Längere Dürreperioden, zunehmende Überschwemmungen, stärkere Wirbelstürme
mit all ihren verheerenden Auswirkungen sind Dauerthema in der heutigen Medienlandschaft.
Und diese gelten nur als Folgen des Klimawandels. Mit weiteren Themen
wie der Überfischung der Meere, der ungewollten Züchtung von hyperresistenten
Keimen oder der Gefahr von Genverschmutzung wird eines deutlich: Es geht längst
nicht mehr darum die Natur zu retten, sondern um die Sicherung der Lebensgrundlage
der Menschheit. Doch welche Rolle spielen Unternehmen bei diesem allgegenwärtigen
Problem und wie können diese adäquat darauf reagieren?
Ein Großteil der Umweltbelastung resultiert aus der Versorgung der Gesellschaft mit
Gütern und Dienstleistungen. Und da diese Aufgabe für gewöhnlich von Unternehmen
wahrgenommen wird, ist ihre Rolle bei der Nachhaltigkeitsdiskussion von größter
Bedeutung. Die Antwort auf eine adäquate Reaktion könnte ein ökologisch nachhaltiges
Business Process Management (BPM) sein. Also die Entwicklung, Integration
und kontinuierliche Verbesserung umweltorientierter, nachhaltiger End-to-End
Prozesse innerhalb von Unternehmen und anderen Organisationen. Es handelt sich
hierbei um ein relativ junges Forschungsgebiet, in dem es bisher wenige Veröffentlichungen
gibt.
Zunächst stellt sich aber die Frage, was sich hinter dem Begriff des BPM eigentlich
verbirgt und wie es aus Sicht der Unternehmen verstanden wird. Dieses grundlegende
Wissen ist wichtig, um ein Grundverständnis für BPM zu entwickeln und bildet
darüber hinaus die Grundlage, BPM im Zusammenhang mit ökologischer Nachhaltigkeit
zu untersuchen.
Darüber hinaus ist zu klären, was man unter Nachhaltigkeit eigentlich genau versteht
und wie sich Nachhaltigkeitsziele überhaupt auf Unternehmen übertragen lassen. Ist
es für Unternehmen grundsätzlich von Nachteil, diese Ziele zu berücksichtigen?
Mögliche Erklärungsansätze dieser Problemstellungen bilden den Grundstein für
diese Arbeit und sind damit die Rechtfertigung für weitere Untersuchungen dieses
Themengebiets. In diesem Kontext wird untersucht, welche ökonomisch bedingten
Gründe/Ziele dafür sprechen können eine umweltorientierte Strategie zu verfolgen.
Diese Gründe können sich unter anderem auf die Forderungen von sogenannten
„grünen“ Konsumenten, auf das Aufkommen von Regulierungen oder auf das Umsetzen
längst überfälliger, effizienter Abläufe beziehen.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Warum Nachhaltigkeit?
2 Was ist BPM und was kann daran „Grün“ sein?
2.1 Der Hintergrund von BPM
2.2 Die Definition von BPM
2.2.1 Das Capability Maturity Modell Integrated
2.2.2 Die BPM-Ebenen
2.2.3 Was sind End-to-End Prozesse?
3 Nachhaltigkeit und ihre Umsetzung
3.1 Die Definition von Nachhaltigkeit
3.2 Die Operationalisierbarkeit von Nachhaltigkeit
3.2.1 Nachhaltigkeitskonzepte im Umweltbereich
3.2.2 Die Übertragung von Nachhaltigkeit auf die Unternehmensebene
3.3 Wirtschaftliche Zusammenhänge
3.3.1 Der globale Markt und das Angebot
3.3.2 „Grüne“ Produkte – „Grüne“ Konsumenten
4 Nachhaltigkeitswerkzeuge
4.1 Die Bedeutung der Treibhausgase
4.1.1 Die Definition des PCF
4.1.2 Die PCF-Ermittlung in Unternehmen
4.1.3 Die Grenzen und die Kritik des PCF
4.2 Der Sustainable Value Ansatz
4.2.1 Die Logik des SVA
4.2.2 Die Berechnung des Sustainable Value
4.2.3 Der Sustainable Value Ansatz – Stärken und Schwächen
5 Das Business Process Management im Fokus
5.1 Die Kernelemente
5.1.1 Strategische Ausrichtung
5.1.2 Governance
5.1.3 Methoden
5.1.4 IT
5.1.5 Personen
5.1.6 Unternehmenskultur
5.2 Die Kultur in BPM
5.2.1 Das Modell
5.2.2 Der Bezug zur Praxis
5.3 Informationstechnologie und ihre Bedeutung
5.3.1 BPM-Systeme
5.3.2 Service-Orientierte Architektur
5.4 Die Performance und ihre Bedeutung
5.4.1 Definitionen und Begriffe
5.4.2 Anforderungen und Herausforderungen
5.4.3 Der Verbesserungs-Prozess
