Christen in China
Mit dieser Arbeit soll ein genauerer Blick in die ostasiatische Kultur, besonders in die Religion gewagt werden. Der Analyserahmen beschränkt sich einerseits auf die Anfänge des Christentums und auf die Situation der Katholiken und Protestanten seit der Kulturrevolution, weil erst nach
diesen Jahren, also von 1966 bis 1976, die Religionsausübung wieder erlaubt wurde. Andererseits soll Bezug genommen werden auf die Interaktion zwischen Staatspartei mit den gegründeten patriotischen Kirchenvereinigungen im Rahmen der aktuellen Religionspolitik Chinas, wobei diese Politik hinsichtlich der Religionsfreiheit im letzten Abschnitt detaillierter thematisiert wird.
Nicht ganz zufällig handelt es sich, um ein brisantes und an Aktualität kaum zu übertreffendes Thema. Schließlich sprach unlängst sogar die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in China von unveräußerlichen Werten, die der freien Entfaltung des eigenen Charakters nützen – den Menschenrechten – worunter das Recht auf Meinungsäußerung ebenso wie die Religionsfreiheit
fallen.1 Außerdem sollte die minimale Anzahl der Christen an der dortigen Gesamtbevölkerung nicht über deren potentielle Macht hinwegtäuschen. Das Christentum ist immerhin die größte Religion der Welt. Aus diesem Grund ist die Kenntnis chinesisch-politischer Handlungsmuster hilfreich, um die Hintergründe christlichen Lebens zu verstehen, wodurch sich Wege ebnen, die
kulturell bedingte Konflikte durch gegenseitiges respektvolles Handeln entspannen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Christen in China
2. Erste Missionen des Christentums in China
2.1. Umgang mit dem Christentum seit Gründung der Volksrepublik China
2.2. Die katholische Kirche in China nach Mao
2.3. Die protestantische Kirche in China nach Mao
3. Die politische Sicht Chinas auf die Religion
4. Glaubensfreiheit als sekundäres Menschenrecht in China?
5. Ein anderer Dialog
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Situation des Christentums in der Volksrepublik China nach der Kulturrevolution, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Spannungsfeld zwischen der staatlich verordneten Religionspolitik und der Ausübung des Glaubens. Die Forschungsfrage widmet sich dabei der Frage, wie religiöse Identität und staatliche Kontrolle in einem System interagieren, das Religion primär unter ideologischen Gesichtspunkten betrachtet.
- Historische Entwicklung der christlichen Missionen in China
- Staatliche Religionspolitik und die Rolle patriotischer Kirchenvereinigungen
- Der Konflikt zwischen staatlicher Ideologie und individueller Glaubensfreiheit
- Die Instrumentalisierung von Religion innerhalb des sozialistischen Systems
- Interkulturelle Verständigung und Menschenrechte im chinesischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2. Erste Missionen des Christentums in China
Die Darstellung der Anfänge christlicher Missionen, die sich in diesem Abschnitt knapp nach historischen Gesichtspunkten richten soll, dient in erster Linie dem späteren Zugang zur Thematik 'Christen in China im nachmaoistischen Zeitalter'.
Das erste Auftreten des Christentums wird auf den nestorianischen Mönch Alopen zurückgeführt. Dieser Perser brachte die Lehre von der heiligen Schrift – auch als 'Leuchtende Lehre' bezeichnet – im Jahr 635 nach China. Dabei schlugen ihm Sympathien von den ersten Tang-Kaisern entgegen, diese überbrachten nämlich 744 nach Christus den Nestorianerklöstern selbst geschriebene Stirntafeln, wodurch die christliche Religion erste staatliche Legitimation erhielt.
Erst 500 Jahre später, im Jahr 1294 zurzeit der Mongolenherrschaft in der Yuan-Dynastie, wurden erstmalig Christen der östlichen Kirchen im Reich der Mitte gesichtet. Der Franziskaner Johannes von Montecorvino wurde als Abgesandter des Papstes nach Peking geschickt. Für diese Mission gab es viele Motive, wobei den ersten Katholiken besonders wichtig war, die vordrängenden Mongolen kennenzulernen und sie für das Christentum zu gewinnen. Die Toleranz gegenüber der neuen Religion begünstigte den ersten Kirchenbau und die Taufe tausender Personen, die meistens Kinder waren. 1307 wird dann der einstige Abgesandte des Papstes von diesem zum Erzbischof von Peking (Khanbalik) berufen, wodurch in Städten der Südostküste katholische Gemeinden entstanden, was zusätzliche Missionare ins Land trieb.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Christen in China: Einleitung in das Thema, welche die Relevanz des Christentums trotz seiner Minderheitenposition in China beleuchtet und den Untersuchungsrahmen absteckt.
