Realismus, Naturalismus, Avantgarde, Traum und Freud, Expressionismus


Referat (Ausarbeitung), 2012

41 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

In diesem nächsten Text möchte ich über folgende Themen schreiben; über den Realismus, den Naturalismus, die Überwindung des Naturalismus mit den einhergehenden Problemen, welche zumeist in den avantgardistischen Formen geprägt wurden und über den Expressionismus.

Bei dieser fiktiven Literaturreise durch ein knappes Jahrhundert soll mich mein Enkeltöchterchen Boglárka begleiten, sowie Figuren aus derdeutschsprachigenLiteratur vonder Jahrhundertwende bis 1945.

1. Zuerst möchten wir über einige gesellschaftlich- wirtschaftlichen Hintergründe sprechen:

Boglárka:Domi, was machte manin Deutschlandvor hundert Jahren? Wie groß war das Land damals? Waren die Menschen glücklich? Wie und wo wohnten sie? ...

Domi: Oh, langsam, langsam… auf so viele Fragen kann ich nur langsam antworten…

Vor ungefähr hundert Jahren, so um die Jahrhundertwende hatten die Menschen inDeutschlandein großes Ziel erreicht. Deutschlandwar nach vielen hundert Jahren, genau nach 223 Jahren 1871 wieder ein einheitliches Reich geworden. Der Reichskanzler Bismarck und der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. führten dieses neueeinige Deutschland.

Boglárka:Warum war die Einigkeit so wichtig?

Domi:Nicht nur die Einigkeit war wichtig, sondern auch Recht und Freiheit, so wie es dieDeutschenauch heute noch in ihrer Hymne besingen. Die Einigkeit eines Staates war und ist wegen der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse eines Landes von großem Belangen. Damals war Europa und die ganze Welt in Aufruhr um Rohstoffquellen und Absatzmarkt.

Um 1900 hatte sich das Leben der Menschen durch Forschung, Erfindungen und Entdeckungen auf dem Lande, in der Stadt und in allen Bereichen des Lebens von Grund auf verändert, zumal man schon eine zweite technische Reform, die elektrische Reform erlebte.

Boglárka: Was veränderte sich durch diese technische Reform?

Domi:Die Welt wurde „schneller“ und „nervöser“, alles wurde hektischer. Das heißt, die Elektrizität gab den Menschen noch nie gesehene Möglichkeiten in allen Bereichen des Daseins; in den Bereichen der Wirtschaft wurden Maschinen mit Elektrizität angetrieben und somit konnten schneller und billiger mehr Produkte hergestellt werden, was zu großem Gewinn, Profit führte. Man erweiterte die Produktion und die Vielzahl der neuen Erzeugnisse fand Anwendung z.B. im Verkehr, man baute Straßen, Eisenbahnschienen, und mit Autos und Massenverkehrsmitteln konnte man nun in bisher nie gekannter Schnelligkeit verkehren. Auch in der Kommunikation ging alles viel flotter durch Morse, Telefon und Radio, weiterhin durch die sich in windschnelle entwickelnden Medien, denn auch in der Buch- und Zeitschriftendruckerei kam es durch die Industrialisierung zu enormen Fortschritten. Dadurch konnten natürlich auch viel mehr Menschen erreicht, informiert und manipuliert werden. Die Manipulation war und ist wichtig, um für die Produkte Käufer zu finden. Das ganze Leben der Menschen veränderte sich durch diese technische Raserei, denn je mehr Waren hergestellt wurden, desto mehr Käufer brauchte man. Der Kampf um billige Investitionen und umso größeren Absatz mit noch größerem Profit begann nie gesehene Ausmaße anzunehmen, und dabei blieben das Recht und die Freiheit für viele unerreichbar.

Boglárka: Warum? Hatte den nicht jeder Recht Profit zu machen? Warum war auch die Freiheit oft unerreichbar?

