Social Media im Wandel zu Commercial Media. Monetarisierungsstrategien von sozialen Netzwerken durch Nutzung neuer Absatzkanäle


Masterarbeit, 2013
104 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Zielsetzung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition und Abgrenzung Social Media
2.2 Geschichte und Entwicklung
2.3 Aktueller Stand der Praxis
2.4 Integrierte Kommunikation im Rahmen der Strategie

3 Monetarisierung von Social Media
3.1 Entwicklung zur sozialen Kommerzialisierung
3.1.1 Verändertes Kaufverhalten im Web 2.0
3.1.2 Der neue soziale Konsument
3.2 Hintergründe und Einsatz von Social Commerce
3.2.1 Definitorische Grundlage
3.2.2 Werkzeuge zur Integration von Social Commerce
3.2.3 Strategische Orientierung und LEAD-Ansatz
3.2.4 Aktueller Blick auf den Markt
3.2.5 Vorteile und Entwicklungsstufen im praktischen Einsatz
3.3 Die Rolle von Facebook
3.3.1 Stand der aktuellen Forschung
3.3.2 Die Dimensionen des F-Commerce
3.3.3 Experten-Ansichten aus der Praxis
3.3.4 Praktische Beispiele
3.4 Erfolge messen: Das Problem von ROI, KPI und Image
3.4.1 Vernetzung zur Trafficzuführung

4 Darstellung der empirischen Untersuchung
4.1 Gegenstand und Ziel der Befragung
4.2 Methodik
4.2.1 Gestaltung der Fragen
4.2.2 Darstellung der Zielgruppe
4.2.3 Durchführung
4.2.4 Stichproben- und Teilnehmergröße

5 Auswertung und Darstellung der Ergebnisse der Studie
5.1 Kritische Würdigung von Organisation und Ablauf
5.2 Demografische Merkmale der Befragten
5.3 Nutzungsverhalten im Internet
5.4 Nutzungsintensität auf Facebook
5.5 Empfehlungsfunktionen
5.6 Facebook-Commerce
5.7 Datenschutz und Datensicherheit
5.8 Kreuzverband-Analyse über Querverweise

6 Schlussbetrachtung
6.1 Chancen und Risiken
6.2 Handlungsempfehlungen
6.3 Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang

Abstract

(deutsch)

Social Media hat sich als Kommunikationsinstrument schon seit langem einen Platz im neuen Marketing-Mix gesichert. Die fortwährende Etablierung im gesellschaftlichen Alltag verändert aber auch das Einkaufsverhalten der Menschen. Und so scheint es nur eine Frage der Zeit, bis auch über Social Media Absatzkanäle gebildet werden. So bieten sich Unternehmen und Händlern äußerst attraktive und innovative Möglichkeiten der Monetarisierung.

Diese Master-Thesis erforscht die Thematik mittels theoretischer und empirischer Analyse und gibt Aufklärung zu einsetzbaren Instrumentarien, Strategien und Potenzialen. Schließlich werden zusammenfassend die Forschungsergebnisse skizziert und darauf aufbauend Zukunftsaussichten und Handlungsempfehlungen für den strategischen Einsatz in der Praxis kommuniziert.

(english)

Social Media has secured being perceived as a communication tool and a part of the new marketing-mix. And the continuous establishment in the daily routine of society has also changed the way people do shopping. That’s why it seems only a matter of time before distribution channels in social media are formed. Therefore companies and retailers get very attractive and innovative ways of monetization.
This master-thesis explores the topic with a theoretical and empirical analysis and illustrate usable tools, strategies and potentials. Finally, a summary of the research findings communicates future prospects and recommendations for strategic use in practice.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Logo von sixdegrees. Dem ersten Social Network im Internet 8

Abbildung 2: Die wichtigsten Social Network Gründungen im Zeitstrahl 8

Abbildung 3: Entwicklung der Facebook Nutzer in Deutschland (Juli 2012) 9

Abbildung 4: Entwicklung E-Commerce zu Social Commerce 15

Abbildung 5: Definition Social Commerce 18

Abbildung 6: Werkzeuge zur Integration von Social Media in E-Commerce 19

Abbildung 7: Die Strategien für den Einsatz von Social Commerce 21

Abbildung 8: Einfluss der Einbindung eines Tweet-Buttons in die Webseite 24

Abbildung 9: Beispiele zu Facebook auf Print-Werbemitteln 2012 27

Abbildung 10: Social Commerce Marktprognose 2010-2015 28

Abbildung 11: F-Commerce Ökosphäre 30

Abbildung 12: Zalando Facebook Shop 35

Abbildung 13: Lautsprecher Teufel Facebook Shop 35

Abbildung 14: kiss FM Facebook Shop 36

Abbildung 15: Auszug aus Facebook Insights ohne ausgewiesene Zahlen 40

Abbildung 16: Eintrag zur Online-Befragung im privaten Facebook-Profil 46

Abbildung 17: Eintrag zur Online-Befragung auf facebook.com/FUSSBALL.DE 47

Abbildung 18: Auszug aus dem Statistik-Dienst bit.ly 50

Abbildung 19: Altersverteilung 52

Abbildung 20: Geschlechterverteilung 52

Abbildung 21: Persönliches Nettoeinkommen der Befragten 53

Abbildung 22: Genutzte Angebote im Internet 54

Abbildung 23: Nutzungsintensität auf Facebook 55

Abbildung 24: Wichtigkeit von Empfehlungen und Bewertungen von Freunden 56

Abbildung 25: Veränderung der eigenen Meinung durch Freunde 56

Abbildung 26: Bereitschaft gute Angebote und Shopping-Aktionen zu "teilen" 56

Abbildung 27: Würdest du einen in Facebook integrierten Shop besuchen? 57

Abbildung 28: Auszüge des Sortiments oder kompletter Shop auf Facebook 58

Abbildung 29: Was ein Facebook Shop bieten muss 59

Abbildung 30: Angst um Daten beim Online-Shoppen 60

Abbildung 31: Angst um Daten beim Einkaufen auf Facebook 60

Abbildung 32: Bereitschaft einen Facebook-Shop zu besuchen nach Alter 61

Abbildung 33: Bereitschaft einen Facebook-Shop zu besuchen nach Einkommen 62

1 Einführung

Die Veränderung der Gesellschaft erleben wir tagtäglich und in immer schneller werdendem Ausmaß. Der steigende Einfluss der Technik, des Internets und der sozialen Netzwerke ist für jeden erkennbar. Alle Bereiche des täglichen Lebens werden mit der Zeit weiter technisiert und so verändert sich auch das Kaufverhalten. Noch vor einigen Jahren war es unüblich, seine Einkäufe über das Internet abzuwickeln. Doch der sogenannte E-Commerce hat sich längst durchgesetzt und besitzt unerschöpfliches Potenzial. Mittlerweile sind nach einer aktuellen und repräsentativen Bitkom-Studie 74 Prozent der Deutschen online und 85 Prozent davon haben bereits online etwas eingekauft.[1] Laut Bundesverband des Deutschen Versandhandels wurden im Jahr 2011 fast 22 Milliarden Euro für Waren und Dienstleistungen im Internet ausgegeben.[2] Ein Rekordhoch und 18,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Onlinehandel boomt!

