Das Thema dieser Arbeit ist die Umweltethik. Die Umweltethik fragt nach dem moralisch richtigen Umgang des Menschen mit seiner natürlichen Umwelt. Eine Frage, die angesichts der derzeitigen Diskussion um Wasserknappheit, Ressourcenerschöpfung, Artensterben und den Klimawandel besonders aktuell erscheint.
Der Gegenstand dieses relativ jungen Zweiges der Ethik, die Natur, definiert sich dabei wie folgt: Natur (lat. natura von nasci, geboren werden, griech. physis) ist das, was unabhängig vom Menschen aus sich selbst heraus entsteht und entwickelt. Das, was sich aus eigenen Kräften und Gesetzen entfaltet. Demgegenüber steht die Artefaktwelt. Artefakte (von lat. ars, Kunst, Handwerk, und facere, tun) sind menschliche Erzeugnisse, also die kulturell und künstlich bearbeitete Natur.
Die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Natur kann man unter zwei Gesichtspunkten stellen. Einmal kann man nach dem eudaimonischen Wert der Natur fragen. Damit ist gemeint, inwieweit die Natur das menschliche Glück befördert.
Und einmal kann man nach einem moralischen Wert der Natur fragen, d.h. inwieweit ist auf das Glück bzw. Heil der Natur selbst zu achten.
Ziel dieser Arbeit ist es diese beiden Gesichtspunkte und ihre Unterpositionen vorzustellen und so ein Rüstzeug in der allgemeinen Naturschutzdebatte zu liefern.
Als Grundlage der Ausarbeitung dient primär die Analyse des gegenwärtigen Standes der Umweltethik von Angelika Krebs in ihrem Aufsatz “Naturethik im Überblick”. Des Weiteren werden die einzelnen Positionen durch konkrete Ansichten ihrer führenden Vertreter ergänzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anthropozentrismus und Physiozentrismus
3. Der Physiozentrismus
3.1 Das pathozentrische Argument
3.2 Das teleologische Argument
3.3 Das Argument der Ehrfurcht vor dem Leben
3.4 Das Naturam-Sequi-Argument
3.5 Das theologische Argument
3.6 Das Holismus-Argument
4. Anthropozentrismus
4.1 Das Basic-Needs-Argument
4.2 Das Aisthesis-Argument
4.3 Das Argument der ästhetischen Kontemplation
4.4 Das Design-Argument
4.5 Das Heimat-Argument
4.6 Das pädagogische Argument
4.7 Das Argument vom Sinn des Lebens
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die moralischen Grundlagen der Umweltethik und analysiert, inwieweit dem Menschen gegenüber der Natur moralische Verpflichtungen obliegen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Natur lediglich einen instrumentellen Wert für menschliche Bedürfnisse besitzt oder ob ihr ein eigenständiger moralischer Wert zugeschrieben werden kann, um daraus Ansätze für eine fundierte Naturschutzdebatte zu entwickeln.
- Gegenüberstellung von Anthropozentrismus und Physiozentrismus.
- Analyse verschiedener physiozentrischer Begründungsmodelle.
- Untersuchung anthropozentrischer Argumente für den Naturschutz.
- Diskussion über das Verhältnis von menschlichem Glück und ökologischer Verantwortung.
- Synthese eines realistischen Mittelwegs für die Umweltethik.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das pathozentrische Argument
Der Pathozentrismus spricht allen empfindungsfähigen Wesen einen ethischen Wert zu und will daher die Anerkennung der Leidensfähigkeit und die Achtung vor dem physisch-psychischen Wohlergehen eines jeden Menschen auf die Natur bzw. alle empfindungsfähigen Wesen ausdehnen.
Das Argument baut sich folgendermaßen auf: Die Fähigkeit zu empfinden lässt sich bei sehr vielen Lebewesen feststellen. Nicht nur Menschen unterliegen dem Lustprinzip, dem Streben nach Lustgewinn und der Vermeidung von Unlust. Die Bewertung oder das Erleben von positiven und negativen Widerfahrnissen bzw. Einflüsse auf das gute Leben ist subjektiv und wird individuell unterschiedlich empfunden.
Nach gängigem Moralkonzept gilt eine Handlung dann als moralisch richtig, wenn die Interessen und das Wohlbefinden aller beteiligten Menschen in gleicher Weise geachtet werden.