Domi: Das einst progressive deutsche Bürgertum wurde konservativ, d.h. durch Anhäufung von Kapital und Profit gelangte es zu solch einer wirtschaftlichen und geistigen Macht, welche sie in politischer Eintracht mit dem noch bestehenden Feudaladel zwar teilte, und diese Konstellation war auch sehr erfolgreich für Deutschland, denn Deutschland blühte wirtschaftlich, politisch und kulturell in der Zeit von 1871- 1914 auf, aber es gab viele „aber“… denn Fortschritt und die Bildung allgemein verstand man unter bürgerlicher Auffassung, welche die naturwissenschaftlichen, ideologischen und philosophischen Richtungen, sowie die Gleichberechtigung der Frau, den evolutionistischenDarwinismusundNietzschesNihilismus anerkannten, aber keineswegs „die vierte Schicht“ , die Lohnarbeiter, das, vonMarx,sogenannte Proletariat, welche die verarmte Schicht der Bevölkerung bildete, die weder Land-, noch Produktionsmittel besaßen, nur ihre Arbeitskraft. So war diese Schicht dermaßen mittellos, dass sie ihr Recht auf freie Entscheidungen schirr gänzlich einbüßte.

Boglárka: Gab es in solcher Lage keine gesellschaftlichen Spannungen?

Domi: Natürlich kam es zu gesellschaftlich- sozialen Spannungen, zumal die Verarmung in den Großstädten, trotz starker Entwicklung der Medizin und Technik, zu Hygiene-, Gesundheits- und Versorgungsproblemen führte, da dem enormen Anwuchs der Bevölkerung die Städte noch nicht gewachsen waren. So hausten die Menschen, die aus Hoffnung auf ein besseres Leben in die Städte fluteten zu Massen in schmutzigen, engen Hinterhöfen ohne Rechte und Möglichkeiten. Ihre einzige Zuversicht hegten sie in ihrem gemeinsamen Wunsch besser leben zu wollen. Ihre Interessen vertrat die sozialdemokratische Partei. Da Bismarck sich vor dem Erstarken der Sozialdemokraten fürchtete, wurden soziale Gesetze, wie Kranken-, Renten- und Sozialversicherungsgesetze geschaffen, um die gespannte gesellschaftliche Lage etwas zu entlasten.

Man versucht diplomatisch das gesellschaftliche Leben mit praktischer Vernunft zu lösen.

Die gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Erscheinungen beobachteten die Künstler dieser Zeit und wollten sierealistisch- typisch wiedergeben, somit daraus Erfahrungen und Lehren gezogen werden konnten und sollten.

2. So entstand der „bürgerliche Realismus“.

Boglárka:Was bedeutet „bürgerlich“, „Realismus“ und in welchem Verhältnis stehen die Künstler und Poeten zu diesen Begriffen?

Domi: Zu dieser Zeit lebteOtto Ludwig. Fragen wir doch ihn nach seiner Meinung.

Otto Ludwig: Meiner Meinung nach ist die Poetik ein ebenso schaffender Vorgang wie es die Bürger tun und die Poeten möchten so eine Welt in der Darstellung schaffen, welche es wirklich gibt, die realistisch ist. Die Mannigfaltigkeit des Lebensunddie vielen Ideologien möchten die Realisten in einen Einklang bringen, es ist unser „realistisches Kunstprogramm“. Natürlich müssen dabei die Grenzen der Poetik im historischen Hintergrund, in seiner Formprägung und Phantasie beachtet werden, denn alle diese Mittel der Poesie sind und bleiben nur dann glaubhaft, wenn sie der Wahrheit entsprechen und sie ursächlich- kausal zu verfolgen sind.

Die Aufgabe der Dichtung ist es; Erfahrungen zu rekonstruieren und Erkenntnisse zu schaffen mit dem Ergebnis einer geordneten und organisierten Totalität zur Veranschaulichung der Wirklichkeit, aber nicht 1:1, denn das wäre Naturalismus.

Zwar wuchs im 19. Jh. die Bildung und das Lesevermögen der Bürger enorm durch die technischen Fortschritte in der Buch- und Zeitschriftendruckerei, doch konnten sich die realistischen Schriftsteller in Deutschland um die Jahrhundertwende nicht solcher Beachtung und ungeteilten Anerkennung erfreuen, wie in Frankreich und Russland. Mit diesem Zustand hat sich mein ZeitgenosseTheodor Fontaneviel auseinandergesetzt.

Boglárka:Wer war dieserTheodor Fontane?