Und genau hier erleben wir derzeit einen erneuten Paradigmenwechsel. Weg von einem technisch geprägten E-Commerce hin zum Social Commerce, der den Kaufakt als soziales Erlebnis versteht. Es gehört zur sozialen Intelligenz der Menschen, voneinander zu lernen, an Verbesserungen mitzuarbeiten und Empfehlungen auszusprechen.[3] In der aktuellen Diskussion um den Einfluss und die Zukunft von Social Commerce polarisiert das Thema enorm. Auf der einen Seite wird die Kommerzialisierung sozialer Netze als die nächste Stufe des Handels gesehen. So sagte Facebook-Gründer Marc Zuckerberg erst im letzten Jahr folgendes zu den Zukunftsperspektiven von Social Commerce:

„If I had to guess, Social Commerce is next to blow up!“

(Marc Zuckerberg - April 2011)

Doch andere Seiten stehen dem skeptisch gegenüber. Geht Social Commerce überhaupt konform mit der eigentlichen Natur des sozialen Miteinanders in sozialen Netzwerken und Internet-Communitys? Diese Forschungsarbeit fokussiert sich bei der Untersuchung auf diese Grundfrage.

1.1 Aufbau der Arbeit

Diese Master-Thesis setzt sich zusammen aus zwei Teilen. Zum einen aus einem theoretischen Teil, beginnend mit Grundlagen und der allgemeinen Entwicklung von Social Media. Darauf aufbauend schließt sich das Hauptaugenmerk dieser Arbeit an. Die Monetarisierung von Social Media. Im Fokus steht hier die Entwicklung dahin, Hintergründe des sogenannten Social Commerce, Einsatzmöglichkeiten und die besondere Rolle von Facebook. Das bisher publizierte Wissen aus aktuellen Büchern, Fachzeitschriften, Blogs und jüngsten Studien wird zusammengetragen, analysiert und darauf aufbauend wird versucht Kriterien, Hypothesen und Handlungsempfehlungen herauszubilden. Doch auch in Bezug auf den Einsatz bei anderen Unternehmen soll diese Arbeit problemlos herangezogen werden können.

Die Aufbereitung zur Systematisierung des Untersuchungsfeldes und Analyse der bestehenden Theorie dient als Basis, um ein besseres Verständnis sicherzustellen für den zweiten Teil der Master-Thesis. Eine ausführliche empirische Untersuchung mit zielgruppenrelevanten Teilnehmern. Hier werden die erforschten Erkenntnisse aus der Praxis überprüft und gegenübergestellt.

1.2 Zielsetzung

Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist das Herausarbeiten von Einsatzmöglichkeiten, Zukunftsperspektiven, Potenzialen und Tendenzen von Social Media als Vertriebskanal und Partner zum „klassischen“ E-Commerce mit Hilfe einer theoretischen und empirischen Untersuchung. Es werden Erfolgsfaktoren, funktionierende Strategien und Kriterien herausgearbeitet für den erfolgreichen praktischen Einsatz kommerzieller Instrumente und Einkaufslösungen in Social Media, insbesondere auf dem größten sozialen Netzwerk Facebook.

Um eine bessere Vernetzung und Trafficzuführung für das untersuchte Portal zu erreichen, soll zudem die Kommerzialisierung und die Zusammenführung von Kommunikation und Handel auf den Social Media Plattformen vorangetrieben werden. Handlungsempfehlungen zur konzeptionellen Grundausrichtung und ein strategischer Leitfaden dienen als theoretisches Fundament und Basis für den praktischen Einsatz. Eine empirische Untersuchung bringt zudem Erkenntnisse über Nutzungsverhalten, Einstellungen und Erwartungen der Nutzer in Bezug auf die Zusammenführung von Kommunikation und Handel auf Social Media Plattformen.

2 Theoretische Grundlagen

Bereits vor einigen Jahren wurde die Art und Weise, wie das Internet genutzt wird, revolutioniert. Früher wurde das Internet hauptsächlich als Informationsquelle genutzt und es gab ein erdrückendes Übergewicht auf der Anbieterseite. Doch längst hat sich das Internet zu einer Mitmach-Plattform entwickelt. Die Menschen als Nutzer stehen seit langem im Mittelpunkt des neuen Webs, des sogenannten Web 2.0. Die heutigen Technologien geben den Menschen die Möglichkeit, ihre Meinungen über das Internet frei zu äußern. Ob es dabei um Leidenschaften und Hobbys geht, um Produkte, Unternehmen oder Marken.[4]

Begonnen hat diese Entwicklung mit der Einführung des Begriffes Web 2.0 im Jahr 2005 durch Tim O’Reilly. Ursprünglich war es der angedachte Titel einer Konferenz. Jedoch entwickelte er sich als Synonym für den Wandel im Internet. Durch neue Methoden und Werkzeuge sind der Austausch und die Interaktion im Internet wesentlich einfacher geworden. Damit einher ging zudem eine gesellschaftliche Entwicklung, bei der die Bereitschaft von Austausch und Interaktion wesentlich zugenommen hat.

