Reliefausgleich durch Bodenerosion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Einführung: Welche Arten der Erosion gibt es?

3. Grundlagen der Bodenerosion
3.1. Linenhafte Bodenerosion
3.2. Flächenhafte Bodenerosion
3.3 Äolische Bodenerosion

4. Die Regeln der geoökologisch-geomorphodynamischen Aktivität und Stabilität
Stabilitätsregel (AS1):
Aktivitätsregel (AS2)
Anthropogene Teilaktivitätsregel (AS3):

5. Allgemeine Konsequenzen der Bodenerosion

6. Konsequenzen der Bodenerosion für die Besiedlung oder besser gesagt für die Siedler

7. Beispiel für linenhafte und flächenhafte Erosion

8. Starkregenereignisse in der Geschichte

9. Aktuelle Beispiele

10. Äolischer Transport

11. Quantifizierung der Abschwemmungsvorgänge

12. Sonderfälle – Die Siedlung wird verlagert, die landwirtschaftliche Produktionsflächen bleiben erhalten

13. Zusammenfassung

14. Literatur:

1. Einleitung

Bei der Behandlung des Themas „Reliefausgleich durch Bodenerosion“ muß zuerst die all­gemeine Ausgangssituation betrachtet werden. Die Geologen sehen im Großen und Ganzen den Zustand in Mitteleuropa seit Beginn des Holozaens, ausgenommen der alpinen Zonen, als relativ stabil an. Es werden, jeweils die alpinen Zonen ausgeklammert, keine großen erosiven Ereignisse erwartet. Dies trifft im Großen und Ganzen auch zu; was heißt, daß das Relief heute aus der Vogelschau betrachtet noch immer in etwa dem Relief im frühen Holozaen entspricht.

So ist die norddeutsche Tiefebene als Teil des „Great European Plain“ in der Hauptsache durch die großen Vereisungsphasen des Pleistozaens gestaltet worden. Dieser Prozeß der Gestaltung ist heute der Landschaft noch deutlich anzusehen und es ist auch möglich in dieser Landschaft die einzelnen landschaftsbildenden Vorgänge den einzelnen Vereisungsphasen zuzuordnen.

Auch können wir die Gebirge noch eindeutig den einzelnen Gebirgsbildungsphasen zuordnen. In Deutschland und auch in anderen Ländern sind dies die kaledonische-, die varizische-, und die alpine Gebirgsbildungsphasen. Daraus folgt, daß die Erosion wohl nicht so stark war und ist, daß es zu einem großräumigen Reliefausgleich kommt. Trotzdem ist aufgrund der Schwerkraft immer eine Tendenz zu einem Reliefausgleich vorhanden.

So gibt es viele relativ kleinräumige Ereignisse in denen es zur Erosion und Akkumulation kommt und somit nach den Gesetzen der Schwerkraft auch zu einem Reliefausgleich. Gerade diese relativ kleinräumigen Ereignisse, die aber für die Archäologie große Auswirkungen ha­ben und somit für das Fach von großer Bedeutung sind sollen hier betrachtet werden.

2. Einführung: Welche Arten der Erosion gibt es?

Erosion ist der Transport von Material. Man unterscheidet prinzipiell drei Arten der Erosion. Den Materialtransport durch Wasser, die sogenannte fluviatile Erosion, den Materialtransport durch Eismassen, die glaziale Erosion und den Materialtransport durch den Wind hier spricht man von äolischer Erosion (Murawski, 1957).

Da es im Holozaen nur zu geringen Temperatureinbrüchen kam kann in Mitteleuropa, wieder­um ausgenommen der alpinen Regionen, die glaziale Erosion vernachlässigt werden, da sich in dem hier betrachteten Gebiet keine größeren Eismassen bilden konnten.

Voraussetzung für die fluvialtile und äolische Erosion ist, daß das Gelände genügend Angriffs­fläche bietet, das heißt exponiert ist.

In diesen Ausführungen soll nun speziell die Erosion der Böden im Holozaen betrachtet wer­den und ihre Auswirkungen dargelegt werden. Dazu müssen hier noch einmal genauer die Voraussetzungen und Prozesse bei der Bodenerosion dargestellt werden.

3. Grundlagen der Bodenerosion

Es geht hierbei um Vorgänge bei denen auf die Geländeoberfläche aufprallende Regen­tropfen, fließendes Wasser oder Wind Prozesse auslösen, bei denen es zur Ablösung, zum Transportes und zur Ablagerung von Bodenpartikeln kommt (Bork et all., 1998).

In den bewaldeten, vom Menschen unbeeinflußten, Regionen tritt und trat natürliche Erosion nicht, oder nur in einem geringen Ausmaß auf. Damit ist die vom Menschen beeinflußte Erosion in ehemals bewaldeten Regionen oder in Regionen die nach der Nutzungsaufgabe wieder bewaldeten gut kenntlich zu machen.

Menschliche Eingriffe können Bodenerosion nicht direkt auslösen, sondern nur ermöglichen, verstärken, vermindern oder aber auch verhindern.

Man unterscheidet vor allem flächenhafte Bodenerosion und linienhafte Bodenerosion.

3.1. Linenhafte Bodenerosion

Entlang von Bündelungspfaden führt der Abfluß von Wasser zur Bodenerosion. In Abhängig­keit vom Ausmaß unterscheidet man hier zwischen einerseits Rillenerosion und andererseits Kerbenerosion.

