigkeit außer Zweifel stehe, die Rede, der am 30. August 1818 nahe von Ellisburgh ein Tier gesehen habe, das dem „wilden Mann der Wälder“ ähnle. Das Geschöpf tauchte angeblich aus einem Wald auf, schaute den Mann kurz an und flüchtete.

Der legendäre amerikanische Pionier Daniel Boone (1734– 1820) berichtete einmal, er habe einen zehn Fuß großen, haarigen Riesen erschossen, den er „Yahoo“ nannte. Wenn diese Größenangabe zuträfe, hätte er ein ungefähr drei Meter großes Lebewesen erlegt. Boone war ein tüchtiger Jäger, schoss manchmal an einem einzigen Morgen ein Dutzend Hirsche und kämpfte oft mit Shawnee-Indianern. Der Roman „Der letzte Mohikaner“ von James Fenimore Cooper (1789–1851) basiert teilweise auf der Entführung der Boone-Tochter Jemima durch Shawne-Indianer und deren Befreiung.

In den 1830-er Jahren kursierten Berichte über Sichtungen eines „wilden Kindes“ unweit des Fish Lake in Indiana sowie in der Gegend von Bridgewater und im Township Silver Lake in Pennsylvania. Das nahe des Fish Lake beobachtete kastanienbraun behaarte Lebewesen war 1,20 Meter groß und wurde oft auf Sandhügeln nahe des Sees oder beim Schwimmen erblickt. Angeblich ließ es grässliche Schreie und wimmernde Laute ertönen. Diese „wilden Kinder“ könnten junge „Bigfoots“ oder eine kleinere Unterart von diesen gewesen sein, wird spekuliert.

Seit mindestens 1834 erfolgten immer wieder Sichtungen eines riesigen „wilden Menschen“ in den Counties St. Francis, Greene und Poinset von Arkansas. Beispielsweise erblickten

zwei Jäger 1851 in Arkansas eine Viehherde, die von einem Tier verfolgt wurde, das stark einem Menschen ähnelte. Der Körper dieses Geschöpfes war völlig behaart. Seine langen Locken fielen vom Kopf bis auf die Schultern.

Jene Kreatur warf nur einen kurzen Blick auf die Jäger, machte dann kehrt und rannte blitzschnell davon. Bei seiner Flucht machte der „wilde Mensch“ riesige Sprünge von drei bis vier Metern. Seine Fußspuren waren knapp 36 Zentimeter lang. Dieses unheimliche Wesen deutete man damals als einen Überlebenden der Erdbebenkatastrophe von 1811, welche die Gegend verwüstet hatte.

1840 erfuhr der protestantische Missionar Reverend Elkana Walker (1805–1877) von indianischen Ureinwohnern abenteuerliche Geschichten über Riesen, die angeblich in der Gegend von Spokane (Washington) existieren sollten. Indianer erzählten, diese Riesen lebten auf Bergen und würden ihnen Lachse aus Fischernetzen stehlen.

Auf dem Gipfel des 2.455 Meter hohen Vulkans Mount St. Helens (Washington) sollen ruchlose „wilde Männer“ gehaust haben, die sich als Kannibalen betätigten. Allerlei Geschichten über diese angeblichen Menschenfresser namens „Skoocoom“ hat der irischstämmige, kanadische Maler Paul Kane (1810–1871), der den Mount St. Helens malte, von Indianern gehört und darüber 1847 berichtet. Der Begriff „Scoocoom“ stammt aus der Sprache der Chinook, wo er „stark“ oder „schnell“ bedeuten soll, und der Klickitats.

Während der 1850-er Jahre sollen Goldsucher im Gebiet des Mount Shasta in Kalifornien wiederholt „Bigfoots“ gesehen haben. Augenzeugenberichten zufolge besaßen diese „haarigen Riesen“ lange Arme, aber kurze Beine. Eines dieser Geschöpfe ergriff angeblich einen sechs Meter langen Abschnitt einer Wasserrinne und schleuderte diese gegen einen Baum. Die Zerstörung von Ausrüstungsgegenständen und Habseligkeiten von Weißen, die in das Territorium der „Bigfoots“ kamen, geschahen vielleicht, um die Eindringlinge zu vertreiben, wird spekuliert.

