„´Lügengespinst´ handelt von zwei Familien, die zerstritten sind und sich gegenseitig bekriegen. Die eine Familie lebt in Kalifornien, ist vaterlos und
matriarchalisch. Die andere ist nomadisch, aus Montana und patriarchalisch.
Die Kalifornier sind Farmer, die anderen Jäger. Sam Shepards Theaterstück
ist aber nicht nur eine Geschichte über Klassenrivalitäten, sondern vielmehr
eine über unterschwellige häusliche Gewalt, die Zerstörung kindlicher,
geschwisterlicher und ehelicher Beziehungen – und über die Liebe, die nach
dem natürlichen Verlauf der Verwüstung noch übriggeblieben ist“ (Vorwort von Michael Schindlbeck in: Sam Shepard, Lügengespinst)
Martin Schindlbeck gelingt es, in nur wenigen Zeilen Sam Shepards vielschichtiges
Drama „A lie of the mind“ zusammenzufassen. Ich möchte bei meiner Betrachtung von dem
Liebespaar ausgehen, dass sich aus diesen zwei Familien gefunden hat. Jake und Beth haben
geheiratet und sind zusammengezogen. „A lie of the mind“ zeigt den Tiefpunkt dieser Ehe.
Jake hat seine Frau Beth geschlagen! - tot geschlagen? Eifersucht und Raserei - Einbildung,
nicht Beweise trieben ihn zu der Gewalttat, die den Ausgangspunkt für die Dramenhandlung
bildet. Die geschundenen Kinder werden nach Hause geholt. Nun eröffnen sich Bilder,
Hintergründe und Vergangenheit der Liebenden und ihrer Familien.
Sam Shepards Dramentitel „A lie of the mind“ lässt ein „sorgfältig durchdachtes
Gedankenwerk“2 vermuten, folgt man der Definition des deutschen Titels
„Lügengespinst“ gilt es ein „System von Lügen“3 aufzudecken.
Beim Lesen des Dramas richtete sich mein Augenmerk von der Figurenanalyse, über
die Genderdarstellung und die Symbolik, bis mich letztendlich die Formen der
Transformation anhaltend beschäftigten. Dieses Stilmittel, das Shepard in seinen Plot einbaut,
scheint mir die Quelle zum Verständnis des Realitätsbewusstseins der Figuren im Drama zu
sein, wodurch auch eine Verbindung zum Titel deutlich würde.
Da der Transformationsvorgang von jeder einzelnen Figur den Umfang meiner
Untersuchung sprengen, die Betrachtung von nur einer Figur hingegen, die Komplexität des
Stückes verbergen würde, habe ich verschiedene Motive aus dem Drama ausgewählt, anhand
derer ich Beispiele für Transformation untersuchen möchte. Dabei werde ich versuchen die
Ursache herauszustellen sowie die Form, Auswirkungen und Folgen festzuhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Transformation
3. Transformation im Motiv: LIEBE
4. Transformation im Motiv: TOD
5. Transformation im Motiv: MACHT
6. Transformation im Motiv: GEWALT
7. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtige Thematik der Transformation in Sam Shepards Theaterstück „A lie of the mind“. Dabei wird analysiert, wie die Figuren durch Realitätsverschiebungen und Rollenwechsel versuchen, ihre Identität zu konstruieren oder zu bewahren, und wie diese Prozesse die Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen beeinflussen.
- Analyse der Transformation als Stilmittel im dramatischen Kontext.
- Untersuchung der Realitätswahrnehmung der Charaktere durch verschiedene Motive.
- Deutung der Motive Liebe, Tod, Macht und Gewalt als Auslöser für Wandlungsprozesse.
- Hinterfragung der Grenze zwischen Selbsttäuschung und Selbsterkenntnis der Figuren.
Auszug aus dem Buch
Transformation im Motiv: GEWALT
Gewalt ist ein zentrales Motiv in „A lie of the mind“. Physische Gewalt innerhalb der Familie, zwischen dem Ehepaar Jake und Beth, wird unverhüllt anhand von Beths Verstümmelung präsentiert. Psychische Gewalt zeigt sich in Form von Knechtschaft zwischen Meg und Baylor, Missachtung Sallys durch Lorraine und letztendlich in Form von Erniedrigung im Racheakt von Beths Bruder Mike an Jake.