2.1 Definition und Abgrenzung Social Media

Ein wichtiger Bestandteil dieser gesellschaftlichen Revolution und Teilbereich des Web 2.0 ist Social Media. Hier steht vor allem die Unterstützung sozialer Strukturen und Interaktionen im Vordergrund.[5] Für den Begriff als solchen gibt es, ähnlich wie bei vielen anderen jungen Phänomenen, keine allgemein akzeptierte Definition. Vielmehr existieren verschiedene Beschreibungen von Fachautoren mit unterschiedlichem Ansatz. So erkennt Kneidinger:„Die Definitionsversuche von Social Media sind beinahe so vielfältig wie die individuellen Strukturen dieser Medien an sich.“[6]

Weitgehend anerkannt ist allerdings, dass Social Media immer etwas mit Gemeinschaften verbindet.[7] Hier wird die Interaktion und der Dialog zwischen den Teilnehmern immer von einer technischen Plattform unterstützt. Ein wichtiges Element ist zudem ein gemeinsames Ziel, Interesse oder Bedürfnis, welches auch ohne die unmittelbare physische Präsenz der Teilnehmer ein Gemeinschaftsgefühl schafft und der Austausch untereinander ermöglicht wird. Dieser Austausch kann in Form von Texten, Bildern oder Videos auftreten.

Nach Meerman Scott lässt sich Social Media mit einer Stadt vergleichen. Bei seiner Beschreibung sind sie wie Orte zu verstehen, an denen sich Menschen treffen, um gemeinsam Spaß zu haben.[8] Ebenso zu Social Media gehören die sozialen Netzwerke, welche in den Fachmedien unter dem Begriff Social Networks zusammengefasst werden und den wohl größten Anteil an Social Media ausmachen. Dabei dienen die Plattformen im Internet, wie Facebook, Twitter, meinVZ oder XING, explizit der Kommunikation und Vernetzung unter den Nutzern. Soziale Netzwerke als solche sind Onlinepräsenzen, die vor allem die Pflege und den Aufbau von Beziehungen vorantreiben und die Kommunikation miteinander erleichtern.[9] Nimmt man hier erneut Meerman Scott zur Anschauung, so sind soziale Netzwerke die Bars, Clubs und Partys einer Stadt.[10]

Die Grundlage zur Beschreibung und Definition von Social Media liegt bei Hettler in der unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtung und Funktionalität der verschiedenen Plattformen. So unterteilt er zwischen textbasierten Informationen, Meinungs-äußerungen und Empfehlungen in Blogs, Wikis und Bewertungsportalen auf der einen Seite und dem Verteilen und Verwalten von Fotos und Videos auf entsprechenden Foto- und Video-Portalen wie Flickr und YouTube auf der anderen Seite. Soziale Netzwerke wie Facebook und XING nennt er Beziehungs- und Kommunikationsnetzwerke, bei denen die Kommunikation und der private Austausch zwischen Menschen, die sich bereits kennen, im Mittelpunkt stehen.[11]

2.2 Geschichte und Entwicklung

Wie erfolgreich soziale Netzwerke bereits sind, beweist eine erst kürzlich veröffentlichte repräsentative Studie von PricewaterhouseCoopers vom Februar 2012. Diese bestätigte aus über 1000 Teilnehmern, dass Facebook inzwischen den Giganten Google als wichtigstes Internetmedium abgelöst hat. So rufen zwei von drei Befragten inzwischen häufiger das soziale Netzwerk auf, als die Suchmaschine. Doch nicht nur Suchmaschinen kämpfen unter der rasanten Entwicklung von Social Media. So schreiben viele Nutzer inzwischen lieber kostenlose Direktnachrichten über Facebook an Freunde und Bekannte anstatt SMS über das Handy oder E-Mails zu versenden.[12]

Die Nutzung von Social Media steigt rapide. Wurden sie zu Anfang noch hauptsächlich im privaten Bereich genutzt, blieben die Möglichkeiten für die Wirtschaft nicht lange ungeachtet. Das Etablieren von Markenpräsenzen und Unternehmenskommunikation auf sozialen Plattformen war ein erster Schritt hin zum Kunden und damit einhergehend zur Förderung von aktiver Imagebildung, Kundenbindung und Grundlage für das Ausprobieren kommerzieller Nutzungs-möglichkeiten.

Ein enormes Potenzial offenbarte sich und scheint bis heute unerschöpflich. Die Zeiten, als es für ein Unternehmen nur die Frage zu beantworten gab, ob man eine eher teure oder günstigere Internetpräsenz aufbauen möchte, sind vorbei. Es gehört heutzutage mehr dazu, als nur eine eigene Homepage zu entwickeln, die vielleicht mit Fachinformationen brilliert, sonst aber keine nennenswerten Interaktions-möglichkeiten mit aktiven und potenziellen Kunden ermöglicht.[13] Gerade in dem sich schnell verändernden World Wide Web ist eine permanente Aktualisierung, beispielsweise in Sachen der Kundengewinnung und Kundenkommunikation Pflicht, um mit der Konkurrenz und der technischen Entwicklung Schritt halten zu können. Während sich die Verbreitung von Instant Messengern und E-Mail längst etabliert haben, sind seit einigen Jahren komplett neue Dienste entstanden, mit denen sich jedes Unternehmen beschäftigt haben sollte. Unternehmen, die sich viel mit ihren Endverbrauchern beschäftigen, sollten sich nicht der Illusion hingeben, dass mit einem dieser Dienste mehr als nur ein Bruchteil der Kundschaft erreicht werden kann.[14] Vielmehr gilt es die Chancen zu sehen, sich von seinen Mitbewerbern abzuheben und neue Möglichkeiten zu schaffen, die eben nicht überall vorhanden sind.

Schon immer war es ein menschliches Grundbedürfnis, soziale Kontakte aufzubauen und in einer Gemeinschaft zu leben. Der Mensch ist ein Herdentier. Das haben uns schon unsere Vorfahren vorgemacht. Dieser Fakt ist wissenschaftlich bewiesen und lässt sich auch in vielen Museen dieser Welt bestaunen. Selbst eine Studie der Universität in Leeds belegte erst kürzlich diesen Verhaltenstrieb. 95 Prozent aller Menschen folgen unabsichtlich der Menge.[15] Der Gemeinschaftsgedanke ist also kein neues Phänomen. Mit der Entwicklung des Internets und dem Aufkommen von Social Media, als Folge der sich immer weiter technisch vernetzenden Welt, hat dieses Phänomen aber eine neue Dimension und ein ganz neues globales Ausmaß angenommen.

