Der touristische Reisemarkt, welcher in Deutschland seit dem Aufkommen des Massentourismus in den 50er Jahren stetig anwächst, ist ein dynamischer Markt von immenser wirtschaftlicher Bedeutung. Vor allem in Anbetracht seiner ansteigenden Komplexität sowie der zunehmenden Differenzierung der einzelnen Marktsegmente ist eine wissenschaftliche Erforschung der Dynamik dieses Marktes unabdingbar. Dies geschieht insbesondere auf Grundlage von statistischen Erfassungen. Daher wird im Folgenden zunächst ein Überblick über das Angebot und mögliche Problematiken von Statistiken zum touristischen Reisemarkt gegeben, bevor die spezielle Statistik „Reiseanalyse“ der FUR eingehender beleuchtet wird.
Allgemein verfolgen Tourismusstatistiken bei der Datenerhebung das Ziel, Prozesse des touristischen Marktgeschehens zu analysieren, Informationen für Entscheidungen touristischer Leistungsträger zu gewinnen sowie neue Entwicklungen zu erkennen. Dadurch können Chancen und Problemen rechtzeitig erkannt werden und Konsequenzen für die Praxis abgleitet werden. Insbesondere die Akteure der Angebotsseite haben also einen ständigen Bedarf an Informationen, um konkurrenzfähig zu bleiben und nachhaltige Strategien zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Statistiken zum touristischen Reisemarkt
2. Die Reiseanalyse
2.1 Geschichtliche Entwicklung und Zielsetzung
2.2 Methodik
2.3 Aufbau und Inhalt der Reiseanalyse
2.4 Kunden
2.5 Stärken und Schwächen
3. Fazit / zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten
Zielsetzung & Themen der Analyse
Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Untersuchung der „Reiseanalyse“ (RA) der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR). Das Hauptziel besteht darin, die methodischen Grundlagen, die inhaltliche Struktur sowie die Stärken und Schwächen dieser nichtamtlichen Tourismusstatistik wissenschaftlich einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.
- Historischer Hintergrund und Zielsetzungen der Reiseanalyse
- Methodische Vorgehensweise bei der Datenerhebung
- Aufbau des Grundprogramms und ergänzende Modulinhalte
- Stärken-Schwächen-Analyse der qualitativen und quantitativen Datenerfassung
- Perspektiven und Risiken einer zunehmenden Verlagerung auf Online-Befragungen
Auszug aus dem Buch
2.2 Methodik
Zunächst ist für den Umgang mit den Ergebnissen – insbesondere vor dem Hintergrund der bereits erläuterten unterschiedlichen Erhebungskonzepte - wichtig, wie der weite Begriff der „Reise“ von der FUR definiert wird und welche Arten von Reisen in der RA eingehender betrachtet werden. Allgemein definiert die FUR Tourismus als „Reisen mit mindestens einer Übernachtung“ (siehe Abb. 4). Unter „Urlaubsreise“ werden in der RA lediglich Reisen aufgenommen, die der Erholung und dem Vergnügen dienen. Damit fallen sowohl geschäftliche Reisen, als auch Verwandtenbesuche, welche nicht den genannten Motiven entsprechen, aus der Betrachtung heraus (Winkler 2012). Hier liegt es also stark im Ermessen des Befragten, ob ein Verwandtenbesuch als Urlaubsreise im Sinne der RA eingeordnet wird, oder andere Motive wie die Erfüllung familiärer Verpflichtungen (beispielsweise Besuch eines pflegebedürftigen Verwandten oder Trauerfälle) entscheidend waren.