2. Erste Missionen des Christentums in China: Historischer Rückblick auf die frühen Phasen der christlichen Missionierung von der Tang-Dynastie bis zur Inkulturation durch Matteo Ricci.
2.1. Umgang mit dem Christentum seit Gründung der Volksrepublik China: Analyse der restriktiven Maßnahmen der Kommunistischen Partei gegenüber religiösen Gruppen und der Etablierung des Staatskults nach 1949.
2.2. Die katholische Kirche in China nach Mao: Untersuchung der spezifischen Herausforderungen des Katholizismus, insbesondere des Loyalitätskonflikts zwischen dem Vatikan und der staatlich kontrollierten Patriotischen Vereinigung.
2.3. Die protestantische Kirche in China nach Mao: Betrachtung des Wachstums protestantischer Gemeinden sowie der Dynamik von Hauskirchen und der Anpassung an die Drei-Selbst-Prinzipien.
3. Die politische Sicht Chinas auf die Religion: Erläuterung der ideologischen Einordnung von Religion als soziale Ideologie im chinesischen Staatsverständnis und der daraus resultierenden Kontrollmechanismen.
4. Glaubensfreiheit als sekundäres Menschenrecht in China?: Kritische Auseinandersetzung mit dem chinesischen Rechtsverständnis, in dem Kollektivrechte und soziale Gerechtigkeit Vorrang vor westlich geprägten Individualrechten genießen.
5. Ein anderer Dialog: Resümee, das für einen interkulturellen und differenzierten Dialog zwischen West und Ost plädiert, um Vorurteile abzubauen und langfristige Lösungen für das Spannungsfeld Religion und Politik zu finden.
Schlüsselwörter
Christentum, China, Religionspolitik, Glaubensfreiheit, Kommunistische Partei, Patriotische Vereinigung, Untergrundkirche, Mission, Konfuzianismus, Menschenrechte, Drei-Selbst-Prinzipien, Inkulturation, Sozialismus, Interkultureller Dialog, Religionsfreiheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die politische Doktrin der Religionsfreiheit in China seit der Kulturrevolution und analysiert das ambivalente Verhältnis zwischen dem chinesischen Staat und den christlichen Konfessionen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der Mission, der staatlichen Kontrolle über katholische und protestantische Kirchen sowie der philosophisch-rechtlichen Einordnung von Religionsfreiheit als Menschenrecht in China.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die chinesisch-politischen Handlungsmuster zu entwickeln, um zu verstehen, warum Religionsfreiheit im chinesischen Kontext oft nur als sekundäres Menschenrecht untergeordnet wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine systematische Literatur- und Quellenanalyse, die auf historischen Fakten, politischen Dokumenten und dem aktuellen Forschungsstand zu Religionsfragen in der Volksrepublik China basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Anfänge, die Entwicklung der katholischen und protestantischen Kirche nach Mao, die Analyse der politischen Sicht Chinas auf Religion sowie eine kritische Reflexion des Menschenrechtsbegriffs.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?
Zentrale Begriffe sind der "geistige Anker" (Jingschen Jituo), Patriotische Vereinigungen, das "Dokument 19", der chinesische Staatskult sowie der Dialog zwischen westlichen Werten und chinesischer Tradition.
Warum wird der Vatikan in der Arbeit thematisiert?
Der Vatikan steht im Zentrum, da die katholische Kirche in China aufgrund des Konflikts zwischen der staatlich erzwungenen Loyalität zur Patriotischen Vereinigung und der Treue zum Papst eine weltweit einzigartige und schwierige Position einnimmt.
Was bedeutet das "Drei-Selbst-Prinzip"?
Die Drei-Selbst-Prinzipien (Selbstverwaltung, Selbstgestaltung, Selbstunterhaltung) sind Vorgaben des chinesischen Staates an die Kirchen, um eine Autonomie von ausländischen Einflüssen zu erzwingen und die Kirchen in das sozialistische System zu integrieren.
Wie bewertet die Autorin die Aussichten auf Religionsfreiheit in China?
Die Autorin ist skeptisch, dass sich der Glaube kurzfristig aus den Zwängen der Politik lösen kann, schlägt jedoch einen differenzierten, interkulturellen Dialog vor, um das gegenseitige Verständnis langfristig zu fördern.
- Arbeit zitieren
- M.A. Susann Grune (Autor:in), 2007, Christentum in China: Die politische Doktrin der Religionsfreiheit seit der Kulturrevolution, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210660