Beziehungsmanagement im Deutschen und Schwedischen. Eine vergleichende Untersuchung von Todesanzeigen


Hausarbeit, 2012
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Der Korpus

2. Gestaltung der Anzeigen
2.1 Layout
2.1 Elemente

3. Sprachliche Analyse
3.1 Aufschlüsselung der Texthandlungen
3.2 Beziehungsmanagement in den Todesanzeigen
3.2.1 Wo in den Texten findet Beziehungsmanagement statt?
3.2.2 Wer ist am Beziehungsmanagement beteiligt?
3.2.3 Inwieweit wird in einzelnen Elementen der Todesanzeigen Dialogizität als Mittel für das Beziehungsmanagement verwendet?
3.2.4 Betreibt eine Sprache intensiver Beziehungsmanagement als die andere?

4. Schluss.

Literaturverzeichnis

Anhang.

0. Einleitung

Nach Angelika Linke ist eine kulturanalytische Untersuchung von Formen und Mustern des Sprachgebrauchs bisher vorrangig in literaturwissenschaftlichen Studien üblich.[1]Sie hält es für wichtig und wünschenswert, die kulturanalytische Perspektive auch auf „andere mögliche Felder der sprachlichen Produktion“ auszuweiten. Angelika Linke unterstreicht, dass eine Analyse von Mustern im Sprachgebrauch zwar „bei der konkreten sprachlichen Form ansetzen und [...] auch auf linguistische Analyseinstrumente zurückgreifen“ müsse, dass aber die Erfassung ihrer kulturellen Signifikanz dann auf eine Interpretationsleistung angewiesen ist, die über die rein sprachliche Ebene hinausgeht.[2]Allerdings betont sie, dass man sich hier „davor hüten [müsse], vorgefundene Daten vorschnell zu generalisieren“.[3]Daher kann es zunächst nur um „Deskription und Kategorienbildung“[4]gehen, auf deren Grundlage man dann mit aller gebotenen Vorsicht Interpretationen im Hinblick auf zugrunde liegende kulturelle Phänomene anbieten kann. Weiterhin legt Linke dar, dass kulturelle signifikante Musterhaftigkeiten oft erst im „interkulturellen Kontrast“ deutlich werden.[5]

In der vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden, durch eine sprachliche Analyse Musterhaftigkeiten in deutschen und schwedischen Todesanzeigen aufzudecken. Für die Wahl dieser Textsorte spricht zum einen deren besonderer Zugänglichkeit. Es fällt nicht schwer, einen zweisprachigen Korpus zur Untersuchung zu erstellen. Des Weiteren ist der Umfang einer einzelnen Todesanzeige relativ beschränkt, so dass es möglich ist, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und die einzelnen Texte des Korpus zu untersuchen. Hinzu kommt, wie Eva Martha Eckkrammer in ihrer AbhandlungDie Todesanzeige als Spiegel kultureller Konventionenaufzeigt, dass Todesanzeigen auf formaler Ebene wenn auch nicht gesetzlich geregelt, so doch „einzelsprachlich hochgradig konventionalisiert [sind] [...], da die Texte zum überwiegenden Teil anhand von bestehenden Mustern erstellt werden.“[6]

Auch inhaltlich ist eine Beschäftigung mit dieser Gebrauchstextsorte aus verschiedenen Gesichtspunkten interessant. Aufgrund der Besonderheit der Situation, in der die Anzeigen entstehen, sind sie meist nicht individuell reflektiert, sondern zeigen den öffentlichen Sprachgebrauch, mit dem die jeweilige Gesellschaft die Gewissheit des Todes verarbeitet. Jede Kultur hält Rituale für die Auseinandersetzung mit Sterblichkeit bereit. Die Ausdrucksformen dieser Rituale können Aufschluss geben über Totenkult und auch Art und Grad der Auseinandersetzung der jeweiligen Gesellschaft mit dem Tod, die einen wichtigen Bestandteil der Kultur einer Gesellschaft darstellt.[7]

So zeigt sich in der Sprache der Anzeigen in gewisser Weise der Konsens der Gesellschaft über Sprachregelungen in dieser Extremsituation.

Untersucht werden können die Todesanzeigen neben den sprachlichen Aspekten auch auf die Gestaltung hin sowie bezüglich der enthaltenen beziehungsweise nicht enthaltenen Elemente.

Aufgrund der Kürze der Bearbeitungszeit und des Umfangs kann in der vorliegenden Arbeit allerdings keine vollständige, repräsentative statistische Analyse von deutschen und schwedischen Todesanzeigen durchgeführt werden. Es lässt sich daher nicht ausschließen, dass zumindest teilweise Ergebnisse zutage treten, die mit der recht willkürlichen Auswahl des untersuchten Korpus zusammenhängen und sich nicht zwangsläufig auf die deutschen beziehungsweise die schwedischen Todesanzeigen im Allgemeinen übertragen lassen müssen.

1. Der Korpus

Beispielhaft werden im Folgenden 54 schwedische und 75 deutsche Anzeigen untersucht. Die gewählten Anzeigen sind ausschließlich Familienanzeigen, Anzeigen von Vereinen, Firmen oder ähnlichem wurden nicht untersucht.

