Pestalozzis "Stanser Brief" und Makarenkos "Ein pädagogisches Poem"


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Johann Heinrich Pestalozzi und sein Stanser Brief
2.1 Inhaltszusammenfassung
2.2 Die Erziehung Pestalozzis

3. Anton Semjonowitsch Makarenko und sein pädagogisches Poem
3.1 Inhaltszusammenfassung
3.2 Die Erziehung Makarenkos

4. Vergleich der beiden Werke
4.1 Parallelen
4.2 Unterschiede

5. Abschließende Worte

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dem Seminar „Pestalozzis »Stanser Brief« und Makarenkos »Ein pädagogisches Poem« Zwei klassische Modelle zur Erziehung »Verwahrloster«“ wurden diese beiden Werke gelesen und anschließend besprochen und verglichen. Auch wurde den Seminarteilnehmern die Biographie der beiden Autoren vorgestellt und ein Überblick über die damaligen Verhältnisse gegeben, sodass es leichter fiel, die jeweiligen Ansichten der Pädagogen zu deuten und zu verstehen.

Im nachfolgenden Verlauf dieser Arbeit soll zunächst auf Johann Heinrich Pestalozzi eingegangen werden, indem zuerst eine Zusammenfassung seiner Erlebnisse in Stans angeführt wird. Anschließend wird die sittliche Erziehung bei Pestalozzi mit ihren drei Stufen behandelt.

Als nächstes folgt die Auseinandersetzung mit Anton Semjonowitsch Makarenko, indem ebenfalls eine Inhaltszusammenfassung des pädagogischen Poems gegeben wird. Auch hier wird auf die sittliche Erziehung mit drei Stufen eingegangen.

Als Abschluss folgt ein Vergleich der beiden Werke, welcher untergliedert ist in Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Für die soeben genannten Gliederungspunkte wird der pädagogische Vergleich von Jürgen Schleumer zu Rate gezogen.

2. Johann Heinrich Pestalozzi mit seinem Stanser Brief

Im Jahre 1799 übernahm Johann Heinrich Pestalozzi auf die Frage der Regierung hin eine Armenanstalt für verwahrloste, arme Kinder in Stans. In „Pestalozzi ’s Brief an einen Freund über seinen Aufenthalt in Stans“ berichtet er über seine Erfahrungen in dieser Armenanstalt.

2.1 Inhaltszusammenfassung

Zu Beginn erklärt Pestalozzi, dass es einer Umstrukturierung der Erziehung bedürfe und dass dies am besten dadurch erzielt werden könne, indem eine Anzahl der ärmsten Kinder durch die Erziehung fester mit ihrer gewohnten Umgebung verbunden würden (vgl. Pestalozzi 1932, S. 3). Für sein Vorhaben bekommt Pestalozzi von der Regierung ein Klostergebäude in Stans, welche auch für die nötigen finanziellen Mittel sorgt (vgl. ebd., S. 4).

Es gibt allerdings viele anfängliche Schwierigkeiten, denn die Kinder kommen bereits, obwohl das Gebäude noch nicht fertig renoviert ist (vgl. ebd. S. 5). Außerdem ist Pestalozzi mit Ausnahme einer Haushälterin ganz allein auf sich und die Kinder gestellt (vgl. ebd., S. 6).

Am Anfang leben bei Pestalozzi um die 50 Kinder in einem Alter von fünf bis 15 Jahren (vgl. Schleumer 1974, S. 17), welche aber zunächst aufgrund des Platzproblems nicht alle bleiben können (vgl. ebd.).

Die meisten Kinder, welche zu Pestalozzi in die Armenanstalt kommen, sind nicht nur vernachlässigt, ihnen mangelt es ebenso an grundlegendem Schulwissen (vgl. ebd., S. 5). Um den Kindern die wichtigen Dinge zu lehren, hat Pestalozzi eine eigene Methode; auf diese wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch genauer eingegangen.

