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Der Vertrag von Verdun 843. Quellenkritik und Einordnung in den zeithistorischen Kontext.

Title: Der Vertrag von Verdun 843. Quellenkritik und Einordnung in den zeithistorischen Kontext.

Term Paper , 2013 , 18 Pages

Autor:in: Justus Lindl (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Der Vertrag von Verdun, durch den das Reich der Karolinger 843 unter Brüdern drei geteilt wurde, genießt in der geschichtswissenschaftlichen Forschung längst besondere Beachtung. Rund 1000 Jahre später kann man leicht zum Beispiel die Gründungsstunde Frankreichs und Deutschlands auf dieses Ereignis
projizieren. Vor allem der vor 1950 vorherrschende Ansatz der politischen Geschichte fokussierte sich ja bekanntlich auf Ereignisse statt auf Prozesse. Seit den 1950er Jahren wird der Einfluss des Vertrags von Verdun in diesen Punkten relativiert. Nichtsdestotrotz erkennen Historiker die Vertragsschließung als epochales Ereignis an, das sinnbildlich für ein ganzes Jahrhundert steht, in dem Erbfolge und Einflussnahme der Reichsgroßen dominierende Themen waren, so Ganshof oder Classen. Glücklicherweise wissen wir aus verschiedenen zeitgenössischen Quellen von den Ereignissen vor,
während und nach der Vertragsschließung, zum Teil sehr ausführlich. Wie haben die zeitgenössischen Verfasser den Vertrag von Verdun bewertet? Erkannte man damals schon seine epochale Tragweite? Wie lässt sich die Vertragsschließung in das Erbrecht der Karolinger einordnen?
Um diesen Fragen nachzugehen, wage ich zuerst eine knappe Kritik der verfügbaren Quellen. Anschließend werde ich einen Überblick über Reichsteilungen im neunten Jahrhundert geben, in dem das karolingische Erbrecht und der Inhalt des Vertrags von Verdun eine große Rolle spielen. Zuletzt untersuche ich die zeitgenössischen Einschätzungen zum Vertrag.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Untersuchung

2.1 Quellenkritik

2.1.1 Nithard

2.1.2 Annales

2.2 Reichsteilungen im neunten Jahrhundert

2.2.1 Erbrecht der Karolinger

2.2.2 Von der Ordinatio imperii zum Vertrag von Verdun

2.3 Untersuchung der zeitgenössischen Einschätzungen

3 Zusammenfassung

4 Quellen- und Literaturverzeichnis

4.1 Gedruckte Quellen

4.2 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Vertrag von Verdun aus dem Jahr 843 unter besonderer Berücksichtigung zeitgenössischer Quellen, um die Bewertung dieses Ereignisses durch die Akteure selbst sowie seine Einbettung in das karolingische Erbrecht zu analysieren.

  • Kritische Analyse zeitgenössischer Quellen wie Nithard und verschiedener Annalen.
  • Untersuchung der karolingischen Nachfolgeregelungen und des Reichsteilungsgedankens.
  • Analyse der Rolle des Bruderkriegs und der politischen Hintergründe des Vertrags von Verdun.
  • Bewertung der subjektiven Wahrnehmung von Lothar I. im Vergleich zu seinen Brüdern Karl II. und Ludwig II.
  • Historische Einordnung des Vertrags als Wendepunkt zur dauerhaften Reichsteilung.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Nithard

Die ausführlichste und weitgehend wichtigste Quelle zum Zeitraum 840-843 haben wir Nithard zu verdanken. Dieser schrieb im Auftrag Karls II. die sogenannten Historiarum libri IIII, auch Historiae. Nithard selbst wurde um 800 geboren als Sohn von Angilbert, selbst Dichter und Gründer von Saint-Requier. Besonders hervorzuheben ist seine Mutter Bertha, die eine Tochter Karls des Großen ist. Als zwar illegitimer Enkel des großen Herrschers war er zeitlebens ein Verehrer Karls und seines Vermächtnisses.

Abgesehen von diesen Umständen entdecken wir Nithard erst nach dem Tod Ludwigs I. wieder, nämlich als Kombattant im Bruderkrieg ab 840. Seine schon familiär bedingte Nähe zum Königshof hat ihn tiefe Einblicke in die Geschehnisse des Bruderkriegs gewinnen lassen, wichtiger noch ein gutes Verständnis davon. So wundert es nicht, dass Karl II. ihn für würdig hält, diese Ereignisse für die Nachwelt zu schildern. Im Sommer 841 erhält er den Auftrag dazu. Bis zu seinem Tod 845 sollte er dieses Werk in vier Büchern verfassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung des Vertrags von Verdun als epochales Ereignis ein und definiert das Forschungsziel der Quellenkritik und Kontexterfassung.

2 Untersuchung: In diesem Hauptteil erfolgt die kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Berichten und die Herleitung des karolingischen Erbrechts sowie der konkreten historischen Umstände des Vertrags.

2.1 Quellenkritik: Hier werden die Werke Nithards sowie verschiedene Annalen hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit, Parteilichkeit und ihres Informationsgehalts analysiert.

2.1.1 Nithard: Untersuchung der Person Nithard, seiner Nähe zum westfränkischen Hof und der Ausrichtung seiner Historiarum libri IIII als pro-karolingische Quelle.