Domi:Theodor Fontanelebte von 1819- 1898 und war ein großer deutscherpoetischer Realist, der sich weder mit der nackten Wahrheit der Jungdeutschen verbunden sah, noch Sympathie für die fantasievolle Romantik hatte. Vielmehr wollteFontanedie dargestellten Figuren so erleben lassen, dass wir bei unseren Erinnerungen nicht mehr genau wissen, ob diese Figur wirklich gelebt hatte oder nur eine Lesefigur war.

Aber lassen wir dochTheodor Fontanezu den Verhältnissen der Schriftsteller in Deutschland um die Jahrhundertwende selbst zu Wort kommen.

Theodor Fontane: Die Lage der Schriftsteller in Deutschland im 19. Jh. Anfang des 20. Jh. ‘s war ähnlich wie die der „Hörigen“ im Mittelalter, die ihrer Obrigkeit ergeben, deren Meinungen und Auffassungen wiederspiegelten in ihren Werken. Da man auch in der kapitalistischen Welt von seiner gesellschaftlichen Stellung abhängig ist, welche einem die materiellen Möglichkeiten und Grenzen vorschreibt, ist man auch als Schriftsteller von seinen Auftraggebern abhängig und wird so zu einem „Tintensklaven“, der für Geld und Vermögen schreibt, was man von ihm verlangt. Solche, aus genötigtem Zweck, entstandenen Werke sind aber nicht unbedingt die besten Werke.

Als freier Schriftsteller fand man im Realismus in Deutschland weder Verdienst und Anerkennung, noch Achtung und Wertung. Eine Verstaatlichung der Schriftsteller, so wie sie die Juristen und Lehrer genossen, wäre eine Lösung gewesen, natürlich täte sich dann auch gleich wieder die Frage der Hörigkeit auf. Doch durch Selbstachtung des Künstlers und die Eigengesetzlichkeit der Kunst, wie die festen Grundlagen der Malerei, Musik, Bildhauerei, Poetik… kann das Problem der Hörigkeit umgangen werden.

Wie tief die Wechselwirkung zwischen künstlerisch- ästhetischer Form und der gesellschaftlichen Wirklichkeit ist, kann uns am bestenHermann Hettnererklären.

Hermann Hettner: Nur das kann man künstlerisch- ästhetisch formen, was wahr ist, was existiert, denn nur das lässt sich formen. Das ist die Wechselwirkung von Theorie und Praxis.

Zum Beweis dafür kann besonders die Tatsache aufgeführt werden, das die größten Dichter aller Zeiten in „Form“ und „Stoff“ wohl am tiefsten mit ihrer Umgebung verwurzelt waren und sind, wie man es bei den Griechen, bei Shakespeare, bei Goethe, Puskin, Tolstoi… sehen kann.

In Deutschland kam es aber durch die jahrhundertlange Zersplitterung des Landes in ideologischer und philosophischer Hinsicht zu einer einseitigen starken Entwicklung von Kunst und Kultur, sowie zu einer idealistischen Denkweise, die keine Reflexion zur Wirklichkeit hatten. Es war in Deutschland, vor 1871, nicht so, wie in Frankreich, dass die Ergebnisse der bürgerlichen Revolution Fuß fassen konnten, denn dazu gab es weder das nötige politische, noch gesellschaftliche geeinigte Deutschland. Aus diesen Gründen wollte die Generation von Goethe, Schiller, Kant und ihre Nachfolger durch Bildung, Moral und Ästhetik eine geschulte Nation erziehen, aber dem fehlten die Möglichkeiten zur Verwirklichung in kulturell, politisch und gesellschaftlich- ökonomischen Zentren.

Um Erkenntnis und Vorbild in der Poesie für die Wirklichkeit zu schaffen und sie zu spiegeln, braucht man auch den Gegenstand der Realität, denn „… die Blume kann nun einmal nicht vollkräftig aufblühen ohne gesunden Boden, ohne Luft und Licht.“[1]

Boglárka: Worin liegt das Hauptproblem, wenn ein Gedanke nur Fiktion bleibt, und keinen Zusammenhang mit der Wirklichkeit findet?