Aus der Zeit vor 1920 sind aus Nordamerika insgesamt sechs Fälle bekannt, in denen „Bigfoot“-artige Lebewesen verschiedener Größe von Menschen eingefangen worden sein sollen. Falls dies der Wahrheit entspräche, erscheint es sehr merkwürdig, dass es heute nicht möglich ist, einen „Bigfoot“ zu fangen oder zu erlegen.

In den 1930-er Jahren beschrieb ein französisch-kanadischer Priester einen Affenmenschen mit folgenden Worten: „Er trug keine Kleider. Sommer wie Winter war er nackt und fror nicht bei Kälte. Seine Haut war schwarz, wie die eines Negers. Er scheuerte sich wie die Tiere an Fichten, Rottannen und anderen harzigen Bäumen. Wenn er dann mit Harz bedeckt war, rollte er sich im Sand. Danach konnte man meinen, er wäre aus Stein.“

In dem Buch „Qzark Country“ (1941) von Otto Ernest Rayburn (1891–1960) ist nachzulesen, ein „Bigfoot“ sei im 19. Jahrhundert in einer Höhle am Saline River in Arkansas gefangen worden. Zuvor war dieser „Riese aus den Bergen“ oft in den Quachita Mountains angetroffen worden. Obwohl er niemand ein Leid zufügte, hatten die Menschen große Angst vor ihm und beschlossen, dieses mehr als zwei Meter große Geschöpf zu überwältigen. Nachdem dies mit Hilfe eines Lasso gelungen war, zog man dem „wilden Menschen“ Kleider an, die er aber vor seiner Flucht aus einem kleinen Holzgebäude zerriss. Hinterher fing man ihn wieder ein. Wie diese Geschichte weiter ging, weiß man heute nicht mehr.

Kein Geringerer als der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt (1858–1919) erzählte in seinem Buch „Wilderness Hunter“ (um 1893) eine Geschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts über im Wald lebende Riesen, die ihm ein Jäger namens Bauman geschildert hatte. Dieser Story zufolge hielten sich Bauman und ein mit ihm befreundeter Trapper in den Bergen unweit des Wisdom River an der Grenze von Idaho zu Montana auf. Während der Abwesenheit der beiden Männer zerstörte irgendjemand den Anbau ihrer Hütte und durchwühlte ihren Besitz. Nach Fußspuren zu schließen, handelte es sich bei dem Eindringling um ein zweibeiniges Lebewesen. In der folgenden Nacht erwachte Bauman, roch Gestank und erblickte einen großen Schatten, auf den er schoss. Bei der Rückkehr am nächsten Abend war der Anbau erneut zerstört. Aus diesem Grund beschlossen die beiden Männer am nächsten Morgen, jene Gegend zu verlassen. Beim Einsammeln ihrer Fallen im Wald trennten sie sich. Bauman holte die letzten drei Fallen aus dem Wald, während sein Begleiter zur Hütte zurückkehrte. Einige Stunden später traf auch Bauman an der Hütte ein, wo es seltsam still war. Auf dem Erdboden lag sein Freund mit gebrochenem Genick. Am Hals des Toten waren Bissspuren von vier Fangzähnen sichtbar. Der unbekannte Täter hatte im weichen Erdboden tiefe Fußabdrücke hinterlassen. Obwohl in dieser traurigen Geschichte von keinen Affenmenschen die Rede ist, wird sie oft in Abhandlungen über „Bigfoot“ erwähnt.

