Unternehmen der Seniorenwirtschaft, die sich mit der Pflege alter Menschen in stationären oder ambulanten Settings beschäftigen, stehen vor weitreichenden Herausforderungen. Neben ökonomischen Erfordernissen gewinnen ethische, oder konkreter, wirtschaftsethische Fragestellungen zunehmend an Bedeutung. Dabei sind ökonomische Probleme und Erfordernisse zumeist Prädiktoren für das Aufkommen ethischer Fragestellungen. Inwieweit kann die Fachkraftquote in Pflegeinrichtungen reduziert werden? Wie viele Pflegekräfte pflegen wie viele Menschen? Oder gar wie viele Personen können in welcher Zeit versorgt werden? Diese Fragestellungen bedingen, dass die an der Situation beteiligten Individuen einen Sachverhalt unterschiedlich bewerten. Neben den unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Individuen, lassen sich Fragestellungen jedoch auch auf anderen Ebenen untersuchen. Zu nennen wären in diesem Fall die Aspekte der Ökonomisierung und der Ethik. Eine passende Schablone für dieses Vorhaben liefert die wissenschaftliche Disziplin der Wirtschaftsethik. So möchte ich in dieser Arbeit meinen Fokus auf diesen Wissenschaftsbereich legen und der Fragestellung nachgehen, wie ethische Handlungserfordernisse unternehmerische Strategien aus dem Wirtschaftsbereich Pflege beeinflussen. Dabei möchte ich mich gezielt mit dem Sektor der Altenpflege auseinandersetzen. Die Ökonomisierung der Pflege erläutere ich dabei am Beispiel der ambulanten Pflege. Danach gehe ich auf den Wissenschaftsbereich der Wirtschafts- ethik ein und lenke dabei den Blick auf die Strömungen des Utilitarismus und des Rationalen Egoismus. Im letzten Teil werden Ökonomisierung und wirtschaftsethische Handlungserfordernisse zusammengeführt und eine Strategie für das Handeln der Organisation erarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ökonomisierung von Pflege am Beispiel der ambulanten Pflege
3. Wirtschaftsethik
3.1 Ethik
3.2 Wirtschaftswissenschaft
3.3 Zusammenführung von Ethik und Wirtschaftswissenschaft zur Wirtschaftsethik
3.4 Rationaler Egoismus
3.5 Utilitarismus
3.6 Rationaler Egoismus versus Utilitarismus
4. Handlungsstrategien unter veränderten Bedingungen
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Erfordernissen und ethischen Handlungsgrundlagen in der Pflegewirtschaft. Das zentrale Ziel ist es, den Einfluss ethischer Handlungserfordernisse auf unternehmerische Strategien im Sektor der Altenpflege zu analysieren und Lösungsansätze unter Berücksichtigung wirtschaftsethischer Strömungen zu erarbeiten.
- Prozess der Ökonomisierung in der ambulanten Pflege
- Grundlagen der Wirtschaftsethik und deren Teilbereiche
- Gegenüberstellung von Rationalem Egoismus und Utilitarismus
- Herausforderungen der Arbeitsverdichtung und Qualitätssicherung
- Strategien zur Integration von bürgerschaftlichem Engagement
Auszug aus dem Buch
3.6 Rationaler Egoismus versus Utilitarismus
Wenn die Strömungen des Rationalen Egoismus und des Utilitarismus gegenüber gestellt werden, wird erkennbar, dass der Rationale Egoist seine Ziele über die Mitmenschen erreicht, um zum größten Nutzen für sich selbst zu kommen. Der Utilitarist handelt hingegen an guten Zielen – oder Ergebnissen – für seine Mitmenschen ausgerichtet. Im Sinne einer gemeinnützigen Ausrichtung eines Unternehmens würde sich „utilitaristisches Handeln“ als Strategie für das Unternehmen daher eher anbieten, da diese nicht primär gewinnorientiert sind, wenngleich sie kostendeckend arbeiten müssen.
