Zukunftsorientierung und nachhaltige Entwicklung im Politikunterricht


Hausarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Zukunftsorientierung im Politikunterricht
II.1. Zukunftsorientierung als didaktisches Prinzip der politischen Bildung
II.2. Didaktische Konzepte für zukunftsorientiertes Lernen

III. Nachhaltige Entwicklung
III.1. Der Begriff der „nachhaltigen Entwicklung“
III.2. Ziele und Inhaltsfelder der politischen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

IV. Methoden der politischen Bildung
IV.1. Begriff und Merkmale der Szenario-Methode
IV.2. Umsetzung der Szenario-Methode

V. Defizite der zukunftsorientierten Bildung

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Ab dem Ende des 20. Jahrhunderts erlebt die Welt eine massive Veränderung der Zukunftsempfindung, die ebenfalls die politische Bildung vor neue Herausforderungen stellt. Daher wird das didaktische Prinzip „Zukunftsorientierung “ zu einem unabdingbaren Teil des Politikunterrichts.

In dieser Arbeit möchte ich herausfinden, was unter dem Begriff „Zukunftsorientierung “ verstanden wird und wie dieses didaktische Prinzip im Schulunterricht umgesetzt werden kann.

Zu Beginn der Arbeit wird die Frage geklärt, welche Funktionen die Zukunftsorientierung als didaktisches Prinzip im Schulunterricht erfüllt. Danach werden die Ziele und Inhalte einer zukunftsorientierten politischen Didaktik dargestellt. Anschließend werden die didaktischen Konzepte für zukunftsorientiertes Lernen angeführt.

Weiter wird das Konzept der „nachhaltigen Entwicklung “ mit seinen Zielen und Inhaltsfeldern präsentiert, das als Basiskonzept der Zukunftsorientierung fungiert.

Für die Organisation des zukunftsorientierten Politikunterrichts werden mögliche Beispiele der Methoden vorgeschlagen. Um einen praktischen Überblick über die Umsetzung des Prinzips „Zukunftsorientierung “ zu verschaffen, wird anschließend ein konkretes Methodenkonzept der politischen Bildung die so genannte „Szenariotechnik “ dargestellt.

Weiterhin werden die möglichen Probleme und Grenzen der zukunftsorientierten Didaktik zum Vorschein gebracht. Der Schlussteil enthält eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Hausarbeit.

II. Zukunftsorientierung im Politikunterricht

In den letzten Jahrzehnten des 20-ten Jahrhunderts haben die Wahrnehmungen der ökologischen Probleme in der Bevölkerung sehr an Bedeutung gewonnen. Insbesondere die Berichte des Club of Rom stellten die Frage über die Zukunft der Menschheit zur Diskussion. Die Mitglieder des Club of Rom sprachen über eine Wende in der Vorstellung, wie die Zukunft aussehen soll und welche Maßnahmen nötig sind, um das Überleben der Menschheit überhaupt sichern zu können. Sie vertraten die Meinung, dass die stetige Entwicklung und das Wachstum der Volkswirtschaften die Möglichkeiten des Planeten Erde überfordere und zum Aussterben der menschlichen Gattung führen könne.[1] Die vom Club of Rom angeführte Problematik der Zukunftsfähigkeit der Menschheit wurde in den letzten Jahrzehnten viel diskutiert und in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit gerückt. „Die Wiedergewinnung der globalen Zukunftsfähigkeit von Mensch und Natur erweist sich in diesem Lichte als oberstes Leitziel jeglicher Politik und damit auch der Politischen Bildung.“[2]

II.1. Zukunftsorientierung als didaktisches Prinzip der politischen Bildung

Laut den Ergebnissen der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Jugendprotest im demokratischen Staat“ im Jahr 1983 besitzen viele Jugendliche eine tiefe Zukunftsangst und stellen sich die Frage, ob im Bezug auf unterschiedliche ökologische und soziale Probleme die Zukunft der Menschheit überhaupt möglich sei. Besonders die Jugendlichen ohne Schulabschluss leiden unter der Ungewissheit vor der Zukunft. Dieser Zustand trägt u. a. zur hoher Aggressivität und Gleichgültigkeit bei den Heranwachsenden bei. Auch heute zeigt sich unter den Jugendlichen eine Hilflosigkeit bei der Zukunftsgestaltung und eine Enttäuschung und Passivität in Fragen der politischen Aktivitäten, um diese Zukunft aktiv modellieren zu können.[3]

Nach dem Verlust des „Zukunftsoptimismus“[4] wurde es nötig, durch bewusstes politisches Handeln bestimmte Normen zu schaffen und diese dauerhaft zu sichern. Deshalb stellen die Zukunftssicherung und Zukunftsgestaltung die neuen politischen Leitkategorien dar.[5] Ebenfalls greift die Institution Schule diese Thematik auf. Die Zukunftsorientierung wurde in den letzten Jahren zu einem neuen didaktischen Leitprinzip.[6] Die Didaktik und Methodik der politischen Bildung müssen den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich in der verändernden globalisierten Welt zurechtzufinden, Zukunftsängste abzubauen und ihre eigene Zukunft zu gestalten.