Das erste Social Network entstand 1997 und nannte sich SixDegrees.com. Dieser Service hatte zum Ende der 90er Jahre bereits mehrere Millionen Nutzer. Da es den Betreibern dieser Seite aber nicht gelang, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu etablieren, musste der Dienst im Jahr 2000 vom Netz genommen werden. In den nächsten Jahren versuchten dann verschiedene andere Plattformen wie LiveJournal.com oder MiGente.com sich zu etablieren und es besser zu machen. Dabei wurden verschiedene technische Funktionen, wie das Erstellen von Profilen oder Gästebüchern, ausprobiert. Alles aber ohne nachhaltigen Erfolg.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Logo von sixdegrees. Dem ersten Social Network im Internet[18]

Diese ersten Jahre des Ausprobierens legten schließlich den Grundstein für viele heute bekannte Soziale Medien. Seit dem Jahr 2003 prägten Seiten wie MySpace, Facebook oder StudiVZ die Internet-Landschaft der Social Networks und gaben ebenso den Anstoß für die Entwicklung neuartiger Methoden auf Basis dieser Konzepte. Die Etablierung von Blogs oder neumodischen Phänomenen wie Twitter, hat Ihren Ursprung bei Social Networks. Auch hier stehen die Interaktion und der Austausch mit Gleichgesinnten im Vordergrund. Social Media hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem weltweiten Medium der webbasierten Kommunikation entwickelt und sich längst seinen Platz im erweiterten Marketing-Mix erobert.

Folgendes Schaubild gibt einen Überblick über die wichtigsten Gründungen sozialer Netzwerke:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die wichtigsten Social Network Gründungen im Zeitstrahl[19]

Doch der rasante Erfolg von Social Media und das Einschneiden in ganze Lebensgewohnheiten innerhalb der Gesellschaft brachte auch viele kritische Stimmen und Diskussionen in der Öffentlichkeit und in den Medien mit sich. Und noch immer scheiden sich an Social Media die Geister. Von den einen als digitale Revolution und Synonym für Demokratie und Pressefreiheit gefeiert[20], von den anderen abgelehnt und als Missachtung jeglicher Datenschutzreglements kritisiert. Außer Frage steht jedoch die gesellschaftliche Veränderung, die mit Social Media einhergegangen ist. Egal ob man dem nun euphorisch, ablehnend oder schlicht desinteressiert gegenüber steht. Einen Weg zurück in die eindimensionale mediale Kommunikation der Vergangenheit wird es nicht geben.[21]

2.3 Aktueller Stand der Praxis

Dass der Einsatz von Social Media Marketing großes Potenzial für jedes Unternehmen mit sich bringt, lässt sich alleine anhand der aktuellen Zahlen zum größten sozialen Netzwerk Facebook ablesen. Aktuell bewegen sich rund 23,8 Millionen Nutzer allein in Deutschland auf Facebook. Und auch die Alters- und Geschlechtsverteilung zeigt, dass die Nutzung unsere gesamte Gesellschaft durchdrungen hat. [22] So treten dem Netzwerk nahezu gleich viele Männer wie Frauen bei.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Entwicklung der Facebook Nutzer in Deutschland (Juli 2012)[23]

Doch dies scheint noch nicht einmal die berühmte Spitze des Eisbergs. Die Nutzerzahlen werden voraussichtlich weiter steigen und so passt auch das Ergebnis einer aktuellen Studie der GfK zur Nutzung alternativer Werbeformen. Hiernach sehen viele Unternehmen auch weiterhin großes Potenzial in Social Media und investieren entsprechend verstärkt. 65,9 Prozent wollen ihr Budget steigern bzw. stark steigern. 73,7 Prozent rechnen auch für den Gesamtmarkt mit höheren Budgets.[24] Auch laut dem Annual Survey von Eurocom Worldwide[25] werden bei 49 Prozent der europäischen Unternehmen die Ausgaben im Bereich Social Media steigen.

Die wachsende Bedeutung von Werbung im Internet und auf sozialen Medien hat allerdings auch damit zu tun, dass die Wirtschaft verstärkt skeptisch gegenüber der klassischen Werbung wird. Hohe Kosten, hohe Streuverluste und eine Masse an Konkurrenz in allen Medien. So denkt jedes dritte Unternehmen innerhalb der Befragung, dass Werbung kaum noch begeistere und der Konsument nur noch mit guten Inhalten und Originalität überzeugt werden kann.[26] Eine Möglichkeit hierzu bietet vor allem das Internet und in erster Linie Social Media. Potenzial und Geld zur Verwirklichung verschiedener Maßnahmen ist die eine Voraussetzung. Zielgerichtete Kommunikation ist dabei allerdings genauso wichtig. Und besonders hier haben viele Unternehmen noch Nachholbedarf. Es fehlt oft noch an der einheitlichen Strategie und an fest definierten Richtlinien.[27]

Eine Durchdringung und Etablierung im Marketing-Mix hat dennoch längst stattgefunden und auch der Fokus auf die dialogorientierte Kommunikation wird von den Unternehmen immer mehr gelernt und richtig angewendet. Wie auch der Trendreport Facebook 2011 von der Agentur Zucker Kommunikation bestätigt.[28] In 2012 wird nicht nur mehr Budget als jemals zuvor für Social Media Aktivitäten ausgegeben. Vor allem müssen Social Media Kanäle auch die Wandlung vollziehen vom Kommunikationskanal zu einem Kanal, mit dem sich Absatz generieren lässt.[29]

Social Media wird noch immer gerne als Spielwiese und Testfeld für verschiedene Kommunikationsmaßnahmen genutzt. Langfristig, nachhaltig oder erfolg-versprechend ist dies aber selten. So bestätigen auch zwei kürzlich veröffentlichte Studien, dass viele Unternehmen noch wenig strategisch agieren wenn es im Bereich Social Media um die Umsetzung von Kampagnen geht. Neben einer Expertenbefragung durch Lars Gayk und das Aegidius Marktforschungsportal kommt auch eine neue Studie der GfK zu einem alarmierenden Ergebnis. Danach betreibt zwar schon jedes zweite deutsche Unternehmen gezieltes Social Media Marketing. Doch lediglich 40,4 Prozent dieser Unternehmen verfolge auch eine entsprechende Strategie. Und ganze 8,5 Prozent ist sich nicht einmal im Klaren darüber, ob überhaupt eine Strategie existiert. Dabei herrscht hier ein großer Widerspruch, denn einerseits ist sich nicht nur die gesamte Literatur über das hohe Potenzial von Social Media einig. Auch die in der GfK-Studie befragten Marketing-Entscheider wissen darum. 74,1 Prozent vergeben Social Networks eine große Bedeutung.[30] Doch dazu muss anders gehandelt werden.