Hermann von Helmholz: Wenn dem so ist, wie in deiner Frage geschildert, dann bleibt alles Gedankengut nur eine Hypothese, die ideologisch einseitig und somit manipulierbar ist, denn sie hat ja keine Beweise in der Beständigkeit des „Daseins im Sein“.[2]

Ein gutes Beispiel für die Manipulation der Ideologien sind die liberalen Auffassungen während der Zeit der bürgerlichen Revolution von 1848. Waren die Bürger zuerst progressiv, so entwickelten sie sich mit veränderter sozialer Schicht zu einer konservativen- liberalen Schicht zusammen mit dem Feudaladel gegenüber dem nun progressiven sozial- demokratisch Denkenden. Aus den Parolen der französischen bürgerlichen Revolution „Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit“ wurden die Parolen von 1848 und die Hymne des neuen Deutschen Reiches „Einigkeit und Recht und Freiheit…“, aber schon die Reihenfolge der Schlagwörter lässt den Wichtigkeitsgrad der Bürgerlichen erkennen. Die Einigkeit, die Grundlage für ein gesellschaftlich- ökonomisch starkes Land war also das Wichtigste, das Recht und die Freiheit sind dieser Einheit untergeordnet, und so konnten sie auch missverstanden und missdeutet werden.

Die Zeit zwischen 1848 und 1871 war auch wegen der großen Armut im Land und den sich daraus ergebenden Verbrechen, Raub, Mord und Attentaten geeignet zur Agitation aller möglichen Ideologien…, deshalb konnte auch die Freiheit der Liberalen so ausgelegt werden, dass jeder tun und lassen könne, was er wolle, und so wurde aus Demokratie Anarchie und Chaos.

Boglárka: Warum ist eine „realistische Hypothese“ so instabil?

Hermann von Helmholz: Eine „realistische Hypothese“ bezieht sich zwar auf die Wirklichkeit und auf die Untersuchung vorhandener Dinge und Tatsachen, aber ist doch eine Wahrnehmung und deren Veränderungen noch keine willensbedürftige Handlung. Der Wille und die Handlung werden immer durch ein Subjekt ausgeführt, welches sich auf ein Objekt bezieht. Vom Objekt erfährt das Subjekt dann wieder Informationen, die sein Wille von Neuem zur Handlung bewegt…

2.1. Konkrete Beispiele für den Realismus.

Boglárka:In was fürGattungenschrieben die Künstlerim Realismusund warum in diesen?

Domi: Im Realismus benutzt man sich vor allem derkleinen Epik, der Novelle und des Dramas. Die Novelle ist kurz und zielgerichtet, hat außerdem die strengen Normen, die der abstrakten Abbildung der Wirklichkeit am besten entsprechen um sie gezielt zu einer Erfahrung werden zu lassen.

Boglárka: Was charakterisiert eine Novelle?

Friedrich Spielhagen: In einer Novelle finden wir immer den „fertiger Charakter“ einer oder/ und mehrerer Personen, welche die Situation im Text beeinflussen und nicht umgedreht. Diese Eigenschaften sind von solch‘ großer Ausstrahlung und Anziehungskraft, welche die Handlungen, Ereignisse, Konflikte und Ergebnisse in der Novelle vom Anfang bis zum Ende leiten, unter der Kontrolle haben, denn die Figur in einer Novelle muss die Konflikte schnell und einleuchtend, resultierend zum Ende bringen. Eine Novelle gibt auch keinen Raum für die langfristige Entwicklung einer Figur, sondern sie ist auf den Vorgang zum Ziel orientiert.

Eine Novelle ist ökonomisch, d.h. wirtschaftlich- nützlich, denn mit wenig Aufwand werden relativ monumentale Ergebnisse erreicht, sie ähnelt auch eher dem Drama als dem Roman.

Ein Drama versucht immer aus Stoff (Quantität) und Form (Qualität der Phantasie) subjektiv gesehen, die Echten zu finden ohne deren bedeutender Umwandlungen (ohne großen Aufwand) diese zu großen und spürbaren Ergebnissen zu bringen. Also ähneln sich interessanter Weise mehr das Drama und die Novelle, als die Novelle und der Roman, denn die letzten beiden weißen bedeutende Unterschiede auf, welche du in der folgenden Tabelle sehen kannst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Boglárka: Gibt es auch noch andere Meinungen zum Unterschied zwischen Novelle und Roman?