In den späten 1860-er Jahren nervte und erschreckte ein „wilder Mensch“, Gorilla oder Orang-Utan wiederholt viele Einwohner des Arcadia Valley im County Crawford in Kansas. Dieses Geschöpf mit behaartem Gesicht, sehr langen Armen, riesigen Händen und gebeugtem Gang bewegte sich meistens auf den Hinterbeinen, manchmal aber auch auf allen vieren. Jene Kreatur näherte sich 1869 oft den Blockhütten der weißen Siedler. Wenn die Männer nicht zuhause waren, weil sie auf ihren Feldern arbeiteten, fürchteten sich die daheim gebliebenen Frauen und Kinder sehr vor dem unheimlichen Besucher, den die Siedler „Old Sheff“ nannten. Weil jenes Lebewesen sehr menschenähnlich war, wollten die Männer nicht auf es schießen. „Old Sheff“ riss häufig Zäune um, was zur Folge hatte, dass das Vieh in Getreidefelder gelangen konnte. Offenbar war es für ihn leichter, einen Zaun umzureissen, als ihn zu übersteigen. Eines Tages gingen rund 60 Männer auf die Jagd nach „Old Sheff“, doch dieser entkam. Im Arcadia Valley vermutete man, bei dem Plagegeist handle es sich um einen Gorilla oder um einen Orang-Utan, der vielleicht aus einer Tierschau im Osten der USA ausgerissen sei.

Ungewöhnlich verhielt sich ein ungefähr 1,50 Meter großer „Bigfoot“ im Herbst 1869 in den Bergen etwa 30 Kilometer südlich des Orestimba Creek (Kalifornien). Er spielte in Abwesenheit eines Jägers namens Grayson etwa eine Viertelstunde lang mit brennenden Zweigen aus dessen Lagerfeuer. Dann kehrte er um, kam aber noch einmal zurück und ein Weibchen gesellte sich zu ihm. Schließlich drehten sich beide um und verschwanden im Unterholz. Dies konnte der Jäger aus einem Versteck beobachten, das er aufgesucht hatte, weil ihm bei der Rückkehr von der Jagd mehrfach aufgefallen war, dass Asche und verkohlte Holzstücke der Feuerstelle verstreut herumlagen. Nach mehr als zwei Stunden Warten war der seltsame Übeltäter erschienen.

Auffällig benahmen sich auch „wilde Männer“, die man in den 1860-er Jahren im Norden von Nevada, 1894 in Dover (New Jersey), 1902 in Chesterfield (Ohio) und um 1913 auf der Labrador-Insel (Kanada) gesehen hat. In jedem dieser Fälle trug der Affenmensch angeblich einen Knüppel. Der „wilde Mann“ in Nevada wurde nachts von einer großen Jagdgesellschaft verfolgt. Das Geschöpf mit feinen, langen Haaren trug in der rechten Hand einen Knüppel und in der linken ein Kaninchen. Als der Mond herauskam und die Kreatur die Gesellschaft bemerkte, raste sie am Lager vorbei, brüllte dabei wie ein Löwe, schwang einen riesigen Knüppel und attackierte wie wahnsinnig die Pferde. Die scharfen Bluthunde der Jäger weigerten sich, das merkwürdige Lebewesen zu verfolgen. Nach den Fußabdrücken zu schließen, muss es riesengroß gewesen sein.

In den 1870-er Jahren soll eine 17-jährige Indianerin in British Columbia (Kanada) von einem „Sasquatch“ entführt worden sein. Der Affenmensch zwang sie angeblich, den Harrison River zu durchschwimmen und trug sie dann zu einem Felsunterschlupf, wo er mit seinen Eltern hauste. Nach einjähriger Gefangenschaft brachte der „wilde Mann“ die Indianerin wieder nach Hause, weil sie ihm – nach Aussage der Entführten – lästig fiel.

Die kanadische Tageszeitung „Daily Colonist“ erregte am 4. Juli 1884 mit einem Artikel über einen angeblich bei Yale in British Columbia gefangenen Gorilla kurze Zeit großes Aufsehen. Die Überschrift lautete: „What is it? A strange creature captured above Yale. A British Columbia Gorilla“. Doch schon fünf Tage später am 9. Juli 1884 berichtete der „Mainland Guardian“ in New Westminster, es sei kein solches Tier gefangen worden und man habe die Leser hinters Licht geführt. In der Zeitung „British Columbian“ las man am 11. Juli 1884, etwa 200 Menschen seien zu dem Gefängnis gepilgert, in dem der Gorilla namens „Jacko“ angeblich festgehalten wurde. Dort trafen sie aber nur einen Mann an, der Fragen über eine Kreatur beantwortete, die nicht existierte.