Die Entwicklung einer Social Media Strategie bedürfen der strategischen und systematischen Planung. Aktionen in sozialen Netzwerken dürfen nicht aus reinem Selbstzweck veranstaltet werden, sondern mit Weitsicht auf das unternehmerische Ganze und bereichsübergeifend in das Unternehmen integriert. Bei der Anwendung in der Praxis wird ein Strategiekonzept als theoretischer Unterbau verwendet, um rational nachvollziehbar zu machen, warum diese so und nicht anders aufgebaut wird.

2.4 Integrierte Kommunikation im Rahmen der Strategie

Besonders im Bereich Social Media ist die integrierte Kommunikation als Zusammenspiel mehrerer einzelner Instrumente ein Erfolgsfaktor. Eine Social Media Strategie muss nicht zwingend ein digitaler Rundumschlag sein, jedoch ist die fokussierte und konsequente Nutzung einiger weniger und wichtiger Bausteine meines Erachtens der Schlüssel für einen erfolgreichen Web 2.0 Auftritt.

Im Sinne der integrierten Kommunikation als klassische Sichtweise des Marketings, ist auch bei Social Media die Einbindung in den gesamten Unternehmenskontext wichtig. Diese Einbindung von Social Media in den Kommunikationsmix muss dabei immer mit den anderen Instrumenten der klassischen Kommunikationspolitik abgestimmt sein, um innerhalb einer strategischen Planung einen einheitlichen Gesamtauftritt des Unternehmens gewährleisten zu können. Einzelne Instrumentarien und Bausteine dürfen nicht isoliert werden, sondern müssen im Sinne der integrierten Kommunikation erfolgen. Es erfordert eine strategische Einbindung in die Unternehmenskommunikation, sowohl in zeitlicher, inhaltlicher als auch formaler Hinsicht.

Die Notwendigkeit der Integration in den Kommunikationsmix ist in der gesamten Literatur unumstritten. Um erfolgreiche Ergebnisse zu bekommen, empfiehlt Schneider in seinem Buch Szenarien aufzubauen und alle Kommunikations-instrumente darauf auszurichten. Dabei soll nicht auf die klassischen Elemente der Kommunikation verzichtet werden, jedoch müssen diese erweitert werden, um die Zielgruppen bestmöglich zu erreichen. Die Maßnahmen dieser Erweiterung dürfen allerdings kein Eigenleben führen, sondern müssen Bestandteil der Gesamtstrategie sein.[31] Analog lässt sich diese klassische Sichtweise auch auf Social Media übertragen. Vor allem im Hinblick auf den langfristigen Markenerfolg hängt die Effizienz einer jeden Aktion vom Grad seiner Integration in die Gesamtstrategie ab.

So ist es vor allem wichtig, in Kampagnen zu denken. Einzelne losgelöste Aktionen halten zwar den Nutzer auf der Fanseite, allerdings wird dieser wenig aktiviert und der Grad an Interaktion bleibt gering. „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“[32] Diese populäre Grundhypothese von Aristoteles ist ebenso sehr gut auf die Social-Media-Strategie eines Unternehmens anwendbar und beschreibt in seiner Kürze exakt, warum eine Integration und Abstimmung auf die gesamte Kommunikation wichtig ist. Entstehende Synergien aus dem Zusammenwirken aller Instrumente ergeben mehr als die Anwendung dieser im Einzelnen.

Auch Bruhn verwendet dieses Zitat, um es als Basis für die gesamte Betrachtung der klassischen integrierten Kommunikation heranzuziehen. Weiterhin bringt ein aus der Integration resultierender stimmiger Gesamtauftritt des Unternehmens noch andere wichtige Aspekte mit sich. Durch die wiederholte Nutzung der sich immer wieder gleichenden Aussagen und Bilder werden höhere Lerneffekte der Rezipienten erreicht und die Gedächtniswirkung verbessert. Zudem bringen die Synergieeffekte aus den zusammengefügten Kommunikationsinstrumenten Kostensenkungs-potenziale mit sich. Höhere Kommunikationswirkungen bei gleichen Kosten, bzw. gleichbleibende Wirkungsniveaus bei geringeren Kosten sind die Folge.[33]

Die Forderung nach einem einheitlichen Erscheinungsbild hat also mehrere Gründe. Untersuchungen belegen außerdem, dass der Entscheidungsprozess des Rezipienten durch Widersprüche entscheidend gestört wird und es zu innerlichen Konflikten oder auch zu Ablehnungshaltungen kommen kann.[34] Geschieht die Integration von Social Media also nicht oder nur unzureichend, entsteht ein diffuses und verwirrendes Bild für die angesprochene Zielgruppe. Durch diese Irritationen würde die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz des Unternehmens leiden. Die Ziele der durchgeführten Aktionen gehen ins Leere und der Erfolg kann nicht gewährleistet werden. Und das ein gutes Image im Internet wichtig für ein Unternehmen ist, um Monetarisierungsstrategien durchzuführen, wird in einem späteren Kapitel eingehender erläutert.

3 Monetarisierung von Social Media

3.1 Entwicklung zur sozialen Kommerzialisierung

Der Startschuss für die Kommerzialisierung des Internets begann bereits Mitte der 90er Jahre. Das Internet etablierte sich allmählich als Massenmedium und die ersten großen Unternehmen siedelten ihr Geschäftsmodell online an. Bereits frühzeitig erschienen auch Modelle mit sozialen Komponenten am Markt. Dabei sind als erste große Vorreiter dieses sogenannten Social Commerce Amazon und eBay zu nennen.[35] Sie entgegneten dem Problem der Distanz zu den Produkten mit einem Bewertungssystem. So konnte ein potenzieller Käufer das Produkt zwar nicht probieren oder haptisch erfühlen. Jedoch schufen die Meinungen anderer Nutzer, die das Produkt bereits erworben haben, Transparenz und Vertrauen. Kaufentscheidungen wurden dadurch positiv beeinflusst und bereits damals nutzte man damit erste soziale Komponenten im Einkaufsverhalten. Durch die Einführung von Leserbewertungen bei Büchern und einem Empfehlungsprinzip revolutionierte Amazon das Internet und gehörte zu den Pionieren des Social Commerce.[36] Auch eBay setzte von Beginn an verstärkt auf Empfehlungen von Nutzern. Durch das Bewerten von Käufer und Verkäufer nach Abschluss des Kaufprozesses entstand soziale Interaktion von Anbieter und Nachfrager, durch welche der Erfolg von eBay erst möglich gemacht wurde.[37] Dabei sind die User vollständig selbst für ihr gesamtes Handeln verantwortlich. eBay bietet nur die Plattform.