Domi:Ja,Paul Heyse,der von 1830 bis 1914 lebte, vom Bildungsbürgertum abstammte, Philologie und Antike studierte und als freier Schriftsteller in mehreren Großstädten in guten Positionen arbeiten konnte, schrieb über Novellen.

Paul Heyse: Ein Novelle wirdverdichtetund ein Romanbreitet sich aus.

Also eine Novelle „wird… verdichtet…“ und sie ist in diesem Vorgang passiv, die Novelle ist ein auf einen Punkt gebrachtes Thema, bearbeitet und strebt einen Arbeitsgang/ Konflikt hindurch einem Ziel zu, einer Handlungsanalyse zu…

Ein Roman = „breitet sich aus“, er verhält sich also aktiv, seine Figuren und Handlungen untersuchen ein Thema von vielen Seiten um eine Übersicht zu schaffen, wobei die Figuren sich ständig einander beeinflussen und sich so im Charakter verändern bzw. zu einem bestimmten Charakter entwickeln…

Boglárka: Was ist noch wichtig bei einer Novelle?

Paul Heyse: Die harmlose Lebendigkeit einer Novelle kann sittlich- strenge Formen öffnen, denn die Novelle hat das Schutzrecht für das Tatsächliche und Wirkliche mit ihrem Hauptstoff der Wirklichkeit, dem Menschen.

Alle individuellen Fälle, die zu eigenartig für ein Drama sind, können die Themen der Novellen sein. Die Themen können dabei vom fantastischen bis zum komischen reichen.

Eine Novelle hat auch meistens eine „starke Silhouette“, welche die Grundform und Hauptlinie, Handlung, Charakter und Höhepunkt in der Novelle bildet.

Auch das schon vonBoccacciobekannte Falkenmotiv finden wir heute noch in den Novellen. Dieses Falkenmotiv hat Symbolcharakter und ist meistens ein Ding/ Objekt, das an mehreren Stellen der Novelle erscheinen kann, immer dort, wo etwas Wichtiges passiert, eine Art Wendepunkt. Dieses Motiv bereichert sich auch während seines Erscheinens immer mit neuen Bedeutungen, weißt aber auch auf Wichtiges hin.

Boglárka: Gibt es eine interessante Novelle in dieser Zeit?

Domi: Aber natürlich,Keller, Meyerund auchStormwaren im Realismus wichtige Novellenschreiber.

2.1.1. Ich will dir die Novelle von Storm; „Der Schimmelreiter“, die er 1888 schrieb ein bisschen erzählen und erleutern.

Die Novelle spielt sich 1756 in Norddeutschland, Nordfriesland am Wattenmeer ab.

Die Hauptpersonen sind;

Hauke Haien, sein Vater; Tede Haien, seine Frau; Elke Volkerts, ihr Vater; Deichgraf, Tede Volkert, ihr Vetter; Jewe Manners, Ole Peters, einstige Großknecht bei Tede Volkert, Trina Jans, eine fast 90- jährige, einstige Magd bei Volkerts Teden, dem Großvater von Elke Volkerts (und ihr weißer Angorakater), Wienke, die geistesgestörte Tochter von Elke und Hauke , Perle; der gelbe Hund von Wienke, Klaus; die Möwe von Trina Jans und Wienke, Frau Levke, Wärterin bei Hauke und Elke, Oberdeichgraf, ein Amtsangestellter, Deichgevollmächtigte, viele Leute aus den Dörfern Marsch und Geest.

Es gibt zwar viele Personen inStormsNovelle, welche aber eigentlich die Mittel zum Handeln vonHauke und Elkesind.

Hauke Haien und Elke Volkertsverbringen das Hauptwerk in der Novelle, welches durch angewandtes Wissen um die Gesellschaft und die Natur, das Leben der Menschen verbessern sollte (Ehe zwischen zwei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, Bau des neuen Deiches im Sinne vonHaukesBeobachtungen in der Natur).

Neben ihnen istJewe Mannersihr positiver Pol undOle Petersist ihr negativer Pol, diese beiden weisen gemeinsam auf die Problemstellung der Novelle hin, welcheHauke und Elkelösen müssen.

