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Ansprüche und Problematik kompetenzorientierter Abschlussprüfungen im dualen System der Berufsausbildung

Eine Analyse am Beispiel des Ausbildungsberufes Augenoptiker/in

Title: Ansprüche und Problematik kompetenzorientierter Abschlussprüfungen im dualen System der Berufsausbildung

Bachelor Thesis , 2010 , 65 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Ines Triphaus-Giere (Author)

Didactics - Business economics, Economic Pedagogy
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Die Entwicklung von Handlungskompetenz wurde 1996 für den schulischen Lernortpartner zum Bildungsauftrag erhoben und seitdem in den curricularen Vorgaben didaktisch und lernorganisatorisch konkretisiert. Allerdings erfordert die Leitbildfunktion der Handlungskompetenz nicht nur die Umsetzung in der Berufsausbildung, sondern zieht konsequenterweise die Forderung nach kompetenzorientierten Prüfungen nach sich. Da „nur geprüft werden kann und darf, was auch gelehrt worden ist“, besteht zwischen Lernziel und Prüfung ein bindender Zusammenhang, und die Prüfung sollte auf den Prüfungsgegenstand gemäß Curriculum und den vorangegangenen Lehr-Lernprozessen zielen.
Demgegenüber steht laut Tramm/ Brand die tradierte Prüfungspraxis in paradigmatischem Widerspruch zu kompetenzorientierten Leitlinien, wodurch der Abschlussprüfung der Status eines ´heimlichen Curriculums` der dualen Berufsausbildung zukäme. Aus Sicht der Schüler stellt das Bestehen der Abschlussprüfung das eigentliche Ausbildungsziel dar, daher bestünde im Fall von divergierenden Zielvorstellungen für den Unterricht und die Abschlussprüfung die Gefahr, dass die Prüfung Lernprozesse in den Ausbildungsbetrieben, vor allem aber im Unterricht der Berufsschule nachhaltig beeinflusst und die Entwicklung von Handlungskompetenz gefährdet.
Um dem zu begegnen und der Leitbildfunktion der Handlungskompetenz gerecht zu werden, ist eine Prüfungskonzeption erforderlich, die geeignet ist, die berufliche Handlungskompetenz der Prüfungsteilnehmer gültig zu erfassen und damit auch zertifizieren zu können. Dazu ist zu klären, an welchem Leitbild sich kompetenzorientierte Prüfungen orientieren. Wie kann der Begriff der Handlungskompetenz verstanden werden? Welche Problematik geht mit der Erfassung von Handlungskompetenz einher? Zur Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Prüfungskonzeption müssen bestimmte Ansprüche an ihre Gestaltung und Durchführung erfüllt werden. Welchen Qualitätsansprüchen sollten Prüfungen allgemein und kompetenzorientierte berufliche Abschlussprüfung im Besonderen genügen und welchen Abhängigkeiten unterliegen sie? Daher stellt sich für diese Arbeit als zentrale Fragestellung: Welche zentralen Gütekriterien sind relevant und im Rahmen von beruflichen Abschlussprüfungen zu erfüllen, um berufliche Handlungsfähigkeit bzw. Handlungskompetenz gültig erfassen zu können?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Grundlegungen zu dieser Arbeit

1.1 Einleitung

1.2 Begriffsbestimmung

1.3 Methodisches Vorgehen

2 Diskussion zur Qualität kompetenzorientierter Berufsabschlussprüfungen

2.1 Bedeutung der Abschlussprüfung in der dualen Berufsausbildung

2.2 Zur Problematik der Erfassung beruflicher Handlungskompetenz

2.3 Darstellung zentraler Gütekriterien für berufliche Abschlussprüfungen

2.3.1 Diagnostische Gütekriterien

2.3.2 Konzeptionelle Gütekriterien

2.4 Diskussion zu Interdependenzen und Abhängigkeiten zentraler Gütekriterien

2.4.1 Zum Spannungsfeld zwischen Validität und Objektivität

2.4.2 Validität der Prüfung und curriculare Ausbildungsziele

2.4.3 Die vollständige Handlung in kompetenzorientierten Prüfungen

2.4.4 Zur Problematik authentisch situierter Aufgaben

2.5 Dominierende Ansprüche: Validität und Handlungs- und Prozessorientierung

3 Zentrale Gütekriterien in kompetenzorientierten Abschlussprüfungen – eine Analyse am Beispiel der 'Arbeitsprobe' im Ausbildungsberuf Augenoptiker/in