Sowohl Amazon als auch eBay können demnach als Vorreiter gesehen werden. Bereits Jahre vor der eigentlichen Entwicklung von Social Media als solches, legten diese den Grundstein für den erfolgreichen Einsatz sozialer Interaktion im Internet. Trotzdem sollte es noch Jahre dauern, bis im Internet der Nutzer tatsächlich im Vordergrund steht. Das nächste Kapitel beleuchtet diese Veränderung genauer.

3.1.1 Verändertes Kaufverhalten im Web 2.0

Das Kaufverhalten im Internet hat sich im Rahmen der Entwicklung und Etablierung sozialer Medien stark verändert. Im klassischen E-Commerce wurde die Kommunikation in erster Linie vom Händler bestimmt. Die Beziehung zwischen dem Kunden und dem Unternehmen war also einseitig. Unternehmen agierten als Produzenten, wohingegen die Kunden die Produkte konsumierten. In einem normalen Internet-Shop gab es weder die Absicht, noch die Möglichkeit von Interaktion oder Beteiligung.[38] Mit dem Erfolg von Amazon und eBay stellte sich hier das erste Umdenken ein. Und seit der Etablierung von Web 2.0 kamen die Beziehungen weiter in den Vordergrund. Eine zusätzliche kommunikations- und kooperationsorientierte Ebene entstand[39] und Kunden wurden vom passiven Käufer zum aktiven Mitbestimmer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung E-Commerce zu Social Commerce[40]

In Abbildung 4 wird diese Entwicklung deutlich. Produzent und vor allem Händler agieren unabhängig von ihrem Kunden. Eine gegenseitige direkte Kommunikation ist nahezu ausgeschlossen. Auch zwischen den Kunden selbst herrscht keine Verbindung. Ob ein Käufer also zufrieden ist oder nicht, war damit unbekannt. Ganz anders dagegen der Social Commerce. Die Kommunikationsplattform steht im Mittelpunkt und die Interaktion von Produzent und Kunde wird dadurch forciert. So stellt das Web 2.0 und die dazugehörigen Social Media Tools nicht mehr das Produkt in den Mittelpunkt, sondern den Mensch und die Interaktion miteinander.

Wie bereits mehrfach in vorangegangenen Kapiteln festgestellt, findet die Kommunikation der Gesellschaft vermehrt auf sozialen Netzwerken im Internet statt. Diese Entwicklung als Unternehmen strategisch zu nutzen und als Teil des Marketings einzusetzen ist bereits in vollem Gange. Jedoch nicht selbstverständlich ist das Hinarbeiten auf die gezielte Monetarisierung, also das Geschäfte machen auf und mit Hilfe von Social Media, insbesondere durch soziale Netzwerke. Zu Beginn dieser Arbeit wurde bereits die Frage gestellt: Geht Social Commerce überhaupt konform mit der eigentlichen Natur des sozialen Miteinanders in Internet-Communitys? Steimel spricht davon, dass es schlicht zur sozialen Intelligenz der Menschen gehört, voneinander zu lernen, an Verbesserungen mitzuarbeiten und Empfehlungen auszusprechen.[41] Und auch die folgenden Kapitel werden aufzeigen, dass die Entwicklung der Gesellschaft ein Bedürfnis herausbildet, dass mit Social Commerce bedient werden möchte.

3.1.2 Der neue soziale Konsument

Die Möglichkeiten des Web 2.0 treiben natürlich bestimmte Entwicklungen voran. Die Beteiligung der Nutzer an den Kaufprozessen und an der Produktentwicklung steigert sich stetig. Die technische Entwicklung bietet die Grundlage dafür[42] und ermöglicht eine neue Rolle des Konsumenten. Dieser entwickelt sich mehr und mehr zu etwas, das als Social Consumer bezeichnet wird. Diese informieren sich vor dem Kauf neuer Produkte vorwiegend mit den Möglichkeiten des Web 2.0. Also durch Weiterempfehlungen und Bewertungen anderer Nutzer auf den Internetseiten und auf sozialen Netzwerke wie Facebook. Zudem sucht der neue Konsument die Interaktion und den Kontakt zu anderen Kunden und zu dem jeweiligen Unternehmen und fordert dieses auf zur Beteiligung. So agiert der Konsument heute auch als Verkäufer und beteiligt sich als Co-Produzent an der Produktentwicklung.[43] Eine Weiterentwicklung dieses Konzeptes ist der SoLoMo Konsument.[44] Dabei wird der Entwicklung Rechnung getragen, dass der Konsument heute sozialer, lokaler und mobiler einkauft als je zuvor.[45]

So passt auch das Ergebnis einer Studie von PricewaterhouseCoopers vom Februar 2012. Social Media beeinflusst bereits massiv die Kaufentscheidung der Nutzer. Fast ein Viertel der Studienteilnehmer informiert sich bereits in sozialen Medien über Produkte, Dienstleistungen und Veranstaltungen. Für die überwiegende Mehrheit von 68 Prozent sind zudem Empfehlungen anderer Nutzer ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung. Und 72 Prozent der Nutzer haben sogar bereits ihre getroffene Kaufentscheidung revidiert, nachdem sie Kommentare und Bewertungen anderer Nutzer gelesen haben.[46]

Zusätzlich lässt sich der soziale Konsument, oder eben Social Consumer, in drei Gruppen unterscheiden. Diejenigen, die aktiv Beiträge und Empfehlungen verfassen. Des Weiteren Kunden, die zusätzlich als Verkäufer auftreten und Kunden die sich nur informieren und sich dadurch beeinflussen lassen.[47] Insgesamt trifft diese Art der Kommunikation und der neue Umgang mit dem Medium Internet auf die gesellschaftliche Neu-Entwicklung der „Digital Natives“ zu. Die neue Generation von Menschen im Alter von 15 bis ca. 30 Jahren, die mit dem Internet aufgewachsen ist.[48]