Tiere haben jedoch ebenfalls Interessen bzw. ein gutes Leben. Ihnen den moralischen Status auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Spezies abzusprechen ist nichts weiter als Spezieszismus. Darum muss also moralisches Handeln auch auf das gute Leben von Tieren Rücksicht nehmen. Anhänger der Moralphilosophie Kants oder des Kontraktualismus hingegen sind der Meinung, dass nur solche Lebewesen einen moralischen Status besitzen, die über eine Vernunft verfügen und Verträge unterzeichnen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Umweltethik als Disziplin ein und stellt die Kernfrage nach dem moralischen Umgang des Menschen mit seiner natürlichen Umwelt.
2. Anthropozentrismus und Physiozentrismus: Dieses Kapitel definiert die zwei grundlegenden Perspektiven der Naturbewertung: den Anthropozentrismus als wertzentriert auf den Menschen und den Physiozentrismus als wertzentriert auf die Natur an sich.
3. Der Physiozentrismus: Hier werden verschiedene physiozentrische Argumente vorgestellt, die der Natur einen eigenständigen moralischen Status zuerkennen, darunter das Pathozentrische, Teleologische und das Argument der Ehrfurcht vor dem Leben.
4. Anthropozentrismus: Dieser Abschnitt behandelt anthropozentrische Ansätze, die den Schutz der Natur aus menschlichen Bedürfnissen, ästhetischen Erfahrungen oder dem Streben nach Sinn ableiten.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für einen realistischen Mittelweg, der pathozentrische Rücksichtnahme mit einer epistemisch-anthropozentrischen Perspektive verbindet.
Schlüsselwörter
Umweltethik, Anthropozentrismus, Physiozentrismus, Pathozentrismus, Biozentrismus, Ökozentrismus, Natur, Naturschutz, Eigenwert, Moral, Spezieszismus, Eudaimonie, Nachhaltigkeit, Epistemologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Umweltethik und untersucht das moralische Verhältnis des Menschen zur Natur.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung und Anwendung anthropozentrischer und physiozentrischer Moralvorstellungen im Kontext der Natur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die verschiedenen Begründungsmodelle für den Naturschutz zu analysieren und ein Rüstzeug für die allgemeine Naturschutzdebatte bereitzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich primär auf die Analyse des aktuellen Standes der Umweltethik, basierend auf dem Aufsatz von Angelika Krebs, ergänzt durch die Positionen führender Vertreter der jeweiligen ethischen Strömungen.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Im Hauptteil werden detailliert physiozentrische Argumente (wie das pathozentrische oder teleologische Argument) und anthropozentrische Argumente (wie das Aisthesis- oder das Heimat-Argument) gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Anthropozentrismus, Physiozentrismus, moralischer Eigenwert der Natur und die anthropologische Grundoption eines guten Lebens.
Was genau ist mit der "Ehrfurcht vor dem Leben" nach Albert Schweitzer gemeint?
Das Konzept bedeutet, dass alles Leben an sich heilig ist und daher eine moralische Rücksichtnahme erfordert, unabhängig von einer menschlichen Wertschätzung oder Nützlichkeit.
Warum wird der "Spezieszismus" in der Arbeit kritisiert?
Der Spezieszismus wird kritisiert, weil er Interessen nur aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten biologischen Spezies diskriminiert, was laut Vertretern wie Peter Singer ungerechtfertigt ist.
Was besagt das "Holismus-Argument" in Bezug auf den Menschen?
Der Holismus betrachtet den Menschen nicht als losgelösten Beobachter, sondern als integralen Teil eines komplexen Systems Natur, wobei das Streben nach einem guten Leben das Gesamtwohl der Natur mit einschließen sollte.
Warum ist laut Fazit ein "Mittelweg" notwendig?
Ein Mittelweg ist notwendig, da der Nachweis eines absoluten Eigenwerts der Natur aus menschlicher Erkenntnissicht schwierig bleibt und eine rein anthropozentrische Sicht der Umweltkomplexität oft nicht gerecht wird.
- Arbeit zitieren
- Marc Niendorf (Autor:in), 2009, Umweltethik - der eudaimonische und moralische Wert der Natur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210831