„Mit den Konfessionen, ob nun diese oder jene: das ist alles gleich. Das hat keine Zukunft mehr. Für die Deutschen jedenfalls nicht. Der Faschismus mag in Gottes Namen seinen Frieden mit der Kirche machen. Ich werde das auch tun. Warum nicht? Das wird mich nicht abhalten, mit Stumpf und Stiel, mit allen Wurzeln und Fasern das Christentum in Deutschland auszurotten (…) Die katholische Kirche ist schon etwas Großes. (…) Doch nun ist ihre Zeit um! Das wissen die Pfaffen selbst. Klug genug sind sie, das einzusehen und sich nicht auf einen Kampf einzulassen. Tun sie es doch, ich werde bestimmt keine Märtyrer aus ihnen machen. Zu simplen Verbrechern werden wir sie stempeln. Ich werde ihnen die ehrbare Maske vom Gesicht reißen. Und wenn das nicht genügt, werde ich sie lächerlich und verächtlich machen.“
Dieses angebliche Zitat Hitlers, ist dem Werk des kurzzeitigen NSDAP Mitgliedes, Hermann Rauschning, „Gespräche mit Hitler“ aus dem Jahre 1940 zu entnehmen. Zwar bestehen seit 1984 bekanntermaßen erhebliche Zweifel an der Authentizität dieses Buches, welche soweit gehen, dass es als „dreiste“ Fälschung bezeichnet wird, jedoch stellt sich auch die Frage, ob in den vermeintlichen Zitaten Hitlers nicht doch ein Funke Wahrheit steckt. Kann es nicht sein, dass sie eine zeitgenössische Tatsache aufgreifen und in gewisser Weise widerspiegeln? Obwohl es in der folgenden Arbeit nicht darum gehen soll, sich intensiv mit dem Wahrheitsgehalt von Rauschnings Werk auseinanderzusetzen, liefert das oben aufgeführte Zitat doch einen Denkanstoß bezüglich der Zukunftsperspektive der nationalsozialistischen Religionspolitik. Während zahlreiche politische Bereiche des dritten Reichs, wie die Geo-, Wirtschafts- oder Baupolitik, aus heutiger Sicht vergleichsweise genaue Ziele und Vorstellungen auf diesem Gebiet liefern, gestaltet sich dies bei dem Thema Religionspolitik schwieriger. Aus diesem Grund wird die Arbeit der Frage nachgehen, welchen politischen Kurs die NSDAP bzw. die Nationalsozialisten bezüglich des Christentums verfolgten und welche religiösen Vorstellungen in der Bewegung vorherrschten. Um den vorgegeben Rahmen der Arbeit einhalten zu können, werde ich mich diesbezüglich nur mit einer der beiden christlichen Kirchen, nämlich der katholischen Kirche, beschäftigen. Ausgehend von den gemachten Erkenntnissen können anschließend Aussagen über die Zukunftsperspektive der nationalsozialistischen Religionspolitik getroffen werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Zeit der Weimarer Republik
II. 1 Die Katholische Kirche und die NS Kirchenpolitik
II. 2 Die Reaktion der Katholischen Kirche
III. Die Zeit in der Diktatur
III. 1 NS Katholizismuspolitik vor dem Reichskonkordat
III. 2 Das Reichskonkordat und seine Folgen
IV. Abschließende Bemerkungen und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die kirchenpolitischen Strategien der Nationalsozialisten gegenüber der katholischen Kirche im Zeitraum von der Weimarer Republik bis in die Zeit des Dritten Reiches. Ziel ist es, die wechselseitigen Beziehungen, die strategischen Kompromissangebote Hitlers und die daraus resultierende politische Verdrängung der katholischen Kirche durch das Reichskonkordat zu analysieren.
- Die Haltung der NSDAP zum Christentum und zur katholischen Kirche
- Die Reaktion des deutschen Episkopats auf den aufkommenden Nationalsozialismus
- Die strategische Bedeutung des Reichskonkordats vom 20. Juli 1933
- Das Ende des politischen Katholizismus durch die Ausschaltung kirchlicher Organisationen
Auszug aus dem Buch
III. 1 NS Katholizismuspolitik vor dem Reichskonkordat
Die nationalsozialistische Bewegung unter der Führung von Adolf Hitler musste nun einen Weg finden, wie sie mit dieser ablehnenden Haltung der katholischen Kirche am besten umgehen konnte. Zwar gelang es der NSDAP bekanntermaßen politische Erfolge zu feiern, einen offenen Schlagabtausch mit der geschlossen auftretenden katholischen Kirche wollte man dennoch weiterhin unter keinen Umständen riskieren. Die geistlichen Amts- und Würdenträger der Kirche waren jedoch nicht die einzigen, welche Hitler Schwierigkeiten dabei bereiteten, die katholische Kirche in das dritte Reich zu integrieren. Auch die Zentrumspartei, welche wie bereits erwähnt den politischen Katholizismus repräsentierte, erwies sich als starker Gegner.