17 der schwedischen Anzeigen stammen von der Internetseite von Fonus, einem schwedischen Bestattungsunternehmen, das genossenschaftlich aufgebaut ist und Skandinaviens größtes Unternehmen auf dem Bestattungssektor darstellt,[8]sind aber in derselben Form jeweils auch in unterschiedlichen schwedischen Regionalzeitungen erschienen. Die restlichen 37 Anzeigen entstammen vier verschiedenen Ausgaben der Borås Tidning, einer Regionalzeitung aus Västra Götalands Län, von Anfang Februar 2012. 49 der deutschen Todesanzeigen sind unterschiedlichen Ausgaben vom Januar und Februar 2012 der Aachener Nachrichten, einer in Aachen, Nordrhein-Westfalen erscheinenden Regionalzeitung, entnommen, die restlichen 26 Anzeigen entstammen zwei im Februar 2012 erschienenen Ausgaben der Greifswalder Lokalausgabe der Ostsee Zeitung, einer Regionalzeitung aus Mecklenburg-Vorpommern.

2. Gestaltung der Anzeigen

Die Todesanzeigen der Korpora werden zunächst auf Layout und enthaltene Elemente hin untersucht.

2.1 Layout

Was die Gestaltung der Todesanzeigen betrifft, so fällt zunächst auf, dass die schwedischen Anzeigen eine Einheitsbreite aufweisen und nur bezüglich der Länge variieren. So sind sie bis auf eine Ausnahme alle 3,8 cm breit und zwischen 7,7 und 20 cm hoch. Die deutschen Anzeigen hingegen variieren in ihren Maßen sehr. Die kleinste der untersuchten Anzeigen ist 5,5 cm hoch und 9 cm breit, die größte 21 cm hoch und 18,3 cm breit. Insgesamt wirken die deutschen Todesanzeigen größer und aufdringlicher, einzelne Anzeigen springen durch die teils sehr unterschiedlichen Formate deutlich mehr ins Auge, als es bei den schwedischen der Fall ist. Alle untersuchten Anzeigen beider Sprachen bis auf zwei Ausnahmen bei den schwedischen sind schwarz umrandet, einige der deutschen auch mehrfach und in unterschiedlicher Rahmendicke. Die schwedischen Anzeigen hingegen sind alle mit Linien der selben Dicke umrahmt, die dünner ist, als die der meisten deutschen Anzeigen. Kathrin von der Lage-Müller sieht den schwarzen Rahmen „zumindest im deutschsprachigen Kulturraum [...] als das Textsortenerkennungszeichen schlechthin“ für Todesanzeigen. Sie geht soweit, einen Text, der nur aus einem Namen besteht und der mit schwarzer Umrandung versehen ist, als „minimal realisierte Todesanzeige“ zu bezeichnen.[9]

In den schwedischen Anzeigen befindet sich ausnahmslos ein Symbol ganz oben über dem Anzeigentext. Während diese Symbole alle in etwa die gleiche Größe aufweisen, sind die Symbole in den deutschen Anzeigen höchst unterschiedlicher Größe, und nicht in jeder Anzeige findet sich ein Symbol. Auffällig ist weiterhin, dass die Schriftart und -größe des Anzeigentextes im Schwedischen bis auf geringe Abweichungen immer identisch ist, wobei Namen fett hervorgehoben oder in Kapitälchen geschrieben werden. Hier zeigen sich in den deutschen Todesanzeigen wiederum größere Unterschiede, die Größe und Formatierung der Textteile variieren immens.

Die schwedischen Anzeigen, die der Borås Tidning entstammen, sind in der Zeitung auf einer oder zwei Seiten pro Ausgabe veröffentlicht, die die ÜberschriftPersonligttragen. Hier werden neben den Todesanzeigen auch Informationen über Geburten, Geburtstagsglückwünsche und kurze Berichte über stattgefundene Beerdigungen und Taufen veröffentlicht. Dies geschieht nach Kategorien sortiert, wobei die Todesanzeigen, die unter der UnterüberschriftDÖDAstehen, den größten Raum einnehmen, die anderen Verlautbarungen geschehen meist in wenigen Zeilen.

Durch die jeweils anfallenden Anzeigen nicht ausgefüllter Raum ist aufgefüllt mit Werbeanzeigen für unterschiedliche gemeinnützige Organisationen, die um Spenden bitten, sowie vereinzelt auch für Grabsteinmetze, oder es wird zum Blutspenden aufgerufen. Diese Anzeigen sind, wenn vorhanden, zusammen eher unauffällig in einer unteren Ecke der Zeitungsseite untergebracht. Die Zeitungsplatzierung der Anzeigen, die aus dem Internet entnommen sind, kann nicht untersucht werden, da diese nicht bekannt ist.