Mike hat zu Beginn des Dramas die Rolle des Beschützers und Rächers für seine Schwester Beth gewählt, allerdings ohne ihr Einverständnis. Es kommt zu Konflikten zwischen den Geschwistern, als Beth gegen seine Beschützerrolle rebelliert. Sie will keinen Aufpasser, niemanden, der für sie denkt. Sie möchte ihr Gedächtnis wiedergewinnen, daher fühlt sie sich bedroht und belogen, wenn Mike ihr ausweicht, anstatt zu antworten. Für Beth wird dieses Gefühl existentiell. Ihre vergebliche Suche macht sie misstrauisch gegenüber ihrer Familie. Sie vermutet einen Komplott gegen sich: Ihre Familie habe ihr das Gehirn herausgeschnitten, um sie wegzubringen, genau wie ihre Großmutter zuvor. Da Beth keine andere Wahrheit durch Mike erfährt, wird diese Idee real für sie.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in das vielschichtige Drama ein und legt den Fokus auf die Untersuchung der verschiedenen Formen der Transformation sowie deren Bedeutung für das Realitätsbewusstsein der Figuren.
Transformation: Dieses Kapitel erläutert die von Shepard adaptierte Technik der Transformation als Stilmittel, das situationsbedingte Rollenwechsel und Verschiebungen der Realitätsbezüge ermöglicht.
Transformation im Motiv: LIEBE: Hier wird analysiert, wie die Mutterliebe von Lorraine zur Entmündigung Jakes führt und wie sich diese Dynamik auf die Identitätsbildung und die Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der Familie auswirkt.
Transformation im Motiv: TOD: Das Kapitel beleuchtet das Motiv des Hungerns und des Sterbens als Ausdruck eines psychischen Schwebezustands, in dem die Figuren den Bezug zur Realität verlieren.
Transformation im Motiv: MACHT: Diese Analyse untersucht die traditionellen Hierarchien innerhalb der Familie und zeigt auf, wie durch die Infragestellung von Machtpositionen verborgene Unzufriedenheiten und Selbsttäuschungen offengelegt werden.
Transformation im Motiv: GEWALT: Hier wird die physische und psychische Gewalt als Triebkraft für Transformationen betrachtet, wobei insbesondere die Zerstörung von Kommunikation und die Rolle des "Cowboyhelden" als gescheiterter Rettungsversuch im Fokus stehen.
Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Transformationen in Shepards Drama primär den Zerfall zwischenmenschlicher Kommunikation widerspiegeln und die Charaktere in einer subjektiven Realität isolieren.
Schlüsselwörter
Sam Shepard, A lie of the mind, Transformation, Realitätswahrnehmung, Identität, Rollenwechsel, Familiendynamik, Liebe, Tod, Macht, Gewalt, Kommunikation, Selbsttäuschung, Theaterästhetik, Mythos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Theaterstück „A lie of the mind“ von Sam Shepard unter dem besonderen Aspekt der Transformation der Figuren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Verschiebung der Realitätswahrnehmung, Rollenkonflikte sowie die Auswirkungen von psychischer und physischer Gewalt innerhalb familiärer Strukturen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, die Ursachen, Formen und Auswirkungen von Transformationsprozessen an ausgewählten Motiven zu untersuchen und deren Bedeutung für das Realitätsbewusstsein der Charaktere aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine motivgeschichtliche und inhaltsanalytische Betrachtung, die durch theaterwissenschaftliche Konzepte und psychologische Erklärungsmodelle gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Motive Liebe, Tod, Macht und Gewalt detailliert analysiert, um aufzuzeigen, wie diese zur Transformation der Figuren und zur Auflösung herkömmlicher Kommunikationsstrukturen führen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transformation, Realitätsverschiebung, Identitätsverlust, familiäre Machtstrukturen und der dramatische Zerfall der Kommunikation.
Wie interpretiert die Autorin die Rolle des "Cowboyhelden" Mike?
Mike wird als eine Figur gesehen, die durch den Rückgriff auf den Cowboy-Mythos versucht, Familienehre zu retten, dabei jedoch an der Realität scheitert und eine erniedrigende Transformation bei Jake erzwingt.
Welche Bedeutung kommt der Metapher der "toten" Figur im Drama zu?
Die Figuren, wie etwa Jake oder Beth, definieren sich zeitweise selbst als "tot" oder "mummy", was ihren psychischen Ausnahmezustand und ihre radikale Abgrenzung von der Außenwelt verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- Angela Mages (Autor:in), 2004, Transformation in Sam Shepards Drama "A lief of the mind", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210698