Um ihre politischen Ziele zu erreichen, musste sich die NSDAP also zunächst darum kümmern, das Zentrum vor den Reichtagswahlen im März des Jahres 1933 zu schwächen oder zumindest dessen Zustimmung für das geplante Ermächtigungsgesetz zu erlangen. Nur einen Monat vor den Wahlen war die Partei einer regelrechten nationalsozialistischen Terrorwelle ausgesetzt. Neben Übergriffen auf Parteiversammlungen wurden außerdem eine Vielzahl von Versammlungs-, Rede- und Zeitungsverboten erlassen, um den Wahlkampf des Zentrums zu sabotieren. Des Weiteren wurden vielerorts Beamte aus dem Staatsdienst entlassen, welche zu den Mitgliedern der Zentrumspartei zählten. Erstaunlicherweise schafften es die Politiker und Mitarbeiter der Partei jedoch, den Wahlkampf trotz aller Widrigkeiten bis zum Wahltag durchzuhalten.
Dabei konnte das Zentrum außerdem jederzeit auf die Unterstützung der Kirchenoberen zählen. Die Tatsache, dass sich die katholische Kirche abermals geschlossen gegen den Nationalsozialismus stellte, ist mit Sicherheit einer der Gründe, weshalb die Zentrumspartei am 05. März 1933, dem Tag der Reichstagswahl, mit einem Wahlergebnis von 11,2 %, lediglich 0,7 % ihrer Stimmen aus der vorangegangenen Wahl einbüßen musste. Auch die Tatsache, dass die katholische Kirche im Jahre 1933 zum ersten Mal seit dem Ersten Weltkrieg mehr Neueintritte als Austritte zu verzeichnen hatte, könnte ein Grund dafür sein, warum die NSDAP es nicht schaffte dem Zentrum eine größere Anzahl an Wählern streitig zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Ambivalenz der nationalsozialistischen Religionspolitik und stellt die Forschungsfrage nach dem Verhältnis von NSDAP und katholischer Kirche.
II. Die Zeit der Weimarer Republik: Dieses Kapitel behandelt die Ausgangslage der katholischen Kirche nach 1918 und die frühen Versuche der NSDAP, eine ideologische Nähe zur katholischen Kirche zu suggerieren.
III. Die Zeit in der Diktatur: Das Kapitel analysiert die Machtübernahme, das taktische Vorgehen Hitlers gegenüber dem Zentrum und den Abschluss des Reichskonkordats als Mittel zur politischen Entmachtung.
IV. Abschließende Bemerkungen und Fazit: Das Fazit bewertet das Scheitern des Konkordats als Schutzinstrument und resümiert das Ziel der Nationalsozialisten, den Einfluss der Kirche systematisch zu untergraben.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Katholische Kirche, Reichskonkordat, NSDAP, Zentrumspartei, Kirchenpolitik, Ermächtigungsgesetz, Religiöse Bekenntnisse, Politischer Katholizismus, Weimarer Republik, Diktatur, Episkopat, Religiöse Verbände, Staats-Kirchen-Vertrag, Ideologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das schwierige und sich wandelnde Verhältnis zwischen der nationalsozialistischen Bewegung und der katholischen Kirche in Deutschland zwischen 1918 und 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die kirchenpolitischen Strategien der NSDAP, die Widerstände der katholischen Kirche sowie die Folgen des Reichskonkordats für die kirchliche Unabhängigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie die NSDAP die katholische Kirche taktisch in das Dritte Reich zu integrieren versuchte, um geschlossenen Widerstand zu verhindern und die politische Macht zu festigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von zeitgenössischen Dokumenten, Parteiprogrammen, päpstlichen Enzykliken und wissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Weimarer Zeit, die Eskalation der NS-Kirchenpolitik vor 1933 sowie die detaillierte Analyse der Verhandlungen und Folgen des Reichskonkordats.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Nationalsozialismus, Katholizismus, Reichskonkordat, Zentrumspartei und die politische Verdrängung religiöser Organisationen.
Warum war die Zentrumspartei ein so wichtiger Akteur?
Sie repräsentierte den politischen Katholizismus und bildete ein ernstzunehmendes parlamentarisches Gegengewicht zu den nationalsozialistischen Machtbestrebungen vor 1933.
Welche Bedeutung hatte das Reichskonkordat für das Ermächtigungsgesetz?
Hitler nutzte das Konkordat als politisches Druck- und Verhandlungsmittel, um die Zustimmung der Zentrumspartei zum Ermächtigungsgesetz zu sichern.
Konnte das Konkordat die Kirche vor staatlicher Willkür schützen?
Nein, wie im Fazit dargelegt, diente das Konkordat den Nationalsozialisten letztlich dazu, die Kirche aus der Politik zu verdrängen und durch fortwährende Vertragsbrüche weiter zu schwächen.
- Arbeit zitieren
- Julian Hatzig (Autor:in), 2012, Nationalsozialistische Religionspolitik: Die katholische Kirche und ihre Zukunft in der Politik des Dritten Reiches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210760