Im diesem Fall ist es allerdings fraglich, ob die Definition der Reisen nach Motiven in den Fragestellungen tatsächlich deutlich werden, sowie zweitens ob die Befragten eher negativ behaftete Motive im Interview offen angeben würden. Eine einheitliche Einordnung der Verwandten- und Bekanntenbesuche ist mithilfe dieser Definitionen also nicht möglich. Auch Kururlaube, welche ausschließlich der Gesundheit dienen, fallen nicht unter Urlaubsreise, sondern unter „sonstige Reisen“ (vgl. Aderhold 2011, S.3). Allerdings kann bei den Urlaubsreisen als Motiv auch „etwas für die Gesundheit tun“ (Aderhold 2011, S.104) genannt werden. Somit liegt es auch hier im persönlichen Ermessen des Interviewten, ob die Gesundheit als dominierender Reisezweck angesehen wird, oder als ein Motiv neben anderen. Im Fokus der RA stehen jedoch hauptsächlich die Urlaubsreisen mit einer Dauer von mindestens fünf Tagen. Daneben werden auch Kurzreisen mit einer Dauer von 2 bis 4 Tagen betrachtet, wie in der folgenden Abbildung veranschaulicht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Statistiken zum touristischen Reisemarkt: Das Kapitel bietet einen Überblick über die Bedeutung statistischer Erfassungen im dynamischen Reisemarkt und stellt die Notwendigkeit von Daten für die strategische Planung touristischer Akteure dar.
2. Die Reiseanalyse: Dieses Kernkapitel beleuchtet die Entstehung, die methodischen Standards sowie die inhaltliche Ausgestaltung der Reiseanalyse und analysiert deren Nutzen für die Marktbeobachtung.
3. Fazit / zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten: Der abschließende Teil bewertet die Reiseanalyse kritisch und diskutiert die Chancen sowie methodischen Risiken einer zunehmenden Digitalisierung der Datenerhebung.
Schlüsselwörter
Reiseanalyse, Tourismusstatistik, FUR, Reisemarkt, Datenerhebung, Marktforschung, Urlaubsverhalten, Methodik, Qualitatives Forschungsprogramm, Online-Befragung, Reiseintensität, Tourismusbranche, Sekundärstatistiken, Bevölkerungsrepräsentativität, Kundenorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die „Reiseanalyse“ (RA), eine zentrale nichtamtliche Statistik zum Urlaubsverhalten der deutschen Bevölkerung, und untersucht deren wissenschaftliche Relevanz und methodische Qualität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Fundierung, dem Aufbau der Befragungsmodule (Grundprogramm und Spezialmodule), der Zielgruppenorientierung sowie einer differenzierten Stärken-Schwächen-Analyse.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Reiseanalyse kritisch zu evaluieren und aufzuzeigen, wie verlässlich ihre Datenbasis ist und welchen Herausforderungen sich die Forschungsgemeinschaft durch neue Trends wie Online-Befragungen stellen muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Analyse und kritische Auseinandersetzung, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur, Berichten der FUR sowie tourismusgeographischen Grundmodellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der historischen Entwicklung, den Erhebungsmethoden (Face-to-Face versus Online), den Kundenstrukturen der Reiseanalyse sowie einer detaillierten Bewertung der qualitativen und quantitativen Erkenntnismöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Reiseanalyse, Marktforschung, Tourismusstatistik, Methodik und Urlaubsverhalten definieren.
Warum ist die Definition von "Reise" in der Analyse so problematisch?
Die Abgrenzung von Urlaubsreisen zu anderen Reisearten (z.B. Verwandtenbesuche oder geschäftliche Reisen) basiert teilweise auf den Motiven der Befragten, was zu subjektiven Verzerrungen und Interpretationsspielräumen führt.
Welche Risiken birgt die zunehmende Online-Erhebung für die Reiseanalyse?
Der Autor hinterfragt, ob durch den Wegfall der persönlichen Interviews die Qualitätskontrolle leidet und ob eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobenwahl bei rein internetbasierten Befragungen ohne institutionelle Steuerung weiterhin gewährleistet werden kann.
- Quote paper
- Stefanie Garstenauer (Author), 2012, Einführung in die Reiseanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210404