Musik und Literatur als Sprachrohr in der dritten Welle des Feminismus

Pornographie: Feminismus oder doch nur Provokation?


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: Sehr gut

Stephanie Müller (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des Feminismus
2.1. Erste und Zweite Welle
2.2. Die Dritte Welle

3. Musik als Sprachrohr
3.1. Musik im Feminismus
3.2. Lady Bitch Ray

4. Exkurs: Literatur als Sprachrohr

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jede Welle des Feminismus hatte ihre deklarierten Ziele, für die die Frauen der damaligen Bewegungen einstanden. Sie sind heute historisch abgrenzbare Perioden, die sich in einem nachhaltigen Blickwinkel analysieren lassen können. Anders verhält es sich bei der sogenannten dritten Welle des Feminismus. Natürlich haben die Akteure des Weiteren ihre Ziele, jedoch lässt sich keine zeitliche Abgrenzung schaffen, da wir uns grad inmitten dieser Welle befinden. „The third wave generally refers to the period from the Clinton Presidency (1992) to the present.“ Heywood (2006: 138) Sie legt dabei das Augenmerk in ihrer Definition der dritten Welle auf den Multikulturalismus und die Vielfältigkeit.

Neben so einem großen Rahmen muss man allerdings auch die im ersten Moment vielleicht sekundären Entwicklungen betrachten, die vielleicht am Ende dieser dritten Welle ein entscheidender Faktor sein können, was genau die dritte Welle ausgemacht hat. Meiner Meinung nach ist es heutzutage nicht nur die Botschaft an sich, die im Vordergrund steht, sondern auch die Art und Weise, wie diese vermittelt wird. Meinen Schwerpunkt lege ich dabei auf die Sprache, also die Ausdrucksweise. Hierbei dienen zwei Kernbereiche der Untersuchung: Die Musik und die Literatur. Diese zwei Ausdrucksformen sind besonders geeignet dafür, die Sprache genauer zu analysieren. Der Terminus ‚Frauenliteratur’ lässt sich in Metzlers Lexikon der Geschlechterforschung schon finden und wird definiert als eine ‚von Frauen für Frauen’ geschriebene Literatur, die eventuell auch kritisch und emanzipatorisch wirken kann oder will (vgl. Kroll 2002: 123). Ein vergleichbarer Terminus für etwa ‚Frauenmusik’ lässt sich jedoch nicht finden. Welche sprachlichen Besonderheiten lassen sich in der Musik finden? Wie kann sich emanzipatorische Literatur äußern? Wie verhält sich dies in der Musik? Diesen und anderen Fragen möchte ich in meiner Arbeit auf den Grund gehen.

Ebenfalls in Metzlers Lexikon lässt sich der Begriff der Pornographie finden, der der bürgerlichen Sexualmoral entgegen steht und auch durch sprachliche Deutlichkeit Grenzen überschreiten kann. In der Ihnen vorliegenden Arbeit soll auch diesem Aspekt Beachtung geschenkt werden, indem man die Sprache diesbezüglich in der kontemporären Musik und Literatur analysiert.

2. Geschichte des Feminismus

Liberté, Égalité, Fraternité, was soviel heißt wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, lauteten die Parolen der Französischen Revolution von 1789. Und obwohl Frauen zu dieser Zeit ihren festen Platz, mit ebenso gefestigten Regeln, in der Gesellschaft hatten, waren es nicht nur Männer, die auf die Barrikaden gingen um für ihre Ziele einzustehen. Ob nun beim Marsch auf Versailles oder im Frauenbataillon, das weibliche Geschlecht erhob gleichermaßen die Stimme für seine Ziele (vgl. Vahsen 2008: 1) Heute, 220 Jahre später, hat die Frauenbewegung einen langen Weg hinter sich und scheint noch immer nicht am Ziel angekommen zu sein. Die nächsten Punkte sollen einen historischen Rückblick über den Feminismus liefern der bis in die Gegenwart führt.

2.1. Erste und Zweite Welle

Obwohl zwischen den Ereignissen der Französischen Revolution und 1848 noch eine relativ große Zeitspanne liegt, so datieren die meisten Feministinnen eben dieses Jahr als Beginn für die Erste Welle des Feminismus. Anlass hierzu war die 1848 stattgefundene ‚Seneca Falls Women’s Rights Convention’ (vgl. Heywood 2006: 134).

At the Seneca Convention, 260 women and forty men wrote and ratified the ‚Declaration of Sentiments’, a Declaration of Independence inclusive of women. (Heywood 2006: 135)

Die Seneca Falls Aktivisten und Aktivistinnen forderten volle Teilnahme am öffentlichen und staatlichen Geschehen. Zudem verlangten sie bessere Bildungsmöglichkeiten sowie Berufschancen, das Recht auf Scheidung und das Wahlrecht, um nur einen Auszug Ihrer Deklaration hier wiederzugeben. Im Jahre 1920 bekamen die Frauen das Wahlrecht durch eine Abänderung der amerikanischen Konstitution zugeschrieben, was eine vorerst große Errungenschaft darstellte (vgl. Heywood 2006: 135). In Deutschland erhielten die Frauen erstmalig im Jahr 1919 das passive und aktive Wahlrecht (vgl. Blickpunkt Bundestag 2005: o.S.).

