Was genau Evaluationen der Sozialen Arbeit bieten können, soll in dieser Arbeit gezeigt werden. Dabei wird auf das wieder verstärkt diskutierte Verfahren der Wirkungsevaluation1 bzw. Wirkungsmessung eingegangen.
Im ersten Teil dieser Arbeit findet eine Auseinandersetzung mit dem Thema Wirkungsevaluation statt. Dabei werden besonders die theoretischen Modelle vorgestellt, die zum einen das Design einer Evaluation beschreiben, zum anderen eine Operationalisierung eines Evaluationsgegenstandes möglich machen (vgl. Kapitel 2.1). Die Operationalisierung des Evaluationsgegenstandes wird in dieser Arbeit an der Wirkungsmessung zum Projekt 'ALKOR' verdeutlicht. Dafür wird im ersten Teil dieser Arbeit der Begriff der Einstellungsmessung eingeführt und weiter definiert (vgl. Kapitel 2.2). Im zweiten Teil wird auf diesen Wissensbestand aufgebaut und ein Projekt, das in der Praxis durchgeführt wird, evaluiert. Dabei wird auf die genaue Umsetzung des Projektes sowie die Evaluation eingegangen. Bei dem Projekt handelt es sich um eine 'Schulprojektwoche' zum Thema 'Inklusion im Schwerpunkt Menschen mit Behinderung' (vgl. Kapitel 3.1). An dieser wird eine Wirkungsmessung implementiert, um die Wirkungen des Projektes nachzuweisen. Anschließend wird die Umsetzung der Wirkungsmessung mit den Rahmenbedingungen und Voraussetzungen des Projektes besprochen. Hierbei wird wiederum auf das Design – nun in Bezug zur Praxis – und auf die Umsetzung der Messung der Einstellungsveränderungen der SchülerInnen gegenüber Menschen mit einer Behinderung eingegangen (vgl. Kapitel 3.2). Abschließend werden die Ergebnisse dargestellt und erläutert (vgl. Kapitel 3.3) sowie Chancen und Herausforderungen der Wirkungsevaluation im Kontext der Sozialen Arbeit aufgeführt (vgl. Kapitel 4).
Zentraler Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist, dass Wirkungsmessungen bzw. Wirkungsevaluationen in der Sozialen Arbeit durch ein adäquates Design und eine gelungene Operationalisierung möglich und lohnenswert sind. Dies wird an möglichen Problemen und Lösungen sowie Chancen verdeutlicht. Hierbei wird darauf geachtet, dass durch das Design der kausale Wirkungszusammenhang hergestellt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Evaluation in der Sozialen Arbeit
2. Wirkungsevaluation in der Sozialen Arbeit
2.1 Wirkungsmessung
2.2 Das Wissen um Einstellungsmessung und deren Gewinn
3. Wirkungsmessung am Beispiel des Projektes 'ALKOR'
3.1 Kurzdarstellung des Projektes
3.2 Die Wirkungsmessung – ein Praxisbeispiel
3.2.1 Das (quasi-)experimentelle Design als adäquates Design in der Praxis
3.2.2 Operationalisierung des theoretischen Konstruktes
3.2.3 Erfahrungen mit der Umsetzung des theoretischen Konstruktes
3.3 Darstellung der Ergebnisse
3.3.1 Deskriptive Betrachtung
3.3.2 Itemanalyse
3.3.3 Einstellung, Wirkungen und Einstellungsveränderung
4. Chance und Herausforderung für die Soziale Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen der Wirkungsevaluation in der Sozialen Arbeit, um deren Nutzen für die Professionalisierung und Legitimation des Fachbereichs aufzuzeigen. Dabei wird anhand einer Fallstudie zum Projekt 'ALKOR' (Schulprojekt zur Inklusion) praktisch demonstriert, wie mittels quasi-experimenteller Designs und standardisierter Einstellungs-Messinstrumente valide Ergebnisse zu Einstellungsänderungen gegenüber Menschen mit Behinderung generiert werden können.
- Methodische Grundlagen der Wirkungsevaluation und Wirkungsmessung
- Einstellungsmessung als sozialpsychologisches Instrument
- Praktische Umsetzung des Projekts 'ALKOR' zur Inklusionsförderung
- Operationalisierung von Einstellungen durch (quasi-)experimentelle Designs
- Analyse von Nettowirkungen und kausalen Zusammenhängen in der sozialen Praxis
Auszug aus dem Buch
Die Erhebungsmethode als Grundlage von Einstellungsmessungen
Mit dem Wissen um das Evaluationsdesign wird als weiterer Schritt mit der Entwicklung der Erhebungsinstrumente begonnen. Hierbei ist es wichtig, genau zu wissen, was erhoben werden soll. Diese Arbeit zeigt, dass es von großer Bedeutung ist, eine klare Definition für Einstellungen vorzunehmen. „Im Gegensatz zum allgemeinen psychologischen Begriff der (...) [Einstellung], der eine kurzzeitige spezifische Reaktionsbereitschaft meint, zielt der sozialpsychologische (…) [Einstellungs-] begriff auf eine zeitlich relativ stabile Haltung einem sozialen Objekt gegenüber“ (vgl. Siegfried/Siegfried 2007, 218). Dabei sind die hier gemeinten sozialen Objekte z.B. Einzelpersonen, soziale Gruppen, Institutionen, Ideen und Ideologien (ebd.). Ein Ziel des Projektes 'ALKOR' ist daher die Veränderung der Einstellung der ProjektteilnehmerInnen ohne Behinderung gegenüber bzw. zu Menschen mit einer Behinderung.
Um die Veränderung der Einstellung der ProjektteilnehmerInnen messen zu können, wird das in Kapitel 2.2 vorgestellte Design in Verbindung mit einem 'self-administered Fragebogen' durchgeführt. Der Fragebogen wird von den SchülerInnen durch die 'Classroom-Methode' im Klassenverbund beantwortet. Bei dieser Herangehensweise ist von einer annähernd 100%igen Rücklaufquote auszugehen und die Befragten können über Sinn und Zweck der Evaluation direkt informiert werden. Darüber hinaus bekommen sie für die Beantwortung des Fragebogens unmittelbar Zeit. Er verschwindet – wie bei einer postalischen Befragung – möglicherweise nicht erst in einem Ablageordner (vgl. Bortz/Döring 2006, 242ff.; Schnell/Hill/Esser 2005, 319ff.).
Für die Erarbeitung der im Projekt 'ALKOR' genutzten Fragebögen bzw. der Skala werden verschiedene akzeptierte und anerkannte Skalen genutzt. Diese sind die Grundlage eines für das Projekt geeigneten Messinstrumentes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Evaluation in der Sozialen Arbeit: Erläutert die wachsende Bedeutung von Evaluation als professionelles 'Werkzeug' zur Qualitätssicherung und Legitimationssicherung in der Sozialen Arbeit.
2. Wirkungsevaluation in der Sozialen Arbeit: Diskutiert die theoretischen Grundlagen der Wirkungsmessung, die Abgrenzung von Begriffen wie Effektivität und Effizienz sowie methodische Anforderungen an Forschungsdesigns.
3. Wirkungsmessung am Beispiel des Projektes 'ALKOR': Dokumentiert die praktische Implementierung einer Wirkungsmessung an einer Schule, inklusive Stakeholder-Analyse, Operationalisierung und Ergebnisdarstellung.
4. Chance und Herausforderung für die Soziale Arbeit: Reflektiert kritisch die Anwendung der Ergebnisse und betont die Notwendigkeit adäquater Designs für die zukünftige Weiterentwicklung professioneller Standards.
Schlüsselwörter
Wirkungsevaluation, Wirkungsmessung, Soziale Arbeit, Inklusion, Einstellungsmessung, (quasi-)experimentelles Design, ALKOR, Fragebogen, Itemanalyse, Nettowirkung, Professionalisierung, Evaluation, Validität, Reliabilität, Störvariablen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirkungsevaluation in der Sozialen Arbeit. Sie untersucht, wie professionelles Handeln empirisch messbar gemacht werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Der Fokus liegt auf der Wirkungsmessung von Inklusionsprojekten, der Messung von Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung sowie der methodischen Operationalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass durch adäquate Designs und gelungene Operationalisierung kausale Wirkungszusammenhänge in sozialen Projekten aufgezeigt und damit professionelle Standards gefördert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein (quasi-)experimentelles Design (Doppelter-Differenz-Ansatz) genutzt, um durch eine Vorher-Nachher-Messung in Experimental- und Kontrollgruppen Nettowirkungen zu berechnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung der Wirkungsmessung und Einstellungsmessung sowie der detaillierten praktischen Durchführung im Projekt 'ALKOR' inklusive der Itemanalyse und Ergebnisdiskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wirkungsevaluation, Inklusion, Einstellungsveränderung, (quasi-)experimentelles Design und Professionalisierung sind die prägenden Begriffe.
Warum wurde das 'Pipeline-Verfahren' gewählt?
Das Pipeline-Verfahren ermöglicht es, dass auch die Vergleichsgruppe später vom Projekt profitiert, wodurch ethische Bedenken hinsichtlich des Ausschlusses von Teilnehmern ausgeräumt werden.
Welche Rolle spielt das ICF-Modell in der Arbeit?
Das ICF-Modell dient als theoretische Grundlage für das Inklusionsverständnis, um Behinderung ressourcenorientiert statt rein defizitorientiert zu betrachten.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Projekt 'ALKOR'?
Das Projekt konnte positive Einstellungsänderungen bei den teilnehmenden Schülern nachweisen, wobei die Nettowirkung eine Verschiebung der Werte auf der Ratingskala zum Positiven belegt.
Welche methodischen Probleme wurden bei der Befragung identifiziert?
Es gab Herausforderungen durch komplexe Formulierungen in bestehenden Skalen, die für die Zielgruppe (Sekundarstufe I) angepasst werden mussten, sowie Verständnisprobleme bei doppelt verneinten Fragen.
- Arbeit zitieren
- Tobias Fundneider (Autor:in), 2013, Wirkungsevaluation bzw. Wirkungsmessung in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210179