Eine psychologische Analyse Fritz Langs "Metropolis"


Hausarbeit, 2010
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Macht der Masse
2.1 Historische Bedeutung der Massenszenen in „Metropolis“
2.2 Der Massen-Traum

3. Wer ist der Herrscher über die Massen?
3.1 Robotter-Maria als Verführerin der Massen
3.2 Rotwang als wahnsinniger Wissenschaftler
3.3 Freder als Mittler

4. Zusammenfassung

5. Bibliografie

1. Einleitung

Der Filmwissenschaftler Siegfried Kracauer widmete sich in „Von Caligari zu Hitler“ einer umfassenden psychologischen Geschichte des deutschen Films. Er bringt Filme der Weimarer Republik in Verbindung mit den politischen Ereignissen in Deutschland und ist der Meinung, dass auch das futuristische „Metropolis“ als Spiegel der Zeit verstanden werden sollte.

Nach Kracauer „schien [in Metropolis] das gelähmte Kollektivbewusstsein mit ungewöhnlicher Klarheit im Schlafzu reden.“[1]

Diese Metapher möchte ich zum Anlass meiner Arbeit machen und sie unter Berücksichtigung der damaligen historischen Ereignisse am Beispiel der Massen­Darstellungen näher untersuchen.

Wieviel Macht besitzen die Massen und wodurch ist ihr Handeln motiviert?

Meiner Meinung nach ist „Metropolis“ als Kollektivtraum zu deuten, der die Ängste, Leidenschaften und Fantasien der Zeit zum Ausdruck bringt.

Diesen Eindruck schafft der Regisseur Fritz Lang durch märchenhafte Studiokulissen[2], die sich für den Zuschauer wie Fragmente eines Labyrinths zu einer gigantischen, unüberschaubaren Traumwelt zusammenfügen.[3] Aber auch die widersprüchlichen Charaktere, die einerseits Stereotypen folgen, andererseits keine eindeutige Zuordnung in Gut und Böse zulassen, erwecken den Eindruck eines wirren Traums.

2. Die Macht der Masse

2.1 Historische Bedeutung der Massenszenen in „Metropolis“

Die Stadt Metropolis wird im Film von der Arbeitskraft der Massen am Leben gehalten. Sie sind die Basis der Mutterstadt und sorgen dafür, dass die Bewohner der Stadt mit Elektrizität versorgt werden und die Jugend im „Klub der Söhne“ ihren Vergnügungen nachgehen kann.[4]

Zu Beginn des Films marschieren die Arbeiter im Gleichschritt zur nächsten Schicht. Sie treten als dunkle Einheit mit gesenktem Kopf ihren Dienst an der Maschine an und verlassen die Arbeitsstelle ebenso einheitlich, nun jedoch mit einem langsameren, schlürfenden Gang.[5]

In der Anfangssequenz wird die Macht der Maschinen über die Arbeiter deutlich, denn die Zahnräder drehen sich erbarmungslos und leiten den Schichtwechsel ein.[6] Detailaufnahmen geben einen Eindruck von der riesigen Maschine, die wie die Uhr an der Wand nie still steht. Pünktlich wird das Signal zum Schichtwechsel eingeleitet und die zuvor imposante Musik wird schwerfällig.

Die von Lang dargestellte Einheit der leidenden, schwarz gekleideten Massen in Verbindung mit den riesen Maschinen deutet auf die bevorstehende Katastrophe hin. Denn sind die Massen einerseits Opfer der Großstadtmaschinerie, bedienen sie andererseits die Maschinen und sind deshalb für Metropolis von großer Relevanz. Ein Arbeitsausfall würde der Stadt großen Schaden zufügen, abgesehen von der Macht, die die Arbeiter in der Masse erlangen können.

Der Marsch der Arbeiter durch die Flure der Unterstadt ist nur der Anfang einer Reihe von Massenszenen, denen sich Fritz Lang in „Metropolis“ bedient. Kritiker deuteten diese als Ausdruck seiner Gigantomanie. Kracauer sprach von Langs „unbedingten Willen zur Ornamentalisierung“[7], der dazu führe, dass Form und Handlung sich an gewissen Stellen widersprechen.