Die deutschen Anzeigen, die den Aachener Nachrichten entnommen sind, befinden sich auf Seiten, die die ÜberschriftFamilietragen. Ebenfalls unter dieser Überschrift werden Geburts- und Hochzeitsanzeigen veröffentlicht. Mittwochs und Samstags befinden sich die Todesanzeigen auf eigenen Seiten, da an diesen Tagen die meisten Anzeigen veröffentlicht werden. Auch hier wird frei gebliebener Platz für Werbeanzeigen genutzt, allerdings ausschließlich für gemeinnützige Organisationen oder Bestattungsunternehmen. Außerdem wird hin und wieder Platz mit einem Zitat zum Thema „Andenken“ oder „Trauern“ gefüllt. Im Gegensatz zur Borås Tidning sind diese Werbeanzeigen oder auch die Zitate zwischen den Todesanzeigen verteilt und teilweise recht auffällig gestaltet. Fallen an anderen Tagen einzelne Todesanzeigen an, so werden diese auch auf normalen Seiten des Lokalteils veröffentlicht. In diesen Fällen stehen sie oft neben Kleinanzeigen aus diversen Rubriken oder auch großflächigeren kommerziellen Werbeanzeigen.

Die in der Ostsee Zeitung erschienenen Todesanzeigen befinden sich in der RubrikLokalanzeigenauf eigenen Seiten mit der UnterüberschriftTraueranzeigen. Auch hier sind vereinzelt Anzeigen für Bestattungsunternehmen oder Zitate eingestreut, allerdings seltener und auch unauffälliger als in den Aachener Nachrichten.

In den meisten der deutschen Anzeigen ist dem Geburtsdatum ein Stern (*) und dem Sterbedatum ein Kreuz (…) vorangestellt. Die schwedischen Anzeigen enthalten zwar auch einen Stern, der vor dem Geburtsdatum steht, sie weisen allerdings kein Kreuz vor dem Sterbedatum auf. Dies dürfte eine Folge der sprachlichen Struktur sein, da die Daten dort meist eingebettet in die Todesnachricht in einem Satz mit einem Verb des Sterbens und der verstorbenen Person stehen, was ein Kreuz überflüssig macht.

2.2 Elemente

In den Anzeigen aus Schweden sind insgesamt 22 unterschiedliche Elemente vertreten, die allerdings in keiner Anzeige alle vereint sind. Die meisten Elemente, nämlich jeweils 17, weisen zwei Anzeigen auf, die Anzeige mit den wenigsten Elementen enthält 7, durchschnittlich sind 13 Elemente in einer Anzeige enthalten. In den deutschen Anzeigen finden sich insgesamt 24 unterschiedliche Elemente. Die deutsche Anzeige mit den meisten Elementen enthält 15, in zwei Anzeigen finden sich nur 8 Elemente, durchschnittlich weisen die Anzeigen des deutschen Korpus 11 Elemente auf.

[...]


[1]Angelika Linke, Signifikante Muster - Perspektiven einer kulturanalytischen Linguistik. In: Elisabeth Wåghäll Nivre, Brigitte Kaute, Bo Andersson, Barbro Landén, Dessislava Stoeva-Holm (Hg.): Begegnungen. Das VIII. Nordisch-Baltische Germanistentreffen in Sigtuna vom 11. bis zum 13.6.2009. Acta Universitatis Stockholmiensis. Stockholm, 2011, S. 23-44. Hier S. 31.

[2]Vgl. ebd., S. 30.

[3]Ebd., S. 31.

[4]Ebd., S. 40.

[5]Vgl. ebd., S. 39.

[6]Eva Martha Eckkrammer, Die Todesanzeige als Spiegel kultureller Konventionen: eine kontrastive Analyse deutscher, englischer, französischer, spanischer, italienischer und portugiesischer Todesanzeigen. Bonn: Romanistischer Verlag, 1996, S. 10.

[7]Vgl. Adrian Haus, Todesanzeigen in Ost- und Westdeutschland. Ein sprach- und kulturwissenschaftlicher Vergleich. Frankfurt a. M., 2007, S. 15ff.

[8]Vgl. Fonus: Det här är Fonus. http://www.fonus.se/uploads/media/foretagspres_fonus_maj_2011.pdf (Mai 2011; Zugriff am 12.03.2012).

[9]Kathrin von der Lage-Müller, Text und Tod. Eine handlungstheoretisch orientierte Textsortenbeschreibung am Beispiel der Todesanzeige in der deutschsprachigen Schweiz. Tübingen: Niemeyer, 1995, S. 109.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Beziehungsmanagement im Deutschen und Schwedischen. Eine vergleichende Untersuchung von Todesanzeigen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Fennistik und Skandinavistik)
Veranstaltung
Beziehungsmanagement auf Skandinavisch
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V210088
ISBN (eBook)
9783656382386
ISBN (Buch)
9783656382935
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleichende, untersuchung, beziehungsmanagement, deutschen, schwedischen, beispiel, textsorte, todesanzeige
Arbeit zitieren
David Felsch (Autor), 2012, Beziehungsmanagement im Deutschen und Schwedischen. Eine vergleichende Untersuchung von Todesanzeigen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210088

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Beziehungsmanagement im Deutschen und Schwedischen. Eine vergleichende Untersuchung von Todesanzeigen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden