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Arthur Schopenhauer: Physiologisierung der Erkenntnistheorie

Titel: Arthur Schopenhauer: Physiologisierung der Erkenntnistheorie

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stephan Kroll (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Bereits im Titel seines Hauptwerkes „Die Welt als Wille und Vorstellung“ verdeutlicht
Schopenhauer die Grundidee seiner Philosophie. Schopenhauer stimmt mit der Auffassung
Kants überein, dass der erkennende Mensch die Welt nur innerhalb seiner Vorstellung erfährt,
d.h. dass die Welt durch die Erkenntnisweise des Subjekts bedingt ist. Im Gegensatz zu Kant
gibt es für ihn jedoch etwas diesen Vorstellungen Zugrundeliegendes und damit unabhängig
von aller Erfahrung und Erkenntnis Bestehendes, das Schopenhauer „Wille“ nennt. Der Wille
ist kein Ziel oder eine Absicht, sondern eine Art alles durchdringende Kraft, das innere Wesen
der Dinge und die Triebkraft der Natur. Als „Ding an sich“ liegt der Wille zwar der gesamten
Wirklichkeit zugrunde, aber er erscheint stets in einzelnen Willensphänomenen, die
Manifestationen dieses einen Willens sind. Er lehrt, dass allen Einzelerscheinungen, wie sie
dem Menschen subjektiv wahrnehmbar sind, ein Objektives, ein Ding an sich zugrunde liege:
der Wille. Er betätigt sich unbewusst im Pflanzen- und Mineralreich, bewusst im höheren und
niederen Tier. Dieser Wille ist aber im Grunde etwas Nichtseinsollendes. Wer erkannt hat,
dass der Wille zum Leben in dieser Welt des Scheins Mangel, Jammer, Qual und Tod sei,
sucht die Erlösung durch Verneinung des Willens zum Leben. Diese Resignation, die im
Buddhismus ihren Ursprung hat, lag zum Teil in Schopenhauers leicht melancholischer Natur
begründet und wurde durch mancherlei schlimme Lebenserfahrung gefördert. Schopenhauers
Gedanken beeinflussten F. Nietzsche und R. Wagner nachhaltig.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundgedanken

3. Zwei Ansichten des Intellekts

4. Schopenhauers idealistische Grundansicht

4.1 Die subjektive Betrachtungsweise

5. Materialistische Ergänzungen: Die objektive Betrachtungsweise

6. Der „Zellersche Zirkel“

7. Das „Gehirnparadox“ und der neurophilosophische Ansatz nach Roth

8. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Arthur Schopenhauers idealistischer Erkenntnistheorie und seinem Einbezug physiologischer Erklärungsmodelle. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Schopenhauer durch die gleichzeitige Akzeptanz von Idealismus und Materialismus einen logisch unauflösbaren Widerspruch – das sogenannte „Gehirnparadox“ – in sein System integriert hat und wie moderne neurophilosophische Ansätze, etwa durch Gerhard Roth, mit diesem Problem umgehen.

  • Die idealistische Grundlegung der Welt als „Vorstellung“ nach Schopenhauer.
  • Die Korrelation von Subjekt und Objekt im Kontext der Erkenntnistheorie.
  • Die Rolle der physiologischen Betrachtungsweise als vermeintliche Ergänzung zum Idealismus.
  • Die Analyse des „Zellerschen Zirkels“ als Kritikpunkt der logischen Vereinbarkeit.
  • Der Vergleich mit dem modernen „Gehirnparadox“ in der Neurophilosophie.

Auszug aus dem Buch

Der „Zellersche Zirkel“

Die Frage, die hierbei im Vordergrund steht, ist die nach der Zulässigkeit die idealistische Theorie Schopenhauers durch physiologische Erkenntnisse zu ergänzen. Grundsätzlich muss man es als logisch unzulässig ansehen, die Leistungen des Gehirns aus der empirisch wahrgenommenen, physiologischen Beschaffenheit zu begründen, wenn man gleichzeitig der Meinung ist, die Objekte, also ebenso das Gehirn, existierten nur in unserer Wahrnehmung und hätten keinerlei unabhängiges Dasein im Sinne eines Objektes an sich:

„Allerdings setzt, in meiner Erklärung, das Daseyn des Leibes die Welt der Vorstellung voraus; sofern auch er, als Körper oder reales Objekt, nur in ihr ist: und andererseits setzt die Vorstellung selbst eben so sehr den Leib voraus; da sie nur durch die Funktion eines Organs desselben ensteht.“

Für Schopenhauer ergibt sich aus der für ihn notwendigen Berücksichtigung beider Perspektiven eine doppelte Betrachtungsweise. Für diesen Widerspruch erhält er den Vorwurf einer zirkulären Erklärung. Der Idealismus Schopenhauers besagt, dass alle Wahrnehmung der Außenwelt unweigerlich den apriorischen Erkenntnisformen unseres Intellekt unterliegt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Grundidee Schopenhauers ein, dass die Welt als Vorstellung durch das Subjekt bedingt ist, während das „Ding an sich“ als blinder Wille existiert.

2. Grundgedanken: Hier wird Schopenhauers Idealismus dargelegt, der durch die Lehre vom „Primat des Willens“ geprägt ist und das Leiden des Menschen als unausweichlich postuliert.

3. Zwei Ansichten des Intellekts: Schopenhauer unterscheidet zwischen einer subjektiven, idealistischen und einer objektiven, physiologischen Betrachtungsweise des Intellekts.

4. Schopenhauers idealistische Grundansicht: Dieses Kapitel beleuchtet die philosophischen Vorläufer Schopenhauers, insbesondere Descartes, Berkeley und Kant.

4.1 Die subjektive Betrachtungsweise: Es werden die drei Bedeutungen von „die Welt ist meine Vorstellung“ nach Johannes Volkelt analysiert, einschließlich der Korrelation von Subjekt und Objekt.

5. Materialistische Ergänzungen: Die objektive Betrachtungsweise: Der Autor untersucht, wie Schopenhauer physiologische Aspekte in sein System integriert, um den Intellekt durch das Gehirn zu begreifen.

6. Der „Zellersche Zirkel“: Hier wird der logische Widerspruch kritisiert, der entsteht, wenn man das Gehirn als bloße Vorstellung physiologisch erklären will.

7. Das „Gehirnparadox“ und der neurophilosophische Ansatz nach Roth: Abschließend wird gezeigt, dass dieses Problem durch moderne neurobiologische Konstruktivisten wie Gerhard Roth aktualisiert wird.

8. Literatur: Verzeichnis der herangezogenen wissenschaftlichen Werke.

Schlüsselwörter

Arthur Schopenhauer, Erkenntnistheorie, Idealismus, Materialismus, Wille, Vorstellung, Gehirnparadox, Zellerscher Zirkel, Neurophilosophie, Gerhard Roth, Subjekt-Objekt-Korrelation, Erkenntnisvermögen, Physiologie, Konstruktivismus, Metaphysik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das erkenntnistheoretische System Arthur Schopenhauers, insbesondere den scheinbaren Widerspruch zwischen seinem Idealismus und dem Einbezug materialistisch-physiologischer Erklärungsmodelle.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Idealismus Schopenhauers, die Metaphysik des Willens, die physiologische Erforschung der Wahrnehmung und die logische Konsistenz der Verknüpfung dieser Ansätze.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu erörtern, ob Schopenhauer durch seine physiologischen Ergänzungen ein unlösbares logisches Paradoxon (das Gehirnparadox) in sein philosophisches System eingeführt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine philosophische Text- und Systemanalyse durch, indem er zentrale Begriffe Schopenhauers gegen die zeitgenössischen und später neurophilosophischen Erkenntnisse abwägt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Zweiteilung des Intellekts bei Schopenhauer, seine idealistischen Grundlagen, seine Auseinandersetzung mit Berkeley und Kant sowie die Kritik am Zellerschen Zirkel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Idealismus, Materialismus, Gehirnparadox, Wille, Vorstellung und Erkenntnistheorie geprägt.

Warum ist der sogenannte Zellersche Zirkel für Schopenhauer problematisch?

Er ist problematisch, weil Schopenhauer einerseits behauptet, dass die Außenwelt (inklusive des eigenen Leibes/Gehirns) nur in der Vorstellung existiert, andererseits aber die Vorstellung physiologisch durch das Gehirn erklären möchte – was einen zirkulären Logikfehler darstellt.

Inwiefern ist das Problem bei Gerhard Roth aktuell?

Auch Roth sieht in der Erkenntnis ein Konstrukt des Gehirns; er läuft somit in dieselbe Falle wie Schopenhauer, da er die neurobiologischen Grundlagen der Wahrnehmung wiederum als Gehirn-Konstrukt erklären muss.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Arthur Schopenhauer: Physiologisierung der Erkenntnistheorie
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Naturalisierung der Erkenntnistheorie: Historische und zeitgenössische Beispiele
Note
1,0
Autor
Stephan Kroll (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V21017
ISBN (eBook)
9783638247375
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arthur Schopenhauer Physiologisierung Erkenntnistheorie Naturalisierung Erkenntnistheorie Historische Beispiele
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stephan Kroll (Autor:in), 2003, Arthur Schopenhauer: Physiologisierung der Erkenntnistheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21017
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