2.1.2 Annales: Analyse der Annales Fuldenses, Annales Xantenses und Annales Bertiani als komplementäre, teils anonyme Quellen zur offiziellen Geschichte des 9. Jahrhunderts.

2.2 Reichsteilungen im neunten Jahrhundert: Analyse der politischen Strukturen und der Bedeutung der Reichsteilungen innerhalb der Karolingerdynastie.

2.2.1 Erbrecht der Karolinger: Erläuterung der Verbindung zwischen rechtlichem Anspruch und politischer Durchsetzungsfähigkeit sowie der designativen Nachfolgepraxis.

2.2.2 Von der Ordinatio imperii zum Vertrag von Verdun: Darstellung des Scheiterns der Reichseinheit und der konkreten Entwicklung hin zur vertraglichen Teilung 843.

2.3 Untersuchung der zeitgenössischen Einschätzungen: Analyse der tendenziösen Darstellung der Brüder, wobei Lothar I. meist negativ und seine Brüder Karl II. und Ludwig II. positiv rezipiert wurden.

3 Zusammenfassung: Abschließende Einordnung des Vertrags von Verdun als Ende der karolingischen Reichseinheit und Beginn einer neuen Ära der territorialen Stabilität.

4 Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur zur historischen Kontextualisierung.

4.1 Gedruckte Quellen: Zusammenstellung der Quelleneditionen, insbesondere der Rau’schen Ausgaben zur karolingischen Reichsgeschichte.

4.2 Literatur: Alphabetisches Verzeichnis der Fachliteratur zu den Quellen und zum historischen Kontext.

Schlüsselwörter

Vertrag von Verdun, Karolinger, Nithard, Reichsteilung, Frühmittelalter, Bruderkrieg, Ordinatio imperii, Reichseinheit, Quellenkritik, Annalen, Lothar I., Karl II., Ludwig II., Historische Forschung, Erbrecht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Vertrag von Verdun aus dem Jahr 843, wobei der Fokus auf der quellenkritischen Untersuchung zeitgenössischer Aufzeichnungen und der Einordnung in den Kontext karolingischer Machtkämpfe liegt.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit behandelt schwerpunktmäßig die politische Geschichte der Karolinger, die Entwicklung des karolingischen Erbrechts und die spezifische Wahrnehmung der Teilung durch zeitgenössische Chronisten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, wie zeitgenössische Autoren den Vertrag von Verdun bewerteten und ob sie dessen epochale Tragweite bereits erkannten, während gleichzeitig die Einordnung in die dynastischen Erbfolgestreitigkeiten geprüft wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung herangezogen?

Die Arbeit stützt sich primär auf die quellenkritische Methode, bei der historische Texte auf ihre Entstehungsbedingungen, die Tendenz der Verfasser und ihren inhaltlichen Kontext hin untersucht werden.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Quellenkritik der Werke Nithards und verschiedener Annalen sowie in eine historische Analyse der Reichsteilungen, des Erbrechts und der spezifischen Bewertung von Lothar I. durch seine Zeitgenossen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit am besten charakterisieren?

Kernbegriffe sind Vertrag von Verdun, Karolinger, Reichsteilung, Nithard, Frühmittelalter, Erbfolgeregelungen und Quellenkritik.

Warum wird Nithard als besonders bedeutende Quelle für diesen Zeitraum eingestuft?

Nithard wird als bedeutend eingestuft, da er als Enkel Karls des Großen und enger Vertrauter Karls II. direkten Zugang zu politischen Informationen hatte und die Geschehnisse als Beteiligter aus erster Hand schildern konnte.

Wie unterscheidet sich die Bewertung Lothars I. in den Quellen von der seiner Brüder?

Während Lothar I. in den meisten Quellen als sündiger und hochmütiger Störer der Ordnung dargestellt wird, zeichnen dieselben Texte Karl II. und Ludwig II. als gottgefällige, einträchtige und barmherzige Herrscher.

Welche Rolle spielte die „Descriptio regni“ bei der Vertragsschließung?

Die „Descriptio regni“ war eine umfassende Reichszählung, die notwendig war, um die Gebiete der drei Söhne Ludwigs I. gerecht und nach politisch sinnvollen Gegebenheiten aufzuteilen.

Führt die Arbeit zu dem Schluss, dass der Vertrag von Verdun bereits als Ende der Karolingerzeit gesehen wurde?

Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Vertrag zwar das Ende der Reichseinheit markierte, aber gleichzeitig die Grundlage für die Entstehung dauerhafter Reiche legte, die noch lange Bestand haben sollten.

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Details

Title
Der Vertrag von Verdun 843. Quellenkritik und Einordnung in den zeithistorischen Kontext.
College
LMU Munich  (Historisches Seminar)
Course
Basiskurs - Die Karolinger
Author
Justus Lindl (Author)
Publication Year
2013
Pages
18
Catalog Number
V210528
ISBN (eBook)
9783656388067
ISBN (Book)
9783656388418
Language
German
Tags
Karolinger Vertrag verdun nithard lothar karl ludwig 843 annales
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Justus Lindl (Author), 2013, Der Vertrag von Verdun 843. Quellenkritik und Einordnung in den zeithistorischen Kontext., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210528
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