Die Bedrohung des gedruckten Buches durch das E-Book

Wird das gedruckte Buch zum Medium Bibliophiler?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

0. Einleitung

1. Begriffsbestimmungen
1.1. Was ist ein Buch?
1.2. Das Buch als Medium

2. Das E-Book
2.1. Definitorische Abgrenzung
2.2. Meilensteine des E-Books
2.3. Probleme des neuen Mediums
2.3.1. Die Frage des Formats
2.3.2. Das Problem des Kopierschutzes
2.4. Das E-Book auf dem Markt
2.4.1. Besonderheit des deutschen Markts
2.4.1.1. Das Gesetz über die Preisbindung für Bücher
2.4.1.2. Versteuerung
2.4.2. Nutzer des Angebots

3. Die Zukunft des Buchs

4. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Das Buch ist wie der Löffel, der Hammer, das Rad oder die Schere: Sind diese Dinge erst einmal erfunden, lässt sich Besseres nicht mehr machen.“[1]

Umberto Eco

0. Einleitung

Als analoges Trägermedium blickt das Buch auf eine jahrhundertlange Tradition zurück. Die Verwendung von beweglichen Lettern revolutionierte die herkömmlichen Methoden der Buchproduktion und Johannes Gutenberg leitete damit eine dritte Medienrevolution (nach Ausbildung der Sprache und der Erfindung komplexer Schriftsysteme) ein. Die immer weiterentwickelte Form des Buchs hat das Medium selbst bis heute nicht verändert und das oft beschworene Ende der Gutenberg-Galaxis[2] ist bis heute noch nicht eingetreten.

Dennoch befindet sich die traditionelle Buchbranche spätestens seit Einführung neuster Lesegeräte für elektronische Bücher in einem Umbruch. In der Diskussion um die Zukunft des Buchs steht das gedruckte Buch jedoch weiterhin im Mittelpunkt. Eine häufig gestellte Frage ist die, ob der wirtschaftliche Erfolg des elektronischen Buchs die Zukunft des gedruckten Buchs bedroht.

„Durch das Internet sind wir ins Zeitalter des Alphabets zurückgekehrt. Wenn wir je geglaubt hatten, wir seien in eine Kultur des Bildes eingetreten, so führt uns der Computer wieder zurück in die Ära Gutenberg, und heutzutage sieht sich jedermann gezwungen zu lesen. Zum Lesen braucht man einen Datenträger.“[3]

Umberto Eco, italienischer Schriftsteller, Philosoph, Medienwissenschaftler und Bücherliebhaber glaubt nicht an einen Untergang der bisherigen Buchkultur. Gegenwärtige Entwicklungen in der Buchbranche führen jedoch zu der Frage, ob das Buch in Zukunft nur noch zu einem Medium Bibliophiler wird.

Um über die Zukunft des Buchs zu sprechen, ist es zunächst einmal notwendig sich mit dem Begriff des Buchs selbst zu beschäftigen. Daher werden zu Beginn der Arbeit zunächst Definitionen des Artefaktes Buch angeführt und im Anschluss daran wird das Buch als Medium definiert. Zudem ist es unumgänglich den Begriff des E-Books näher zu betrachten und anschließend zu bestimmen, ob man beim elektronischen Buch überhaupt von einem Buch sprechen kann. Im zweiten Kapitel soll dann das E-Book näher betrachtet werden, um im Anschluss zu einer Prognose über die Zukunft dieses Mediums zu kommen. Zunächst geschieht diese Betrachtung in geschichtlicher Hinsicht. Meilensteine des E-Books werden hier angeführt, denn diese Darstellung der technischen Voraussetzungen ist notwendig, um die gegenwärtige Situation des E-Books zu verstehen und im Anschluss bewerten zu können. Im weiteren Verlauf der Arbeit geht es um aktuelle Probleme des neuen Mediums. Anschließend findet eine kurze Betrachtung des gegenwärtigen wirtschaftlichen Markts statt. Hieraus lassen sich Entwicklungstendenzen für die Zukunft ableiten. Im dritten Kapitel soll dann letztlich ein Ausblick des aktuellen Markts gegeben werden unter der Fragestellung der Zukunft des Buchs und ob dieses zum bibliophilen Medium wird. Die Ausführungen Umberto Ecos aus Die große Zukunft des Buches und Die Kunst des Bücherliebens stehen hier als Thesen dieser bibliophilen Zukunft des Buchs. Umberto Eco philosophiert in beiden Werken unterhaltsam und lehrreich zugleich über die Rolle des Buchs in der Kulturgeschichte, aber auch im Leben des bibliophilen Sammlers. Vor allem das Gespräch zwischen Umberto Eco, Jean-Claude Carrière und Jean-Philippe de Tonnac pendelt immer wieder zwischen allgemeinen, philosophischen oder historischen Betrachtungen und persönlichen Erinnerungen und Anekdoten, Witzen und Skurrilitäten der Kulturgeschichte, die mit aktuellen Ausblicken verbunden werden. Die große Wertschätzung des Buchs als eine der herausragenden Erfindungen führt die Gesprächspartner keineswegs zu einem Pessimismus hinsichtlich der kulturellen Entwicklung, sondern zu anregenden und überraschenden Bemerkungen.