Im Sinne bloßer Gewinnmaximierung würde sich eine rational egoistische Strategie anbieten, um mit möglichst geringen Kosten einen möglichst hohen Nutzen zu erreichen, in diesem Sinne wird der Mensch zum Nutzenmaximierer und das Reflektieren gesellschaftlicher Ziele rückt in den Hintergrund. Die wirtschaftsethische Ausrichtung scheint daher abhängig von der Ausrichtung des Trägers zu sein und den damit definierten Zielen. Jedoch scheinen Ökonomisierungsprozesse die Herausbildung rational egoistischer Handlungsstrategien zu begünstigen, wenn das Überleben der Organisation in den Fokus gerät.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Ökonomisierung in der Seniorenwirtschaft ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich des Einflusses ethischer Anforderungen auf unternehmerische Strategien.
2. Ökonomisierung von Pflege am Beispiel der ambulanten Pflege: Das Kapitel erläutert den Prozess der Ökonomisierung seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 und beleuchtet die damit verbundenen Effekte wie Standardisierung und Wettbewerbsdruck.
3. Wirtschaftsethik: Hier werden die wissenschaftlichen Grundlagen von Ethik und Wirtschaftswissenschaften erörtert, um diese anschließend zur Wirtschaftsethik zu verknüpfen und zentrale Strömungen zu analysieren.
4. Handlungsstrategien unter veränderten Bedingungen: Dieses Kapitel diskutiert Strategien zur Bewältigung von Arbeitsverdichtung, wie die Sensibilisierung des Personals und die Einbindung bürgerschaftlichen Engagements.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Balance zwischen Ökonomie und Ethik schwierig ist, aber durch gezielte Strategien wie die Einbindung freiwilligen Engagements unterstützt werden kann.
Schlüsselwörter
Ökonomisierung, Pflegewirtschaft, Wirtschaftsethik, Altenpflege, Rationaler Egoismus, Utilitarismus, Gemeinwohl, Qualitätsmanagement, Pflegeversicherung, Bürgerengagement, Unternehmensstrategie, Ethik, Effizienz, Pflegebedürftigkeit, Sozialmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Unternehmen der Pflegewirtschaft den Spagat zwischen wirtschaftlichem Druck und ethischem Handeln bewältigen können.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Ökonomisierung der Pflege, die theoretischen Grundlagen der Wirtschaftsethik sowie Lösungsstrategien für die Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie ethische Handlungserfordernisse unternehmerische Strategien im Sektor Pflege beeinflussen und wie diese mit ökonomischen Zielen vereinbar sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Anwendung wirtschaftsethischer Konzepte auf die Pflegepraxis basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ökonomisierung, die Definition von Wirtschaftsethik, den Vergleich zwischen Rationalem Egoismus und Utilitarismus sowie die Erörterung konkreter Handlungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ökonomisierung, Wirtschaftsethik, Altenpflege, Utilitarismus und bürgerschaftliches Engagement charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Pflegeversicherung in der Ökonomisierung?
Sie gilt als Auslöser für den Prozess der Ökonomisierung, da sie private Anbieter zuließ und den Wettbewerb sowie die Standardisierung von Pflegeleistungen forcierte.
Warum wird der Begriff des „Rationalen Egoismus“ wertneutral betrachtet?
Im Kontext der Wirtschaftsethik beschreibt er rationales, vernünftiges Handeln zur Zielerreichung, ohne dabei Mitmenschen zwingend instrumentalisieren zu müssen.
Inwieweit kann bürgerschaftliches Engagement das Problem lösen?
Es kann in Kombination mit professioneller Pflege als Erfolg versprechendes Mittel dienen, um gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen und Aspekte des Gemeinwohls einzubringen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Riebandt (Autor:in), 2012, Unternehmen der Pflegewirtschaft zwischen Ökonomisierung und ethischem Handeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210232