6 Die Untersuchung der vorgestellten Werkzeuge in Bezug auf BPM
6.1 Der PCF und das BPM
6.1.1 Der Einfluss von BPM auf den PCF
6.1.2 Der Einfluss vom PCF auf das BPM
6.1.3 Die Herausforderungen
6.2 Der SVA und das BPM
6.2.1 Die Verbindung vom SVA zum BPM
6.2.2 BPM und SVA – mögliche Auswirkungen dieser Verbindung
7 Weitergehende Untersuchung – ein Modellansatz
7.1 Der Modellansatz
7.2 Die Untersuchung
7.2.1 Die Nachhaltigkeits-Transparenz
7.2.2 Die Opportunitätskosten der Nachhaltigkeit
7.2.3 Das Nachhaltigkeits-Verlangen
8 Management Summary
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Business Process Management (BPM) genutzt werden kann, um ökologische Nachhaltigkeit in Unternehmen zu fördern. Das primäre Ziel besteht darin, Zusammenhänge zwischen prozessorientiertem Management und Nachhaltigkeitszielen zu identifizieren, einzuordnen und die Potenziale für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung objektiv zu bewerten.
- Integration von ökologischen Nachhaltigkeitszielen in das Business Process Management
- Analyse von Nachhaltigkeitswerkzeugen wie dem Product Carbon Footprint (PCF) und dem Sustainable Value Ansatz (SVA)
- Untersuchung der wirtschaftlichen Zusammenhänge und Anforderungen an ein "grünes" BPM
- Erarbeitung eines Modellansatzes für nachhaltigkeitsorientiertes Handeln durch Stakeholder
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Hintergrund von BPM
Laut Hammer [HAMM10, S. 3–5] basiert BPM zum größten Teil auf zwei geistigen Vorfahren. Das sind zum einen die Werke von Shewhart (1986) und von Deming (1953), die zur modernen Qualitätsbewegung geführt haben und zum anderen Hammers eigene Arbeiten im Bereich des Business Process Reengineering (BPR) (Hammer 1990; Hammer and Champy 1993).
Die Werke im Qualitätsbereich suchten nach Möglichkeiten, die Grundursachen für Performanceschwankungen mittels klarer Messgrößen zu identifizieren und zu beseitigen. Sie sind insbesondere wegen ihrer zugrundeliegenden Prinzipien von Bedeutung. Die Wichtigkeit von Abläufen wird hierbei herausgestellt. Zudem steht bei der Ermittlung der Grundursache für Performancedefizite nicht mehr das Personal im Hauptfokus, sondern der Prozess an sich. Dieser wird mittels klarer Messgrößen untersucht, um die Grundursachen für die Ablaufschwäche zu identifizieren und zu beseitigen. Abschließend ist die Idee einer kontinuierlichen Verbesserung ebenfalls Bestandteil dieser zugrundeliegenden Prinzipien.
Die Schwächen des Qualitätsansatzes lagen zum einen bei der Prozessbetrachtung. Da hier jede kleine Tätigkeit als Prozess angesehen wurde, konnte aufgrund der Vielzahl von Prozessen kein unternehmensweites Prozessverständnis entwickelt werden, welches zu strategischen Vorteilen führen könnte. Zum anderen war das Ziel des Qualitätsansatzes, eine konstante, fehlerfreie Performance zu verwirklichen, ohne aber zu bewerten, ob der Level der Performance allgemein für Kunden oder Unternehmen akzeptabel ist.
Eine Schwäche im Bereich des BPR war der episodische Charakter im Sinne einer nicht-kontinuierlichen Verbesserung. Und ein weiteres Defizit war das Versäumnis einer Annäherung an klare Messgrößen.
Dafür wurde aber mit der neuen Prozessbetrachtung im BPR ein End-to-End Prozessverständnis eingeführt. Damit war nicht mehr jede einzelne kleine Tätigkeit im Hauptfokus, sondern nur noch die wesentlichen Aspekte der Betriebsabläufe. Die damit verbundene, funktionsübergreifende Betrachtung machte es möglich, Ablaufschwächen in Angriff zu nehmen, die aufgrund einer rein funktional orientierten Sicht auf das Unternehmen resultieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Warum Nachhaltigkeit?: Dieses Kapitel führt in die Dringlichkeit der Nachhaltigkeitsdiskussion ein und stellt die Rolle von Unternehmen bei der Sicherung der Lebensgrundlagen sowie das Konzept des ökologisch nachhaltigen BPM vor.