Als didaktisches Leitprinzip bestimmt die Zukunftsorientierung die Ziele, Inhalte und Methoden der politischen Bildung. So definiert Weinbrenner den Begriff „Zukunftsorientierung“:

„Zukunftsorientierung “ als neues didaktisches Relevanzkriterium dient in dieser Funktion als Selektions- und Legitimationsinstrument, um die neuen Inhalte und Themen zu finden, die insgesamt als „Zukunftswissen“ charakterisiert werden können.[7]

So stell sich in diesem Zusammenhang die Frage, welchen Beitrag die Schule aber im Hinblick auf zukunftsorientierte Themen leisten muss? Hans Günter Rolf schreibt der Schule eine Aufgabe zu „…die Jugendlichen mit dem notwendigen Zukunftswissen auszustatten, das sie befähigt, an dieser gewaltigen Gestaltungsaufgabe mitzuwirken.“[8]

Weiter stellt sich die Frage, wie das Zukunftswissen aber definiert wird? Peter Weinbrenner bestimmt das zukunftsrelevante Wissen wie folgt:[9]

Zukunftswissen ist ein Überlebenswissen, das heißt, dass die Inhalte für den Unterricht relevant werden, die einen Beitrag zur langfristigen Existenzsicherung des Menschen im Einklang mit der Natur haben.

Zukunftswissen ist ein Risikowissen, was bedeutet, dass solche Inhalte für den Unterricht ausgewählt werden, die die Ausbildung der Wahrnehmungsorgane für die Erkennung der Risikofaktoren ermöglichen.

Zukunftswissen ist ein ganzheitliches (holistisches) Wissen, dies bedeutet, dass solche Inhalte und Verfahren für den Unterricht relevant werden, die ein globales und generationsüberschreitendes Wissen in komplexen Zusammenhängen ermöglichen.

Zukunftswissen ist ein normatives Wissen, das heißt, es werden die Inhalte für den Unterricht relevant, die einen ethischen Diskurs über human-, umwelt- und sozialverträgliche Fortschrittsperspektiven der Gesellschaft und der Menschheit und eine rationale, demokratische Konsensbildung ermöglichen.

Zukunftswissen ist ein politisches Wissen, es bedeutet, dass die Inhalte für den Unterricht relevant werden, die auf allen Ebenen des politischen Handelns (Individuum, Gruppe, Staat) einen Beitrag zur Zukunftssicherung und Zukunftsgestaltung und damit zum Überleben der Gattung Mensch und des Planeten Erde leisten können.

Als Zielstruktur einer zukunftsorientierten politischen Didaktik differenziert Peter Weinbrenner in seinem Lernzielkatalog, der sich am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung[10] orientiert, folgende vier Strukturierungsaspekte wie Fähigkeit und Bereitschaft

- die globale Dimension der Gefährdung der menschlichen Gattung zu erkennen,
- die Signaturen der Risikogesellschaft zu beschreiben,
- die zukunftsbedrohenden Risikofaktoren zu analysieren und
- politische Phantasie und Gestaltungskompetenz zur Entwicklung umwelt- und sozialverträglicher Zukunftsperspektiven für das Überleben von Mensch und Natur zu entfalten.[11] [12]

Die Wissenschaft und Bildung sollte aufgrund der vorangehenden Thematik die Zukunftsfähigkeit der Menschheit und der ökologischen Systemen in den Vordergrund ihrer Tätigkeiten rücken.

Die Zugangsweise zum Zukunftsdilemma bieten die vom Peter Weinbrenner dargestellten didaktischen Konzepte für zukunftsorientiertes Lernen.

II.2. Didaktische Konzepte für zukunftsorientiertes Lernen

In dem ersten didaktischen Konzept dem Prinzip Verantwortung weist Weinbrenner auf die Idee hin, dass jeder Einzelne für die Zukunft der Menschheit eine Verantwortung trägt. Es muss den Jugendlichen vermittelt werden, dass jedes Individuum bei der Gestaltung der Zukunft einen Beitrag leisten kann. Obwohl die Probleme der Industriegesellschaften wie u. a. Umweltkrisen, Ressourcenverknappung, Massenarbeitslosigkeit bei den Jugendlichen ein Gefühl der Hilflosigkeit bilden können. Es ist äußerst wichtig die Heranwachsenden über die Gefahren und Risiken der Industrie aufzuklären.[13] Die Auseinandersetzung mit den Problemen der Industriegesellschaften ermöglicht eine aktive Teilnahme in der Diskussionen über „…die Ziele und Wege einer umwelt- und sozialverträglichen Weiterentwicklung der Industriegesellschaft. […] Weder der Staat als politische Steuerungsinstanz noch die Selbstregulierungskräfte des Marktes, sondern allein der vielfältige, offene und aufgeklärte Diskurs aller mündigen Bürgerinnen und Bürger einer demokratischen Gesellschaft verspricht die Chance, aus den vielfältigen Wegen in die Zukunft […] denjenigen herauszufinden, der das Überleben der Gattung Mensch und des Planeten Erde sichert und auch zukünftigen Generationen ein Leben in Freiheit und Menschenwürde garantiert.“[14]

[...]


[1] Vgl. Weinbrenner(1997a), S. 128.

[2] Weinbrenner(1996), S. 249.

[3] Vgl. Weinbrenner(1995), S. 397.

[4] Vgl. Weinbrenner(1997a), S. 128.

[5] Vgl. Weinbrenner(1997a), S. 128.

[6] Vgl. Weinbrenner (1997a), S. 129.

[7] Weinbrenner(1996), S. 250.

[8] Weinbrenner(1997a), S. 131.

[9] Vgl. Weinbrenner(1997a), S. 132.

[10] Sieh das Kapitel III in dieser Hausarbeit, S. 7.

[11] Weinbrenner(1997a), S. 133.

[12] Sieh Anhang 1.

[13] Vgl. Weinbrenner(1995), S. 402.

[14] Weinbrenner(1995), S. 401-402.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zukunftsorientierung und nachhaltige Entwicklung im Politikunterricht
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V210211
ISBN (eBook)
9783656378341
ISBN (Buch)
9783656378938
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zukunftsorientierung, politikunterricht
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts S. Fischer (Autor), 2010, Zukunftsorientierung und nachhaltige Entwicklung im Politikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210211

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