Trina Jansverkörpert die Vergangenheit und das Vergängliche und weist mit ihrem Tod, und ihrem ausführlich beschriebenen Sterben, auf die Grenzen im Menschenleben hin.

Wienkewäre das Zukunftssymbol der Novelle. Ihr gestörter Geist versinnbildlicht aber das Ende jeglichen Verstehens zwischen Menschen, wenn sie ungelernt sind.

So haben die Personen mit ihrem bestimmten Charakteren Einfluss sowie auf den Verlauf, als auch auf den Ausgang der Novelle.

Der Rahmenerzähler,Storm,der Autor selbst, lässt zwei fiktive Erzähler zu Wort kommen, den Reisenden und den Schulmeister.

Der Reisendeist wahrscheinlich Geschäftsmann in den sich schnell entwickelnden Zeiten, den er achtet keine Gefahr, und reitet vom Wattenmeer, wo er seine Freunde besucht hatte, bei großem Sturm heim in die Stadt. Er ist offen gegenüber allem Menschlichen und gefühlsvoll; dies zeigen; der Besuch bei den Freunden, das Beobachten der Versammelten in dem Gasthaus der Friesen bei Nacht und Sturm und das aufmerksame Zuhören der Schullehrer „Schimmelreiter“- Geschichte.

Er ist nicht abergläubig, denn er erschrickt nicht sonderlich vor der Nachterscheinung auf dem Deich bei Sturm und Regen, die ihm wie ein Reiter auf einem Schimmel vorkommt, denn es scheint ihm ja immer nur so, als ob jemand an ihm vorbeireiten würde, mit leichenblassen Gesicht und in einen schwarzen Mantel gehüllt. Bei solchem Unwetter kann man sich ja auch leicht tauschen. Erst als man ihm voller Demut vom „Schimmelreiter“ berichtet, graut es ihm etwas.

Der Schulmeisterist ein mageres Männlein, aber von vielem Wissen, auf welches er ein wenig eitel und stolz, fast „hochmütig“ ist. Er soll einmal Theologie studiert haben und ein Aufklärer sein.

Der Schulmeister bemüht sich die „Schimmelreiter“- Geschichte wahrheitsgetreu darzulegen, dazu verweist er einige Mal auf die Glaubwürdigkeit der Personen hin, von denen er die Geschichte erfahren hat, aber auch darauf, dass sich mit der Geschichte viel Aberglaube der Küstenbewohner äußert.

Die Erzähler in der Novelle „geben sich chronologisch die Hände“ und verlegen uns so behutsam, aber streng in die Zeit der Geschehnisse.

Die Novelle erhält eine realistische Färbung durch die verfolgbare Zeit, durch die Grundmaterien, die für jedermann verständlich sind, z.B. Kraft der Naturelemente, wie Wasser, Wind, Sonne…Zeit und Raum, und zwischen ihnen befinden sich z.B. auch das Altwerden eines Menschen, der Ritt des Journalisten bei Sturm, und auch Haukes Beobachtungen am Meer. Solche Darstellungen sind sinnlich leicht zu verfolgen durch die Alltäglichkeit ihrer Gedanken und Gefühle, die dem Leser bekannt und vertraut sind. Alles ist logisch nachvollziehbar.

[...]


[1]Hermann Hettner: Über das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit, In: Huysesen, Andreas: Bürgerlicher Realismus, Stuttgart, Reclam, 1974, Bd.11, S. 27.

[2]nach Heidegger

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Realismus, Naturalismus, Avantgarde, Traum und Freud, Expressionismus
Hochschule
Pécsi Tudományegyetem
Veranstaltung
Literaturgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
41
Katalognummer
V210786
ISBN (eBook)
9783656382171
ISBN (Buch)
9783656382089
Dateigröße
9788 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich widme diese Schrift meiner liebsten Boglárka, meinem Kindeskinde. In Liebe Domi.
Schlagworte
realismus, naturalismus, avantgarde, traum, freud, expressionismus
Arbeit zitieren
Heidi Fekete (Autor), 2012, Realismus, Naturalismus, Avantgarde, Traum und Freud, Expressionismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210786

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