1. Begriffsbestimmungen

1.1. Was ist ein Buch?

Ursula Rautenbergs Definition in der von ihr herausgegebenen Einführung in die buchwissenschaftliche Forschung Buch zeigt die Komplexität des Mediums bzw. des Begriffs Buch auf. Sie erörtert direkt einleitend: das Buch „kann in vielfältigen Formen und unterschiedlichen Funktionen auftreten“[4]. Um in der folgenden Arbeit über das Medium Buch in Form des elektronischen Buchs sprechen zu können, ist es wichtig den Begriff des Buchs zu definieren.

Ursula Rautenberg definiert das Buch im Nachschlagewerk BuchMarktBuch zunächst einmal als „handwerklich oder maschinell hergestelltes physisches Objekt, das Schrift- und Bildzeichen dauerhaft speichert und überliefert.“[5] Das Buch sei dabei eng mit der Schrift verbunden und benötige eine optische Entschlüsselung. Geschichtlich beschreibt sie einen Abriss von der Buchrolle über den Kodex bis hin zur heutigen Buchform, dem gedruckten Buch. Aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung als Hauptmedium der Kommunikation wird dem Buch eine kulturelle Sonderstellung zugewiesen.[6] Es lässt sich jedoch festhalten, dass sich an der Kodexform des Buchs bis heute nichts geändert hat, während sich die Beschreibstoffe und die Publikationsformen immer wieder abgelöst und verwandelt haben.

Als nächsten Ansatz das Medium Buch zu definieren nennt Rautenberg, dass Bücher heute eine International Standard Book Number (ISBN)[7] tragen und im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) geführt werden.[8] Das Buch als Artefakt scheint also definiert zu sein durch sein Material sowie die Festsetzung seiner Zeichen und als technischer Speicher. Speicherungsvorgänge im Buch sind also immer auch Festschreibungen.[9]

1.2. Das Buch als Medium

Auch der Begriff des Mediums ist ein äußerst komplexer Begriff. Da ein Diskurs über das Medium eine eigenständige Arbeit darstellen würde, soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit von folgendem Medienbegriff ausgegangen werden.

Bei Medien handelt es sich um Mittel zur Formulierung von Gedanken, Gefühlen, Inhalten sowie Erfahrungen über die Welt. Ein Medium ist also Übermittler von Informationen. Kommunikation bedient sich immer eines Mediums. Medien sind weiterhin gesellschaftlich institutionalisierte Kommunikationseinrichtungen.[10]

Man unterscheidet zwischen primären, sekundären und tertiären Medien. Bei primären Medien geht die Information direkt vom Sender zum Empfänger, wie beispielsweise Sprache. Handelt es sich um ein sekundäres Medium, benötigt der Sender ein Hilfsmittel zur Erstellung der Nachricht, um mit dem Empfänger in Kontakt zu treten, z. B. ein Buch. Ein tertiäres Medium, wie das Internet, zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass sowohl ein Gerät zur Chiffrierung als auch zur Dechiffrierung der Nachricht benötigt wird.[11]

Helmut Schanze definiert das Buch im Gegensatz zu Ursula Rautenberg als Medium und nicht als physisches Objekt selbst. Er deutet das Buch als Medium und Instrument der Speicherung, Ordnung und Generierung von Wissen. Die Medialität des Buchs bestehe nicht im gebundenen Papier oder in Buchstaben, sondern darin, dass ein Autor seine Botschaft über ein technisches Medium an den Leser zu vermitteln versucht.[12] Umberto Eco geht sogar noch weiter, indem er sagt, dass mehr als das Medium die Botschaft selbst interessiert, die dieses übermittelt.[13]