Diese unterscheidet sich sehr stark von der Passivität der Generation Fernsehen. Wie selbstverständlich werden die Mechanismen sozialer Medien und des Web 2.0 genutzt und eingesetzt.[49] Sie arbeiten, schreiben und interagieren anders die Generation zuvor. Sie kommunizieren mit Menschen, ohne ihnen zu begegnen. Dabei unterscheiden sie sich besonders in vier speziellen Eigenheiten.[50] Zum einen sind sie Netzbewohner und unterscheiden nicht mehr zwischen realer und digitaler Welt. Das digitale gehört von nun an zur gelebten Realität. Weiterhin ist Interaktion ein wichtiges Gut. Die Mitmachkultur ist vorherrschend. Digital Natives leben multitaskfähig und sind äußerst medial. Die eigene Meinung wird öffentlich.[51] Im Sinne der Kommerzialisierung und der Etablierung des Handels auf sozialen Netzwerken wird der Social Consumer auch seine Einkäufe und seine Vorlieben für bestimmte Produkte vermehrt veröffentlichen.

Das Web 2.0 wird intensiv genutzt und dieser Entwicklung muss auch seitens der Unternehmen weiter Rechnung getragen werden. Im Rahmen dieser Arbeit wird genau dieser Aspekt untersucht, um daraus Handlungsempfehlungen und Strategien ableiten zu können. Zudem wird geprüft, wie mit Hilfe dieser Entwicklung gezielt der Absatz erhöht werden kann.

3.2 Hintergründe und Einsatz von Social Commerce

3.2.1 Definitorische Grundlage

Social Commerce kann simpel als die Verbindung zwischen Social Media und E-Commerce betrachtet werden. Wie wir bereits wissen, ist es keine neue Erscheinung, tritt jedoch mit der gesellschaftlichen Entwicklung immer weiter in den Vordergrund. So zeigt die folgende Abbildung, wie die Elemente des E-Commerce in Verbindung mit Social Media zu Social Commerce verbunden werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Definition Social Commerce[52]

Nach Qualman steckt hinter Social Commerce die Idee, dass Menschen die Meinungen anderer schätzen und sich entsprechend nach diesen auf die Suche machen.[53] Es ist, wie in der Abbildung 5 dargestellt, eine Ausprägung des elektronischen Handels, bei der die aktive Beteiligung, die Beziehung und die Kommunikation der Kunden wichtig ist.[54] Marsden beschreibt es als Verschmelzung von E-Commerce und Social Media und erläutert, dass es als Form des elektronischen Handels gesehen werden kann, der aufgewertet und erweitert wird durch den Einsatz von Online Medien, die soziale Interaktion ermöglichen.[55]

Die Merkmale des Social Commerce können innerhalb einer Definition von Richter auch wie folgt zusammengefasst werden: „Der Social Commerce stellt die zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen (den Austausch von Bewertungen, Produktinformationen und Feedback) in den Vordergrund, die vor, während und nach geschäftlichen Transaktionen eine Rolle spielen und setzt damit dem Electronic Commerce eine zusätzliche kooperations- und kommunikations-orientierte Ebene auf.“[56] Der Kunde ist also am Kaufprozess beteiligt und erfährt ein anderes Einkaufserlebnis. Dies sei allerdings nur möglich, wenn im Online-Handel die Mechanismen und Funktionen von Social Media eingebunden werden. Erst dann kann der virale Effekt entstehen[57], bei dem sich die Nutzer mit ihrem sozialen Netzwerk verbinden und dieses so von den Kaufaktivitäten erfährt. Es ist also das Unternehmen gefragt, ein Fundament für Social Commerce dem Nutzer zur Verfügung zu stellen, damit dieser seinem eigenen Bedürfnis nach erhöhter Interaktion und freiwilligen Beteiligung nachkommen kann und das Kauferlebnis des Users auf diese Weise angereichert wird.

3.2.2 Werkzeuge zur Integration von Social Commerce

Um Social Media Marketing auch zu einem kommerziellen Erfolg zu führen, probieren sich zahlreiche Unternehmen an innovativen Geschäftsmodellen in Verbindung mit Social Media. Doch welche Werkzeuge stehen einem im großen Baukasten Social Commerce für den praktischen Einsatz zur Verfügung? Die nachfolgenden Kapitel geben Antworten für den praktischen Einsatz und können als Leitfaden herangezogen werden. Wie das Unternehmen auf den eigenen E-Commerce-Plattformen die Elemente von Social Media integrieren kann, zeigt die nachfolgende Abbildung in einer kurzen Übersicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Werkzeuge zur Integration von Social Media in E-Commerce[58]

Dabei lässt sich nach PricewaterhouseCoopers zwischen drei Mechanismen der Integration unterscheiden. Es existieren Bewertungs- und Empfehlungs-mechanismen, Mechanismen zur Trafficsteuerung und der direkte Verkauf.[59] Der anerkannte Experte für Social Commerce, Dr. Paul Marsden, hat die Social-Commerce-Lösungen, die für Marketingfachleute zum Einsatz kommen können, spezifiziert und diese in sechs Dimensionen kategorisiert.[60] Diese sind ebenfalls in Abbildung 6 dargestellt.

Bei den Bewertungsmechanismen lässt sich unterscheiden zwischen der Möglichkeit auf der Internetseite oder dem Online-Shop des Unternehmens Produkte zu bewerten, Produkte zu empfehlen und Foren zur Verfügung zu stellen, innerhalb derer der Austausch stattfinden kann. Die Dimensionen eins bis drei beschreiben demnach die Beteiligung von Nutzern durch Rezensionen und Bewertungen. Die klassische Variante von Web 2.0 und einfach einzubinden. Es folgen Empfehlungen als wertvolle und personalisierte Hinweise für andere Kunden und Foren, auf denen Links zu Produkten veröffentlicht werden können.

Des Weiteren kann ein Unternehmen Tools anbieten, um potenzielle Kunden auf die eigene externe Webseite zu locken. Dies fällt unter die Marsden-Dimensionen vier und fünf und dient der Erhöhung der eigenen Seitenzugriffe, also einer Steuerung des Traffics. Social-Media-Tools lassen sich nutzen und führen den Nutzer zum Shop des Unternehmens. Gleiches kann mit bezahlten Anzeigen erreicht werden, die auf Facebook oder anderen Social-Media-Plattformen ausgespielt werden. Und schließlich zählt auch der direkte Verkauf in Social Networks zu den Möglichkeiten. Diese sechste Dimension nennt sich Social Shopping[61] und ermöglicht den Kunden online miteinander einzukaufen. Dort wo sie auch ihre Kontakte knüpfen. Möglich wird das über integrierte Social Media Stores auf einer Social Media Plattform wie Facebook. Beispielsweise als virtuelle Auslage oder kompletter Shop. Ihr werden die höchsten Wachstumsaussichten und Potenziale zugesprochen,[62] weshalb in Kapitel 3.3 dem sogenannten F-Commerce eine gesonderte Rolle zukommt.