3.1 Darstellung der gegenwärtigen Prüfungspraxis

3.2 Prüfungsgegenstand und Ausbildungsberufsbild

3.3 Zur Berücksichtigung zentraler Gütekriterien

3.3.1 Zur Testgenauigkeit der Prüfungskonzeption

3.3.2 Handlungs- und prozessorientierte Aufgabenkonzeption

3.3.3 Authentisch situierte Aufgabengestaltung

3.4 Berufliche Handlungskompetenz valide erfasst (?)

4 Fazit und Perspektive

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Qualitätsansprüche bei der Gestaltung kompetenzorientierter Berufsabschlussprüfungen im dualen System. Dabei analysiert die Arbeit kritisch, wie berufliche Handlungskompetenz in Abschlussprüfungen valide erfasst und zertifiziert werden kann, wobei die Forschungsfrage nach den relevanten zentralen Gütekriterien für eine solche Prüfungskonzeption im Mittelpunkt steht.

  • Grundlagen der beruflichen Handlungskompetenz
  • Qualitätsansprüche an kompetenzorientierte Abschlussprüfungen
  • Analyse zentraler Gütekriterien wie Validität, Objektivität und Reliabilität
  • Methodische Gestaltung von Arbeitsproben am Beispiel des Augenoptikers
  • Interdependenzen zwischen curricularen Vorgaben und Prüfungspraxis

Auszug aus dem Buch

Einleitung

'Allerdings machen die Noten der Gesellenprüfung keine Aussagen über Ihre Fähigkeiten im Beruf.' Sicherlich als Trost für die nach Noten weniger erfolgreichen Prüfungsteilnehmer gedacht, wurde diese Aussage vor 15 Jahren im Rahmen meiner 'Lossprechungsfeier' vom Vorsitzenden der Prüfungskommission konstatiert.

Seitdem erfolgte die Verankerung der „beruflichen Handlungsfähigkeit“ als Ziel der Berufsausbildung im Berufsbildungsgesetz (BBiG), sowie die Neuordnung der Verordnungen über die Berufsausbildung (Ausbildungsordnungen), auch hinsichtlich ihrer Gestaltungsvorgaben für die Abschlussprüfung (vgl. Kap. 2.4.2). Daher könnte bis dato eine Klärung oder zumindest eine Verbesserung der angesprochenen Problematik erwartet werden. Obwohl potentielle Arbeitgeber, laut einer Erhebung, aus den Prüfungsnoten weder eine hohe Aussagekraft über die berufliche Leistungsfähigkeit der Absolventen, noch eine Prognose für deren beruflichen Erfolg erwarten, besteht aus Sicht der Berufstätigkeit dennoch die Forderung nach einer prognostischen Funktion der Prüfungsergebnisse hinsichtlich der beruflichen Kompetenz der Absolventen (vgl. Kap. 2.1). Denn, was ist naheliegender, als vom Ergebnis der Abschlussprüfung Aussagen über die beruflichen Fähigkeiten der Absolventen zu erwarten?

Die Erhebung der Handlungskompetenz zum Leitbild in der beruflichen Bildung, der vielzitierte „kompetenzorientierte Wandel“, ist im Wesentlichen als Reaktion auf grundlegend gewandelte berufliche Anforderungen entstanden. Die vielfältigen Änderungen in beruflichen Strukturen und Prozessen, z. B. gesellschaftliche Individualisierung, Globalisierung und der Trend zur Informationsgesellschaft, die sich vereinfacht unter dem Schlagwort „Abkehr vom Taylorismus“ sammeln lassen, erfordern von den Berufstätigen mehr als fachspezifische Kenntnisse und Fertigkeiten. Vielmehr wird in gleichem Maße wie arbeitsplatzbezogene und anweisungsabhängige Tätigkeiten abnehmen, arbeitsprozessbezogenes Wissen und die Fähigkeit unvorhersehbare Probleme zu lösen, wichtiger.