Bei der Rillenerosion kommt es durch Starkregen oder der Schneeschmelze zum einschneiden von kleinen Rillen die allerdings durch die üblichen Bodenbearbeitungsmaßnahmen wieder ausgeglichen werden.

Bei der Kerbenerosion kommt es ebenfalls durch Starkregen oder der Schneeschmelze erst zu der Bildung kleiner Rillen. Bei anhaltendem Abfluß vertiefen sich diese Rillen und es kommt durch rückschreitende Erosion schließlich zur Bildung von tiefen Kerben. Diese Kerben kön­nen durch die gewöhnliche Bodenbearbeitung nicht mehr geschlossenen werden.

3.2. Flächenhafte Bodenerosion

Durch auf die Bodenoberfläche aufschlagenden Regentropfen oder durch, auf der Boden­oberfläche fließendes Wasser entstehend Erosion. Langfristig wird die Bodenoberfläche mehr oder weniger gleichmäßig durch den flächenhaften Abfluß auf der Oberfläche tiefer gelegt. Man spricht in diesem Zusammenhang von schleichender Bodenerosion. Auch bei der flächen­haften Bodenerosion entstehen viele kleine Abflußrillen, es kommt also auch hier zu einer linienhaften Erosion. Die Rillen werden aber bei der Bearbeitung des Bodens immer wieder ausgeglichen. Daher fallen sie dem Bearbeiter, in den meisten Fällen dem Landwirt, nicht auf und es entsteht der Eindruck von einem flächenhaften Abtrag des Bodens.

3.3 Äolische Bodenerosion

Zu den beiden oben beschriebenen Bodenerosionsformen die hier mit dem aquatischen Trans­port in Verbindung gebracht wurden kommt als eine Art Sonderfall die äolische Erosion der Böden. Hier werden auf exponierten Sandflächen, die beispielsweise durch den Plaggenhieb oder die Überweidung geschaffen wurden, die Sande von dem Wind ausgeblasen und an anderer Stelle wieder abgelagert. Hier kommt es ebenfalls zu einer flächenhaften Boden­erosion.

4. Die Regeln der geoökologisch-geomorphodynamischen Aktivität und Stabilität

Zum Verständnis der landschaftlichen Entwicklungsprozesse wurden von Heinrich Rohden­burg (1969/1971) die Regeln der geoökologisch-geomorphodynamischen Aktivität und Stabilität entwickelt. Diese Regeln sind für das Verständnis der geschichtlichen Entwicklung der holozaenen Böden von entscheidender Bedeutung. Sie seien deshalb hier noch einmal ge­nannt und lauten:

Stabilitätsregel (AS1):

Natürliche Vegetation (in Mitteleuropa außerhalb der Hochgebirgslagen nahezu ausnahmslos Wälder), die die Bodenoberfläche völlig bedeckt, schützt selbst bei Starkregen meistens voll­ständig vor Erosion (Ausnahmen sind insbesondere rutschungsgefährdete Steilhänge; siehe Bibus 1986).

Intensive Bodenbildung kennzeichnet geomorphologisch stabile Zeiten. In den Böden Mittel­europas dominieren Versauerungsprozesse unter der natürlichen Waldvegetation der humiden, warmzeitlichen Stabilitätsphase. Zunächst setzen Entkalkungen und Verbraunung der Ober­böden ein; Tonverlagerung, Podsolierung und Pseudovergleyung folgen vielerorts.

Aktivitätsregel (AS2)

Allmähliche oder abrupte, thermische oder hygrische (hygro - feucht) Klimaveränderung können die natürliche, die Bodenoberfläche vor Erosion schützende, Vegetation großflächig vernichten. Die natürliche Vegetationszerstörung oder -auflockerung ermöglicht natürliche Erosions-, Transport- und Akkumulationsprozesse, die vor allem durch Starkniederschläge ausgelöst werden. Die klimabedingte Zerstörung der natürlichen, warmzeitlichen Vegetation in humiden und semihumiden Regionen der Erde und die nachfolgende natürliche Erosion und Akkumulation verändern Zustände, Funktionen, Strukturen und Prozesse von Böden.

Anthropogene Teilaktivitätsregel (AS3):

Der Einfluß des Menschen unterbricht oder beendet die natürliche geomorphologische Stabilitäts­phase in zuvor völlig vegetationsbedeckten Räumen. Rodungen der natürlichen mitteleuropäischen Waldvegetation und anschließende ackerbauliche Nutzungen verändern die Bodenbildung und ermöglichen auf den genutzten Flächen in Zeiten mit geringer Vegetations­bedeckung Bodenerosionsprozesse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Der Zusammenhang von Rodung, Bewirtschaftung und Bodenerossion. (Zeichnung H. Grönwald, aus Gringmuth-Dallmer, 1997, S.12)

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Reliefausgleich durch Bodenerosion
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Ur- und Frühgeschichte)
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
25
Katalognummer
V2102
ISBN (eBook)
9783638112932
ISBN (Buch)
9783638637725
Dateigröße
1944 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Archäologie Reliefausgleich Bodenerosion Umweltarchäologie
Arbeit zitieren
Heinz Tron (Autor), 2000, Reliefausgleich durch Bodenerosion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2102

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