‚Das andere Geschlecht’ von Simone de Beauvoirs erschien im Jahr 1949 und gilt für manche Kulturhistoriker als Beginn der Zweiten Welle des Feminismus, die ihren Höhepunkt in den 68-er Revolten fand (vgl. Hastedt 2008: o.S.). Auch wenn es in der Literatur unterschiedliche Zeitangabe für die Periode der zweiten Welle gibt, kann man ihre grundlegenden Wesenszüge festhalten. Laut Hastedt (2008: o.S.) war diese Zeit geprägt von dem Kampf um politische Gleichberechtigung und der Kritik an gesellschaftlichen Normen. Im Mittelpunkt standen dabei die patriarchalischen Strukturen, die Geschlechterrollen und die Unterdrückung der Frau diesbezüglich. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Selbstbestimmung über den Körper und das Recht auf Abtreibung.

The central focus of the second wave was on total gender equality-- women as a group having the same social, political, legal, and economic rights that men have. (Head 2009: o.S.)

Den wohl populärsten Bekanntheitsgrad der deutschen Frauenbewegung erreichte Alice Schwarzer. Im Jahre 1977 erschien die von ihr gegründete, erste unabhängige Zeitschrift ‚Emma’, die heute zum Teil von den Töchtern ihrer ersten Leserinnen rezipiert wird (vgl. Schwarzer 2002: o.S.). Diese befinden sich grad in der Dritten Welle des Feminismus, denn dieser geschieht im Hier und Jetzt.

2.2. Die Dritte Welle

Das wohl Wichtigste an der Dritten Welle des Feminismus ist zunächst einmal sich klar zu machen, dass es nicht Geschichte ist, sondern Gegenwart. Wir reden nicht nur darüber, wir sind Teil davon und auch wer sich nicht so fühlt, kann es immer noch werden.

Den Terminus ‚Third-Wave-Feminism’ kreierte die bisexuell Afroamerikanerin Rebecca Walker in einem 1992 erschienenen Essay (vgl. Head 2009: o.S.). Head beschreibt sie als das lebende Symbol dafür, dass die zweite Welle des Feminismus dahingehend versagt hat, die Stimmen vieler junger Frauen zu berücksichtigen, die zum einen farbig sind und zum anderen nicht heterosexuell. Einleitend wird in Punkt 1 bereits die Auffassung Heywoods (2006: 138) über den Beginn dieser neuen Welle gezeigt. Was den Inhalt dieser Bewegung betrifft, so beschreibt Heywood (2006: 138) diesen folgendermaßen: Die Betonung der heutigen Bewegung lege in der Multikulturalität und der Vielfältigkeit; der Annahme, dass es nicht mehr nur die Gruppe der Frau sei, die es zu prüfen gilt; das Beharren darauf, dass der Kampf um Gleichheit noch kein Ende gefunden hat. Hierzu lassen sich Parallelen in der Beschreibung von Hastedt (2008: o.S.) finden: Zusätzlich zum Kampf für Gleichberechtigung kommt jener gegen Diskriminierung, wie zum Beispiel aufgrund von Rassenzugehörigkeit oder Behinderung. Daneben spricht sie eine Integration der unterschiedlichen Erfahrungen an, die Frauen aufgrund ihrer verschiedensten Eigenschaften und Biographien machen. Feministinnen der dritten Welle sind global ausgerichtet und beachten auch kulturelle Unterschiede. Zudem setzt sich der heutige Feminismus mit Alltagsproblemen und Widersprüchen auseinander, wie etwa der Frage, ob Feministinnen sich schminken dürfen. Dennoch widerspricht Hastedt (2008: o.S.) den Vorwürfen, es handle sich um ‚Lippenstift-Feminismus’, da sehr wohl auch politische Ansprüche die dritte Welle prägen.

Manifestationen der dritten Welle lassen sich in Projekten und Bewegungen wie der ‚Riot Grrrl’, dem D.I.Y, was soviel heißt wie ‚Do It Yourself’, den ‚Lady Zines’ oder in den sogenannten ‚Ladyfeste’ erkennen. Jeder einzelne Aspekt für sich ist das Ausmaß einer vollständigen Arbeit wert und so mögen diese hier lediglich ihre Erwähnung finden ohne des Weiteren diese zu beschreiben. Vielmehr möchte ich mich in meiner Arbeit der Sprache widmen. Die Sprache ist ein artspezifisches Kommunikationsmittel der Menschen und dient als Mittel zum Ausdruck von Gedanken und Gefühlen (vgl. Meyers Lexikon Online: o.S.). Die Sprache als Ausdrucksform ist folglich das wichtigste Mittel der Menschen, um sich zu äußern, seinen Hoffnungen, Ängsten, Zielen und Wünschen Form zu verleihen. Schwarzer (2002: o.S.) bezeichnet Sprache als den Stoff, mit dem sie arbeitet. Welche Ausprägungen dies in der dritten Welle des Feminismus hat, soll in den nächsten Gliederungspunkten behandelt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Musik und Literatur als Sprachrohr in der dritten Welle des Feminismus
Untertitel
Pornographie: Feminismus oder doch nur Provokation?
Hochschule
Universität Salzburg  (GendUp - Zentrum für Gender Studies und Frauenforschung)
Veranstaltung
Geschichte, Medien und Inhalte des Third Wave Feminism
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V210037
ISBN (eBook)
9783656382010
ISBN (Buch)
9783656382911
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
musik, literatur, sprachrohr, welle, feminismus, pornographie, provokation
Arbeit zitieren
Stephanie Müller (Autor), 2009, Musik und Literatur als Sprachrohr in der dritten Welle des Feminismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210037

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