Dietrich Kerlen und Thomas Keiderling setzen in ihrer Definition zum Buch im Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft ebenfalls direkt anders an, als beispielsweise Ursula Rautenberg dies tut, indem sie sagen, dass das Buch ein „Speichermedium auf unterschiedlichen Trägern zur Übermittlung von Texten und bildlichen Illustrationen“[14] ist. Sie zählen hier die verschiedenen Träger seit der Antike auf und fügen das elektronische Buch mit in dieser Anführung als aktuellsten Träger hinzu. Kerlen und Keiderling führen zudem an, dass es der Primärzweck des Buchs sei, eine Beziehung zwischen Verfasserperson und Leserperson herzustellen.[15]

[...]


[1] Eco, Umberto; Carrière, Jean-Claude; Tonnac, Jean-Philippe de (2010): Die große Zukunft des Buches. Gespräche mit Jean-Philippe de Tonnac. München: Hanser, S.14.

[2] Der Begriff der Gutenberg-Galaxis wurde von Marshall McLuhan in seinem Werk The Gutenberg Galaxy (1962) geprägt. Gemeint ist damit eine Kultur, die grundlegend vom Buch als Leitmedium geprägt ist.

[3] Eco, Umberto; Carrière, Jean-Claude; Tonnac, Jean-Philippe de (2010): Die große Zukunft des Buches, S.14.

[4] Rautenberg, Ursula; Wetzel, Dirk (2001): Buch. Tübingen: Niemeyer, S. 1.

[5] Schütz, Erhard (Hg.) (2010): Das BuchMarktBuch. Der Literaturbetrieb in Grundbegriffen. Unter Mitarbeit von Silke Bittkow, David Oels, Stephan Porombka und Thomas Wegmann. 2. Aufl. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verl. Lemma Buch, S.63.

[6] Vgl. Rautenberg, Ursula; Wetzel, Dirk (2001): Buch, S.14.

[7] Die Bezeichnung ISBN dient der eindeutigen Identifizierung von Büchern. Seit 1970 wird Büchern diese Nummer zugewiesen, um die Ware Buch auf dem Markt zu verwalten. In Deutschland vergibt nur der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH ISBN-Verlagsnummern und einzelne ISBN-Nummern. Die ISBN ist stets zehnstellig und umfasst vier voneinander getrennte Nummernsysteme: die Gruppennummer, Verlagsnummer, Buch- oder Titelnummer sowie die Prüfziffer. (Vgl. Eintrag ISBN in Schütz, Erhard (Hg.) (2010): Das BuchMarktBuch, S.153f.)

[8] Vgl. Rautenberg, Ursula; Wetzel, Dirk (2001): Buch, S.3.

[9] Vgl. Rautenberg, Ursula; Wetzel, Dirk (2001): Buch, S.5.

[10] Vgl. Hickethier, Knut (2010): Einführung in die Medienwissenschaft. 2. Aufl. Stuttgart, Weimar: Metzler. S.20.

[11] Vgl. ebd., S. 22.

[12] Vgl. Schanze, Helmut (2010): Medienwissenschaft - Buchwissenschaft. Ansätze zu einer Agenturtheorie des Buchs. In: Ursula Rautenberg (Hg.): Buchwissenschaft in Deutschland. Ein Handbuch. Berlin, New York: De Gruyter Saur, S. 132.

[13] Vgl. Eco, Umberto; Carrière, Jean-Claude; Tonnac, Jean-Philippe de (2010): Die große Zukunft des Buches, S.32.

[14] Kerlen, Dietrich; Keiderling, Thomas (2006): Buch. In: Günter Bentele, Hans-Bernd Brosius und Otfried Jarren (Hg.): Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 27.

[15] Vgl. ebd., S. 28.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Bedrohung des gedruckten Buches durch das E-Book
Untertitel
Wird das gedruckte Buch zum Medium Bibliophiler?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Mediengeschichte des Buchs
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V210113
ISBN (eBook)
9783656378631
ISBN (Buch)
9783656456063
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zukunft, buchs, wird, buch, medium, bibliophiler, e-book, elektronisches Buch, Umberto Eco
Arbeit zitieren
Julia Kosnider (Autor), 2012, Die Bedrohung des gedruckten Buches durch das E-Book, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210113

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