Doch trotz dieser Bemühungen beklagen sich bald einige Kinder, denn sie haben sich darauf eingestellt, „nach Klosterweise gefüttert zu werden“ (ebd., S. 10). Außerdem fesselt eine umhergehende Krankheit viele Kinder an ihre Betten und viele Eltern kommen und holen die Kinder wieder zurück oder fordern Geld von Pestalozzi, wenn sie diese bei ihm lassen, denn sie gehen davon aus, ihm damit einen Gefallen zu tun (vgl. ebd., S. 10f.); viele Kinder werden auch wieder nach Hause geholt, sobald sie sauber und neu gekleidet sind (vgl. ebd., S. 12). Doch einige Kinder merken, dass sie bei Pestalozzi etwas lernen können und bleiben (vgl. ebd.). Diesen erzählt er sehr oft davon, dass man sich durch Mühe und Strebsamkeit sein tägliches Brot sichern kann und somit gelingt es Pestalozzi auch, seinen Zöglingen die Augen zu öffnen und ihnen die Aussicht zu ermöglichen, dass es auch ein Leben außerhalb des Elends gibt (vgl. ebd., S. 15).

Doch schon bald werden Pestalozzi‘ s Methoden von der Regierung kritisiert (vgl. Schleumer 1974, S. 19) und auch die Kirche macht Probleme, denn sie kann sich nicht damit abfinden, einem Reformierten die Erziehung von Kindern zu überlassen (vgl. Pestalozzi 1932, S. 9). Doch auch diese Probleme hält Pestalozzi mithilfe der Liebe seiner Kinder aus (vgl. Schleumer 1974, S. 19).

Das Jahr 1799 stellt nach fünfmonatigem Einsatz das Ende seiner Arbeit dar, denn das Gebäude wird als Lazarett für die Franzosen benötigt. Es scheint, als ob dieser Vorfall bei Pestalozzi einen tiefen Schmerz verursacht (vgl. ebd.), denn am Ende des Stanser Briefes erklärt er: „Das waren meine Träume; ich mußte Stanz verlassen, da ich jetzt so nahe an ihrer Erfüllung zu seyn geglaubt habe“ (vgl. Pestalozzi 1932, S. 32).

2.2 Die Erziehung Pestalozzi‘ s

Beim Lesen des Textes wird deutlich, dass Pestalozzi die sittliche Erziehung vertritt. So erklärt er, dass man erst im Innern eines Menschen eine „rechtliche und sittliche Gemütsstimmung“ (ebd., S. 14) anregen muss, bevor man am Äußeren anknüpfen kann (vgl. ebd.). Deshalb lässt er auch die Gefühle über etwas dem Reden über dasselbe vorangehen, denn nach seiner Ansicht macht es keinen Sinn, sich mit Kindern über ein Thema zu unterhalten, über welches sie gar nicht genau Bescheid wissen (vgl. ebd., S. 17).

Diese sittliche Elementarbildung besteht aus 3 Stufen, wobei die Erste die „Erzielung einer sittlichen Gemüthsstimmung durch reine Gefühle“ (ebd., S. 19) darstellt.

Den ersten Schritt dieser Stufe bildet (vgl. Schleumer 1974, S. 21) die „Allseitige Besorgung“ (Pestalozzi 1932, S. 8). Betrachtet man sich den Anfangszustand der Kinder, wie sie also zu Pestalozzi kamen, so wird ersichtlich, was mit diesem Anfangsschritt gemeint ist (vgl. Schleumer 1974, S. 21). Auch erscheint es m.E. logisch, dass es sich hierbei um die elementare Stufe handelt, ohne welche kein weiterer Schritt nach vorn getan werden kann. „Die meisten dieser Kinder waren […] in dem Zustand, den die äusserste Zurücksetzung der Menschennatur allgemein zu seiner nothwendigen Folge haben muß“ (Pestalozzi 1932, S. 5); die Kinder waren von Ungeziefer befallen und bis auf die Knochen abgemagert (vgl. ebd.), Pestalozzi macht es sich also zunächst zur Aufgabe, die Grundbedürfnisse der Kinder wie Nahrung, Hygiene und Kleidung zu erfüllen. „Aus diesem Schlamm wollte ich sie herausheben, und in einfache, aber reine häusliche Umgebungen und Verhältnisse versetzen“ (ebd., S. 6).

