Nabucco und russischer New Imperialism: Kontroverse in Ungarn wegen einer Gaspipeline für europäische Staaten


Essay, 2013

3 Seiten


Leseprobe

Nabucco - Ein Gordischer Knoten der europäischen Energiepolitik?

Eine Gaspipeline für europäische Staaten führt zur Kontroverse in Ungarn

Im Kontrast zur beliebten gleichnamigen Oper von Verdi verkommt das dadurch bekannte Nabucco-Projekt schleichend zum Synonym einer ständigen Berg- und Talfahrt. Aus diesem Grund richtete der frühere ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurscany den Posten eines Nabucco-Botschafters ein. Während eben dieser Diplomat Mihály Bayer nun nach beinahe zwei Jahren eine positive Bilanz zieht, mehren sich in anderen Kreisen - zumindest unter alljenen, die das Risko einer Diffamierung durch die Schreibe der gelenkten Presse Ungarns nicht scheuen - allerhand gerechtfertigte Zweifel.

Die sachliche Kühle, die der Nabucco-Botschafter im Interview an einem frostigen Januarmontag in Budapest ausstrahlte, resultiert aus seiner Erfahrung im Umgang mit dem nicht nur in Ungarn höchst umstrittenen Projekt. Bayer, der seiner Ansicht nach in keinerlei Weise abhängig vom Wohlwollen der momentanen oder irgendeiner zukünftigen Regierungspartei ist, gab mir dement­sprechend auch ohne Nachfrage meinerseits gut gefilterte Auskünfte über das von der Europäischen Union mitfinanzierte und 2002 eingerichtete Nabucco-Projekt, womit eine Diversifikation der Gasversorgung für bestimmte EU-Staaten angestrebt wird. Entgegen dem offiziellen Sprachge­brauch der ungarischen Regierung, die die von den Russen geplante South Stream-Pipeline und Nabucco stets als sich ergänzende Projekte bezeichnet, distanziert sich der ungarische Nabucco- Beauftragte stark vom russischen Projekt. Schließlich besitze Nabucco einen enormen Vorsprung vor South Stream, weil vorhandene Machbarkeitssudien bereits die Planung der zu bebauenden Pipeline-Route erlauben, wobei das russische Konkurrenzprojekt nur auf dem Zeichenbrett existiert, so Bayer. Weniger überaschend allerdings die Äußerung Bayers, wonach Aserbaidschan ein überaus sicherer Vertragspartner und vorerst der Hauptgaslieferant für die 3300km lange Pipeline ist. Dies ersetzt aber keine weiteren Verhandlungen mit potentiellen Lieferländern wie Ägypten und dem Irak, da eine Auslastung der Pipelinekapazität dadurch wahrscheinlicher werde.

Ebenso vorstellbar sei Turkmenistan als weiterer Gaslieferant. Denn der zentralasiatische Wüsten­staat unterschrieb im Sommer 2009 nicht nur ein Abkommen mit dem deutschen RWE-Konzern über Förderrechte im Kaspischen Meer, sondern bekundete gleichzeitig sein Interesse an Nabucco. Demzufolge suchen nicht nur einige besonders abhängige Länder Europas nach Alternativen zum russischen Gas. Sogar Turkmenistan erlitt wenige Monate nach der europäischen Gaskrise im Zuge einer auf technisches Versagen der Russen zurückgeführten Explosion der Gaspipeline schwere wirtschaftliche Verluste.

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Details

Titel
Nabucco und russischer New Imperialism: Kontroverse in Ungarn wegen einer Gaspipeline für europäische Staaten
Autor
Jahr
2013
Seiten
3
Katalognummer
V210652
ISBN (eBook)
9783656384953
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nabucco, imperialism, kontroverse, ungarn, gaspipeline, staaten
Arbeit zitieren
M.A. Susann Grune (Autor), 2013, Nabucco und russischer New Imperialism: Kontroverse in Ungarn wegen einer Gaspipeline für europäische Staaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210652

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