2 Was ist BPM und was kann daran „Grün“ sein?: Hier werden die Ursprünge und Definitionen von BPM erläutert sowie der Prozesslebenszyklus als Ansatzpunkt für Umweltkriterien untersucht.
3 Nachhaltigkeit und ihre Umsetzung: Dieses Kapitel definiert Nachhaltigkeit, erläutert Konzepte wie die kritische Nachhaltigkeit und analysiert die Übertragung von Nachhaltigkeitszielen auf Unternehmensebene durch Stakeholder-Ansätze.
4 Nachhaltigkeitswerkzeuge: Hier werden der Product Carbon Footprint (PCF) und der Sustainable Value Ansatz (SVA) als Messinstrumente für ökologische und Nachhaltigkeitsleistungen detailliert vorgestellt.
5 Das Business Process Management im Fokus: Dieses Kapitel beleuchtet die sechs Kernelemente des BPM und untersucht die Bedeutung von Unternehmenskultur, IT-Systemen und Performance-Messung für eine erfolgreiche Prozesssteuerung.
6 Die Untersuchung der vorgestellten Werkzeuge in Bezug auf BPM: Dieses Kapitel verknüpft die zuvor vorgestellten Nachhaltigkeitswerkzeuge mit BPM und analysiert deren gegenseitigen Einfluss sowie Herausforderungen bei der Integration.
7 Weitergehende Untersuchung – ein Modellansatz: Hier wird ein Framework entwickelt, das auf den Elementen Nachhaltigkeits-Verlangen, Opportunitätskosten und Nachhaltigkeits-Transparenz basiert, um den Transformationsprozess zu nachhaltigem Handeln zu verstehen.
8 Management Summary: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und formuliert Handlungsempfehlungen für Softwarehersteller, Unternehmen und weitere Akteure.
Schlüsselwörter
Business Process Management, BPM, Nachhaltigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Product Carbon Footprint, PCF, Sustainable Value Ansatz, SVA, Prozesslebenszyklus, End-to-End Prozesse, Stakeholder-Ansatz, Prozess-Performance, Unternehmensführung, Umweltmanagement, IT-Systeme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen Business Process Management (BPM) und ökologischer Nachhaltigkeit, um zu untersuchen, wie Unternehmen ihre Geschäftsprozesse effizienter und umweltorientierter gestalten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Definition und Operationalisierung von Nachhaltigkeit, die Anwendung von Nachhaltigkeitswerkzeugen (PCF und SVA) im Unternehmenskontext und die strategische Ausrichtung von BPM.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen BPM und ökologischer Nachhaltigkeit zu identifizieren und Möglichkeiten zu bewerten, wie durch prozessorientiertes Management eine ökologisch nachhaltige Unternehmensentwicklung erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf konzeptionellen Überlegungen, einer Literaturanalyse zu BPM und Nachhaltigkeitswerkzeugen sowie der Entwicklung eines Modellansatzes zur Untersuchung des Stakeholder-Verhaltens im Nachhaltigkeitskontext.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen von BPM, die theoretische Herleitung von Nachhaltigkeit, die detaillierte Vorstellung von PCF und SVA sowie die Untersuchung der Integration dieser Werkzeuge in prozessorientierte Organisationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Business Process Management, Nachhaltigkeitsleistung, ökologisches Kapital, Produktlebenszyklus und wertorientierte Nachhaltigkeitsanalyse.
Wie unterscheidet sich der PCF vom SVA?
Der PCF fokussiert sich speziell auf die Treibhausgasbilanz eines einzelnen Produktes entlang seines Lebenszyklus, während der SVA ein wertorientierter Ansatz ist, der das Unternehmen als Ganzes betrachtet und ökonomische, soziale sowie ökologische Aspekte verrechnet.
Warum ist die Unternehmenskultur für das BPM so wichtig?
Die Unternehmenskultur fungiert als Erfolgsfaktor, da sie die Einstellung der Mitarbeiter gegenüber Prozessänderungen und deren Bereitschaft zum Wandel bestimmt, was für eine erfolgreiche BPM-Implementierung essenziell ist.
Welche Rolle spielt die Informationstechnologie (IT) im Kontext von "Green BPM"?
IT-Systeme ermöglichen die Modellierung, Automatisierung und Überwachung von Prozessen. Eine service-orientierte Architektur (SOA) kann helfen, Prozesse flexibler zu gestalten und Daten für Nachhaltigkeitswerkzeuge besser bereitzustellen.
- Arbeit zitieren
- Kai Severini (Autor:in), 2012, Business Process Management for Environmental Sustainability, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210119