Als nächstes steht der Schritt des „»Weitherzigmachens«“ (Schleumer 1974, S. 21) bevor. Damit ist gemeint, dass der komplette Umgang mit den Kindern durch Liebe geprägt ist (vgl. ebd.). Die Aufgabe besteht also darin, sie durch Liebe „[…] in ihrem Innern zu gründen und zu sichern […]“ (Pestalozzi 1932, S. 14).

Auf diese Verbundenheit mit den Kindern baute Pestalozzi (vgl. ebd., S. 8) und um dies seinen Zöglingen deutlich zu machen, musste er ihnen „alles in allem“ (ebd., S. 9) sein; Pestalozzi hatte keine Wohnung für sich, sondern er lebte die ganze Zeit über bei den Kindern, waren sie krank, so stand er an ihrer Seite (vgl. ebd., S. 10).

Dadurch gelang ihm auch der dritte Schritt der ersten Stufe, nämlich „das Wecken des Vertrauens“ (Schleumer 1974, S. 22). Die Bedeutung dieses Aspekts wird deutlich, als Pestalozzi optimistisch erklärt, dass sich alles Weitere von alleine erledigen wird, wenn ihm nur erst einmal das Vertrauen der Kinder zu Grunde liegt (vgl. Pestalozzi 1932, S. 8).

Die zweite Stufe von Pestalozzi‘ s Elementarbildung bilden die sittlichen „Uebungen durch Selbstüberwindung und Anstrengung in dem, was recht und gut ist“ (ebd., S. 19).

Hier geht es zunächst (vgl. Schleumer 1974, S. 23) um das Lehren „tugendhafter Fertigkeiten“ (Pestalozzi 1932, S. 17), wie zum Beispiel Ruhe und Disziplin. Aber auch Aspekte wie Rücksichtnahme, Empathie, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl sowie Geschwisterlichkeit zählen m.E. dazu.

Von der Wirkung ist Pestalozzi absolut überzeugt, denn er schreibt: „Es ist unglaublich, was die Festhaltung solcher Kleinigkeiten dem Erzieher für Fundamente zu großen Zwecken giebt“ (ebd.).

Auch berichtet er ein Beispiel von einem Mädchen, bei welchem die tugendhaften Fertigkeiten dazu beitragen, dass sie sich der sittlichen Bildung in großen Schritten nähern kann (vgl. ebd.). Als nächster Schritt der zweiten Stufe steht die „Selbstüberwindung“ (ebd., S. 19) der Kinder im Vordergrund (vgl. Schleumer 1974, S. 24). Diese wird an der Stelle deutlich, an welcher Pestalozzi‘ s Zöglinge damit einverstanden sind, andere Kinder aufzunehmen, auch wenn das bedeutet, dass Nahrung, Kleidung, etc. geteilt werden muss (vgl. Pestalozzi 1932, S. 16). Demnach gelingt es den Kindern, ihre „»Selbstsucht« und »Selbstsorge«“ (Schleumer 1974, S. 24) zu überwinden.

Die letzte Stufe der sittlichen Elementarbildung beruht auf der Anwendung von „Große[n, d. Verf.], viel umfassende[n, d. Verf.] Begriffe[n, d. Verf.]“ (Pestalozzi 1932, S. 23). Erst hier treten also bewusst die Wörter in den Vordergrund, welche den Kindern ihre Umgebung verdeutlichen und „[…] eine rechtliche und sittliche Ansicht ihres Lebens und ihrer Verhältnisse […] erzeugen“ (ebd., S. 14f.) sollen. Dabei ist die Anknüpfung der Wörter an die gesammelten Erfahrungen der Kinder unerlässlich, denn erst durch diese wissen sie überhaupt, wovon sie reden (vgl. ebd., S. 24).

Zusammenfassend lassen sich die drei Stufen wie folgt erklären:

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Pestalozzis "Stanser Brief" und Makarenkos "Ein pädagogisches Poem"
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V209972
ISBN (eBook)
9783656381815
ISBN (Buch)
9783656382881
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pestalozzis, stanser, brief, makarenkos, poem
Arbeit zitieren
Julia Trebes (Autor), 2011, Pestalozzis "Stanser Brief" und Makarenkos "Ein pädagogisches Poem", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209972

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