Tatsächlich war „Metropolis“ ein gigantisches Projekt, mit dem der Regisseur den Massengeschmack treffen wollte. Um einen Film für die Massen zu schaffen, bediente er sich modernster Technik wie der Trickfotografie; für die Umsetzung seiner Massenszenen benötigte er 38.000 Komparsen.[8]

Lang schien selbst einen Massen-Wahn verfallen zu sein. Er drehte einen Film für die Massen, in dem das Phänomen der Masse pompös inszeniert wurde.

Im Nachhinein gehörte er zu den Kritikern seines Films und bemängelte die fehlende politische und gesellschaftliche Aktualität. Nach eigener Aussage habe er sich bei der Umsetzung von „Metropolis“ von seiner Faszination für Maschinen beeinflussen lassen.[9]

Die Verantwortung für den banalen Plot des Films liegt größtenteils bei der Drehbuchautorin Thea von Harbou, die laut Kracauer „anfällig für alle Strömungen der Zeit [war und] wahllos herunter[schrieb], was in ihrer Phantasie herumspukte.“[10]

Folgt man Kracauers Argumentation, wird „Metropolis“ in den Händen von den gigantomanischen Fritz Lang und der rechtsorientierten Romantikerin von Harbou ungewollt zu einem Psychogramm der Großstadtmassen der späten 1920'erJahre. Diese waren zur Zeit der Premiere des Films 1927, acht Jahre nach der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, im Begriff sich von sozialistischen Klassenkämpfern zu vergnügungsorientieren Konsumenten zu entwickeln.[11] Ähnlich der Arbeiterrevolution von 1918/1919[12] beginnen die unzufriedenen Arbeiter einen Ansturm gegen die Industrie, die ihr Leben bedeutet. Dies bezahlen sie beinahe mit dem Tod ihrer Kinder. Ihre Revolution hinterlässt ein Trümmerfeld und bewirkt bei den „Massen“ eine Läuterung, die ihre Absichten ins Entgegengesetzte verkehrt: Die einstigen Rebellen verbünden sich gesenkten Hauptes mit dem Kapitalisten Joh Fredersen.

Interpretiert man die Schlussszene von „Metropolis“ positiv, dann bewirkte der „Mittler“ Freder einen Mittelweg, der den Bedürfnissen beider Parteien gerecht wird. Auf die Historie bezogen könnte das Ende den Kollektivtraum von „einer aus Arbeit und Disziplin wiedergeborenen und wiedervereinten modernen Nation“[13] darstellen.

[...]


[1] Kracauer, Siegfried: Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1979, S.171.

[2] vergl. Keilholz, Sascha: Metropolis - Ein Labyrinth zwischen Chaos und Ordnung. In: Maik Bozza, Michael Herrmann (Hg.): Schattenbilder Lichtgestalten. Das Kino von Fritz Lang und F.W. Murnau. Bielefeld: TranscriptVerlag 2009, S.104f.

[3] vergl.ebd,S.118.

[4] Lang, Fritz: Metropolis. Leipzig: Arthaus 2003, 6:00-8:32.

[5] ebd, 3:14-4:00.

[6] ebd., 2:30-3:14.

[7] Kracauer, S.159.

[8] vergl.Jestram,S.100.

[9] ebd, S.102.

[10] Kracuaer, S.171.

[11] vergl. Keas, S.178.

[12] vergl. ebd., S.172.

[13] Keas, S.176.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Eine psychologische Analyse Fritz Langs "Metropolis"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Der künstliche Mensch - von Automaten zu Avataren
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V210001
ISBN (eBook)
9783656378136
ISBN (Buch)
9783656380030
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
masse-macht-metropolis, eine, analyse, fritz, langs, metropolis
Arbeit zitieren
Johanna Sailer (Autor), 2010, Eine psychologische Analyse Fritz Langs "Metropolis", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210001

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