Zusammenfassung der Kapitel

Grundlegungen zu dieser Arbeit: Einführung in die Thematik der kompetenzorientierten Ausbildung und Definition der zentralen Begriffe sowie der methodischen Vorgehensweise.

Diskussion zur Qualität kompetenzorientierter Berufsabschlussprüfungen: Theoretische Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Abschlussprüfung und Diskussion zentraler Gütekriterien in einem kompetenzorientierten Rahmen.

Zentrale Gütekriterien in kompetenzorientierten Abschlussprüfungen – eine Analyse am Beispiel der 'Arbeitsprobe' im Ausbildungsberuf Augenoptiker/in: Praktische Anwendung und kritische Illustration der theoretischen Erkenntnisse anhand der spezifischen Prüfungssituation der Augenoptiker.

Fazit und Perspektive: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Gestaltung von Berufsprüfungen.

Schlüsselwörter

Berufliche Handlungskompetenz, duales System, Abschlussprüfung, Gütekriterien, Validität, Objektivität, Reliabilität, Arbeitsprobe, Augenoptiker, Kompetenzorientierung, Prüfungskonzeption, Berufsausbildung, Handlungsfähigkeit, Handlungsorientierung, Prozessorientierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den Anforderungen an kompetenzorientierte Abschlussprüfungen im dualen Ausbildungssystem und wie diese qualitativ hochwertig gestaltet werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Konzept der beruflichen Handlungskompetenz, die Anwendung klassischer und konzeptioneller Gütekriterien sowie deren Umsetzung in realen Prüfungssituationen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die zentralen Gütekriterien zu identifizieren, die für eine valide Erfassung beruflicher Handlungskompetenz in Abschlussprüfungen relevant sind.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit nutzt ein hermeneutisches Vorgehen, kombiniert mit einer qualitativen Inhaltsanalyse der Ordnungsmittelebene und der Prüfungspraxis.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine theoretische Diskussion der Gütekriterien sowie eine beispielhafte Analyse der 'Arbeitsprobe' im Beruf des Augenoptikers.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind berufliche Handlungskompetenz, Gütekriterien, Validität, Kompetenzorientierung und Prüfungskonzeption.

Warum wurde ausgerechnet der Beruf des Augenoptikers als Beispiel gewählt?

Die Wahl fiel auf diesen Beruf, da die 'Arbeitsprobe' hier eine spezifische, neue Form der kompetenzorientierten Prüfung darstellt, die sich gut zur Illustration der theoretischen Problematik eignet.

Welche Rolle spielt die 'Arbeitsprobe' in der Prüfung?

Sie wird als situierte Aufgabe genutzt, um handlungs- und prozessorientierte Fähigkeiten der Absolventen in einer berufsnahen Situation abzubilden.

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Details

Title
Ansprüche und Problematik kompetenzorientierter Abschlussprüfungen im dualen System der Berufsausbildung
Subtitle
Eine Analyse am Beispiel des Ausbildungsberufes Augenoptiker/in
College
University of Osnabrück  (Berufs- und Wirtschaftspädagogik)
Course
Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Grade
1,7
Author
Ines Triphaus-Giere (Author)
Publication Year
2010
Pages
65
Catalog Number
V210318
ISBN (eBook)
9783656396697
ISBN (Book)
9783656398073
Language
German
Tags
ansprüche problematik abschlussprüfungen system berufsausbildung eine analyse beispiel ausbildungsberufes augenoptiker/in
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ines Triphaus-Giere (Author), 2010, Ansprüche und Problematik kompetenzorientierter Abschlussprüfungen im dualen System der Berufsausbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210318
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