Ungeachtet der frühen Hinweise auf eine Falschmeldung deuten etliche Kryptozoologen die Geschichte über „Jacko“ als Beweis für die Existenz des Affenmenschen „Sasquatch“.

In dem Buch „Der amerikanische Yeti“ von Janet und Colin Bord heißt es, in den 1880-er Jahren sei in British Columbia angeblich ein junger „Bigfoot“ eingefangen worden. Die Geschichte von „Jacko“ werde von einer Reihe von Forschern mittlerweile für einen Schwindel gehalten, doch dieser Verdacht könnte allerdings bis jetzt noch nicht bewiesen werden. Im Juni oder Juli 1884 hätte ein Eisenbahner etwa 30 Kilometer von Yale in der Nähe der Gleise ein unbekanntes

Wesen eingefangen, das knapp 1,45 Meter groß, etwa 57 Kilogramm schwer und vollständig mit langen, schwarzen Haaren bedeckt gewesen sei. Das seltsame Geschöpf sei mit Beeren und Milch gefüttert worden und man habe geplant, es nach London zu transportieren und dort auszustellen. Später habe man nichts mehr von „Jacko“ gehört. Man vermute, er sei auf der Reise gestorben.

Um die Geschichte von „Jacko“ rankten sich mancherlei Spekulationen. Der amerikanische Anthropologe Grover S. Krantz beispielsweise glaubte 1992, „Jacko“ sei von dem amerikanischen Zirkuspionier Phineas Taylor Barnum (1810–1891) gekauft und als „Jo Jo“, der „Dog Faced Boy“ dem Publikum präsentiert worden. Aber der „Bigfoot“-Forscher Chad Arment bestritt 2006, dass „Jo Jo“, der in vielen Sprachen reden und seinen Namen schreiben konnte, mit „Jackie“ identisch war.

Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts trug John W. Burns, der im Chehalis-Reservat in British Columbia als Indianer-Agent und Lehrer tätig war, viele Berichte über haarige Riesenaffen zusammen. 1929 veröffentlichte er im kanadischen Magazin „Maclean’s“ einen Artikel hierüber und bezeichnete diese Geschöpfe als „Sasquatch“. Insgesamt verfasste Burns mehr als 50 Zeitungsartikel. 1957 erklärte Burns in der „Vancouver Sun“, bei den Affenmenschen handle es sich nicht um Monster. Man solle diese harmlosen Wesen nicht fangen, um die Sensationslust neugieriger Menschen zu stillen.

Eine abenteuerliche Geschichte über seine angebliche Entführung in British Columbia (Kanada) durch einen „Sasquatch“ im Jahre 1924 erzählte der Bauarbeiter Albert Ostman (um 1893–1975). Er verschwieg allerdings mehr als drei Jahrzehnte lang diesen schier unglaublichen Vorfall, weil er befürchtete, sich damit lächerlich zu machen. Erst als sich Berichte über „wilde Menschen“ wie „Bigfoot“ und „Sasquatch“ häuften, gab er Einzelheiten über seine Entführung bekannt.

Ostman hatte 1924 auf Baustellen gearbeitet und fühlte sich urlaubsreif. Um sich zu erholen, entschloss er sich, in der Gegend des Toba Inlet in British Columbia nach Gold zu suchen. Aus diesem Grund schlug er in den Bergen sein Nachtlager auf. Bald fiel ihm auf, dass seine Sachen wiederholt durchstöbert wurden. Deswegen wollte er eine Nacht wach und angezogen im Schlafsack verbringen und sein Gewehr griffbereit halten, um den unbekannten Eindringling gebührend zu empfangen. Doch er schlief ein und erwachte erst, als ihn etwas vom Boden aufhob.

[...]

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Details

Titel
Bigfoot - Der Affenmensch aus Nordamerika
Autor
Jahr
2012
Seiten
99
Katalognummer
V209897
ISBN (eBook)
9783656373780
ISBN (Buch)
9783656374152
Dateigröße
14889 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
bigfoot, affenmensch, nordamerika
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2012, Bigfoot - Der Affenmensch aus Nordamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209897

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