In unserer globalisierten Welt ist Mehrsprachigkeit die Regel und nicht mehr die Ausnahme. Mehrsprachigkeit wird zum Entscheidungsträger über soziale Integration und berufliche und ökonomische Chancen. Diese Arbeit fokussiert im ersten Kapitel die unterschiedlichen Formen von Mehrsprachigkeit und im zweiten und dritten Kapitel die Relevanz und Funktion von Mehrsprachigkeit in der Übersetzungspraxis. Im ersten Kapitel soll zunächst ein Überblick über die Erforschung der Mehrsprachigkeit und die dafür benötigten Teildisziplinen vermittelt werden. Schließlich werden die unterschiedlichen Formen hinsichtlich ihrer Terminologie und Position in der Mehrsprachigkeitsforschung erklärt und voneinander abgegrenzt. Im zweiten und dritten Kapitel werden vornehmlich Aspekte der Sprachanwendung untersucht. Relevant sind an dieser Stelle die Funktionsweisen des Wechsels zwischen den Sprachen (z.B. Code-Switching), der Transferkompetenz von Mehrsprachigen und sprachlicher Fehlleistungen wie z. B. der Interferenz.
Inhaltsverzeichnis
1. Formen von Mehrsprachigkeit
1.1 Gesellschaftliche Formen der Mehrsprachigkeit
2. Sprachanwendung bei Mehrsprachigen
2.1 Code Switching
2.1.1 Grammatikalische Aspekte des Code Switchings
2.1.2 Pragmatische Aspekte des Code Switchings
2.1.2.1 Problematik des pragmatischen Ansatzes
2.2 Interferenz
3. Mehrsprachigkeit in der Übersetzungspraxis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die komplexen Formen und Auswirkungen von gesellschaftlicher sowie individueller Mehrsprachigkeit und analysiert deren spezifische Relevanz für die professionelle Übersetzungspraxis unter Berücksichtigung kognitiver und linguistischer Faktoren.
- Differenzierung zwischen gesellschaftlicher und individueller Mehrsprachigkeit
- Mechanismen und Funktionen des Sprachwechsels (Code Switching)
- Phänomene der Interferenz und sprachlicher Fehleranalyse
- Kognitive Anforderungen in der schriftlichen und mündlichen Übersetzung
- Konzepte der Äquivalenz in der Translation
Auszug aus dem Buch
1.1 Gesellschaftliche Formen der Mehrsprachigkeit
Von „gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit“ kann gesprochen werden, wenn in einer Gesellschaft zwei oder mehr Sprachen gesprochen werden. Appel und Muysken unterteilten diese Form der Mehrsprachigkeit in drei Szenarien:
SZ 1: Zwei monolinguale Gesellschaften, in der nur wenige Individuen die gruppenübergreifende Kommunikation bewerkstelligen. Dies war früher vor allem in Kolonien, ist jedoch noch heute in der Kommunikation mit einigen Naturvölkern der Fall.
SZ 2: Alle Mitglieder der Gesellschaft sind mehrsprachig. So wie dies in vielen afrikanischen Ländern und in Indien der Fall ist.
SZ 3: Eine Gruppe ist monolingual und eine oder mehrere weitere Gruppen mehrsprachig. Die Verfasser verweisen jedoch selbst darauf, dass diese Szenarien nicht in reiner Form in der linguistischen Realität erscheinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Formen von Mehrsprachigkeit: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Abgrenzung zwischen gesellschaftlicher und individueller Mehrsprachigkeit und klassifiziert verschiedene Szenarien des Sprachgebrauchs in multilingualen Gesellschaften.
2. Sprachanwendung bei Mehrsprachigen: Dieser Abschnitt analysiert die linguistischen Mechanismen des Code Switchings auf grammatikalischer und pragmatischer Ebene sowie die auftretenden Interferenzen beim Erwerb und der Anwendung von Zweitsprachen.
3. Mehrsprachigkeit in der Übersetzungspraxis: Das letzte Hauptkapitel beleuchtet die kognitiven Herausforderungen der schriftlichen und simultanen Übersetzung und diskutiert verschiedene Äquivalenzkonzepte zur Sicherung der Informationsübermittlung.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Zweitspracherwerb, Code Switching, Interferenz, Übersetzungspraxis, Dolmetschen, Linguistik, Soziolinguistik, Äquivalenz, Semilingualismus, kognitive Flexibilität, Sprachkontakt, Sprachverarbeitung, Sprachpolitik, Sprachvarietät
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition, Kategorisierung und den Auswirkungen von Mehrsprachigkeit sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene und überträgt diese Erkenntnisse auf die Anforderungen der professionellen Übersetzungspraxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Klassifikation von Mehrsprachigkeit, linguistische Aspekte des Sprachwechsels, Fehlermodelle wie Interferenz sowie die psychologischen Anforderungen beim Dolmetschen und Übersetzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Mehrsprachigkeitsforschung zu geben, die Relevanz der gewonnenen Erkenntnisse für die Übersetzungspraxis aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer disziplinenübergreifenden Zusammenarbeit zur Überwindung von Sprachbarrieren hervorzuheben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Literaturanalyse, um existierende Theorien und Klassifikationen von Fachgrößen wie Hamers, Blanc, Romaine und Poplack zusammenzuführen und auf ihre praktische Relevanz zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Mehrsprachigkeitsformen, eine detaillierte Analyse von Code Switching und Interferenz sowie die Evaluation der kognitiven Prozesse bei der schriftlichen und mündlichen Translation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Code Switching, Interferenz, Äquivalenz, Sprachkontakt, Semilingualismus sowie die kognitive Organisation von Mehrsprachigkeit.
Warum unterscheidet der Autor zwischen „additiver“ und „subtraktiver“ Mehrsprachigkeit?
Diese Unterscheidung ist zentral, um die Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung von Kindern zu verdeutlichen: Während additive Mehrsprachigkeit die Flexibilität fördert, kann subtraktive Mehrsprachigkeit bei Vernachlässigung der Erstsprache zu Defiziten führen.
Welche Rolle spielen „Sprechpausen“ bei der simultanen Übersetzung?
Sprechpausen dienen dem Dolmetscher nicht der Erholung, sondern stellen eine zusätzliche Anforderung dar, da der eigene Sprechrhythmus aktiv an den des Quellsprachigen angepasst werden muss.
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- MA Guido Maiwald (Author), 2006, Gesellschaftliche und individuelle Mehrsprachigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210559