[...]


[1] Vgl. BITKOM (2011), S. 14

[2] Vgl. Seidlitz (2012), S. 34

[3] Vgl. Steimel (2012), S. 4

[4] Vgl. Meerman Scott (2010), S. 89

[5] Vgl. Ebersbach (2008), S. 29

[6] Vgl. Kneidinger (2010), S. 49

[7] Vgl. Heidemann (2008), S. 2

[8] Vgl. Meerman Scott (2010), S. 90ff

[9] Vgl. Hettler (2010), S. 54

[10] Vgl. Meerman Scott (2010), S. 91

[11] Vgl. Hettler (2010), S. 54ff

[12] Vgl. PricewaterhouseCoopers (2012)

[13] Vgl. Iseri (2009), o.S.

[14] Vgl. Iseri (2009), o.S.

[15] Vgl. Bundrant (2012)

[16] Vgl. Sury (2009), S. 267

[17] Vgl. o.V (2010)

[18] Quelle: http://www.google.de/search

[19] Quelle: Heidemann (2010), S. 6

[20] Vgl. Gayk (2011), S. 2

[21] ebenda

[22] Vgl. Roth (2012), o.S.

[23] Quelle: ebenda

[24] Vgl. GfK (2011), S. 5ff

[25] Vgl. Eurocom Worldwide (2012), o.S.

[26] Vgl. GfK (2011), S. 5ff

[27] Vgl. Gayk (2011), S. 46

[28] Vgl. Zucker (2011), S. 23

[29] Vgl. Wiesner (2012), S. 13

[30] Vgl. GfK (2011), S. 5ff

[31] Vgl. Schneider, 2000, S. 402

[32] Vgl. Bruhn, 2006, S. 96

[33] Vgl. Bruhn, 2006, S. 96

[34] ebenda, S. 95

[35] Vgl. Vander (2009), S. 17

[36] Vgl. Nitsche (2008), S. 693

[37] Vgl. Breyer-Mayländer (2010), S. 335

[38] Vgl. Richter (2007), S. 3

[39] Vgl. Behrens (2010), S. 18

[40] Eigene Darstellung nach Richter (2007), S. 4

[41] Vgl. Steimel (2012), S. 4

[42] Vgl. Richter (2007), S. 2

[43] Vgl. Boersma (2010), S. 36

[44] Vgl. Dr. Marsden (2011c), S. 15

[45] Vgl. Steimel (2012), S. 4

[46] Vgl. PricewaterhouseCoopers (2012)

[47] Vgl. Koch (2009), S. 195ff

[48] Vgl. Neef (2009), S. 1

[49] Vgl. Sonne (2009), S. S. 2

[50] Vgl. Neef (2009), S. 2

[51] ebenda

[52] Eigene Darstellung nach Marsden (2010a), S. 5

[53] Vgl. Qualman (2010), S. 91

[54] Vgl. Huber (2008), S. 157

[55] Vgl. Dr. Marsden (2010a), S. 5

[56] Vgl. Richter (2007)

[57] Vgl. Nitsche (2008), S. 692

[58] Eigene Darstellung nach PricewaterhouseCoopers (2012), S. 53

[59] Vgl. PricewaterhouseCoopers (2012), S. 54

[60] Vgl. Marsden (2010a), S. 13ff

[61] ebenda

[62] ebenda

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Social Media im Wandel zu Commercial Media. Monetarisierungsstrategien von sozialen Netzwerken durch Nutzung neuer Absatzkanäle
Hochschule
Technische Hochschule Wildau, ehem. Technische Fachhochschule Wildau
Note
1,6
Autor
Jahr
2013
Seiten
104
Katalognummer
V210133
ISBN (eBook)
9783656382300
ISBN (Buch)
9783656382737
Dateigröße
4862 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Unternehmen und Händlern bietet Social Media bzw. Social Commerce äußerst attraktive und innovative Möglichkeiten der Monetarisierung. Diese Master-Thesis erforscht die Thematik mittels theoretischer und empirischer Analyse und gibt Aufklärung zu einsetzbaren Instrumentarien, Strategien und Potenzialen. Schließlich werden zusammenfassend die Forschungsergebnisse skizziert und darauf aufbauend Zukunftsaussichten und Handlungsempfehlungen für den strategischen Einsatz in der Praxis kommuniziert.
Schlagworte
Social Media, Social Commerce, E-Commerce, Commercial, Online, Social Media Strategie, Social Media Marketing, Anwendungsgebiete von Social Media, Web 2.0, Internet, Online-Marketing, Facebook, Monetarisierung, Strategien, F-Commerce, Empirische Analyse, Erfolgsfaktoren, Vertrieb, Online-Handel, Web, Empirie, Umfrage, praktischer Einsatz, Praxis, app, apps, commerce, Shops, online-shopping, facebook-shops, handel, kommerzialisierung, online-shops, soziale netzwerke, soziale kommunikation, verkauf, befragung, online-befragung
Arbeit zitieren
Sascha Dagustany (Autor), 2013, Social Media im Wandel zu Commercial Media. Monetarisierungsstrategien von sozialen Netzwerken durch Nutzung neuer Absatzkanäle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210133

Kommentare

  • Gast am 20.3.2013

    Habe das eBook gekauft. Ein sehr aktuelles Thema. Dabei is die Arbeit sehr gut strukturiert, inhaltlich versucht die Arbeit viele Perspektiven aufzuzeigen und bringt äußerst interessante Handlungsempfehlungen mit. Vor allem hat mir aber auch die empirische Analyse gefallen. Sehr ausführliche Beschreibung der Methodik und der Auswertung. Richtig gut gemacht. Teils besser als professionelle Studien.

    Fazit: Klare Empfehlung für Leute, die sich mit dem Thema Social Media beschäftigen und wie man es zu Geld machen kann.

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