Die Arbeit untersucht, inwiefern staatliches Handeln technologische Innovationen induzieren kann. Dabei wird auf das Beispiel einer ureigens staatliche Sphäre, nämlich d ervon Krieg und Militär, eingegangen und gefragt: Haben Investitionen in Militär und Krieg Auswirkungen auf die
Entwicklung technologischer Innovationen?
Eine zentrale Kontroverse beschäftigt sich dabei mit dem Verhältnis von
Staat und Technik: Wer kann für Innovationen sorgen? Gilt das Primat der
Politik oder das Primat der Ökonomie? Mit der Rüstung als Teil staatlichen
Handelns kann hier ein Ausschnitt dieser bekannten Fragestellung näher be-
trachtet werden. Dabei interessiert auf der einen Seite, ob Rüstung Innova-
tionen induzieren kann. Auf der anderen Seite -und das ist die interessantere
Frage- welche Wirkungsmechanismen zum Tragen kommen.
Die Arbeit geht folgendermaßen vor: Nach der ersten Einordnung der Fragestellung und dem Aufzeigen der Relevanz des Themas wird im darauf folgenden Abschnitt definiert, was unter den zentralen Begriffen zu verstehen ist. Danach werden die wichtigsten Argumente aus der Forschungsliteratur vorgestellt. Im dritten und zentralen Schritt wird eine exemplarische Untersuchung durchgeführt. Dabei wird im Detail darauf eingegangen, wie sich die Rüstungswirtschaft der nationalsozialistischen Regierung auf die Entwicklung des synthetischen Kautschuks ausgewirkt hat. Im letzten Abschnitt werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengetragen und auf weitere Forschungsmöglichkeiten hingewiesen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Definitionen
2.1.1 Innovation
2.1.2 Krieg
2.2 Forschungsstand
3 Fallbeispiel: Die synthetische Kautschukproduktion in Deutschland bis 1945
3.1 Von der Invention zur Innovation
3.2 Instrumente der staatlichen Kriegswirtschaft
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Verbindung zwischen staatlichen Rüstungsinvestitionen und dem technologischen Fortschritt. Anhand der historischen Entwicklung der Synthesekautschukproduktion im Dritten Reich wird die Forschungsfrage beantwortet, inwiefern Krieg und Militär als Motor oder Hemmschuh für technologische Innovationen fungieren.
- Rolle des Staates bei der Innovationsförderung
- Wirkungsmechanismen von Rüstungsausgaben
- Die Synthesekautschukproduktion als Fallbeispiel
- Staatliche Instrumente der Kriegswirtschaft (Garantien, Finanzierung)
- Verhältnis von militärischer und ziviler Forschung
Auszug aus dem Buch
3.1 Von der Invention zur Innovation
Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen der Nationalsozialisten wurde insbesondere der Autarkiepolitik eine wichtige Rolle zugesprochen. Ziel des Vierjahresplans von 1936 war, die Wirtschaft auf den Krieg vorzubereiten und Deutschland in den kriegsrelevanten Industrien von Importen unabhängig zu machen. Eine besondere Bedeutung kam dabei nach Stokes folgenden fünf Gruppen zu: Benzin, Stickstoffe, Metalle, Kautschuk und Kunststoffe (Stokes 2002, 283). Einer dieser Stoffe, der synthetische Kautschuk, soll im nun folgenden Abschnitt näher diskutiert werden. Dabei wird analysiert, inwiefern der Staat die Entwicklungen befördert hat. Zuerst wird kurz auf die chemischen Grundlagen des Stoffes eingegangen, dann die Relevanz von Kautschuk für die Rüstungsindustrie dargelegt und eine Übersicht über die wichtigsten Entwicklungsstufen gegeben. Somit kann dann die Frage beantwortete werden, ob Krieg in diesem Beispiel eine innovationsfördernde Rolle gespielt hat.
Der Baustein des Naturkautschuks, der vor allen Dinge in Südostasien angebaut wurde, ist Isopren. Dieser Stoff ist allerdings technisch schlecht zugänglich, weshalb die Syntheseforscher nach Alternativen suchten. Diese Alternative war das Butadien, das aus verschiedenen Materialien wie Öl, Alkohol oder Acetylen hergestellt werden kann. Da in Deutschland Acetylen, aus Calciumcarbid gewonnen, sehr ausreichend vorhanden war, setzte man auf diesen Stoff (Konrad 1950, 491).
Die ausreichende Austattung mit synthetischem Kautschuk war gegenüber dem ersten Weltkrieg aufgrund der wehrtechnischen und taktischen Entwicklungen gestiegen; die modernen Bewegungskriege erforderten eine hohe Anzahl an Reifen, Dichtungen und Ähnlichem. Plumpe fasst dies zusammen: „Motorisierte Einheiten, U-Bootflotten und Flugzeuge, die in der modernen Kriegführung eine entscheidende Rolle spielen, erforderten große Mengen an Kautschuk, Treibstoffen, Leichtmetallen und anderen importabhängigen Materialien.“ (Plumpe 1983, 581).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Militärinvestitionen technologische Entwicklungen fördern oder hemmen, und umreißt das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Innovation und Krieg und gibt einen Überblick über den wissenschaftlichen Forschungsstand hinsichtlich der Auswirkungen von Rüstungsausgaben.
3 Fallbeispiel: Die synthetische Kautschukproduktion in Deutschland bis 1945: Dieser Abschnitt analysiert die historische Entwicklung der Kautschuksynthese als konkretes Beispiel für staatlich gelenkte technologische Innovation unter dem Druck der Autarkiepolitik.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Fallstudie zusammen und diskutiert die generelle Wirksamkeit staatlicher Instrumente sowie die Frage nach dem "Schrittmacher oder Bremsklotz"-Effekt von Rüstungsausgaben.
Schlüsselwörter
Innovation, Rüstung, Krieg, Autarkiepolitik, Synthesekautschuk, Militär, staatliche Intervention, Produktinnovation, Prozessinnovation, NS-Regime, technologische Entwicklung, Forschungsförderung, industrielle Produktion, Wirtschaftsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen Rüstungsausgaben, staatlicher Lenkung und der Entwicklung neuer Technologien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Innovationsforschung, die Rolle des Staates in der Kriegswirtschaft sowie der historische Kontext der deutschen Synthesekautschukproduktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob Investitionen in Rüstung und Militär tatsächlich als Treiber für technologische Innovationen gelten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftliche Seminararbeit, die eine theoretische Literaturdiskussion mit einer historischen Fallstudienanalyse kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Begriffsdefinition und Forschungslage sowie einen empirischen Teil, der die Kautschuksynthese detailliert nachzeichnet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Innovation, Autarkie, Rüstungspolitik und staatliche Abnahmegarantien.
Welche Rolle spielte die Autarkiepolitik für die chemische Industrie?
Die Autarkiepolitik zwang Unternehmen wie die IG Farben dazu, technisch aufwendige Syntheseverfahren zu entwickeln, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern.
Warum waren staatliche Garantien für die Industrie so wichtig?
Da die Forschung an Syntheseprodukten mit hohen wirtschaftlichen Risiken verbunden war, dienten staatliche Preis- und Abnahmegarantien als notwendige Absicherung für die Unternehmen.
- Arbeit zitieren
- Johannes Steiniger (Autor:in), 2012, Zur Rolle von Krieg und Militär für die Entwicklung technologischer Innovationen am Beispiel der deutschen Synthesekautschukproduktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210783